
Techno Online: Es ist (produktionstechnisch) etwas ruhiger um dich geworden. Was machst du zur Zeit?
Kay Cee: Nach der letzten VÖ vor einem Jahr hat sich bei Kay Cee einiges geändert. Ich war tendenziell mit der musikalischen Entwicklung im Bereich Trance sehr unzufrieden und wollte so nicht mehr weiter machen. Ich hatte relativ klare Vorstellungen wie ein neuer Sound aussehen sollte, die Umsetzung hat sich dann aber doch etwas komplizierter herausgestellt. Wie dem auch sei. Es hat lange gedauert aber dafür ist nun ein komplettes Album fertig, das einige Überraschungen birgt. Kay Cee wird in Zukunft auch präsentationstechnisch andere Wege gehen. Das Album ist wie üblich von Stephan Bodzin und mir produziert worden, mit dem Unterschied, dass wir nur noch mit einer Sängerin gearbeitet haben. Shenn gehört mittlerweile auch fest zum Projekt. Die Planung ist weg vom DJ-Modul hin zu einer Art Band oder Projekt. Einfach einen Schritt weiter gehen. In dem ganzen Stress um das Album sind auch fast alle Remixanfragen abgelehnt worden. So langsam passiert da aber auch wieder was. Ein ausgewähltes Bonbons wie Sinéad O´Connors "Troy" nimmt man natürlich gerne mit.
Techno Online: Wie bist Du zur Musik gekommen?
Kay Cee: Das war ganz klar in der grossen Zeit der Breakdancer in den 80ern. Über Filme wie Wild Style, Breakin' und Beat Street bin ich vom tanzen zum DJing gekommen. Von da an war es nicht mehr aufzuhalten...
Techno Online: Was hörst Du privat?
Kay Cee: Eigentlich bin ich da nicht festgefahren. Ich interessiere mich für alles was mir gefällt. Das geht von The Streets über Coldplay bis hin zu Motown Soul. Tendenziell versuche ich aber zuhause abzuschalten und entsprechend läuft dann oft ruhigere Musik wie Portishead oder Craig Armstrong. Das ist so der Gegenpol zu dem was ich im Studio oder am Wochenende mache.
Techno Online: Deine erste Platte?
Kay Cee: Trans X - Living On Video.
Techno Online: Wie oft legst Du auf?
Kay Cee: Das ist sehr unterschiedlich. Manchmal zweimal im Monat und manchmal zwölfmal im Monat. kommt drauf an ob viel Arbeit im Studio angesagt ist oder ob eine Platte speziell promoted werden muss. Der Schnitt liegt wohl zwischen vier und sechs Gigs.
Techno Online: Was sagst Du zur Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der elektronischen Musik?
Kay Cee: Können wir uns nicht alle glücklich schätzen, dass diese Art von Musik so gross geworden ist? Kommerz vs. Underground. Beides lebt immer voneinander und das eine kann ohne das andere nicht. Ich glaube vor zehn Jahren hätte kaum einer der Aktivisten daran geglaubt auch heute noch seine Brötchen mit Techno, House, Trance oder was auch immer zu verdienen. Momentan sind natürlich nicht die rosigsten Zeiten aber die Leute mit Potential werden ihren Weg gehen. Die Zukunft wird uns noch die herrlichsten Arten von Crossover bescheren.
Techno Online: Bist Du Deinem Stil treu geblieben oder ziehst Du bei Trends mit?
Kay Cee: Ich glaube Trends kann sich keiner entziehen. Das hat die Szene auch immer ausgemacht. Das Neue suchen und etablieren und dann weiter. Ich stehe auf so viele unterschiedliche Sachen, dass ich mich da gar nicht einschränken möchte. Um jeweils eine Schublade abzudecken habe ich halt verschiedene Projekte: Huntemann, Kay Cee, Taiko, Jeux Floraux, H-Man... Das macht mir Spass. Wenn andere über Jahre hinweg immer gleiche Loops mit immer gleichen Filterungen basteln und damit zufrieden sind ist das auch schön, nur nix für mich.
Techno Online: Dein schönster bzw. außergewöhnlichster Gig?
Kay Cee: Mein schönster Gig war 1995 das erste Kiss FM Love Boat zur Love Prade in Berlin. Gänsehaut pur. Ich glaube, so gerockt hat es selten. Da hat einfach alles gestimmt. Aussergewöhliche Gigs verbinde ich eher mit aussergewöhnlichen Ländern. Hawaii war verrückt, Panama auch sehr strange.
Techno Online: Ein Klassiker?
Kay Cee: Kommt 'ne Frau zum Bäcker...
Techno Online: Engagierst Du Dich für den "Nachwuchs"? Wenn ja, wie?
Kay Cee: Das ist gar nicht so einfach. Ich habe keine Residency in der ich jede Woche spiele und kann somit niemanden ein- oder aufbauen. Nur DJ sein reicht in meine Augen auch nicht. Gute DJs, auch im Nachwuchs, gibt es viele. Man muss sich schon mit mehr beweisen. Auf meinen Labels Confused Recordings und Panik veröffentliche ich auch immer gerne Material von Frischlingen. Leider bekommen wir viel zu wenig gutes Material. Aber wenn was geht, sind wir die Ersten die Gas geben. Also immer Tapfer Demos schicken!
Techno Online: Was ist Deine derzeitige Inspiration fürs DJing bzw. Produzieren?
Kay Cee: Meine Vorfreude auf´s Boarden. Ich bin so heiss auf den Scheiss, dass ich bei der Arbeit am Huntemann Album fast schon abhebe.
Techno Online: Deine All-Time Top 5?
Kay Cee:
1. Planet Rock - Afrikaa Bambaataa & The SSF
2. Tour De France (F. Kevorkian RMX) - Kraftwerk
3. Confusion - New Order
4. Reincarnation - Country & Western
5. Gravitional Arch Of 10 - Vapour Space
Kontakt:
www.kay-cee.de
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