Miles Dyson Interview
Housefloor.de: Du hast seit kurzem eine eigene TV-Show, "Worldclubbing" auf Euro3, die ab Oktober über Satellit zu empfangen ist. Was wird es zu sehen geben?
Miles Dyson: Die Sendung hat den Untertitel "On Tour with the Dj". Es gibt viele Clubberichte, wobei ich eine Vielzahl internationaler Locations, egal wie groß oder bekannt, Veranstaltungen und Festivals vorstelle, durchleuchte und aus der Sicht der auftretenden Musiker zeige. Das Ganze bleibt auch nicht nur auf den Clubbereich beschränkt. Ich werde jede Möglichkeit nutzen, um auch andere Musiker unter die Lupe zu nehmen. Interviews mit Santana, Britney Spears, die Ärzte, Kosheen, Wir sind Helden, Sportfreunde Stiller und vielen mehr stehen in den nächsten Wochen genau so an, wie Milk&Sugar, Marco Bailey, oder etwa Ian Pooley. ...aber ich will nicht zu viel verraten. Anschauen!
Housefloor.de: Deine Dj-Karriere kam dadurch so richtig ins Rollen, dass du die European Dj-Championships gewonnen hast. Was war danach anders als vorher?
Miles Dyson: Geändert hat sich in dem Sinne nur, dass das außereuropäische Ausland seit 1999 verstärktes Interesse an Engagements gezeigt hat. Vorher konnte ich vor allem in der Schweiz schon einige Erfolge verbuchen. Man kann natürlich auch nicht erwarten, dass man nach solch einem "Karriereschub" von Heute auf Morgen schlagartig in den Olymp der Welt-Dj-Elite aufsteigt, vielmehr ist dies rückblickend ein langwieriger Entwicklungsprozess gewesen, den man gar nicht so wahr genommen hat.
Housefloor.de: Es ist dir in den vergangenen Jahren gelungen, diesen Titel vier Mal zu verteidigen. Was vermutest Du selbst, überzeugt die Jury an deinen Sets immer wieder so sehr?
Miles Dyson: Ich bin in meiner Art als Dj und Produzent Perfektionist. Wenn etwas nicht passt, wird es passend gemacht! Egal wie lange es dauert und welche Mühen es kostet. Manchmal versteht das Publikum die Arbeit eines Djs nicht richtig, oder es fehlt einfach am Gehör, um zu verstehen, was der Plattenmann gerade macht. Viele denken noch, dass ein Dj einfach nur irgendwie Musik machen sollte, aber die Realität sieht anders aus! Vielmehr ist es ein schwebender Umgang mit der Wirkung der einzelnen Lieder, eine thematische Aneinanderreihung einzelner akustischer Bilder, ein kontrolliertes Spiel mit den dadurch entstehenden Emotionen, ohne dabei den Faden zu verlieren. Auch geht es ums rhythmische "Keep on going", einem stetigen Vorantreiben der Massen mit dem Ziel ekstatischer, unbefangener Ausgelassenheit. Vielleicht hat eben diese Philosophie, sowie deren Umsetzung dazu beigetragen, die Juroren mehrfach für mich entscheiden zu lassen... ...oder die horrenden Schmiergelder haben gewirkt ;-)
Housefloor.de: Deine ersten Kontakte zum Mixen hattest du in deiner frühen Jugend am klassischen Tapedeck. Für junge Djs ist dies heutzutage nicht mehr selbstverständlich. Hältst du diese Erfahrung auch für wichtig im Umgang mit den Plattenspielern?
Miles Dyson: Ich glaube nicht. Heutzutage gibt es für kleines Geld schon recht gute Turntables und der Nachwuchs ist auf solche Experimente nicht angewiesen. Früher war das schon anders, so direkt nach dem Krieg... Da gab es nur 1210er und die waren unerschwinglich! Was blieb also anderes übrig, als sich anderweitig nach "pitchbarem" umzusehen.
Housefloor.de: Im Juli 2000 hast du dein eigenes Label, Plasmapool Productions, gegründet. Was hat den Anstoß dazu gegeben?
Miles Dyson: Die schlechten Rahmenbedingungen bei den deutschen Labels: groteske Zahlungsmodalitäten, miserables Mitspracherecht und die vertragliche Abtretung fast aller Rechte an den eigenen Stücken! Also: selber machen! Es war zwar ein harter, langer und beschwerlicher Weg, aber ich denke es hat sich gelohnt!
Housefloor.de: In diesem Jahr kam houserecordings als zweites Label dazu. Inwieweit unterscheidet sich sein Konzept von dem von Plasmapool?
Miles Dyson: Plasmapool Productions war ausschließlich für meine eigenen Produktionen konzipiert sexy, geil und dreckig ;-) Im laufe der Zeit kamen dann aber mehr und mehr Produzenten aus allen ecken der Welt auf mich zu, die auch noch richtig gutes Material vorweisen konnten. Die galt es unterzubringen. Und auf Grund der stilistischen Vielfalt meiner Artists von House bis Progressive entstanden neben "Plasmapool Productions" und "houserecordings" auch noch Genrelabel, wie "Aelaektropopp", "Luxury Tunes", "Kickin' Worx" und ein paar namenlose Sub-Labels für Promo-Releases und Weißpressungen.
Housefloor.de: Du spielst oft Live-Sets bei verschiedenen Radiosendern. Ist es nicht komisch, in einem fast leeren Studio ganz ohne tanzendes Publikum aufzulegen?
Miles Dyson: Nein, es ist subjektiv sogar ganz entspannend, da es nicht ganz so laut und verraucht ist, wie im Club. Als zweites ist es auch eine gewisse Herausforderung an sich selbst, da man sich eben nicht auf die Reaktionen des Publikums verlassen kann. Aber ehrlich gesagt ist in den Studios fast immer Publikum, mit dem man richtig feiern kann.
Housefloor.de: Woher stammt Dein Dj-Name?
Miles Dyson: Böse Zungen behaupten aus dem Film "Terminator II". Da dieser aber erst zwei, drei Jahre nach meinem Debüt in die Kinos kam, ist diese Theorie hinfällig. Ganz genau bin ich mir da auch nicht so sicher. Ich weiß nur, dass "Miles Dyson" meine erste Wahl war, da phonetisch gut zu vermarkten und sehr prägnant.
Housefloor.de: Plasmapool Productions wurde zum erfolgreichsten Label des vergangenen Jahres gekürt. Woher rührt der sensationelle Erfolg Deiner Releases?
Miles Dyson: Es scheint den Leuten zu gefallen. Natürlich lege ich sehr viel Wert auf massenkompatible Produktionen, die dennoch einen musikbezogen idealistischen Leitfaden nicht aus den Augen verlieren. Einerseits habe ich als Unternehmer vorrangig ökonomische Ziele anzustreben, als Musiker und Künstler sollten jedoch immer auch die eigentlichen Werte der Musik und vor allem künstlerischen Argumente nicht außer Acht gelassen werden. Ein Verlag in der Größe Plasmapools, sollte wohl auch immer von einer Aussicht auf Erfolg angetrieben werden, sonst wäre die ganze Arbeit umsonst. Dass nach so kurzer Zeit aber ein solch weitgreifendes Maß an Bestätigung erfahren werden konnte, damit hatte selbst ich nicht gerechnet!
Housefloor.de: Du legst auch oft im Ausland wie zum Beispiel in so fernen Ländern wie den USA oder Singapur, Malaysia oder Dubai auf. Welche Unterschiede in der Art und Weise der Menschen zu feiern sind dir im Vergleich zu Deutschland aufgefallen?
Miles Dyson: Deutschland ist gar kein Vergleich mehr zu anderen Ländern. In vielen Staaten sparen die Menschen teilweise einen ganzen Monat, um nur ein einziges Mal am Wochenende zu feiern. Und die feiern dann richtig! Ich denke jedes Land, oder besser jede kulturelle Region hat da seine Eigenheiten, die man auf jeden Fall einmal erlebt haben muss.
Housefloor.de: Plasmapool wurde 1994 als Eventorganisation gegründet. Was für Partys hast Du damals veranstaltet?
Miles Dyson: Jaja, früher war alles besser ;-) als elektronische Musik noch total im Untergrund verborgen mit aussagen, wie "...diese Musik ist sowieso bald wieder weg vom Fenster!" und "Techno ist tot!" lebte, gab es vor dem großen kommerziellen Boom noch eine überschaubare Zahl an Anhängern. Diesen musste man damals dann aber auch richtig was bieten. So entstanden Events in Höhlen, auf kleinen Inseln auf Baggerseen, auf alten Burgen, in Kühlhäusern von Logistikunternehmen aber auch in renommierten Clubs, wie dem legendären Futureclub Abby, der bereits ab 1989 einen festen elektronischen Freitag im Programm hatte. So waren auch die damaligen Größen der Szene für diese Events engagiert, wie Dj Hell, Dr. Motte, Westbam, Commander Tom, Dj Sioux, Celvin Rotane und Pascal F.E.O.S., die für unvergessene Abende sorgten.
Housefloor.de: Was können wir in den kommenden Monaten von Dir erwarten?
Miles Dyson: Es laufen gerade sehr viele Projekte. Neben der TV-Show, einer weiteren Labeltour im Herbst und Remixe für Melino und das kubanische Stimmwunder Gitana Loca, Housetwins, Defex und Alex Deluxe werden vor allem neue Medien für den leichteren und kundenfreundlichen Absatz unserer musikalischen Produkte erweitert, heißt: kommerzielle Downloads, striktere Medienpräsenz bei Radio und TV, chart-orientiertere Produktionen und und und. Mit festem Blick auf den deutschen Markt werde ich auf diesem in der Zukunft auch deutlich mehr vertreten sein. Um mit meinem treuen Gefährten Pinky irgendwann einmal die Weltherrschaft an mich zu reißen ;-).
Das Interview führte Alexandra Heine (spacelounge. media).
Bildnachweis: www.spacelounge.net
|