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Ältere Interviews von April - September 2001 September 2001 - Juli 2002 August - Juli 2003 Juli - Dezember 2003 Januar - Juni 2004

Mijk van Dijk Interview

pict 1. Wie bist Du zur Musik gekommen?
Über die Gitarre. Später habe ich mit Freunden meine erste Band gegründet und als der schlechteste von 3 Gitarristen fiel mir die früher unbeliebte Rolle des Bassisten zu. Dann kam Funk, ich lernte slappen (das Schlagen der Saiten mit dem Daumen) und damit war man als Bassist plötzlich extrem cool. Trotzdem benutzte ich auch schon einen Moog Prodigy für Synth-Basslines. 1987 interessierte ich mich dann für Musik-Computer (die gerade erschwinglich wurden), 1988 entdeckte ich Housemusic in London, schrieb als Journalist für längst verblichene Musik-Magazine wie Network Press, Cut, Hype und auch Frontpage, 1990 veröffentlichte ich meine erste Loopzone-12" auf Low Spirit. 1992 begann ich mit dem Auflegen. Ich habe schon früher gerne meinen Freunden meine Lieblingsplatten vorgespielt, als DJ mache ich auch heute noch prinzipiell nichts anderes.

2. Was hörst Du privat?
Viele verschiedene Styles! Zur Zeit gerade wieder gerne "E2-E4" von Manuel Göttsching, alles von Naked Music NYC, "Bodily Functions" von Herbert und die erste LP von Jim Avignon.

3. Deine erste Platte?
Erste selbstgekaufte 7": "Kung Fu Fighting" von Carl Douglas

4. Wie oft legst Du auf?
Durchschnittlich 2x die Woche, meist Freitag und Samstag.

5. Was sagst Du zur Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der elektronischen Musik?
Über die Vergangenheit könnte ich ein ganzes Buch schreiben. Mache ich vielleicht auch mal irgendwann, um mit diversen Mythen aufzuräumen, die in den Köpfen der Leute herumspuken. Zur Entwicklung der Szene speziell in Deutschland und Berlin empfehle ich bis dahin erstmal das sehr gut geratene "Love Parade Story 89-99" von Ilona Bublitz und Cornelius Ballin (ISBN 3-89769-022-5), da geht´s nicht nur um die Entstehungsgeschichte der Love Parade. Zur Gegenwart: ich habe den Eindruck, daß wir die Spaltung in langweiligen Loop-Techno und kitschigen Pop-Trance langsam hinter uns haben und die Szene in den Clubs wieder mehr zusammenrückt. Techno macht wieder mehr Spaß. Gründe: auch minmale Platten weisen wieder Arrangments, sparsame Melodien und Chord-Progressions auf, hier und da gibt's auch wieder richtig gute Rave-Signale und der 80s-Einfluß hat den Fun-Faktor enorm hochgeschraubt. Zur Zukunft: neben allen Revivals würde uns mal wieder eine neue, kleine Soundrevolution guttun.

6. Bist Du Deinem Stil treu geblieben oder ziehst Du bei Trends mit?
Ich glaube immer noch, das innovative DJs die Trends setzen müssen, nicht ihnen folgen. Und einen wahren Künstler erkenne ich an seiner individuellen Handschrift, seinem unverwechselbaren Sound, den er ständig erweitert und dennoch treu bleibt. Innovation und Charakter schließen sich also nicht aus, sie ergänzen sich. Andererseits ist auch niemand eine Insel und natürlich beeinflußt mich, was meine DJ-Freunde auflegen und welche neuen Platten mich besonders kicken. Techno ist eben auch ein Community-Ding.

7. Dein schönster bzw. außergewöhnlichster Gig?
Drei besonders schöne Events waren:

17.03.01: Die große Abschlußparty "Tecno Geist 2001 - Parade" in Mexico City, an einem lauen Frühlingsabend mit vielen deutschen und mexikanischen DJs und 60.000 Leuten.

25.11.95: "Made In Heaven" in Tokyo, mit DJs wie Laurent Garnier, Takkyu Ishino, Fumiya Tanaka und Toby Izui. Ich spielte live und es war sowas wie ein Break-Through in Japan.

19.08.94: Stellvertretend für meine Dubmission-DJ-Sets im unvergessenen "E-Werk" in Berlin. Ich hatte gerade mit Marcos Lopez den Marmion-Remix von Schöneberg fertiggestellt und um 5 Uhr morgens spielten wir ihn von DAT. Ich habe selten ein Publikum gesehen, das so dermaßen abgefahren ist.

Besonders außergewöhnlich waren Auftritte in Städten, wo man eigentlich keine Parties erwartet. Ich hätte nie gedacht, daß ich mal auf dem Tiananmen-Platz in Peking stehen oder durch die zerbombten Vororte von Sarajewo gehen würde.

8. Ein Klassiker?
Alles von Kevin Saunderson, und E-Dancer im speziellen ganz besonders.

9. Engagierst Du Dich für den "Nachwuchs"? Wenn ja, wie?
Ich möchte hier mal loswerden, dass das sogenannte "Engagement für den Nachwuchs", wie es manche Kollegen betreiben, in meinen Augen oft eher dazu dient, nachrückende mögliche Konkurrenz für sich zu vereinnahmen, in die Posse-Pyramide einzugliedern, natürlich soweit zu fördern, wie es dem Status des Häuptling nützt, aber auch kurz zu halten, falls sie zu populär werden. Empire Building rules! Ich begnüge mich damit, talentierten Jungproducern die eine oder andere Tür zu zeigen, womöglich auch leicht zu öffnen, aber durch die Tür müssen sie schon selber gehen.

Habe zum Beispiel 1995 die erste Veröffentlichung von Takkyu Ishino auf einem deutschen Label in die Wege geleitet ("Niji"-Remixes auf MFS) und 1997 einige Copies der ersten Technasia-12ã ("Descent") aus Hongkong mitgebracht und einigen deutschen DJs und Techno-Magazinen zugeschickt.

10. Was ist Deine derzeitige Inspiration fürs DJing bzw. Produzieren?
Ich bin kurz davor, mein viertes Album fertigzustellen. Bei Gelegenheit teste ich die neuen Tracks auch im Club und checke die Resonanz des Publikums. Und zur Zeit nehme ich auch gerne eine Sampling-Drummachine mit, die ich mit den Platten mixe. Mein Spaß und der Spaß des Publikums sind noch immer meine Hauptinspiration für alles.


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