WMF, ein gutes Gespann aus Club und Label...
Selbst den Freunde gediegener Clubmusik und guter Parties, die nicht das Vergnügen haben im wunderschönen Berlin zu wohnen, dürfte bei WMF mehr als "Messer, Gabel, Löffel und was weiß ich noch für Haushaltszeug" einfallen.
Genau, der legendären Club. der ja nebenbei auch noch der mobilste Deutschlands ist und insgesamt schon fünf verschieden Location in der Hauptstadt mit seiner Anwesenheit beehrte. Bekannt wurde er jedoch durch die jedesmal auf ein neues mit viel Energie, Kreativität und Liebe umgesetzte Deko, die den Besucher mal in ganz andere Welten der Clubculture entführte. aber natürlich auch durch den hervorragenden Sound, egal ob jetzt von Residents oder Gästen serviert. So steht der Name des Clubs auch für einen von ihm geprägten Sound, der durch Künstler, wie Highfish & Diringer, Mitte Karaoke, Kotai, Offpop, Nikakoi u.v.a. in den schillerndsten Farben repräsentiert wird. Es entwickelten sich zu der Musik drei unterschiedliche Veranstaltungsreihen, "Nighteffect", "(komfort.labor( und "Audio Video Disco", mit eigenen Residents, die mit ihren geladenen Gästen einer konkreten Stilrichtung folgten. So entstand "The Sound of the WMF" !
Anfang März diesen Jahres hieß es dann auch leider für Club Nr.5 in der Ziegelstrasse, Berlin/Mitte ", Time To Say Good Bye" und es wurde mit zwei unvergesslich berauschenden Parties der Abschied gefeiert. Im Moment ist nach der Schließung leider noch keine neue Location in greifbarer Nähe, jedoch kann man sich darauf verlassen, dass das WMF Team hart daran arbeitet und es auch zum sechsten Mal eine Opening Party geben wird.
Zusätzlich zum Club entstand im Jahre 2000 das entsprechende Label, WMF Records, um genau diesen "Sound of the WMF" auf einen Punkt zu bringen und zu veröffentlichen. Bis jetzt hat dies auch einwandfrei geklappt, was diverse Compilations, Alben und 12inches auf WMF Rec. belegen.
Nun im Jahr, in dem das Label zwei Jahre alt wird, hat sich Techno Online darum bemüht etwas mehr zu erfahren, um mehr erzählen zu können.
Birgit Herda, zuständig für Promotion, Marketing und PR-Angelegenheiten, kurz "the Communicator" des Labels, stand bereitwillig und ausführlich Rede und Antwort auf die Fragen unserer Redaktion.
TO (Techno Online):
Unter welchen Umständen und wie entstand die Idee ein Label zu gründen?
Birgit:
Als der WMF Club Nummer 4 in der Johannisstrasse sich 1999 seinem
Ende näherte, und keiner wußte, wie und wann es weiter gehen sollte,
wollten wir wenigstens die Musik, die der Soundtrack zu vielen
fantastischen Parties war, auch in einer WMF-freien Zeit konservieren
und so die Erinnerung wach halten. Aus diesem nostalgischen Gedanken
entstand die erste Compilation "Nighteffect.1" (2000), die eigentlich
auch nur Freunde versammelt, die dem WMF sehr verbunden waren und
sind. Sie kam dann fast zeitgleich mit dem neuen WMF Nummer 5 in der
Ziegelstrasse in die Läden, was so nicht geplant und absehbar war,
aber ein schönes Zusammentreffen. Bei der Arbeit an dieser
Compilation entwickelte sich bei allen Beteiligten (dem Compiler Dj
Highfish, dem Clubbesitzer Gerriet Schultz und der Club
Promoterin/Bookerin Birgit Herda) eine Liebe zur Materie, die dann
ein halbes Jahr später zur Labelgründung führte.
TO:
Wie verlief dann die Gründung? Wer gründete es und Wo und Wann?
Birgit:
Durch die erste Compilation gab es zumindest in Berlin eine gewisse
Aufmerksamkeit für WMF Records. So stieß Atilano González zu der
kleinen WMF Records Aktivistengruppe, der vorher bei Studio K7!
gearbeitet hatte und das notwendige Wissen für die Gründung und
Führung eines Labels mitbrachte. So war dann recht schnell ein
Kleeblatt von Risikobereiten Musikfreunden gefunden. Die WMF
Entertainment GmbH wurde dann im Januar 2001 von Martin Dobbeck,
Gerriet Schultz (beide WMF Betreiber), Atilano González und Birgit
Herda in Berlin gegründet, wobei Gerriet, Atilano und Birgit
Geschäftsführer mit unterschiedlichen Aufgabenbereichen sind. Gerriet
kümmert sich als A&R um die Künstler und zieht möglichst neue an
Land, Atilano ist der eigentlliche Geschäftsführer und betreut
Produktion, Lizenzen und Kooperationen, Birgit ist der Kommunikator,
ist also verantwortlich für Promotion, PR und Marketing. Dj Highfish
ist weiterhin Compiler und Gastgeber des "Flavours" Nighteffect,
ansonsten aber zu sehr mit seiner Karriere als Dj und seit neuestem
auch Produzent beschäftigt, um sich regelmäßig ins Daily Business
einzuklinken. Mit Events sind je nach Zeit alle drei Entertainer
beschäftigt. Das Out-Booking der Records Künstler betreut im
wesentlichen Johanna Grabsch (Promoterin/Bookerin des WMF Clubs) in
Zusammenarbeit mit Birgit.
TO:
Wie kam es zu Name und Logo ?
Birgit:
Der Name ist natürlicherweise aus dem WMF Club entstanden, aus dem
heraus sich die erste Compilation entwickelte und der auch inhaltlich
die ersten sechs Compilations bestimmt hat : Hier wurden durchgehend
Residentteams aus dem Club gebeten, ihren Clubabend in form einer CD
zu präsentieren. Der WMF Club arbeitet schon von Anfang an, also seit
1991, mit dem Video Künstler Daniel Pflumm (Elektro Music Department
/ Galerie Neu! Berlin) zusammen, der dann auch das WMF Logo
entwickelte. Daniel Pflumm hat weiter diverse Flyer für den Club
gestaltet. So war es nahenliegend, ihn auch um die Entwicklung des
WMFREC Logos zu bitten. Daniel Pflumm hat dann auch die erste
Compilation und die ersten vier Vinyl Auskopplungen gestaltet, den
WMF/WMFREC Webauftritt designt und gerade das Artwork für alle
Veröffentlichungen von Kotai auf WMFREC gemacht.
TO:
Welche Philosophie steckt hinter dem Label?
Birgit:
Das Label steht genau wie der WMF Club für einen sehr persönlichen
und engagierten Umgang mit Musik. Es gibt bei beiden immer das
Bemühen, neben guter Unterhaltung auch ein kleines Stück für die
Ewigkeit zu schaffen. Es gibt immer den Anspruch, etwas Besonderes
und Eigenartiges zu machen, nicht nur auf Hits und Stars zu setzen,
sondern auch unbekannten Musikern und Djs eine Plattform zu bieten,
wenn man gut findet, was sie machen. Genauso wichtig ist der
persönliche Bezug zu Künstler und Produkt. Es geht schon auch um
gegenseitige Sympathie und gegenseitigen Respekt. Das WMF hat über
die Jahre eine regelrechte Familie um sich versammelt und hat sich
auch nie in Professionalität verloren, sondern immer eine Art
subkulturellen Charme bewahrt, der sich immer auch im Look des Ladens
äußert. Diesen speziellen Style nimmt das Label nicht nur über die
Namensgebung und das abwechslungsreiche Artwork auf. Entscheidungen
über Releases sind immer das Resultat einer gemeinsamen Diskussion,
zu der im Zweifelsfall auch andere Freunde und Fachleute hinzugezogen
werden. Alle müssen überzeugt sein, daß der Release nicht nur dem
Zeitgeist huldigt, sondern einen eigenen, individuellen Charakter hat.
TO:
Welche Ziele hat sich die Labelführung gesetzt ?
Birgit:
WMFREC ist ein offenes Prinzip. Letztlich können wir uns vieles bei
uns vorstellen. Als einzige Überschrift sollte über jedes unserer
Produkte "Clubmusik" passen, aber das ist ja durchaus ein weites
Feld. Und wir müssen alle unser OK geben. Es gibt also immer
mindestens drei sehr unterschiedliche Meinungen, die auf einen Nenner
kommen müssen.
TO:
Wie war die Entwicklung,das Erwachsenwerden des Labels von der Gründung
bis jetzt? Was hat sich gewandelt?
Nachdem sich WMFREC 2001 mit 6 sehr verschiedenen Compilations einem
genauso unterschiedlichen Publikum vorgestellt hat, veröffentllichen
wir 2002 ein Artist Album nach dem anderen, die wiederum sehr
verschiedene Geschmäcker bedienen. Das fühlt sich sehr gut an und
rundet das Label erst so richtig ab. Eine gute Mischung aus Clubmusik
Compilations, Künstleralben und Vinylen wird auch weiterhin WMFREC
ausmachen. Gemeinsame Basis ist WMFREC, es gibt darüber hinaus drei
Sublabels als Orientierungshilfe, um den Fan nicht in die totale
Verwirrung zu stürzen ob der Vielfältigkeit der Musikstile, die das
Label unter die Leute bringt. Insbesondere die Compilations erhalten
so eine Sortierung. AudioVideoDisco steht für House und wird von
Dixon und Mitja Prinz betreut und ist im wesentlichen eine
Compilationserie. Die erste AVD wurde dann auch von den Gastgebern
zusammengestellt und gemixt. In Zukunft werden aber auch Gastcompiler
eingeladen oder, wenn vorhanden oder möglich, Tracks veröffentlicht,
so wie gerade mit der Mitja Prinz Maxisingle "Liar" (ep009).
Nighteffect ist der Flavour von Dj Highfish. Tech-House, Minimal und
Elektro bestimmen dieses Sub, das mit zwei "Nighteffect" Compilations
(die zweite in the Mix von Highfish), dem bejubelten Artist Album von
Kotai auf CD und LP -, sowie 8 EPs sehr aktiv ist. Mit Kotai´s
"Sucker Dj" und dem Remix von Dj Highfish ist hier sogar ein kleiner
Hit entstanden. Die dritte Geschmacksrichtung, [komfort.labor],
versammelt Elektronische Experimente verschiedenster Ausrichtung. Die
Compilationserie [komfort.labor] presents...hat bisher das Label
~scape, die u.a. als Radiosendung aktive lockere Formation Ocean Club
und die Audio-Softwareentwickler Native Instruments vorgestellt. Als
erstes Künstleralbum ist hier gerade der Georgier Nikakoi positiv
aufgefallen. Diese Flavours sollen aber nicht zwanghaft zur
Kategorisierung von Veröffentlichungen führen. Es werden also auch
Releases einfach auf WMFREC rauskommen, wie jetzt die kommenden Mitte
Karaoke Sachen, das Album "Aufschlag" und die Maxis "Pandabär",
"Erster Aufschlag" und "Zweiter Aufschlag". Mal sehen, was sonst noch
so kommt. In Planung ist derzeit eine kleine Vinylreihe unter dem
Titel "Inzest", die aber noch nicht richtig definiert ist. Wir lassen
uns überraschen.
TO:
Welchen Stellenwert hat bei Euch die Artwork? Cooperate Identity, gibt es
die?
Birgit:
CI ist über das WMFREC Logo abgehandelt. Das ist die gemeinsame Basis
aller Veröffentlichungen. Ebenso gibt es Typo-Logos zu
AudioVideoDisco, Nighteffect und [komfort.labor]. Darüber hinaus
lassen wir den Künstlern und Compilern freie Hand in der Wahl des
Grafikers, mit dem sie gern arbeiten und der am Besten ihren Stil
visualisiert. Da sind wir ganz entspannt. So entstehen dann auch
einzelne Produkte aus einem Guß, und WMFREC präsentiert sich in
seiner ganzen Vielfalt auch dem Auge. Einzige Ausnahme sind Marketing
Maßnahmen wie Anzeigen, die alle von der Agentur It´s Immaterial
Berlin gestaltet werden. Da macht sich ein geschlossener Auftritt
wegen des Wiedererkennungseffekts positiv bemerkbar.
TO:
Wer ist denn für Eure Artwork zuständig?
Birgit:
Wir arbeiten regelmäßig mit It´s Immaterial und Daniel Pflumm
(seltsam.com) zusammen. Gastgrafiker waren bisher: Bernd Rose für die ~scape, Walter Schönauer (pentagon) für die Ocean Club, Nitrada (fork
unstable media) für die Native Lab (N-I), Marc Laubinger für die
Nighteffect.2, Goslab für die Nikakoi. Neue Partner ergeben sich
durch neue Projekte.
TO:
Definition WMF Records Style?
Birgit:
Diversity rules.
TO:
Was hat sich WMF Records für die Zukunft vorgenommen, welche Ziel sollen
erreicht werden?
Birgit:
Wir haben keine hochfliegenden Pläne, wir wollen einfach weiter das
machen, was uns Spaß macht - WMF Records eben.
TO:
Vielen Dank für dieses supernette Gespräch und das Beste für Euch und Euer Label in der Zukunft...
JK / Techno Online