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Kevin Saunderson Interview

Zusammen mit Derrick May und Juan Atkins bildet Kevin Saunderson Ende der Achtziger Jahre die fabulösen Belleville Three, benannt nach der Belleville High School, die sie gemeinsam besuchen. Sie stellen damals die Weichen für die elektronische Tanzmusik auf Durchstarten und beeinflussen so bis heute internationale Musikproduktionen. Kevin Saunderson, der einzige der nicht aus der "Motor City" sondern aus Brooklyn stammt, veröffentlicht unter unzähligen Pseudonymen, wie Inner City, E-Dancer, Reese Project, Tronik House u.v.a., und präsentiert so die verschiedenen Facetten seiner kreativen Tätigkeit. All diese Release bringt er auf seinem eigenen, 1986 gegründeten Label KMS Productions heraus und deckt dabei alle Sparten der elektronischen Musik, von Underground bis Charthit, von Techno bis Dance, ab. Die grössten Erfolge feiert er mit Inner City, bei dem er mit der Vokalistin Paris Grey zusammenarbeitet und ihm Ende der Achtziger, mit Songs, wie "Big Fun" und "Good Life" auch der Durchbruch in Europa gelingt. Bis zum heutige Zeitpunkt können die beide auf 12 Top40 Hits und zwei Top20 Alben in den englischen Charts zurückblicken, so wie auf diverse Auszeichnungen, eine Gesamtverkaufszahl von sechs Millionen Exemplaren, vier Goldene Schallplatten, ein Gold Album und ein Platin Album. Daneben widmet sich Kevin Saunderson auch verstärkt seinem Schützling E-Dancer, unter diesem Namen produziert er pure und reine Techno Music. Mit seinem ersten Album "Heavenly" überzeugt und beeindruckt er zugleich Kritiker und Hörer. Dieser Longplayer gehört mit Sicherheit zu den Meilensteinen Detroiter Musikgeschichte.

Nun bringt er auf dem Online Label TrustTheDJ Records.com eine Mix CD heraus, die laut seiner eigenen Worte seinen jetzigen Standpunkt als DJ und zugleich Musiker markiert. Ein weiteres Mal beweist er seine Genialität in diesem Bereich und offenbart, dass seine Musik immer noch von Herzen kommt. Zu diesem Thema und seinen Plänen für die Zukunft hat sich Techno Online mit dem grossen Meister übers Telefon in seinem Studio in Detroit unterhalten.

TO (Techno Online):
Wie genau fing es damals mit dem Produzieren an?
KS (Kevin Saunderson):
Anfang der 80er fing ich zusammen mit Derrick, Juan und Eddie (Fowlkes) an zu arbeiten. Um genau zu sein, trafen wir uns das erste Mal 1983, als wir gemeinsam die Eastern Michigan University besuchten. Durch Derrick lernte ich Juan und Eddie kennen. Über die Zeit hinweg wurden wir enge Freunde. In dem wir Juan dabei zusahen, wie er so grosse Platten, wie "Technicolor" oder "Cybertron" herausbrachte, kamen Derrick und ich auch auf den Geschmack, zu produzieren. Als Derrick dann 1985 seine erste Platte "Let's Go" fertigstellte, war ich die ganze Zeit über anwesend, konzentrierte mich jedoch noch auf das Auflegen. Ich sah wie viel Spass es machte, selbst kreativ tätig zu werden und als nun Derricks Platte auf Vinyl erschien, fiel für mich die Entscheidung. Ca. sechs Monate später stand ich dann im Studio und fing mit den Arbeiten an "Triangle Of Love" an. Juan half mir sehr viel dabei und brachte mich so dazu, noch mehr Songs zu schreiben.

pict TO:
Wie genau gehst Du dabei an die Sache heran, wie entstehen die Ideen?

KS:
Für mich persönlich ist das Erschaffen von Musik nichts, worüber man nachdenken kann, das muss man fühlen. Wir alle waren mit dem Talent gesegnet, dieses Gefühl zu haben und dann es im Studio auszudrücken zu können. Oft wachte ich mitten in der Nacht auf und ging geradewegs in mein Studio im Wohnzimmer, um dort mit dem Produzieren anzufangen. Manchmal war es, als ob ich während eines Traums das Gefühl hatte, loslegen zu müssen. Es ist wie eine andere Welt, in die Du eintauchst. Du weißt einfach genau, was Du zu tun hast. Du beginnst zu experimentieren und die Sounds zu verändern. Da gab es keine grossen Gedanken hinter diesen Platten, es war alles einfach ein spontane Sache. Es passierte einfach auf ganz natürliche Weise.

TO:
Hast Du während dieses Vorgangs bestimmte Ideen, die Dich leiten, im Hinterkopf?

KS:
Sicher. Du fängst mit einem Track an und Du hast eine Vision dazu. Dieser Track kann sich letztendlich in die verschiedensten Richtungen entwickeln, aber die Hauptsache ist das Endresultat. Wenn ich mir dann diese Ergebnisse anschaue, dann denke ich oft, wie bin ich da nur hingelangt? Es ist einfach alles emotional, es passiert im Laufe des Prozesses.

TO:
Du hast Deine Musik ja durch verschiedenste Projekte ausgedrückt. Eines davon ist Inner City. Was tut sich im Moment bei Inner City, welche Pläne hast Du dafür?

KS:
Wir sind gerade dabei unser neues Album fertigzustellen und ich denke es wird ziemlich gut. Daneben haben wir in der letzten Zeit auch einige Liveauftritte bei verschiedenen Veranstaltungen gegeben und waren auf Tour.

TO:
Und bei E-Dancer?

KS:
Da habe ich gerade die neue Single "The Dream" auf KMS Productions veröffentlicht und bin auch dabei an neuem Material zu arbeiten.

TO:
Nun eine etwas ausschweifendere Frage. Was denkst Du als eine der entscheidensten Figuren in ihrer Enrtwicklung über die Gegenwart und die Zukunft von Techno Musik?

KS:
Ich beobachte, wie sie sich immer weiterentwickelt und auch ich selbst immer weiterarbeite und auch immer wieder neu inspiriert werde. Meiner Meinung nach ist die Szene hier in den USA gerade dabei zu wachsen. Wir haben Veranstaltungen wie das Detroit Electronic Music Festival, die dazu beitragen, dass neue Sachen ausprobiert werden, dass Wege erschlossen werden und auch die jungen Talente ihren Teil dazu beitragen. Es ist im Moment auch die offene Jugend, so zwischen 17 und 22, vorhanden, die ausgehen will, um Spass zu haben, und das Ganze zu elektronischer Musik.

TO:
Glaubst Du, dass es mit der Entwicklung Anfang der Neunziger zu vergleichen ist?

KS:
Ich denke nicht, dass die gleiche Begeisterung wie damals mitschwingt, jedoch steckt trotzdem mehr Energie dahinter. In der heutigen Zeit sind einfach viel mehr Leute offen für diese Art von Sound und ausserdem hat sich die ganze Szene schon stabilisiert, sprich es ist einfach die entsprechende Infrastruktur da.Der Markt ist zwar nicht so enthusiastisch wie am Anfang, jedoch einfach besser organisiert, und es gibt auch viel mehr mediale Möglichkeiten, wie z.B. das Internet. Die Bewegung ist immer noch dabei zu wachsen und es gibt immer noch Raum dafür. Es ist noch lange nicht vorbei und wer weiss schon was als nächstes kommt.

TO:
Beim Thema Detroit Electronic Music Festival, bist Du in dem "Artistic Commitee" vertreten, das die auftretenden Künstler aussucht und den Ablauf mitorganisiert?

KS:
Nein bin ich nicht, da ich auch nicht danach gefragt wurde. Jedoch bin auf alle Fälle mitvertreten und werde eine Menge aussenherum durchziehen.

TO:
Wie stehst Du zu der Diskussion, die vor kurzem entbrannte und in der es darum ging, dass das Festival zu wenig die eigene, Detroiter Szene featuren würde?

KS:
Ja, das ist schon etwas komisch. In den Anfangsjahren waren wir zahlreich vertreten, aber ich weiss jetzt nicht genau wie viele Detroiter Künstler dieses Jahr auf dem Festival vertreten sein werden. Ich kann nicht sagen, ob Jeff Mills oder Richie Hawtin oder ich selbst mit dabei sein werde. Aber wir werden trotzdem vertreten sein und daneben einige Sachen veranstalten, In der ganzen Stadt wird viel los sein, es wird eine KMS Productions Party geben, Planet E ist mit dabei und Plus 8 auch. Es wird denoch richtig abgehen und interessant werden.

TO:
Jetzt zu Deiner gerade veröffentlcihten Mix CD. Stimmt es, dass es Deine erste offizielle Mix Compilation ist?

KS:
Nein nicht ganz, es gab schon einmal eine vor so ca sieben oder acht Jahren, die auf K!7 herauskam. Es ist folglich meine zweite Mix CD.

pict TO:
Was sind jetzt im Moment Deine Pläne für die Zukunft? Gibt es irtgendwas auf das Du Dich besonders konzentrierst?

KS:
Einfach weiterhin gute Musik zu machen, neue Talente zu unterstützen, KMS Productions weiter nach vorne bringen. Daneben möchte ich mich ein bisschen mehr auf dem Gebiet der Filmmusik austoben, mehr an Soundtracks mitarbeiten. Jedoch hauptsächlich liegt mir am Herzen hier in Detroit etwas aufzubauen, was für längere Zeit hält.

TO:
Wirst Du in der nächsten Zeit nach Europa kommen?

KS:
Oh ja, ich werde einige Gigs in Europa geben und auch ein paar Mal in Deutschland, so z.B. beim Timewarp Festival oder in München, sein. Daneben werde ich auch am Kongress "Musik und Maschine" in Berlin teilnehmen.

TO:
Neben all dieser Aktivitäten als Producer und DJ, wie entspannst Du Dich von Deiner Arbeit, was tust Du um zu relaxen?

KS:
Ich treibe eine Menge Sport. Basketball spiele ich z.B. sehr gerne oder ich unternehme etwas mit meiner Familie, gehe mit ihnen Fischen oder Skifahren. Es gibt also eine Menge an Dingen mit denen ich mir neben der Musik die Zeit vertreiben kann.

TO:
Vielen, vielen Dank für das Interview und ich wünsche Dir noch alles Gute für die Zukunft und Deine Pläne. Es war mir eine Ehre mich mit Dir zu unterhalten und wünsche Dir noch einen angenehmen Tag. Bye...

KS:
Alright, Bye...

JK / Techno Online

pict Links
- www.kevinsaunderson.com
- www.trustthedj.com
- www.kmsproductions.com


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