Nikakoi...
Kommt aus dem Russischen und bedeutet Niemand.
Hinter diesem Pseudonym verbirgt sich der aus Tbilisi (Tiflis) / Georgien stammende Künstler Nika Machaidze.
Noch in den 70er und 80er Jahren genoss Georgien als einer der reichsten Republiken der Sowjetunion eine Blütezeit von Kunst und Kultur. Paradoxerweise wurde dies durch den sozialen Umschwung im Sinne der Perestroika beendet. Nach diesem Schnitt traten neue Künstler in das Licht der Öffentlichkeit, die noch die Zustände vor dem Wandel gewöhnt waren. Ende der 90er bilden sich neue kreative Gruppen (u.a. GOSLAB), die versuchen die neuen digitalen Medien mit der traditionellen georgischen Kultur zu verbinden. Auf diesem Weg gelingt es ihnen die neuen Richtungen als Kunst zu etablieren.
1972 dort geboren, ist er heute als Produzent, Schriftstller, Film- und Werberegisseur aktiv. Seine ersten Erfolge erzielt er in Zusammenarbeit mit den beiden georgischen Musikern Gogi Dzozuashvili und Dima Dadiani. Ungefähr zu gleichen Zeit ist er an der Gründung des Künstlerkollektivs GOSLAB beteiligt.
Hinter GOSLAB, setz sich aus dem russischen Wort GOsudarstvennaia (Staatlich) und der Kurzform von LABoratorya (Laboratorium) zusammen. Die Geschichte reflektierend, zu Zeiten der Sowjetunion trug alles den Beinamen GOS, z.B. Gosfilm, versinnbildlicht der Name gleichzeitig den Willen zum Fortschritt.
In Form eines multi-medialen Kollektivs aus zahlreichen Künstlern, der verschiedensten Richtungen versuchen sie neue Wege der Kommunikation und Information zu gehen, in dem Medien neu kombiniert werden, wie Musik, Mode, Fotografie, Video und Schriftsprache. Durch den beständigen Output der verschiedenen Mitglieder wird das offene Konzept immer wieder moduliert und vielfältiger.
Bisherige Projekte von GOSLAB:
- Dezember 2001, Shedhalle/Zürich: Belonging Gruppenausstellung - Film von Tamuna Karumidze
- Februar 2002, Shedhalle/Zürich: "Lines" - Goslab Präsentation mit "Goswear" - einer Fashion Show von Nino Chubinishvili, Filmen und Videos von Tamuna Karumidze, Salome Machaidze, Zaza Rusadze, der Musik von NIKAKOI plus einer klassischen Musikkomposition des Schweizers Felix Profus basierend NIKAKOI's Musik
So entstehen in den nächsten Jahren gemeinsame Projekte im musikalischen und filmischen Bereich. Neben eigenen Stücken ist er auch an der Produktion des Soundtracks für das Stück "Der Park" vo Botho Strauss, der musikalischen Untermalung diverser Fashionshows, einiger Kurzfilme und Videos beteiligt. Mit den Kurzfilmen gelingt ihm sogar eine Teilnahme am Kurzfilmfestival 2001 in Oberhausen. Nachdem er 1999 beim Electronic Music Festival in Paris einen Preis erhält, folgen erstmals Auftritte im Ausland und eine Teilnahme an der "Vital Song Compilation".
Anfang diesen Jahres erschien auf dem experimentellen Sublabel von WMF Records sein erstes Artist Album, das den Namen "Sestrichka" (=Schwesterchen) trägt und auf elektronische Weise zu einem Tanzausflug durch Georgien einlädt.
Techno Online traf sich mit dem stillen, georgischen Künstler und seiner Cousine, Salome, die in Berlin studiert und als Dolmetscher diente, im WMF Records Büro. Bewaffnet mit ein paar Latte Macchiato und genügend Zigaretten gewährt er uns einen tiefen Einblick in das Leben und künstlerische Arbeiten in seinem Heimatland, was bei regelmässigen Stromausfällen für einen elektronischen Künstler gar nicht mal so leicht ist. Auf diese Weise fliessen auch die sozialen und kulturellen Probleme in Georgien in seine Musik ein. Elektronische Gesellschaftskritik.
TO:
Wie genau kam eigentlich der erste Kontakt mit WMF Records zustande?
N:
Ein gemeinsamer Freund, der auch die Leute von WMF kennt, hat mich, als ich gerade hier in Berlin auf Besuch war dem Label vorgestellt. Den habe ich dann mein Material vorgespielt, was ihnen so gut gefiel, dass es gleich zu einem Live-Auftritt im WMF und nun zur Veröffentlichung des Albums kam.
TO:
Wie bist Du zur elektronischen Musik gekommen? In Georgien sind dafür ja nicht gerade die besten Voraussetzungen.
N:
Alles hat eigentlich mit einem einfachen Laptop angefangen, auf dem ich mit einem einfachen Programm meine Stimme gesamplet und mit Musik kombiniert habe. Aus diesen ersten Schritten entstanden dann langsam aber sicher eigene Stücke. Aufgrund des mangelnden Angebots an guter Hardware beschränkt sich mein Arbeitsgerät auf meinen Computer.
TO:
Welche Verbindung besteht zu GOSLAB?
N:
Zusammen mit drei anderen Künstlern war ich an dessen Gründung beteiligt und gehöre somit zum Kern des Kollektivs.
TO:
Wie finanziert sich dieses Gemeinschaft?
N:
Da in Georgien nicht so gute Voraussetzungen wie Deutschland, z.B. staatliche Unterstützung und Förderungen gegeben sind, finanzieren wir uns durch unsere eigenen Projekte und kommerzielle Auftragsarbeiten. Unser gemeinsames Ziel ist, durch unseren Einsatz für die folgende Generation an Künstlern eine bessere Basis zu schaffen. Wir sind auf der Suche nach Sponsoren aus dem Ausland, die georgische Kunst mit Geldmitteln unterstützen wollen. Im Moment sind wir dabei ein Zentrum für moderne Kunst in Tiflis zu errichten, dass dann mit öffentlichen Geldern, die für den Aufbau georgischer Kunst gedacht sind, finanziert werden soll. Bis jetzt gab es immer wieder den Fall, dass die Mittel nicht dort ankamen, wofür sie bestimmt waren. GOSLAB möchte mit dieser Einrichtung dem Ausland zeigen, wo ihr Geld eingesetzt wird, eine gewisse Transparenz erzeugen Das ist im Moment das wichtigste Projekt.
TO:
Wo und wie ist das Album entstanden? In einem Studio?
N:
Alle Stücke sind auf meinem Computer in meinem Arbeitszimmer in Tiflis entstanden. Danach ist auch nichts weiteres dazugekommen. Also ohne Studio! Dabei spiegeln die einzelnen Tracks meinen Zustand im Moment der Produktion wieder. Ein Bannen von Gefühlen und Eindrücken auf ein digitales Medium. So spielen z.B. auch mögliche Stromausfälle eine Rolle.
TO:
Willst Du in der Zukunft weiterhin nur mit dem Laptop arbeiten oder sollen auch weitere Geräte, z.B. Sampler, mitverwendet werden.
N:
Zur Zeit besteht bei mir noch nicht der Wunsch mit anderen Geräten zu arbeiten. Jedoch bei meinen Auftritten möchte zusätzliche Hardware nützen, um den Sound zu variieren.
TO:
Neben dem Produzieren betätigst Du Dich auch noch als Schriftsteller und Regisseur. Bist zur Zeit in diesen Bereichen aktiv?
N:
Damit beschäftige ich mich auch weiterhin. So war ich an der Produktion des Videos zu "City Lights" beteiligt. Ich werde auch weiter Videos oder Filme machen, denn Regisseur ist mein eigentlicher Beruf und die Musik nur ein Hobby, dass sich verselbstständigt hat.
TO:
Welche Zukunftsperspektiven siehst Du für digitale und mediale Kunst in Georgien?
N:
Ich bin davon überzeugt, dass es genügend Potential gibt, wenn man bedenkt, dass es nur ein sehr kleines Land ist und trotz aller Probleme es dort viele Künstler gibt. Die ältere Generation ist noch etwas skeptisch dem Neuen gegenüber, aber die Jüngeren sind schon einen Schritt weiter und an der Kunst interessiert.
TO:
Welche Pläne gibt es für GOSLAB?
N:
Wir wollen in der nächsten Zeit so viel wie möglich im Ausland auftreten und performen, damit mehr Leute unsere Kunst kennenlernen. Auf diese Weise wollen wir unser Kollektiv vergrössern und bekannter machen.
TO:
In diesem Sinne wünsche ich Euch und GOSLAB weiterhin viel Erfolg und baldige Unterstützung. Danke für das Gespräch.
Zu Nikakoi und seinem neuen Album gibt es weitere Informationen auf der Seite von WMF Records unter:
http://wmfrec.com
Weitere Infos zu GOSLAB könnt Ihr unter Goslab@web.de erfragen.
JK / Techno Online
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