DJ Tonka Interview
Interview mit DJ Tonka im Dezember 2001:
"Don't be afraid (to let yourslf go)..."
Diese Zeile ist uns zusammen mit der eingängigen Melodie als einer der Sommerhits 2000 im Kopf geblieben. Vater diese Funky House Tracks ist der junge DJ, Remixer und Producer Tonka, dessen Song schon auf der Music Winter Conference 2000 in Miami für Furore sorgte.
Schon früh begann die Karriere des gebürtigen Mainzers und so war er trotz seiner jungen Jahre von Anfang an dabei, als House, Techno und Breakbeat geboren wurden. Erste Erfolge feierte er in Kooperation mit seinem ehemaligen Schulkameraden und Freund Ian Pooley mit Veröffentlichungen auf dem Frankfurter Label Force Inc.. So produzierten sie damals unter dem Pseudonym Space Cube die E.P.-Reihe "Kool Killer 1-3"(Breakbeat) und unter dem NamenT'N'I die "Depart E.P."(House). Doch auch als DJ startete er durch, war Resident bei den "Brückenkopf-Events" in Mainz und dann später als Global Player in den Clubs der ganzen Welt. Zusätzlich etablierte er sich auch im Bereich des Remixens und verhalfmit seinen so typischen Tonka- Breaks, -Beats und -Samples so manchem Song zu weiterem Ruhm. 1998 gründete er mit Uplifting Rec. sein eigenes Label, wobei allein schon der Name den Kern seiner Musik wiederspiegelte. Anfang 2000 wurde es wieder verworfen, um Platz zu schaffen für den Neustart in Form von Vivienne Records, auf dem auch "Don't be afraid..." am 17. April 2000 releast wurde.
Durch all diese Erfahrungen geprägt steht sein Name für strahlende, elektronische Tanzmusik, die einfach gute Laune verbreitet, so z.B. sein Song "The Night, She Knows You".
Nun nach einer etwas längeren Schaffenspause meldet sich Tonka mit "Heartjumpa" wieder zurück, und das mit voller Kraft. Zugleich ist es auch der erste Release auf seinem neuen Label Chiptunes. In gewohnter Tonka-Manier besticht der Track durch ausgeklügelte Breaks, intellegente Beats und strahlende Melodie. Jedoch ist das Stück alles andere als "Four-To-The-Floor" und knüpft somit an seine Breakbeat-Releases unter dem Pseudonym Spacecube auf Force Inc. an.
Techno Online traf am 11.12.2001 den viel beschäftigten Künstler in einer ruhigen Minute in einem Berliner Hotel für ein kurzes Interview. Relaxt liess man sich in einem der riesigen und gemütlichen Sofas der Hotel-Lobby nieder und wechselte ein paar Worte.
Morgen am 12.12.2001 finden im Grünspan/Hamburg die dritte German Dance Awards statt. Soweit ich weiss wirst auch Du mit dabei sein und am nächsten Tag für Interviews zu Verfügung stehen. Die Stimmen zu dieser Veranstaltung sind ja geteilt. Was ist Deine Meinung zu dieser Einrichtung, wie wichtig sind sie für Dich?
Tonka:
Da ich bis jetzt noch nicht dort war, bin ich auch bis jetzt noch nicht von ihnen betroffen gewesen und besitze auch keine grosse Meinung zu diesem Thema. Dementsprechend habe ich auch keine grossen Erwartungen in sie. Der Grund weshalb ich sie besuche ist die Promotion meines neuen Tracks "Heartjumpa" , und um sie mir einfach mal anzuschauen.
Im Vorfeld der GDA 2002 gab es einige Schwierigkeiten und Hindernisse, so z.B. wurden sie aufgrund mangelnder Sponsoren einstweilig abgesagt und erst in ziemlich abgespeckter Aufmachung wieder für den 12.12. festgesetzt. In Zusammenhang mit diesen Ereignissen stand ein allgemeiner Rückgang der Umsatzzahlen im Dancebereich der Musikindustrie. Ernüchterung hatte sich breitgemacht. Wie stehst Du dazu?
Tonka:
Natürlich bin auch ich mit meinen Aktivitäten in der Dancszene verwurzelt und habe auch diese Entwicklung mitbekommen. Jedoch bin ich bei mir zu Hause in Mainz, wo auch mein Studio sitzt, leicht abgeschirmt und etwas distanziert von der ganzen "Szene". Somit ist man auch nicht so direkt betroffen und spürt es nicht sofort, wie z.B. in den Zentren Hamburg, München oder Berlin.
Was auf alle Fälle unbestritten ist, dass die deutsche Danceszene im Moment leicht am Hinken ist. Das hat mit einer allgemeinen Stagnation der Wirtschaft zu tun, da dadurch zwangsläufig auch die Absatzzahlen der Tonträger sinken. Auf der anderen Seite ist Napster, die Möglichkeit kostenlos irgenwo MP3-Files runterzuladen und die einfache Vervielfältigung von CDs durch Brennen, daran Schuld, dass die Leute weniger CDs kaufen. Aber das wird sich auch wieder stabilisieren, z.B. es sind ja schon einige kostenpflichtige Download-Seiten am Sart.
Jetzt mal von den wirtschaftlichen Ereignissen der Industrie in der heutigen Zeit zu Deinen persönlichen Anfängen und ersten Schritten. Wann und vielmehr wie bist Du eigentlich zur Musik gekommen? Welche Einflüsse prägten Dich zu Deinen Anfängen?
Tonka:
Die Liebe zur Kunst und Musik ist mir im wahrsten Sinne des Wortes in die Wiege gelegt worden. Ich stamme aus einer Künstler- und Musikerfamilie, Vater, Mutter, meine Schwester, alle sind sie künstlerisch aktiv, von daher war es nur selbstverständlich, dass auch ich diesen Weg einschlagen würde. So z.B. ist meine Schwester, die Graphikdesignerin ist, massgeblich am Artwork für meine Projekte beteiligt, hat das Cover für "Heartjumpa" mitentworfen oder das neue Tonka-Logo.
Los ging es dann mit der Musik Anfang der 80er, da habe ich zu anfangs noch mit Tapes, die wir im Radio aufgenommen hatten, gemixt, da Platten einfach zu teuer waren. Dann hat sich Alles Stück für Stück entwickelt. Stark beeinflusst wurde ich zu dieser Zeit durch den Sound der Italo-Disco-Ära, was für mich heute noch prägend für meine Musik ist.
Grad im DJ-Bereich ist es fast nicht möglich Dich einer Stilrichtung zuzuordnen. Wie würdest Du selber Deinen Style bezeichnen?
Tonka:
Bei mir läuft das während des Sets immer in Phasen ab, somit wechselt die Richtung in die ich tendiere immer wieder. Jedoch liegt auf alle Fälle der Schwerpunkt auf Uplifting und Disco House. Gemeinsamer Nenner ist, dass der Sound einfach grooven und eine gewiise Harmonie vorhanden sein muss. Ähnlich verhält es sich bei meinen eigenen Produktionen. Wenn ich mit Samples arbeite lege ich viel Wert darauf, dass das Endprodukt ein homogenes, harmonisches Gesamtbild abgibt.
Wenn Du Deine Sets zusammenstellst und sie dann umsetzt, nach welchem Prinzip gehst Du dabei vor? Eher nach Plan oder aus dem Bauch heraus?
Tonka:
Ich nehm von vornherein schon einmal nur eine ausgesuchte Anzahl an Platten mit auf Tour oder in den Club, einen Koffer mit dabei und ein weiteren in Reserve, damit ich bei einer längeren Tour variieren kann. Somit leiste ich schon zu Hause beim Bestücken meiner Koffer eine gewisse Vorarbeit und lege einen groben Rahmen fest. Dann geh ich immer mindestens eine Stunde vor Beginn in den Club und lasse die Atmosphere auf mich wirken. Meistens frage ich auch beim Personal oder dem Besitzer nach, auf was für einen Sound die Leute so stehen, worauf sie so abgehen. Nach diesen Eckpunkten baue ich mein Set auf, was jetzt nicht heisst, dass ich mich nur danach richte. Denn auch Bewegung und Abwechslung ist sehr entscheidend für meine Sets.
Gibt es auch neben der Musik Aspekte der Kunst die Dich interessieren? Wie wichtig ist für Dich z.B. Fashion?
Tonka:
Wie schon zu anfangs erwähnt kümmere ich mich gemeinsam mit meiner Schwester um die gesamte Artwork, die bei meinen Proojekten anfällt, so z.B. das Logo habe ich in Zusammenarbeit mit ihr entworfen. Graphikdesign hat mich schon immer gereizt und wäre ich nicht bei der Musik gelandet, hätte ich es wahrscheinlich studiert, so wie meine Schwester.
Jetzt im Bereich Mode würde ich mich nicht unbedingt als reines Fashion-Victim bezeichnen, jedoch ist es mir schon wichtig gut gekleidet zu sein, eher in die legere, sportliche Art, Hip Hop Style. Wenn ich mal shoppen gehe und ich irgendwas finde, was mir sehr gut gefällt, dann kauf ich es gleich mehrmals, z.B. die Hose die ich gerade trage, besitze ich noch in zwei anderen Farben. Ein wahnsinniges Faible, schon fast eine Art Sucht, von mir sind die Skateshirts. Die kauf ich mir ständig, wichtig dabei sind die Logos, die drauf zu sehen sind, bunte,coole Embleme haben es mir angetan. Solche T-Shirts hängen haufenweise im meinem Kleiderschrank. Ähnlich geht es mir bei Jacken, da liegt auch noch eine kleine Schwäche.
Mit Deiner neuen Breakbeat- Single "Heartjumpa" hast Du Dich nach einer etwas längeren Schaffenspause wieder zu Wort, oder vielmehr Tonl, gemeldet. Was steht jetzt an, welche Pläne hast Du für die nahe Zukunft? Auf was wirst Du Dich besonders konzentrieren?
Tonka:
Als erstes erscheint nun im Dezember auf Vivienne eine neue Housescheibe mit dem Namen J.O.E. (Jungle of Emotion), die dann im Februar als CD in den Regalenstehen wird. Daneben bin ich gerade dabei einen wahren Houseklassiker zu remixen, der bald auf Vinyl erscheinen soll, mehr darüber wird nicht verraten. Natürlich bin ich auch kontinuirlich dabei an meinem eigenen Artist-Album zu arbeiten. Das sind so die Sachen, denen mein Hauptaugenmerk gelten wird in der nächsten Zeit.
Vielen Dank für Deine Zeit und Danke für das Interview und natürlich The Best For The Future...
Tonka:
Danke!