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Monika Kruse Interview

Die Reisenden von Terminal M

Auf Terminal M erscheint diesen Monat das neue Album "Passengers". Aus gegebenem Anlass sprach Heiko Kunz mit Monika Kruse und Patrick Lindsay über Schwierigkeiten in feuchten Studioräumen, die derzeitige Krise in der Musikindustrie und natürlich - über Reisende.

Wie habt ihr beiden euch kennen gelernt und wie seid ihr dann zur Musik gekommen?
M: Wir haben beide in der Schweiz auf einem Rave aufgelegt und während ich Patricks Platte gespielt habe, ich habe seine Platten schon immer sehr geschätzt, kam jemand zum Pult, mit den Worten "Das ist der Mann zur Musik" So haben wir uns kennen gelernt und auch gleich gut verstanden und hatten dann die Idee, etwas zusammen zu produzieren.

Was gab es aus beruflicher Sicht vor eurer Musikerkarriere oder stand Musikmachen als Beruf schon immer fest?
M: Während der Schulzeit wusste ich eigentlich schon - Musik ist mein Ding. Mit dem Auflegen war es da etwas schwieriger. Damals gab es kaum Frauen, die aufgelegt haben, deshalb war es zu dieser Zeit wohl eher ein Traum. Ansonsten gab es da Praktika und Jobs bei Musikzeitschriften und Plattenlabels sowie bei einem Verlag. Sicherlich hatte ich auch andere Interessen, wie Kunst zu studieren oder Soziologie. Irgendwie wurde der Traum vom Auflegen dann aber doch war.
P: Ja ich hab mir wohl nie groß Gedanken darüber gemacht. Ich wusste schon, dass ich weniger an einem normalen Arbeitsleben interessiert war. Aber so einen direkten Berufswunsch...?
M: Doch - du wolltest Totengräber werden!
P: Na ja jedenfalls habe ich schon in der Schule angefangen, mit meiner Musik Geld zu verdienen, schon bevor ich Platten produziert habe. Ich habe damals Musik für Computerspiele produziert und so hat es angefangen.

Was fällt dir zum Thema Unterwassermusik oder Musik in feuchten Räumen ein?
M: Ja - mein tolles Berliner Studio hatte einen kleinen Dachschaden. Der Vermieter war der Meinung, dass eine Plastikplane das Problem lösen würde und erklärte das Dach für repariert. Dieses Studio wurde zuvor von Mijk van Dijk genutzt, so dass man eigentlich davon hätte ausgehen können, dass hier alles in Ordnung sei. Ich war also drei Wochen lang in den Staaten auf Tour, kam zurück und dann stand alles unter Wasser. Da hieß es alles rausreißen und Schimmel beseitigen. Der Vermieter versicherte mir darauf, dass alles wieder in Ordnung sei und ein paar Monate später - das gleiche wieder in Grün. Nach einem dreiviertel Jahr wurde dann endlich das Dach repariert, dann habe ich mich wieder ins Studio gesetzt und es entstand die "Latin Lovers".

Bei mir im Plattenregal steht eine school-rec. 07. Eine eurer ersten gemeinsamen Produktionen oder gab es da noch etliche zuvor?
P: Da gab's noch welche davor. Die aller erste erschien auf Frisbee - Monika Kruse im Voodooamt.

Du hast dich auf deiner Website deutlich zu den Vorfällen in Frankreich Stellung bezogen. Sollten sich Künstler und Medien aus dem Bereich elektronische Musik stärker zu politischen Themen äußern oder besser nicht, da vielerorts politische Aussagen größtenteils vermieden werden?
M: Ich würde sagen, es sollte jedem Menschen selbst überlassen sein, in wie weit er sich engagieren möchte, denn Engagement kann ja auch manchmal nach hinten losgehen, dass die Leute das falsch verstehen oder die Medien es anders darstellen. Engagieren sollte man sich trotzdem. Es denke grade im Bereich elektronische Musik passiert auch eine ganze Menge. Wenn ich z.B. an die ganzen Benefizveranstaltungen denke - für die Flutopfer oder für Kollegen in Schwierigkeiten, da wurde schon Einiges bewegt.

Die Musikbrache spricht von Rezession und Krise. Wie steht ihr dieser Thematik gegenüber?
M: da ist wohl was Wahres dran, aber die Musikindustrie ist sicher nicht ganz unschuldig an der derzeitigen Situation. Ich bin selbst irgendwie von der Musikindustrie abhängig - ist ja mein Brötchengeber - aber ich denke, dass die Musikindustrie sich hier Einiges selbst zuzuschreiben hat. Das fängt damit an, dass sie den Trend verschlafen haben und zuviel "Schrott" vermarktet wurde und wird.
M: Ein weiterer Grund sind sicherlich auch die überhöhten CD-Preise.
P: Das kommt sicherlich noch dazu. Aber irgendwann erkennt auch der unmusikalischste User, dass hinter vielen Produkten keinerlei Wertigkeit steckt. Ich denke da an "Lieschen " die Popstars guckt und denkt: "Das ist ja gar nicht so schwer" - Popstars also kreiert werden, dann denke ich sägen die an ihrem eigenen Stuhl. Die Industrie ist nur noch auf den kurzfristigen Erfolg ausgerichtet. Viele A&R's arbeiten meist nur ein Jahr bei einem Majorlabel und wechseln dann, wie sollen da Künstler aufgebaut werden? Es gibt immer eine Erfolgssingle, die Folgesingle und das Album, danach ist zumeist Schluss. Da muss sich die Industrie nicht beschweren. Das mag hart sein - aber es ist so. Man sollte wieder weg von den Zahlen hin zur Qualität, denn Qualität verkauft sich immer. Mit dem neuen Urheberrecht hat man sich auch wieder ein Stück weit ins eigene Fleisch geschnitten. Derzeit geschieht einfach zuviel Kontraproduktives. Man sollte auch die Produkte wieder preiswert an den Kunden bringen. Der Künstler, wie viele denken, ist hierbei der geringste Kostenfaktor.
M. Was auch schade ist, ist, das die junge Generation den Wert der Musik nicht mehr schätzen gelernt hat. Zumeist nicht verstehen, dass sie durch das CD-Kopieren auch dem Künstler schaden, dessen Musik sie z.B. mögen.
P: So etwas wie ein Rechtsbewusstsein gibt es in diesem Bereich scheinbar kaum noch. Es ist ja schon soweit gekommen, dass es eher uncool ist eine CD zu kaufen, wo doch alle "Brennen".

Immer häufiger äußern sich Medien und namhafte Künstler negativ über Coverversionen und Retroremixe. Was meint ihr ein Impuls für Veränderung oder nur allgemeine Frustration?
P: Gute Coverversionen sind rar. 1 zu 1Cover sind langweilig. Künstlern die so etwas produzieren, fehlt es scheinbar an eigenem Artistprofil und die Industrie läuft wieder dem Trend hinterher.

Was wird eurer Meinung nach für die Förderung junger Künstler und Labels getan, genug oder zu wenig? Und wie steht es mit eigenen Förderprojekten?
M: Also ich denke, es wird sicherlich zu wenig getan. Als Labelbetreiber kann ich natürlich nur das veröffentlichen, was ich selber gut finde - was zum Label passt und dann versuchen für den betreffenden Künstler das Bestmögliche rauszuholen. Als Undergroundlabel hat man da allerdings auch begrenzte Möglichkeiten.
P: Was die Industrie tut, sehen wir heute in "Popstars", "Superstars", etc. - hier werden Talente gecastet, um später zu vermarkten und Geld zu produzieren. Risiko wird nach wie vor nicht eingegangen.
M: Was ich jedoch auch noch erwähnen möchte, ist, dass der Berliner Senat Projekte, wie "Label B" [einmal im Jahr in der Volksbühne - so eine Art Labelmesse] oder auf dem Sonarfestival einen Stand, um 40 Berliner Labels zu präsentieren, unterstützt. Letztes Jahr gab es ein Elektronikfestival in Saarbrücken, welches von der Stadt Saarbrücken unterstützt wurde, aber das sind natürlich nur kleine Einzelaktionen. Ingesamt ist das natürlich alles noch zu wenig.
P: Eigentlich sollten solche Impulse von der Industrie ausgehen, die eben gerade an der Förderung solcher Projekte interessiert sein sollte, da sie sich aus diesem Pool ernährt.

Jetzt im Oktober erscheint euer neues Album "Passengers" auf Terminal M. Wie kamt ihr auf den Albumnamen und was verbirgt sich dahinter?
M: Die Tracks auf der Cd haben alle irgendetwas mit Reisen zu tun - also Impressionen, die man von seinen Reisen mitgenommen hat. Wir haben dann überlegt, wie kann man das alles mit einem Wort ausdrücken - und so kamen wir zu Passengers. Man kann sich Vieles unter diesem Namen vorstellen - wir sind Passengers, der, der diese Musik hört, geht auf musikalische Reise ...
P: ...oder sei's, das die Musik für Passengers gemacht ist.

Was wird es demnächst auf Terminal M zu hören geben und gibt es außerdem noch andere Projekte?
Als nächstes kommt eine DJ Rush auf Terminal M, dann eine neue "bad pimps", das ist Patrick zusammen mit Stanny Fransen, dann hab ich was mit Stanny fransen produziert, dann gibt's eine Labelcompilation im November und später dann noch was von einen blinden, französischen Künstler - von "Max Walder".

Wohin wird sich die elektronische Musik, eurer Meinung nach, entwickeln. Viele sprechen von einem bevorstehenden Acid-Revival oder gibt es da noch andere Tendenzen?
M: Also ich hab das noch nicht entdeckt, obwohl ich eigentlich darauf warte.
P: das ist gut möglich, selbst im Housesektor haben einige die 303 für sich entdeckt. Es gab eine Zeit, da sind die Leute bei den 303-Sounds von der Tanzfläche gegangen, selbst die, die keine Acidzeiten erlebt haben. Aber das scheint sich grade wieder zu ändern. Nur wann und in welcher Form so etwas wieder kommt, vermag ich nicht zu sagen.

Noch eine letzte Frage. Wo gibt es euch demnächst zu hören oder zu sehen?
M: Unsere Releaseparty ist am 11.Oktober im Tresor und am 20.10.03 spiele ich im "elctric ballroom" im SO36. Alle anderen Dates findet ihr natürlich auf terminalm.com

Es scheint, als ob so nach und nach, immer mehr Leute Lust auf Veränderung im Musik-Business bekommen und sich diesbezüglich zu Wort melden. Trotz des letzten Interviewtermins an diesem Tag und delikater Fragen, gaben die beiden ein überaus offenes und ungeschöntes Statement ab, was man sich in naher Zukunft, von so manch anderem Künstler erhoffen würde.

www.terminalm.com
www.monikakruse.de

Das Interview führte Heiko Kunz.


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