
Techno Online: Wie bist Du zur Musik gekommen?
Orlando: Das war so 1990 - 1992 als die ersten Tekknozid-Raves in der Halle-Weißensee (Berlin) starteten; die ersten und sicherlich auch besten Jahre des elektronischen Musikzeitalters. Das Zusammenspiel von Sound, Licht- und Maschineninstallationen brachte die Experimentierfreude der "Macher" zum Ausdruck. Daraus wurde ein Lebensart, die zwar im Laufe der Zeit kommerzialisiert wurde aber für viele Leute dieser "Aufbauzeit" sicher prägend für das gesamte Leben war und ist. So auch für mich.
Techno Online: Was hörst Du privat?
Orlando: Elektronische Musik - sicher. Meine Wurzeln liegen aber eigentlich mehr im stilistischen Bereich. Beispiele: Anne Clark, Andreas Vollenweider, Ravel's Bolero, Dead Can Dance, Police, Nina Hagen, Peter Gabriel, The Cure, Sinead O'Connor, Foyer Des Art, Phillip Boa & The Voodooclub and many more ...
Techno Online: Deine erste Platte?
Orlando: Microbots - "Cosmic Evolution" (R&S Rec.)
Techno Online: Wie oft legst Du auf?
Orlando: ... jetzt wieder öfter. Im letzten Jahr war es mir wichtig, mehr zu produzieren und neue Künstler mit eigenen stilen zu finden, um unsere Label (MHz und Luxomat) gründen zu können. Mehrere Produktionen sind jetzt fertig und die erste Auflage (2.000 Stück./limitiert!) in der Produktion. Vor allem kombinierte Sound und Video-Auftritte mit Livearrangements diverser alter und neuer Co-Produzenten und DJs werden neu und sicher spannend werden (Tom Newman, tea*more, Le Chare's Assphäre Files, The Bastarz - um nur einge zu nennen).
Techno Online: Was sagst Du zur Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der elektronischen Musik?
Orlando: Vergangenheit heißt auch immer etwas Ahnungslosigkeit - Gegenwart bedingt ein Teil Naivität. Man befindet sich ständig in einem Lernprozeß. Kurz und knapp: ich glaube, nur wer das erkennt und unvoreingenommen auch mal nach links und rechts schaut, wird sich die Liebe zur Sache erhalten. Aufstieg und Fall von Clubs und DJs, Schleimer und Eiterbeulen, die im Fahrwasser anderer mitschwimmen und sie als Sprungbrett für ihre egoistischen Interessen nutzen, lassen sich nach 12 jahren "Elektronischer Musik" sehr gut nachvollziehen - besser noch, man entwickelt ein gesundes Gespür für diese xenomorphen Kreaturen und wirkliche Freunde kann man in diesem Business an einer Hand abzählen. Für die Zukunft läßt sich sagen: keiner wird das Rad neu erfinden, man kann es nur runder machen.
Techno Online: Bist Du Deinem Stil treu geblieben oder ziehst Du bei Trends mit?
Orlando: Stil heißt immer Schublade, in welche man jemanden stecken kann - das ist nicht meine Sache. bei Studioproduktionen ist man mit sich allein und liefert ein momentanes Emotionsbild seiner selbst. In clubs und auf Parties ist man in einer Emotion, die man durch Musik anderer Künstler verstärkt, sie verändert und so im Zusammenspiel mit der momentanen Athmosphäre auf den Höhepunkt treibt. Trends werden sicher immer mit einfließen, aber sie dürfen den DJ nicht zur "Musikbox" verkommen lassen, die nur noch die Musikwünsche verklatschter Girlies und Boylies runterleiert. Kleine Storie dazu: verstrahlte Luzie fragte mich dreimal, ob ich eine bestimmte scheibe nochmal spielen kann, obwohl die erst vor zehn Minuten lief. beim vierten mal bot sie mir EUR 10,- an, wenn ich es spielen würde. Da ist mir die Hutschnur geplatzt!
Techno Online: Dein schönster bzw. außergewöhnlichster Gig?
Orlando: Alternative woodstock-festival/Philadelphia - 1 x jährlich - mitten in der Pampa in der Nähe von Harrisburg - a little bit like "burning man". Die spinnen, die Amis.
Techno Online: Ein Klassiker?
Orlando: Vieles war "klasse".
Techno Online: Engagierst Du Dich für den "Nachwuchs"? Wenn ja, wie?
Orlando: Ich bekomme komischerweise viele Demotapes und CDs und die Leute fragen mich, was ich davon halte. Ich setze mich gerne hin und höre mir alles von Anfang bis Ende an. Ein urteil aber kann ich mir nur über Technik und Qualität eines Sounds oder Stücks erlauben, nicht über den Charakter. Hier und da nehme ich neue Künstler gerne als Support mit, die Feuertaufe aber müssen sie schon alleine bestehen. Man kriegt nichts geschenkt und muß für so einen Job wirklich arbeiten, ohne andauernd auf die Uhr und den Zählerstand zu schauen.
Techno Online: Was ist Deine derzeitige Inspiration fürs DJing bzw. Produzieren?
Orlando: Meine engen Freunde und meine neu gewonnene Freiheit - die Unabhängigkeit von lub, Machtstruktur und Karriereleiter.
Techno Online: Deine All-Time Top 5?
Orlando: T'schuldigung, sowas hab ich nicht.
Kontakt:
www.stadtgestalten.com
www.spektrale.de.vu
www.luxomat.tv
Nächsten Gigs:
nächsten Orlando Gigs
Charts:
Orlando Top 10
|