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Ältere Interviews von April - September 2001 September 2001 - Juli 2002 August - Juli 2003 Juli - Dezember 2003 Januar - Juni 2004

Lupo Interview

pict Interview mit Lupo August 2001:

1. Wie bist Du zur Musik gekommen?
Wie die Jungfrau zum Kind, nee. Ich mochte schon immer Musik, war dann aber in eine etwas ältere Frau verliebt u habe deswegen immer in einer Kneipe gehockt, wo ich dann auflegte, danach kamen die Discos (es war 1974) etc. Irgendwann habe ich dann meine Heimatstadt verlassen, war in Hamburg, Dortmund, München, Barcelona, Ibiza etc. Eben fast überall!

2. Was hörst Du privat?
Den kaputten Wasserhahn in meinem Badezimmer meist. Daneben noch Jazz, Klassik und Kid Loco.Ich bin Zuhause der Immer-Dieselbe-CD-Hörer, aber ich bin auch nicht oft daheim.

3. Deine erste Platte?
Meinste gekaufte oder selbstgemachte? Gekaufte war Led Zeppelin 2 LP (1969), das Geburtsjahr meiner Freundin!) und davor Norman Greenbaum - Spirit In The Sky (1968). Gemachte waren Remixe für so 'ne James Brown Geschichte Mitte der 80er und Bollock Bros Rmx. Eigene war Hell Or Heaven am Anfang der Zusammenarbeit mit Low Spirit.

4. Wie oft legst Du auf?
Meist nur noch auf Touren mit Electric Kingdom oder bei so 7 verschiedenen Veranstaltern, die ich gut kenne. es gibt so viele neue Jungs, die gerne mal wollen, ich selbst finde Booking DJ blöd, da die Leute ja auch das recht haben, das zu hören, was auf dem Flyer steht. Ich mache lieber Clubmusik für die selbe Crowd und ziehe dann Platten einfach aus der Intuition mit denen keiner gerechnet hat. Mein Spaß am DJ sein war immer, was anderes zu spielen als alle dachten, und immer wie ich drauf bin gerade, also eher planlos, aber solche Nächte vergißt man nicht. Nur leider gibt es keinen Club, wo man so heute noch auflegen könnte, es kann nur in der Woche sein etc., aber wenn, dann würde ich das auch ganz billig machen und hätte darüber dann vielleicht auch wieder mehr Bock auf Bookings.

5. Was sagst Du zur Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der elektronischen Musik?
Ach, da müsst Ihr die Leute fragen, die Kunden sind, denn wenn man erstmal gecheckt hat, dass es wichtiger ist, was man für eine Platte an Marketing ausgibt etc., dann kann man das alles nicht mehr so ernst nehmen. Die Industrie sorgt doch dafür, das es berechenbarer wird und weniger Namen im Spiel sind, die Kehrseite ist eben : es wird dadurch auch langweiliger und uninteressanter. Heute ist sowieso alles elektronische Musik, da es so einfach billger zu produzieren ist, als ein ganzes Orchester wochenlang ins Studio zu holen etc. Ausserdem kann man so viel leichter komponieren, denn von ein bis 3 Samples fängt man an und am Schluß ist der Anfang gar nicht mehr drinnen, sondern nur noch das, was man selbst draus macht.

6. Bist Du Deinem Stil treu geblieben oder ziehst Du bei Trends mit?
Kommt drauf an, denn ich finde das fast alle DJs gefallsüchtige Huren (ich nehme mich da selbst nicht raus!) sind und alles spielen, wenn es nur Erfolg verspricht und hilft sich ein Ohr bei den Leuten freizuspielen. Ausserdem hat man Stil oder eben nicht, das ist doch keine Frage des Durchziehens, sondern des Geschmacks und selbst schlechter Geschmack hat immernoch Stil! Ich habe ja seit 1974 aufgelegt und damals mußte man die Leute erstmal aufspielen, also dazu zwingen zuzuhören, wenn man das geschafft hatte, konnte man schon etwas experimentieren, doch wenn man Erfolg haben wollte, mußte man doch alles im Auge behalten. Heute retten sich viele DJs nur durch ihre Mixkunst und haben viel zu wenig gesamt Musikverständnis, das merkt man immer, wenn jüngere alte Platten spielen, so aus der Zeit, wo sie noch Kinder waren, das sind nie die Platten, die cool in der Zeit waren, sondern dann nur die stumpfesten Hits, aber woher sollen sie es auch wissen, und meist bekommen sie ja vom Publikum Recht. Aber auf der anderen Seite setzt sich Klasse eben immer durch.

7. Dein schönster bzw. außergewöhnlichster Gig?
Letzter Electric Kingdom Gig in Stettin, wo so 6000 Leute zu einer neuen Platte von mir, die als Dubplate gespielt wurde, durchgedreht sind, war oberphatt. Aber über die Jahre waren es so viele erstaunliche Events, dass ich das nicht mehr einzeln auf dem Schirm habe, da ich auch Drogen mag und gerne mitfeiere.

8. Ein Klassiker?
Blake Baxter - Rember The Good Times, Don´t You Want Some More!

9. Engagierst Du Dich für den "Nachwuchs"? Wenn ja, wie?
Helfe mit meiner Promption Lexy & K-Paul, Klangkontakt etc. Dazu höre ich die Demos bei Low Spirit und spiele die besseren Sachen dann WestBam vor, wenn er mal Zeit dazu findet.

10. Was ist Deine derzeitige Inspiration fürs DJing bzw. Produzieren?
Ich mag Musik, auch wenn es manchmal zu funktionell wird, aber das haben wir uns ja selbst eingebrockt indem wir damals das Starsystem gebrochen haben und was ist daraus geworden? Heute kommen die Autogrammjäger eben zu den DJs. Wahrscheinlich brauchen die Leute doch ihre Stars.

Lupo - Gigs - Charts - Reviews


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