Kotai - Kotai...
Im April diesen Jahres erschien auf WMF Records das neue Album des Wiener Elektromusikers Klaus Kotai. Schon die Vorabsingle im März, "DJ Sucker", wurde zusammen mit dem Remix von DJ Highfish ein dicker Erfolg Zusammengefasst unter seinem eigenen Namen als Titel erzählt er neun kleine Geschichten, die eine gesamte organische Einheit bilden, der eine konkrete Ideologie zugrunde liegt. Schwer zu kategorisieren und mit ihrem ganz eigenen Charme erschließt sich die wahre Macht der Musik erst beim Hören. Mit energetischen Basslines zu statischen Beats in Verbindung mit klaren Melodien erzeugt der Sound strange bis hin zu extremen Schwingungen, die sich zwar nicht so leicht verbal festnageln, sich jedoch mit dem Begriff "Cool" sehr gut umschreiben lassen. Unterstützt wird diese "Coolness" durch ernste Texte mit dem klaren Willen zur Message. Es werden Statements getätigt, die zur Interpretation einladen, und Empfindungen und Eindrücke nach Außen hin getragen. Trotz der starken Betonung der Sprache bleibt der homogene Gesamteindruck der Musik erhalten. Rundum ein faszinierendes Album.
Klaus Kotai - besser bekannt als ein Mitglied des legendären Elektro Music Department - gehörte neben den Künstlern DJ Mo und Daniel Pflumm, zu den ehemaligen Betreibern des Berliner Kultclubs Elektro, aus dem nach dessen Schließung auch das Department entstand. Schon vor dem Elektro beeinflusst das Künstlertrio Mo, Kotai und Daniel Pflumm durch ihre musikalischen und videokünstlerischen Projekte, wie Panasonic oder Init, die Berliner Szene massgeblich. Als Philosophie des Depertmants steht die Synergie aus Kunst und Musik, in erster Linie von Mo und Kotai, im Vordergrund, was durch Daniel Pflumm in Form von Videos und Artwork betont wird. Dabei bleibt auf der musikalischen Ebene ein Tendenz zu Sound, der unter die Attribute Techno, minimal, deep und atmosphärisch fällt. Dabei sollte jedoch darauf geachtet werden, dass das Department moderne Tanzmusik macht, die keine Klischees des Technos bedient, dass minimal eher pur bedeutet, dass sich deep auf die emotional Tiefe bezieht und mit atmosphärische ein bestimmtes Raumgefühl umschrieben wird.
Auf diesem Label finden sich auch die bisherigen Releases des Wieners, die alle einen spröden-minimalen Touch besitzen. Nun bringt er sein neues Album bewusst auf WMF Records heraus, da es dort mit der klaren Cluborientierung einfach besser aufgehoben ist und er auch noch einen starken persönlichen Bezug zu Club und Label besitzt.
Techno Online traf sich mit dem Wiener Künstler in einem gemütlichen Berliner Café auf ein paar Tässchen Kaffee und ein gediegenes Gespräch über das Album, das Leben im schönenen Berlin und die Zukunft der elektronischen Musik...
TO (Techno Online):
Letzten Freitag wurde im Cookies hier in Berlin die Record Release Party für Dein neues Alkbum "Kotai" gefeiert. Dort hast Du dann auch live performt. In diesem Zusammenhang, zielst Du eigentlich mit Deiner Musik eher in die Listening- oder "Music for the Dancefloor"-Richtung ab?
K (Kotai)
Weniger Listening-Sound, sonder für den Dancefloor. Wenn man sich jetzt so ein Set anschaut, dann kann man nicht durchgehend dazu richtig tanzen, da es ja immer wieder Pssagen gibt, die keine Beat haben. Ausserdem ist ja auch der Begriff ein sehr weitgefasster Begriff. Muss ja nicht immer nur exzessives Tanzen zu durchgehendem Beat sein. Aber die Musik ist schon auf die Bewegung des Zuhörers hin orientiert.
TO:
Nach welchen Punkten baust Du Deine Live Sets auf? Wie gehst Du dabei vor?
K:
Das ganze Material, egal ob jetzt vom Album oder noch unveröffentlichte Sachen, versuche ich modular und abwechslungsreich neu zusammenzusetzen. Zusätzlich versuche ich das Ganze noch etwas interaktiver zu gestalten, sprich Live Vocals mit zu verwenden, aber auch von Band. Rundum eine freie Mischung, die sich je nach Situation und Ort auch verändert.
TO:
Für die Visuals bei dem Gig war Daniel Pflumm zuständig, mit dem Du schon viel zusammengearbeitet hast. Er ist ja auch für die Produktion des Videos zu "Sucker DJ" verantwortlich. Wirst Du mit ihm auch in Zukunft bei Live-Auftritten kooperieren?
K:
In diesem Fall war das optimal, da er auch noch das Licht gesteuert hat und somit perfekte Bedingungen herrschten. Für die Zukunft muss man sich einfach auf die Gegebenheiten in den verschiedenen Locations einstellen, Licht oder Hardware. Es wird jedoch weiterhin in die Richtung gehen, wie es auch im Cookies zu sehen war.
TO:
Sind weitere Live Gigs für die nächste Zeit geplant?
K:
Jetzt geht es erst einmal nach Mannheim, dann Frankfurt und dann das Sonar Festival, dort wird WMF Records zusammen mit Bpitch Control einen Stand unterhalten und es wird einen Showcase geben, in dessen Rahmen ich zusammen mit Nikakoi und DJ Highfish performen werde. Darauf folgt Italien, in der Nähe von Bologna am Strand, dann Paris, München, Popkomm und noch im Rahmen einer Dokumenta in der Nähe von Kassel. Dort habe ich schon einmal gespielt und der Veranstalter möchte mich jetzt noch einmal buchen, da ihm das Set sehr gut gefallen hat.
TO:
Wenn Du jetzt nach dem grossen Erfolg von Album und der Singleauskopplung zurückblickst, was denkst Du Dir dann?
K:
In erster Linie ziemlich zufrieden. Jetzt wird es bald zwei weitere Remixe zu "Sucker DJ" geben, die ich schon gehört habe und richtig gut geworden sind. Die Single wird auf alle Fälle ein Brett. Die Zusammenarbeit ist über DJ Highfish zustande gekommen und hat sich auf alle Fälle gelohnt. Liegt so vom Sound her zwischen Techno und House. Zusammen mit dem ersten Remix von DJ Highfish, das ja seine erste eigen Produktion war, ist das Ganze eine schöne runde Sache. Auch die Zusammenarbeit mit WMF Records war ausgezeichnet und es wird sie auch weiterhin geben. Bin sehr zufrieden! Fühl mich sehr wohl bei WMF! Ich habe schon eine ganze Menge Labels kennengelernt. Es gibt solche und solche. Von daher bin ich sehr happy mit WMF Records, zusammenarbeiten zu dürfen. Eine konstante, stabile Sache!
TO:
Mit welchen Augen sieht man so einen Remix von einem eigenen Stück?
K:
In diesem Fall hat DJ Highfish mir den Track vorgespielt und es wäre mir auch niemand anderes jetzt in den Sinn gekommen, der für ein Remix in Frage gekommen wäre. Der Song hat mit von Anfang an gefallen und er ist ja auch mein Partner bei den Live Gigs. Eine richtig gute Zusammenarbeit mit Erfolg, wie man sieht.
TO:
Wird es dann bald auch gemeinsame Produktionen von Euch geben?
K:
Im Moment sind solche nicht geplant. Ich konzentriere mich mehr auf meine eigene, alleinige Produktionen.
TO:
Produzierst Du eigentlich beständig oder immer so schubweise?
K:
Naja, es kommt darauf an. Zur Zeit gibt es eine kurze Pause, da das Studio gerade umgebaut wird. Daneben arbeite ich an der Verbesserung der Live-Auftritte. Danach wird es dann wieder mit dem Produzieren weitergehen, dafür gibt es auch schon ein paar Ideen, z.B. die nächste Single, die ich realisieren will. Ab da kann man dann sagen, dass es kontinuierlich dahingeht.
TO:
Ist für "Sucker DJ" eigentlich ein Video geplant?
K:
Dazu wird es auf alle Fälle eins geben, das von Daniel Pflumm produziert wird. Es wird verschiedene Bilder aus der Werbung und Ambient-Situationen, die er in Büros oder an Flughäfen gefilmt hat, geben, wovon schon einige im Cookies zu sehen waren.
TO:
Jetzt noch einmal kurz zu Deinem Album. Bei Dir spielen in Deinen Stücken die Lyrik und die Texte zusammen eine sehr wichtige Rolle. Dabei gibt es auch
immer klare Statements, die getroffen werden. Wie kommst Du zu den Texten, wie ist der Entstehungsprozess?
K:
In diesem Fall hat es sich aus verschiedenen Quellen ergeben. Zu anfangs habe ich Präsentationssets zusammengestellt, in denen ich Platten mit eigenen Stücken und unveröffentlichtem Material gemischt habe. Später kam dann während dieser Sets mein eigener Gesang dazu, so habe ich z.B. zu einer Joey Beltram-Nummer einen Bowie-Text gesungen. Dabei entstanden dann eine Vielzahl der Texte. Zum Beispiel die Musik zu "Sucker DJ" ist schon 1993 entstanden, kam damals aber als Instrumentaltrack nicht heraus. Irgendwann ist mir dann im Rahmen solch eines Sets beim Improvisieren spontan die Line dazu eingefallen, aus der dann wiederrum der restliche Text entstand. Noch ein anderes Beispiel, "Riding Is Very Expensive" war eine Art Assoziation in Form eines Gedichts, die mir irgendwann in den Sinn gekommen ist, wozu dann erst die Musik entstand. Oder bei dem Track "Ba3 Breathing" war der Ansatzpunkt das Elementare, wie das Waschen oder das Atmen, und dann kam der 11. September. Das Grundthema ist auf der einen Seite der Überfluss und auf der anderen Seite die Menschen, die bedürftig sind. Ein komplexes Thema, das heute aktueller denn je ist. Es gibt Leute die haben nichts und wie gehen wir damit um? Wie geht man nun an dieses Thema heran, so dass man etwas tiefer geht als mit Statements wie "Ich bin auch gegen die Hungersnot!" und auch etwas bewirkt. In diesem Fall "Things You Love You Clean...", eben nicht nur die tägliche Hygiene, die es bei uns ja im Überfluss gibt, sondern manche Menschen müssen ihr geliebtes Land, ihre Gärten von Landmine säubern. Ich möchte somit Gegensätze und Kontraste darstellen.
TO:
Willst Du mit Deinen Texten die Leute zum Nachdenken bringen.
K:
Natürlich, aber wichtig ist auch, dass mir das Statement gefällt und dass ich es im Text auch richtig umsetzen kann. Dieses Album ist sehr zugesungen, da während dieser Sets sehr viel Material mit Gesang entstanden ist, das ich für das Album verwenden konnte und habe. Daneben gibt es dann auch noch den letzten Track "Cool Ozzi", der ganz anders entstanden ist. Mein Vater war Jazzfan und hat mir mal eine CD vorgespielt, auf der eine komplette Jamsession zusammen mit den ganzen Gesprächen zwischendurch zu hören war. Ich wiederum habe dies in Form einer Technosession umgesetzt. "Cool Ozzi" war auch der Spitzname meines Vaters als er Jazzmusiker war. Also eine perönliche Geschichte!
TO:
Findest Du, dass die Leute Deine Musik so aufnehmen, wie sie sie die Musik aufnehmen sollen? Du hast doch bestimmt schon mit ihnen darüber gesprochen.
K:
Leute aus meinem Umfeld, die auch die Entstehung mitverfolgt haben, wissen mehr darüber und können sich auch genauere Gedanken dazu machen. Bei anderen gibt es die verschiedensten Interpretationen. Der eine sieht dies, der andere sieht das in den Texten. Auch ist es davon abhängig, ob sie alte Sachen von mir kennen und somit auch den Vergleich haben. Im Grossen und Ganzen bin ich sehr zufrieden mit den Interporetationen. Es ist auch abhängig davon, wie sehr sie sich mit den Stücken auseinander gesetzt haben. Denn in dem Moment, in dem den Text kennt, nimmt man das Stück wiederum ganz anders wahr. So kommt ein neuer Aspekt der Musik dazu.
TO:
Gab es schon immer Gesang zu Deinen Sücken?
K:
Zu anfangs gab es eine Phase ohne Vocals. Dann gab es mit der Zeit Veröffentlichungen auf Elektro Music Department mit Vocalsamples oder mit lautmalerischen Freestyle-Texten, was aber noch lange kein richtiger Gesang war. Dann gab es die Interpretationssets, aus denen wiederum die heutigen Texte entstanden, womit ich auch sehr zufrieden bin.
TO:
Wirst Du dabei auch bleiben? Dies weiter verfolgen?
K:
Teilweise, es kommt auf die Projekte an, die ich mache. Aber es wird auf diesem Weg weitergehen. Es ist völlig offen, da es auch viele verschieden Möglichkeiten gibt, auf die man Gesang einsetzen kann.
TO: Dieses Statements möchte ich als Abschluss so stehen lassen. Vielen Dank für das Gespräch und auch weiterhin viel Erfolg bei allen Projekten, die Du angehst.
Und hier noch die Texte zu den einzelnen Tracks des Albums "Kotai", damit sich jeder seinen eigenen Gedanken dazu machen kann...
01. Pretty Men Wear Pretty Clothes
Leatherface
Get The Cruise Control
Leatherface
The Cruise Control Now
Hey Pretty
Hey
02. The Call
Oh My Lord I Wont Forget
Smoking On A Cigarette
In My Life Youd Be A Queen
Prettiest Boy Ive Ever Seen
Youre The One That Makes Me Sing
Bring Happieness And Everything
Youre The Only Real One
Who Took My Arm And Broke My Will
Made Me Shiver With A Wierd Thrill
I Knelt Down By Your Swimming Pool
It Felt So Fine It Felt So Cool
03. Ba3 Breathing
There Is Something In The Air
High Up In The Sky
B52 ( U.S. Bomber / Now )
F10 Phantom ( U S Bomber / Vietnam )
F15 The Warthhog ( U S Bomber / Gulfwar Nickname )
Keep Breathing Baby
Breathing Hot Air
Washing Baby
In Very Cold Water
Things You Love You Clean
Things You Love You Clean
Landmine Landmine
Do You Know Where The Wild Roses Grow
Do You Know Where The Dark Horses Go
Do You Know Where Your Income Tax Blows
So Many Ships Are On The Sea
Dont You Swim Across
04. Junesong
Around Your Neck
Across Your Cheek
Above Your Lip
05. Guardian Angel
5-0 ( Raygun Neon Evangelion)
6-0 8 8 ( German Attilery 2.World War )
9.9 ( The 9mm Special Calibre)
20 Millimeter ( Machine Gun )
I Drive A Sixtynine Chevy With A 395
Fuelie Heads And A Hurst On The Floor
I Met Her On The Strip Three Years Ago
In A Camaro With This Dude From La
I Blew The Camaro Off The Road
And Drove That Little Girl Away
Send Me An Angel
A Guardian Angel
Once Upon A Time There Was A Place Called Eden
Once Upon A Time
Now There Is A Time There Is A Girl Like You
Now There Is A Time
Once Upon A Time There Was A Land Called Fartfuck
Once Upon A Time
Now There Is A Time There Is A Like This
Now There Is A Time
Now There Is A Time There Is An Angel Like You
Send Me An Angel
My Guardian Angel
Never Leave Me
Never Go
06. Run Alone
Do You Wanna Run Away Run Alone
Do You Wanna Look Like A Rolling Stone
Do You Wanna Join Romeros Living Dead
Do You Wanna Shop A Bullet For Your Head
07. Sucker Dj
Is There Something You Wanna Tell Me
Is There Something That I Should Know
Is There Something You Should Tell Me
Is There Something I Wanna Know
Tell Me So
I Can See It In The Morning Light
When The Sun Shines On Your Face
I Can See It When Sael Eiwaigh *
Is Fucking Up Your Place
* Sael Eiwaigh : From The Nekromonicon / Celtic Priest
'The One Who With Helmet Is One'
08. Ridin Is Very Expensive
Ridin Is Very Expensive
The Will Of The Horse Has Been Broken
Fathering Organized
By A Very Stronge Stallion
Driven To In A Wooden Box
On The Highway For Hours And Days
So Give Your Horse A Blowjob
Check It Out ! Experiment !
Boys Will Find You Skillfull
Drink It All Up Its Only Half A Liter
Its Very Nutritious
So You Dont Have To Go To Mcdonalds Anymore
And They Dont Need Excuses Anymore
Its Not Us About The Rain Forest
Its Not Us About The Beef
Its Not Us About The Toiletts
Call Us The House Of The Holy
House Of The Holy
Mcdonalds Horseburger
House Of The Holy
Led Zeppelin Whole Lotta Love
The Man Who Knew What Women Need
The Man Who Gave A Woman Every Inch Of His Love
Deep Down Inside
Vibrato Voice
The Other One Is More The Intellectual Guy
666 Number Of The Beast
Bought The House Of Allister Crowley
With The Biggest Occult Library On Earth
Intellectual Guy
Deep Down Inside
House Of The Holy
09. Coll Ozzi
Is A Rare Document Of A Live Recording Session Where Electronic Equipment Met Real Instruments
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