Lupo Interview
Interview mit Lupo August 2001:
1. Wie bist Du zur Musik gekommen?
Wie die Jungfrau zum Kind, nee. Ich mochte schon immer Musik, war dann aber
in eine etwas ältere Frau verliebt u habe deswegen immer in einer Kneipe
gehockt, wo ich dann auflegte, danach kamen die Discos (es war 1974) etc.
Irgendwann habe ich dann meine Heimatstadt verlassen, war in Hamburg,
Dortmund, München, Barcelona, Ibiza etc. Eben fast überall!
2. Was hörst Du privat?
Den kaputten Wasserhahn in meinem Badezimmer meist. Daneben noch Jazz,
Klassik und Kid Loco.Ich bin Zuhause der Immer-Dieselbe-CD-Hörer, aber ich
bin auch nicht oft daheim.
3. Deine erste Platte?
Meinste gekaufte oder selbstgemachte? Gekaufte war Led Zeppelin 2 LP (1969),
das Geburtsjahr meiner Freundin!) und davor Norman Greenbaum - Spirit In The
Sky (1968). Gemachte waren Remixe für so 'ne James Brown Geschichte Mitte der
80er und Bollock Bros Rmx. Eigene war Hell Or Heaven am Anfang der Zusammenarbeit mit Low Spirit.
4. Wie oft legst Du auf?
Meist nur noch auf Touren mit Electric Kingdom oder bei so 7 verschiedenen
Veranstaltern, die ich gut kenne. es gibt so viele neue Jungs, die gerne
mal wollen, ich selbst finde Booking DJ blöd, da die Leute ja auch das
recht haben, das zu hören, was auf dem Flyer steht. Ich mache lieber
Clubmusik für die selbe Crowd und ziehe dann Platten einfach aus der
Intuition mit denen keiner gerechnet hat. Mein Spaß am DJ sein war immer,
was anderes zu spielen als alle dachten, und immer wie ich drauf bin gerade,
also eher planlos, aber solche Nächte vergißt man nicht. Nur leider gibt es
keinen Club, wo man so heute noch auflegen könnte, es kann nur in der Woche
sein etc., aber wenn, dann würde ich das auch ganz billig machen und hätte
darüber dann vielleicht auch wieder mehr Bock auf Bookings.
5. Was sagst Du zur Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der
elektronischen Musik?
Ach, da müsst Ihr die Leute fragen, die Kunden sind, denn wenn man erstmal
gecheckt hat, dass es wichtiger ist, was man für eine Platte an Marketing
ausgibt etc., dann kann man das alles nicht mehr so ernst nehmen. Die
Industrie sorgt doch dafür, das es berechenbarer wird und weniger Namen im
Spiel sind, die Kehrseite ist eben : es wird dadurch auch langweiliger und
uninteressanter. Heute ist sowieso alles elektronische Musik, da es so
einfach billger zu produzieren ist, als ein ganzes Orchester wochenlang ins
Studio zu holen etc. Ausserdem kann man so viel leichter komponieren, denn
von ein bis 3 Samples fängt man an und am Schluß ist der Anfang gar nicht
mehr drinnen, sondern nur noch das, was man selbst draus macht.
6. Bist Du Deinem Stil treu geblieben oder ziehst Du bei Trends mit?
Kommt drauf an, denn ich finde das fast alle DJs gefallsüchtige Huren (ich
nehme mich da selbst nicht raus!) sind und alles spielen, wenn es nur
Erfolg verspricht und hilft sich ein Ohr bei den Leuten freizuspielen.
Ausserdem hat man Stil oder eben nicht, das ist doch keine Frage des
Durchziehens, sondern des Geschmacks und selbst schlechter Geschmack hat
immernoch Stil! Ich habe ja seit 1974 aufgelegt und damals mußte man die
Leute erstmal aufspielen, also dazu zwingen zuzuhören, wenn man das
geschafft hatte, konnte man schon etwas experimentieren, doch wenn man
Erfolg haben wollte, mußte man doch alles im Auge behalten. Heute retten
sich viele DJs nur durch ihre Mixkunst und haben viel zu wenig gesamt
Musikverständnis, das merkt man immer, wenn jüngere alte Platten spielen,
so aus der Zeit, wo sie noch Kinder waren, das sind nie die Platten, die
cool in der Zeit waren, sondern dann nur die stumpfesten Hits, aber woher
sollen sie es auch wissen, und meist bekommen sie ja vom Publikum Recht.
Aber auf der anderen Seite setzt sich Klasse eben immer durch.
7. Dein schönster bzw. außergewöhnlichster Gig?
Letzter Electric Kingdom Gig in Stettin, wo so 6000 Leute zu einer neuen
Platte von mir, die als Dubplate gespielt wurde, durchgedreht sind, war
oberphatt. Aber über die Jahre waren es so viele erstaunliche Events, dass
ich das nicht mehr einzeln auf dem Schirm habe, da ich auch Drogen mag und
gerne mitfeiere.
8. Ein Klassiker?
Blake Baxter - Rember The Good Times, Don´t You Want Some More!
9. Engagierst Du Dich für den "Nachwuchs"? Wenn ja, wie?
Helfe mit meiner Promption Lexy & K-Paul, Klangkontakt etc. Dazu höre ich
die Demos bei Low Spirit und spiele die besseren Sachen dann WestBam vor,
wenn er mal Zeit dazu findet.
10. Was ist Deine derzeitige Inspiration fürs DJing bzw. Produzieren?
Ich mag Musik, auch wenn es manchmal zu funktionell wird, aber das haben
wir uns ja selbst eingebrockt indem wir damals das Starsystem gebrochen
haben und was ist daraus geworden? Heute kommen die Autogrammjäger eben zu
den DJs. Wahrscheinlich brauchen die Leute doch ihre Stars.
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