Monika Kruse Interview
Mailinterview mit Monika Kruse vom April 2001
1. Wie bist Du zur Musik gekommen?
Musik war schon immer mein Ding. Schon seit ich klein war, steckte ich meine
gesamte Kohle in Tapes und Platten. Nach dem Abi habe ich meine ganzen
Praktikas auch im Bereich Musik gemacht, von Bandpromotion bis zu Musikzeitungen. Regelmäßiges Auflegen kam dann ein halbes Jahr später.
2. Was hörst Du privat?
Je nach Lust und Laune. Von Pop, Hip Hop, Funk & Soul bis zu - natürlich -
elektronischer Musik. Und da höre ich auch Querbeet, aber zuhause eher die
ruhigere oder experimentelle Schiene, von Ladomat bis zu Warp. Die harte
Musik ist dann eher was für'n Club.
3. Deine erste Platte?
Pumuckl
4. Wie oft legst Du auf?
Zur Zeit reduziere ich meine Gigs, da ich mir einmal im Monat ein Wochenende
für meine Freunde und das Berliner Nachtleben freihalten möchte.Ich wohne
seit 4 Jahren schon in Berlin, bin aber jedes Wochenende weg gewesen und hab
jetzt mal Lust die Stadt zu erkunden. Auch muß ich nicht mehr jede Party
mitnehmen, und mein Label bzw. selber Produzieren kostet auch viel Zeit, die
ich aber auch gerne dafür investiere.
5. Was sagst Du zur Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der elektronischen Musik?
Nun ja, früher war alles besser, könnt ich, wie alle, jetzt anfangen, zu
klagen. Klar war es früher superspannend was sich da allein alles an neuen
Sounds tat. Auch die Parties waren offener bzw. die Zuhörertoleranz
grösser, alles war möglich wenn man aufgelegt hat. Von House bis harten
Techno, es ging alles. Das ist mitlerweile leider heute recht festgefahren.
6. Bist Du Deinem Stil treu geblieben oder ziehst Du bei Trends mit?
Ich bin eigentlich eher immer ein Außenseiter mit meinem persönlichen
Musikgeschmack gewesen. In der Klasse schüttelte man über mich eher den
Kopf, als alle ihre AC DC-, DireStraits- und Bob Marley-Phase hatten, und ich
immer ihrer Meinung nach so komische Musik gehört habe, die niemand kannte
und mochte. Irgendwie hat mich das aber auch geprägt, ich habe einfach auf
mich gehört und mir war so der "allgemeine" Musikgeschmack wurscht.
Angefangen aufzulegen habe ich vor 9 Jahren, damals eher Blackmusic oder
Deephouse. Doch die elektronische Musik reizte mich immer mehr, und als
ich meine ersten Parties organisierte waren es Houseparties. Damit schwamm
ich eigentlich noch mehr gegen den Strom, denn Deephouse/ Diskohouse wollte
damals noch niemand so richtig hören. Doch auch nach ein paar Jahren fand
ich, daß die damaligen Houseproduktionen sich zu wiederholen schienen, es
begann mich zu langweilen und so wurde ich in Laufe der Jahre immer härter.
Komischerweise war dann Housemusic plötzlich "in" und boomte dermaßen - und
genau zu diesem Zeitpunkt hatte ich meine wohl härteste Phase, wo ich sehr
gerne ultradarke Platten spielte, die damals vielen Leuten zu hart waren,
die heutzutage aber jedes "Schranzherz" schneller schlagen lassen. Mittlerweile sind meine Sets zwar immer noch hart, aber ich versuche immer, verschiedene Stile einzubringen, eben alles was mich in meinem Leben so musikalisch geprägt hat. Was gerade in ist, interessiert mich überhaupt nicht.
7. Dein schönster bzw. außergewöhnlichster Gig?
Schöne gab es zum Glück zu viele, als daß ich sie aufzählen kann. Mit am
außergewöhnlichsten war wohl eine illegale Party auf einem Militärübungsgelände und das auch noch in München. Der DJ stand auf einem Panzer, und zwar genau in der "Ausguckluke" und benutze wortwörtlich seine Musik als Waffe ...
8. Ein Klassiker?
Earth People "Dance"
9. Engagierst Du Dich für den "Nachwuchs"? Wenn ja, wie?
Ja klar! Leider ist es heutzutage superschwer als DJ irgendwie
herauszukommen und zu leben. Aber leider liegt das auch an der Partycrowd.
Die gehen nicht mehr weg, weil eine Technoparty stattfindet, und sie sagen,
super den DJ kennen wir nicht lass uns das mal auschecken ... sondern sie
gehen zu namenhaften DJs, wo sie wissen, da wird's voll und deshalb 'ne gute
Party. Insofern haben unbekannte DJs fast keine Chance, "entdeckt" zu werden.
Ich versuche manchmal auf meinen Labelnächten, zum Beispiel im U 60, mir unbekanntere DJs, die ich gut finde, einzuladen. Ansonsten kann ich wenig tun, denn es entscheidet immer der Clubbesitzer, wen er holt. Allerdings muß ich den DJ vorher mehrere Male live gehört haben, mir Tapes zu geben, nützt gar nichts.
Ich habe einmal jemanden aufgrund eines Tapes gebucht und der war dann
grottenschlecht. Ob der DJ auf Leute eingehen kann und einen roten Faden in
seinem Set hat, kann man nur live hören.
10. Was ist Deine derzeitige Inspiration fürs DJing bzw. Produzieren?
Fürs DJing ganz klar die Leute ... wenn die Party gut ist, gibt's 'nen super
Adrenalinschub und es flutscht. Beim Produzieren lasse ich mich von Sounds
und Grooves inspirieren.