
Steve Bug beglückt die Fangemeinde seines weltweit hochgeschätzten Labels Poker Flat in den nächsten Tagen mit seinem dritten Soloalbum - einer hervorragenden Mischung aus anspruchsvollen minimalen Housebeats und experimentelleren Ausflügen in downbeatorientierte Gefilde. Techno-Online gelang es, sich mit dem Protagonisten der deutschen House-Szene in Berlin zu treffen, um über sein am 23. September 2002 erscheinendes Album "Sensual" zu plauschen aber auch über verschiedene andere Sachen Näheres zu erfahren.
Techno Online (TO): Wie entstand die Idee zum Album bzw. welcher Grundgedanke steckt hinter "Sensual"?
Steve Bug: Wichtig war für mich von vornherein, einen Schritt weiterzugehen und nicht stur an mein letztes Album anzuknüpfen. Ich habe versucht Momentaufnahmen verschiedener Emotionen in "Sensual" zu reflektieren. Dabei habe ich diesmal vollkommen auf Samples verzichtet und die meisten Sachen selber eingespielt, also kein Patchwork wie früher. Warme Sounds und minimale Strukturen habe ich aber weiterhin in meine Tracks einbezogen, sie sind sozusagen, bestimmende Faktoren, die in keiner meiner Produktionen fehlen dürfen. Alles in allem, sollte, wie der Name "Sensual" schon andeutet, der sinnliche Charakter im Vordergrund stehen und auch zum Ausdruck kommen.
TO: Welche Instrumente hast du für dein Soloalbum verwendet?
Steve Bug: Eine ganze Menge aber letztendlich waren der Virus und der Nordlead 2 die bestimmenden Synths für die warmen Sounds. Sie klingen annähernd analog und bieten alle Vorzüge eines modernen Synthesizers. Für die Beats habe ich hauptsächlich den Emu-Sampler verwendet.
TO: Wo hast du das Album produziert?
Steve Bug: Hier in Berlin! Gemastert wurde das Ganze dann in Hamburg.
TO: Bei dem Track "All I Need" hast du sehr schöne Vocals integriert. Von wem stammen die Vocals?
Steve Bug: Die Vocals stammen von Virginia Nascimente. Ich fragte sie, als ich gerade am Erstellen der Raw-Version dieses Tracks war, ob sie nicht Interesse daran hätte ein paar Sachen einzusingen. Sie sagte zu und ich schickte ihr daraufhin meine Version und bestimmte Muster als Vorlage. Nach den Aufnahmen in München, schickte mir wiederum Virginia die Vocals nach Berlin und ich baute diese in meine Version ein, bis daraus letztendlich irgendwann der fertige Track "All I Need" entstand.
TO: Die Fertigstellung deines Albums zog sich über einen ungewohnt langen Zeitraum hin. Wieso dauerte es so lange und betrachtest du die Verzögerung eher als negativ oder positiv?
Steve Bug: Durch unzählige DJ-Gigs in Übersee und nicht zuletzt häufige Remixaufträge, wie zum Beispiel für Richie Hawtin verlief die Arbeit am Album ziemlich schleppend. Doch sehe ich tatsächlich durch diese Verzögerung einen positiven Nebeneffekt. Man arbeitet über einen gewissen Zeitraum und lernt in diesem natürlich stetig dazu. Durch die Remixe und Co-Produktionen, habe ich weiter hinzugelernt und konnte mein neues Wissen in meine Musik einfließen lassen. Genauso erweitert sich der musikalische Horizont über eine bestimmte Zeit und dies spiegelt sich gerade in den Produktionen wieder. Ich bin froh, dass ich etwas mehr Zeit in "Sensual" gesteckt habe und auch hinter all den vorhandenen Tracks stehen kann und sie alle ein Stück von mir reflektieren
TO: Arbeitest du allein an deinen Produktionen?
Steve Bug: Also grundsätzlich arbeite ich sehr gern allein an meinen Sachen. Aber verschiedene CO-Produktionen mache ich hin und wieder sehr gerne. Wie schon angesprochen habe ich mit Richie Hawtin einige Tracks produziert, die dann voraussichtlich auf dem Label "Minus" erscheinen werden.
TO: Wie oft legst du auf?
Steve Bug: 2 bis 3 Mal in der Woche. Bin ich auf Tour, dann spiele ich auch schon mal mehrmals die Woche.
TO: Hast du einen Klassiker?
Steve Bug: Oh, da gibt es sehr viele für mich. Diese aber jetzt alle aufzuzählen, würde den Rahmen etwas sprengen. Aber eine Platte die ich derzeit tatsächlich immer spiele ist die "Papper 49".
TO: Was hörst du privat?
Steve Bug: Privat höre ich sehr wenig Musik. Dadurch, dass ich fast rund um die Uhr mit Musik zu tun habe, nehme ich da lieber etwas Abstand. Ansonsten aber sehr ruhige Musik, wie Deep-House, R'n B oder auch etwas Hip Hop.
Das Interview führte P.Grosser.
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