Steffen Nehrig
Interview mit Steffen Nehrig (Deutschland) im Januar 2004:
Techno Online: Wie bist Du zur Musik gekommen?
Steffen Nehrig: Musik begeisterte mich schon als Kind. Als 10 jähriger spielte ich Gitarre, dann im Alter von 12 - 4 Jahre Schlagzeug. Ich konnte mich schon immer stundenlang nur mit dem analysieren von Tracks beschäftigen seien es Akkorde, Textpassagen oder Drumabläufe.
Zum Infekt mit dem Techno-Virus kam es dann durch die vielen Frankfurter Clubs, allen voran der "Box" von DJ T und Ata's Wild Pitch Club im "Nachtleben" so um 1995. Von der Aussagekraft diverser Tracks welche ich dort hörte, wurde ich in den Bann gezogen selbst Platten zu drehen.
Techno Online: Was hörst Du privat?
Steffen Nehrig: Von Urgestein her höre ich mir immer noch gerne Heavy- & Pop- Musik von "früher" an, Metallica, Rage against the Machine, Depeche Mode etc ...
Was Textmaterial angeht können meiner Ansicht nach nur wenige Künstler Herbert Grönemeyer das Wasser reichen. Musik ist und wahr schon immer ein wichtiger Bestandteil meines Lebens, von daher höre ich mir Musik in den unterschiedlichsten Variationen an. Wichtig ist mir immer das der Künstler was auf dem Kasten hat und nicht nur durch Medien in das Musikbusiness katapultiert wurde. Alles in allem geht von elektronischer Musik, über Rock bis hin zu Elektro-Pop viel an mich ran.
Techno Online: Deine erste Platte?
Steffen Nehrig: Mood 2 Swing Move me, Call me (Music for your ears).
Techno Online: Wie oft legst Du auf?
Steffen Nehrig: Wie die meisten DJ's bin ich schon schwer süchtig danach hinter dem Mixer zu stehen.
Ich versuche mir meine Bookings immer so einzuteilen, dass jedes Wochenende mindestens ein Event auf mich wartet. Das bedeutet zwischen 4 & 6 mal im Monat zu spielen.
Techno Online: Was sagst Du zur Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der elektronischen Musik?
Steffen Nehrig: Ich möchte an dieser Stelle wirklich nur über die Musik sprechen und nicht über die Menschen die diese Musik hören. Alle Menschen die elektronische Musik hören halten sie auch gleichzeitig am Leben. Ich mag keine negativen Analysen von wegen "früher war alles besser" - keep the shit alive !
Das ist das wichtigste.
Ich denke die Musik entwickelt sich immer weiter voran und das auch im positiven Sinne. In den letzten Jahren haben sich unendlich viele Richtungen elektronischer Musik gebildet und das ist auch gut so. Viele DJ's präsentieren unterschiedliche Styles und es hört sich nicht mehr so vieles gleich an wie früher. Teilweise kann man z.Z. auch eine Zurück-entwicklung in die Acid Schiene entdecken was auch sehr interessant ist.
Für die Zukunft wünsche ich mir, dass gerade jungen talentierten Künstlern mehr Möglichkeiten geboten werden ihren Teil zur Weiterentwicklung der Club & Pruducing Szene beizutragen. Es kann und darf nicht sein, dass die Ur-Buddhas des Techno's bis zu Ihren Todestagen auf dem Thron hocken bleiben und alles um sich herum für sich beschlagnahmen. Wäre toll, wenn einige Techno Opi's das auch langsam einsehen würden.
Techno Online: Bist Du Deinem Stil treu geblieben oder ziehst Du bei Trends mit?
Steffen Nehrig: Vom Stil her bin ich mir auf jeden Fall treu geblieben. Ich spiele schon immer Tracks die MIR gefallen. Ich stehe schon immer auf Techno angetatschtes House. Natürlich hat sich auch bei mir der Stil weiterentwickelt aber ich würde nicht sagen das ich auf jeden Zug aufspringe nur um voran zu kommen. Ich möchte mit meiner Musik lieber Interesse wecken.
Techno Online: Dein schönster bzw. außergewöhnlichster Gig?
Steffen Nehrig: Schöne Gigs gab es unzählige.
Vielleicht an dieser Stelle einen außergewöhnlichsten Gig.
Im Jahre '97 spielte ich in Frankfurt auf einer Ausstellung zur Love Parade eines Berliner Künstlers. Irgendwann stand ich dann in einen Foyer eines Glashauses inmitten schick gekleideter Champagner schlürfender Snobs als plötzlich der Veranstalter ankam und sagte dass es gleich losgeht!?
Was los ging war, dass ein großes weißes Tuch auf dem Boden gespannt wurde, ein Menschenkreis drum herum stand und ein hübsches südländisches Mädchen in einem weißem Stretch-Anzug in mehrere Farbeimer sprang und zu meiner Musik und hellem Strobe-Gewitter heftig begann dieses weise Tuch auf dem Boden zu betanzen. Es entstand ein wirres Farbengetupfe und die ungefähr hundert Zuschauer amüsierten sich köstlich. Ein sehr aufregendes Ereignis vor meinen Augen.
Techno Online: Ein Klassiker?
Ohne Klassiker gibt es mich net zu hören ;)
Zu jedem guten DJ Set gehört auch mal der ein oder andere Hit aus jungen Jahren. Ein gern gespielter: Der Dritte Raum - Hale Bopp.
Techno Online: Engagierst Du Dich für den "Nachwuchs"? Wenn ja, wie?
Steffen Nehrig: Meine Booking Agentur "Next-Booking" ist schon immer schwer daran interessiert primär jungen Leuten eine Chance zu geben. Die Macher Chris Leetz & Oliver Keim bauen nun schon viele Jahre mit meiner Unterstützung eine eigene Szene im Frankfurter Raum auf, primär ohne Einwirkung von irgendwelchen "Stars".
Tendenziell kann man auch spüren, dass die Nachtschwärmer mehr und mehr bemerken, dass gerade auch junge Acts anspruchsvollen Sound bringen können.
Techno Online: Was ist Deine derzeitige Inspiration fürs DJing bzw. Produzieren?
Steffen Nehrig: Inspiration ist mehr eine spontane Sache bei mir. Mir fallen immer wieder neue Sachen ein die ich gerne vor Publikum ausprobieren möchte. Ein hoher Motivationsfaktor treibt hier die Inspiration stets voran.
Zur Zeit versuche ich mit einer strictly House Reihe "Harmonies" in der Frankfurter Stereobar einen eigenen Sound zu entwickeln der sich von meinem normalen "Clubsound" abhebt.
Techno Online: Deine Alltime Top 10?
Steffen Nehrig:
Orlando Voorn In Da Jungle (TAG)
Jesper Dahlbäck The Persuader - (Svek11)
Ian Pooley - Whats your Number Jazzanova Mix (V2 Recordings)
N.Y. Connection Bless the funk (Universal Language Prod.)
Mood 2 Swing Move me (Music for your ears)
Electric Soul Wateva (People)
Daft Punk Homework LP (Virgin)
Der dritte Raum - Hale Bopp (Virgin)
Mr. James Barth high society (Svek14)
Acid Jesus Interstate (Klang)
Kontakt:
http://www.next-booking.de
Das Interview führte M. Seifert.
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