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Paul Brtschitsch Interview
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Paul Brtschitsch

pict

Der Mann mit dem unaussprechlichen Namen, der übrigens aus dem Kroatischen kommt, ist nun schon seit satten zehn Jahren in der Welt der elektronischen Musik vertreten. Geboren und aufgewachsen in Berlin, ziehen seine Eltern, als er zehn Jahre alt war, mit ihm nach Frankfurt. Dort prägt ihn das legendäre Omen und Anfang der 90er beginnt er sich dem Djing zu widmen. Bald ister auf diversen Parties in der Region vertreten. 1992/93 legt er sich seinen ersten Synthie zu, sammelt Erfahrungen im Bereich der Produktion. und schickt 95 sein erstesDemotape an Ata und Heiko vom Delirium Record Store Zusammen mit den Kontakten, die er durch seine Arbeit bei Neuton knüpfen kann, bringt er Ende des gleichen Jahres seine erstes Release auf dem neugegründeten Label Tritone heraus. Unter dem Pseudonym "Analog Confusion frönt er ganz dem Minimalismus im Sinne von Jeff Mills.

Sich nun voll und ganz auf seinen Sdound konzentrierend lernt er in dieser Zeit André Galuzzi kennen, mit dem erauch 1996 das Label Taksi gründet. Mit zu einem der grössten Erfolge zählt die Relizensierung des Tracks "Schneesturm" durch Richie Hawtin für seine eigenes Label Plus 8. Im Dezember 2001 erscheint das Stück dann zusammen mit einem Remix des grossen Meisters. Vor kurzer Zeit veröffentlichten die beiden ihr erstes gemeinsames Album mit dem treffenden Namen "Rundfahrt", die von einer ausführlichen Tour begleitet wurde. Nebenbei war Paul Brtschitsch auch noch auf Labels wie Force Inc., Ongaku und nicht zuletzt Frisbee aktiv. 2000 erscheint dort auch sein Debutalbum "Surftronic", dem nur ein Jahr später "Venex" folgt. In beiden Longplayer zeichnet sich eine eindeutige Weiterentwicklung ab, die er noch durch unzählige Liveauftritte vertiefen kann. Seine Musik folgt klaren, arrangierten Linien mit Anfang, Mittelpart und Ende. Gleichzeitig sind es auch noch die Emotionen, die in seinen Werken eine zentrale Rolle spielen. Zu diesem Zweck kombiniert er Techno, House und Hard House mit pushenden Grooves und abwechslungsreichen Samples.
Nunmehr erscheint gerade sein drittes Album auf Frisbee. Auf "Memory" greift er auf Elemente aus "Venex" zurück und geht erneut einen weiteren Schritt nach vorne. Denn Stillstand ist ja Rückschritt...

Techno Online gelang es, sich mit ihm telefonisch zu treffen, um über das neue Album, das Label Taksi und viele andere Sachen näheres zu erfahren. Um 13.00 MET hängen wir uns an die Strippe und erreichen einen gut gelaunten, wahnsinnig sympathischen Paul Brtschitsch. Im legeren Plauderton starten wir durch.

Was verbirgt sich den so hinter "Memory", dem neuen Album von Paul Brtschitsch, das gerade erst auf Frisbee Tracks erschienen ist? Der Name, der im Gegensatz zu dem künstlichen "Venex" wohl überlegt gewählt wurde, steht nach seinen eigenen Worten für die Erinnerungen an den Sound von früher und für die digitalen Speicherbausteine als Grundlage jeder musikalischen Produktion. Mit dem Longplayer setzt er das fort, was mit "Surftronic" begann und "Venex" weitergeführt wurde. Verbunden durch den gleichen Aufbau und geschlossenes Konzept, zeichnen die drei Alben die stetige Weiterentwicklung seiner musikalischen Entwicklung ab. Bekannt für seine grandiosen Liveauftritte, entsteht neues Material auch während seiner Gigs. "Spiele ich für ein Album einen Liveact, so entwickeln sich daraus dann wieder Tracks für ein weiteres. Durch das beständige Überarbeiten meiner Sets, neue Lieder kommen hinzu und alte werden ausgemustert, sammeln sich über die Zeit hinweg ziemlich viele Stücke an, aus denen ich dann die besten auswähle. Im Studio wird dieses Fundament dann genau ausgearbeitet und in den Kontext des Albums eingegliedert. Dabei entstehen dann auch so nebenbei noch die Titel zu den Tracks." Dazu gibt er auch zu, dass keine grossen Gerschichten oder Inhalten hinter den Titeln stecken, wie es ja viele seiner Kollegen immer angeben.

Mit den dichten Arrangements und den tiefgründigen Sounds ist seine Musik in der Grauzone zwischen Listening-Sound und "Music for the dancefloor" anzusiedeln, gibt es doch sowohl CD als auch 12inch-Version. Doch reine DJ Tools sind seine Songs auf gar keinen Fall. Um diesen Punkt zu klären, sind für die Zukunft verschiedene Überarbeitungen für das jeweilige Medium geplant. Auch bei der Produktion von Maxis steht klar der songähnliche Aufbau des Tracks im Vordergrund. Die Inspirationen für den Sound holt er sich aus seiner Umwelt und der Musik allgemein.

Laut einer eigenen Aussage vom ihm fehlen in der heutigen Tehnolandschaft die Arrangements und die Emotionen. Was heisst das im Klartext?
"Für mich sind die meisten der neueren Produktionen auf gewisse Art und Weise seelenlos. Es fehlt die entscheidende Essenz. Gerade auf das, was sich im Toolbereich abspielt trifft das zu. Für mich ist es wichtig, in einem Stück eine eigene Welt mit eigener Atmosphäre zu erschaffen, die einen berührt. Zum Beispiel im Schranz fehlt dieses Element einfach und somit ist es auch keine Musik mehr, verliert den Reiz für mich. Arrangement ist sehr wichtig, da dadurch Spannung erzeugt und auch die emotionale Seite geprägt wird. Was nicht heisst, dass man mit Tools guten Sound machen kann. Jedoch liegt es dann wiederum in den Händen des DJs aus diesen eine Dramaturgie zu erschaffen, was auch seinen Reiz besitzt. Dies wird nur leider von wenigen Vertreter beherrscht." In diese Aussage stimmen wir voll und ganz mit ein. Sieht man jetzt die drei Alben in den drei Jahren, so würde man fast meinen das Paul ein Workaholic ist. Er selbst lehnt jedoch diesen Ausdruck strikt ab, da die Musik für ihn nur Vergnügen bedeutet und er mit diesem Begriff eher die negative Seite des "Vielarbeitens" verbindet. So befindet sich sein Studio auch im gleichen Haus wie seine Wohnung, was eine Verschmelzung aus Arbeit und Freizeit ermöglicht. Dadurch bleibt auch die Gestaltung des Zeitplans ganz frei und spontan.

Zu anfangs seiner Karriere stand zu allererst das Djing. Jetzt steht das Produzieren im Vordergrund und nur noch für Freunde im privaten Kreis tritt er an die Plattenteller. Wie war das eigentlich damals, wie bist Du vom Produzieren zu Deinen ersten Livegigs gekommen? "Ich habe mit dem Auflegen begonnen und bald auf diversen Parties gespielt. Davor war ich Keyboarder bei einer Metalband und besaß schon meinen ersten Synthesier, der auch einen Sequenzer hatte. Da fing es mit dem Produzieren eigentlich an. Über den Andre (Galuzzi A.d.V.), der zu der Zeit mit mir zusammen bei Neuton arbeitete kam ich dann auch zu meinem ersten Auftritt. An diesem Abend war Claudia Schneider von Good Groove Music da, die mich gleich angesprochen hat und ab da ging es dann los mit den Gigs. So hat sich auch die gute Zusammenarbeit mit Andre ergeben, da wir beide in die gleiche, musikalische Richtung wollten. Daraus ist letztendlich Taksi entstanden. Auch heute noch ist er für mich der beste DJ-Partner, wir sind ein perfekt eingespieltes Team."

pict Zusammen mit Andre Galuzzi betreibt Paul Brtschitsch das Berliner Label Taksi. Dort ist auch ihr gemeinsames Album "Rundfahrt" erschienen. Wie unterscheidet sich der Sound, der aus Eurer Zusammenarbeit hervorgeht von dem, den Du solo produiziert?

"Er ist nicht so verspielt und detailverliebt, sondern straighter und mehr auf den Club hin ausgerichtet und geht schon mehr in die Richtung, die sich Andre so vorstellt. Also eher Techno für den Dancefloor!" Auf Taksi ist seit der Veröffentlichung des Albums nicht mehr so viel passiert, wie wird es in der Zukunft mit dem Label weitergehen, was wird es zu hören geben?

"Als nächstes ist ein Remix geplant, jedoch steht der Track dafür noch nicht fest. Aber man darf gespannt sein! Danach stehen weitere Releases im Vordergrund, damit das Ganze mal so richtig zum Laufen gebracht wird, da es in der letzten Zeit eine längere Pause gab, da Andre und ich, die einzigen, die auf Taksi releasen, mit anderen Projekten beschäftigt waren. Zu diesem Zweck haben wir jetzt auch jemanden gefunden, der sich um die geschäftlichen Belange des Labels, so dass uns mehr Zeit fürs Produzieren bleibt."
Daneben wird er aber noch auf Frisbee Tracks weiterhin unter seinem Namen veröffentlichen. Doch auch da ist frischer Wind angesagt, da mit dem dritten Album das Konzept der Trilogie abgeschlossen ist und ein neues her muss. Dazu gibt es schon ein paar Ideen, die alle mit einer Verknüpfung mit den Liveacts zutun haben. Watch Out!

Zu "Memory" wird es natürlich eine Tour geben, die von Mai bis September dauert und in ausgewählten Clubs Station macht. Dabei wurden ausgehend von den Erfahrungen der letzten Jahre, die Locations ausgesucht, die am erfolgreichsten gerockt wurden. Im Rahmen dieser Reise macht er natürlich auch in Berlin halt und zwar zur Loveparade. Dort spielt er erst auf dem Goa Festival "Nation of Godwana" und dann noch zusammen mit Andre Galuzzi im Garten des Ostguts zur Afterhour am Sonntag. Also ja nicht verpassen!

So jetzt zum Abschluss möchten wir dem Paul noch das Beste für die Zukunft wünschen und viel Erfolg dabei. Natürlich auch noch Danke für das nette Gespräch.

Paul Brtschitsch Album "Memory" ist CD des Monats Juni 2002 auf Techno Online.

JK / Techno Online


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