Roland Casper
Interview mit Roland Casper im Februar 2002: (Teil 1 | Teil 2)
Roland Casper...
Er gehört zur ersten Generation von DJs und Producern, die es überhaupt möglich machten, dass sich Techno und Acid House in Deutschland verbreiten konnten. Dabei blickt er auf eine 14jährige Karriere als DJ, Producer, Labelowner von Essence, Resident in diversen Clubs, unter anderem dem Warehouse und Rave Club in Köln, und Partyveranstalter, verantwortlich für die "Psycho Thrill"-Partyreihe, zurück.
Im Januar diesen Jahres startete die neue Frisbee Tracks-Labeltour, die in den deutschen Traditionsclub mit Künstlern, wie Matthias Schaffhäuser, DJ Good Groove, Patrick Liundsey aka Voodooamt oder Paul Brtschitsch Station macht. Aus diesem Anlass wurde auch eine Labelcompilation unter dem Namen "Mach1" veröffentlicht (bei Techno Online als CD der Woche am 14.01.2002 gefeaturet). Unter den den Skills und mit der Erfahrung von Roland Casper entstand dieser überzeugende Mix treibenden Technomusik mit Groove, Flow und Funkiness aus ausgesuchten Releases des Frankfurter Labels. Der Name Schallgeschwindigkeit ist hier Programm und lässt kein Bein ruhig.
Techno Online traf sich mit dem Kölner zu einem kleinen Frage- und Antwortspiel im Cyberspace, um mit ihm über die Produktion der Mix CD und
seine Zukunftspläne als DJ und Producer zu sprechen.
Zuerst einmal Gratulation zu der gelungen Auswahl und dem genialen Mix auf "Mach1". Und nun zu den Fragen.
Techno Online: Wie gehst Du an eine solche Aufgabe heran?
Roland Casper: Zuerst höre ich mir alle Platten an und wähle danach die Tracks aus, die auf die CD kommen. Grundsätzlich gehe ich an eine Mix-CD heran, wie bei einem DJ-Set im Club. Schwieriger ist jedoch, daß ich hier nur auf ca. 10 Platten zurückgreifen konnte, die in ihrem jeweiligen Stil und ihrer Geschwindigkeit alle sehr unterschiedlich waren. Bei dieser CD habe ich die Reihenfolge der ersten 3 Platten vorher festgelegt und den Rest während der eigentlichen Aufnahme entschieden. Bei allen Mix-CDs versuche ich nur eine einzige Aufnahme zu machen, außer es geht ein Mix richtig schief. Hier war es auch die erste Aufnahme, die ich genommen habe. Kleinere Fehler gehören einfach dazu! Ich mag keine Mix-CDs die automatisch mit dem Computer gemixt worden sind.
In welchen Schritten läuft eine dementsprechende Produktion ab?
Bei dieser CD habe ich den Mix auf meine Hard-Disc aufgenommen, anschließend die Indizes gesetzt und die CD gebrannt. Das Mastering hat Good-Groove-Music übernommen.
Entspricht die CD einem Set, das Du bei einem Gig auflegen würdest?
Ja und Nein. Durch die Vorgabe als Label-Mix-CD ist natürlich eine Einschränkung der Auswahl da, die in einem DJ-Set so niemals vorkommt. Vom Stil und dem eigentlichen Mixen entspricht es schon einem Gig im Club, wie schon oben erwähnt
Bei "Mach 1" handelt es sich ja um eine Labelcompilation. Was hälst Du von der Compilation-Flut, die in der letzten Zeit über uns hereinbrach?
Ehrlich gesagt, bewußt habe ich diese Flut gar nicht mitbekommen. Im Plattenladen interessieren mich eigentlich nur die 12", die ich für meinen Job als DJ brauche.
Worin liegt Dein Hauptaugenmerk, im Produzieren oder im Auflegen? Und warum?
Es macht beides viel Spaß. Das ist für mich das wichtigste.
Wie hat alles eigentlich angefangen mit der Musik?
Ungefähr um 1984/85 gab mir ein Freund ein Mix-Tape aus einem Club in Köln. Wie sich später herausstellte war es ein Tape von Klaus Stockhausen, der im Coconut in Köln bis 1983 aufgelegt hat und danach Resident-DJ im Front (Hamburg) wurde. Es war das erste Tape , das perfekt gemixt worden ist, und die Musik auf dem gesamten Tape einfach genial war. Außerdem verstand er es die richtigen Titel miteinander zu verbinden. Nachdem ich das Tape mindestens 100x gehört hatte, fing ich an gezielt Platten zu kaufen, um sie mit 2 uralten riemengetriebenen Plattenspielern zu mixen.
An welchem Punkt Deiner Entwicklung als Künstler befindest Du Dich Deiner Meinung nach?
Es ist ein ewiger Lernprozeß, dem ich immer sehr kritisch gegenüber stehe.
Welches Resumee ziehst zu zurückblickend aus Deinem Schaffen?
Ich hatte die letzten 14 Jahre sehr viel Spaß! Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht, und das Glück hat nicht jeder.
Wie sieht die Zukunft aus? Welche Pläne hast Du?
Mein Hauptziel ist es, wieder mehr zu produzieren, aber den Job als DJ nicht zu vernachlässigen.
Definiere den heutigen Stand der Frankfurter Szene und die Rolle von Good Groove Music darin?
Zu dem Stand der Frankfurter Szene kann ich leider nicht so viel sagen. Ich lebe in der Nähe von Köln und bin nicht allzu häufig in Frankfurt. Ich weiß aber, das Good Groove Music in Frankfurt seinen festen Platz hat.
Deine erst- und zuletztgekaufte Platte?
Die erste, oder eine der ersten Platten die gekauft habe, war eine Compilation von K´tel oder Arcade mit dem Namen Disco Fever oder so ähnlich.
Die letzte Platte ist: G. Flame - house traitor e.p. (moody recordings).
Gab es in Deiner Laufbahn irgendwelche Einflüsse, die Dich stark prägten? Personen, Idole, Musikstile, Jahrzehnte etc.?
Es gibt 2 Haupteinflüsse: 1. House Music , deren Anfang so um 1985/86 war, und 2. Klaus Stockhausen, den ich 1986/87 oft im Front (Hamburg) gehört habe. Und er hat natürlich DAS TAPE gemacht, das auch heute noch einfach genial ist.
Beschäftigst Du Dich neben der Musik auch noch mit anderer Kunst (Literatur, Malerei...) ?
Weniger. Leider fehlt mir dafür die Zeit.
Wie wichtig ist für Dich Fashion?
Ist nicht so wichtig für mich.
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