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Recall 8 Interview
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"Wer die Wahl hat, hat die Qual". Mit diesem passenden Sprichwort, kann man wohl das schier unendlich erscheinende Angebot an Partys zum Love Parade Weekend umschreiben. Nationale und internationale DJ's geben sich kollektiv die Klinke in die Hand und bereichern mit vielversprechenden Namen die Line Up's der Partys. Doch das man auch ohne riesigem Line Up und millionenschweren DJ's, Impulse durch Techno-Musik setzt, dass zeigen wie so oft einige Partys am Rande des Umzuges. Die meist auf öffentlichen Plätzen oder Straßen zelebrierten Veranstaltungen, zeichnen sich durch riesige Besucherzahlen von mehreren tausend Feierwütigen aus und geben jedem Raver zugleich die Möglichkeit kostenlos und unter freiem Himmel zu feiern. Das Mekka diverser Partys wird, wie schon die Jahre zuvor, das Gebiet rund um den Breitscheidplatz sein.

Techno Online sprach in unserer Redaktion mit dem Mitveranstalter der "Miditonal Records Party" DJ Recall 8 über Partyexess, Techno und sein DJ-Dasein.

TO: Seit wann veranstaltest du diese Partys, wie kam es dazu, und wo findet eure Party statt?

Recall 8: 1998 fuhren meine Freunde und ich samt Anlage und Plattenspieler aus Richtung Chemnitz nach Berlin, um am Parade Wochenende, Leute von unserer "Definition of Techno" zu begeistern. Es stand also der Gedanke im Vordergrund, Techno-Musik zu spielen, egal wo, Hauptsache wir haben unseren Spaß und können diesen mit ein paar Gleichgesinnten teilen. Tja, gesagt und getan. Wir schauten uns nach geeigneten Plätzen um und entschieden uns bei einem Modegeschäft auf der Budapester Straße anzufragen. Der Chef sagte uns zu und buchte uns später auch für die nächsten 2 Jahre. Schuld daran war wohl, dass wir mit unserer Musik mehr Leute als wir uns erhofften in Richtung Laden zogen und diese nicht nur gut unterhielten sondern auch am Umsatz des Ladens maßgeblich beteiligt waren. Letztes Jahr entschieden wir uns das erste Mal mit eigenem LKW nach Berlin anzureisen, um von diesem aus zu spielen. Im Einklang mit den anliegenden Geschäften haben wir erneut auf der Budapester Straße spielen dürfen. Naja, und in diesem Jahr, gibt es zum fünften Mal, an gewohnter Stelle (Budapester Straße, Nähe Bhf. Zoologischer Garten), den "Bass in your face"!!

pictTO.: Waren alle Partys, Erfolge für euch?

Recall 8: Auf jeden Fall! Wenn man betrachtet, dass man Nachts, nach dem Umzug der Love Parade vor zirka 3000 Leuten spielt und diese zum ausrasten bringt, gibt es einem schon eine gewisse Bestätigung seine Arbeit als DJ korrekt zu erledigen. Ich glaube, ich spreche hiermit im Namen aller beteiligten DJ's und Live Acts, es gibt doch nichts Schöneres als eine positive Resonanz für seine Arbeit zu bekommen und den Respekt der Leute einzuheimsen. Nebenbei erwähnt kamen durch diese Partys auch schon einige Kontakte mit Bookern bzw. Labelmitarbeitern zustande, und die Presse war auch hin und wieder präsent.

TO.: Wie organisiert ihr die Party?

Recall 8: Ich denke jede Organisation basiert auf gute Zusammenarbeit. Der Eine kümmert sich um die Anlage, der Nächste ist für die Organisation des LKW zuständig und der Andere kümmert sich meinetwegen um die Getränke. Bei uns weiß von vornherein jeder, was er für eine Aufgabe hat und was zu tun ist. Ich möchte hiermit auch einmal die Gelegenheit nutzen meine Freunde DJ Härtex, Oli, Dani, DJ Bömix, Plexxer, DJ Thom E, Lars, Egi, Andre, Kay, Marcel, Sebastian sowie die Ladenbesitzer zu erwähnen, ohne die es diese Party nicht geben würde bzw. gegeben hätte.

TO.: Von welchem Musikstil ist eure Veranstaltung geprägt?

Recall 8: Jeder DJ wird seinen "Favorite Style" spielen. Im Großen und Ganzen beschränkt sich das dann auf Techno (No Future, Stompin, "Schranz", etc.) und Acid. Außerdem wollen wir auch immer ein Stück Technokultur unserer Region (Chemnitz/Erzgebirge) reflektieren, aus der ursprünglich alle Mitwirkenden kommen. Naja, und bei uns kickt halt, der harte und undergroundorientierte Techno!

TO.: Wo legst du als DJ noch auf bzw. bist du auch anderweitig als Künstler tätig?

Recall 8: Einen Residentjob als DJ habe ich nicht. Ich lege hin und wieder im Club Achtermai (Chemnitz) und im Tuskulum (Aue) auf. Allgemein werde ich aber zu verschiedenen Partys in Sachsen und Thüringen gebucht. Demnächst wird es auch diverse Partyreihen geben, bei denen ich den "Sound of Recall 8" zum Besten geben werde! Das Pro Techno Team, das Hakke Team Chemnitz und Miditonal Records, planen außerdem an einer "Acid Inferno-Tour", die eventuell im kommenden Jahr in einigen Städten Deutschlands Halt machen wird. Mit meinem Freund DJ Thom E (Resident Club Achtermai), habe ich vor einiger Zeit das DJ Team "4 Tecc" gegründet. Wir legen unter diesem Namen mit vier Plattenspielern und einem Mixer, minimal orientierten Techno auf und werden, so weit es mit den Bookings klappt, Ende diesen Jahres, bei einigen Veranstaltungen präsent sein!
Außerdem produziere ich noch und betreibe mit ein paar Freunden das Label Miditonal Records, auf dem voraussichtlich Ende diesen Jahres, das erste Release erscheinen wird. Zwei vielversprechende regionale Acts, sowie zwei Künstler von Miditonal Records werden nebst einem Remix jeweils einen Track für die erste Veröffentlichung beisteuern. Mehr verraten wird aber an dieser Stelle noch nicht!

TO: Wie kam es zu der Entscheidung ein eigenes Label zu gründen?

Recall 8: Ich lernte 1995 meinen "Best Friend" Daniel aka Plexxer kennen. Wir hatten annähernd den gleichen Musikgeschmack und waren beide von dem Vorhaben ergriffen, eigene Musik produzieren zu wollen. Wir sparten unser Geld und kauften uns erstes Equipment. Später traten wir gemeinsam als Liveact auf und spielten unter anderem, auf den ersten zwei Partys, die wir auf der Budapester Straße veranstalteten. Im Jahr 2000 haben wir dann unserer erstes gemeinsames Album auf CD produziert. Um es aber auch unter "eigenem Stern" zu veröffentlichen, gründeten wir das Label Miditonal Records. Der Name "Miditonal" entstand bei einer kleinen Brainstorming Session, bei der wir uns hinterfragten, was wohl das charakteristische an unserer Musik sei. Im allgemeinen ist uns dabei aufgefallen, dass unsere Geräte über "Midi" angesteuert wurden und wir damit "Töne" erzeugen konnten. So haben wir dann die zwei Wörter zu einem sinngemäßen Labelnamen vereinigt!

TO.: Wie bist du zu Techno und speziell zum Auflegen gekommen?

Recall 8: Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich 1986 immer dieses "Electrica Salza" von Off sang und ich mir auch sehr gerne die elektronischen Sachen meines Vaters auf Platte anhörte. Depeche Mode, aber auch das Album "Computer Karriere" von den Puhdys waren für mich meine absoluten Favoriten. Kurz nach der Wende, so gegen 1991, bekam ich im Alter von 11 Jahren mein erstes Techno-Tape (Technoworld) über einen Schulfreund in die Hände! Naja, was ich da zu hören bekam, hat mich einfach mal nur umgehauen. Diese nie zuvor gehörten Sounds und der harte Groove haben mich so begeistert, dass ich mir daraufhin mehr Techno-Tapes besorgte und jeden Samstag vor meinem Radio saß, um "Rave Satellite" mit Marusha aufzunehmen. Außerdem besorgte ich mir spezielle Lektüre, um mehr über diese neue faszinierende Musik und den damit verbundenen Lifestyle zu erfahren. Ab dem Jahre 1994 prägte mich dann vorallem die harte und schnelle Interpretation von Techno. Hardcore und Gabba waren für mich damals das Nonplusultra! Partybesuche auf Hardcore-Events und der ständige Compilationkauf waren die Folge. Doch mit wachsendem musikalischen Verständnis, konnte ich dieser stetig schneller und härter werdenden Musik immer weniger abgewinnen. Ich besann mich auf meine Roots und widmete mich, dem etwas intelligenteren Techno. Später kaufte ich mir im Chemnitzer Delirium und nach dessen Schließung im Underworld Recordstore erste Platten und brachte mir auf meinen Nachbauplattenspielern das Mixen selbst bei. 1998 lernte ich DJ Härtex kennen, der mir durch diverse Partys, das optimale Umfeld schaffte, meinen DJ Aktivitäten freien Lauf zu lassen. Naja und irgendwann entstanden dann neue Kontakte und ein immer größeres Umfeld auf das sich aufbauen ließ. Ich kam zu weiteren Gigs und lernte wiederum neue wichtige Leute kennen, mit denen ich bis heute gute Beziehungen pflege.

pictTO: Welchen Style legst du auf Party auf?

Recall 8: Also schon hauptsächlich harten Techno. Das variiert aber ganz nach Party und nach momentaner Stimmung der Leute. Ich mag es nicht einen bestimmten Style runterzuspielen, Kohle abzufassen und wieder zu gehen. Ich möchte das Publikum unterhalten und gemeinsam mit diesem feiern! Meine Favorit-Styles sind: Stompin-Techno, No Future, Chicago Hardhouse, Loop-Techno aber auch Acid und Oldschool/Breakbeat like 1992. Hin und wieder spiele ich unter "R8" (Lightversion von Recall 8) auch Minimal-Techno und Ambient im Chillout-Room oder auf kleineren Nebenfloors.

TO: Was für eine Bedeutung hat dein Künstlername "Recall 8"?

Recall 8: Als ich damals anfing, mich für Techno zu interessieren, gab es da einen Hardcore-Rave-Act Namens "Altern 8". Mark Archer und Chris Peat, die Köpfe hinter Altern 8 waren ohne Zweifel die wohl schimmernsten Personen dieser Zeit. Ihre Musik und ihre Ideologie faszinierten mich damals und begeistern mich heute immer noch. Man kann sagen, dass diese zwei Leute, Idole für mich sind, deswegen die "8" hinter meinem Künstlernamen. Das "Recall" erinnert an diesen Act, gleichzeitig versuche ich als Künstler etwas von der Ideologie und Denkweise "Altern 8" an die Leute von heute weiterzugeben.

TO: Was hörst du privat für Musik?

Recall 8: Hauptsächlich auch elektronische Musik. Es kommt immer ganz darauf an, wie meine Stimmung gerade ist. Das reicht von Ambient über House und Techno bis hin zu Gabber. Es gibt aber auch Sachen aus anderen Musikbereichen, die mir sehr gut gefallen. Es ist wichtig, das die Musik etwas in mir bewirkt, und tut sie das, dann ist es mir egal ob das elektronisch ist oder nicht!

TO: Was war deine erste Platte?

Recall 8: Das war der "Traumzauberbaum". Damals war ich drei Jahre alt und es gab für mich keine andere Platte, als meinen geliebten "Traumzauberbaum" von Reinhard Lakomy, so erzählten es mir immer meine Eltern! Aber die erste selbstgekaufte Platte war das Tesox Album "Silicon Works" auf Plastic City. Dieses Doppelvinyl spiele ich heute noch auf diversen Acid-Partys.

TO: Hast du Klassiker?

Recall 8: Auf jeden Fall! Ich könnte zwar sehr viele Stücke nennen die mir gefallen und die mich beeinflusst haben aber ich möchte mich dann doch etwas beschränken. Also UHF mit "UHF" war mein erster richtiger Technotrack, den ich zu hören bekommen habe und für mich absolut prägend war. Marco Zaffaranos "Trapezgirl" und "Schlangenfrau" sind wundervolle Chillout-Tracks. Dann das Live Set von Mike Dearborn auf der Mayday 1995 und sein Remix von "Cars" sind für mich absolut unerreichbare Meisterwerke! Ich hänge an den etwas älteren Sachen, denn ich finde, das war noch Musik mit Seele und nicht so wie heute dieses ganze Retro-Ding und dieser Tool-Techno. Alles wird heute nur noch neu aufgewertet und auf unkreativste Weise verwertet. Ich verwende dafür gerne den Namen "Konservenmusik". Musik, die schnell verbraucht ist und fad klingt.

Wie sind deine Pläne für die Zukunft?

Recall 8: Ich bin vor kurzem nach Berlin gezogen und werde dort unter anderem meiner Arbeit im Musikbereich weiter nachgehen und natürlich auch weiter am Label "Miditonal Records" arbeiten. Welche Angebote und Kontakte sich "auflegetechnisch" ergeben, dass wird sich zeigen.

URL: www.miditonal.de (ab 12.07.2002 online)
Booking contact: booking@miditonal.de
E-mail: recall8@miditonal.de


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