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Ältere Interviews von April - September 2001 September 2001 - Juli 2002 August - Juli 2003 Juli - Dezember 2003 Januar - Juni 2004

Johannes Heil Interview

pict Interview mit Johannes Heil im Februar 2002 (Teil 1; Teil 2)

Johannes Heil...
Eine wahre Persönlichkeit, der trotz seines jungen Alters schon etliche, erfolgreiche Veröffentlichungen am Start hat und zu den ganz grossen Producern zählt. Sein Musik ist der Inbegriff der Vielschichtigkeit mit unzähligen Facetten, die in den verschiedensten Farben leuchten. Seine Musik ist auch geprägt durch tiefe Emotionalität und intensive Energien, egal ob von dunkel, düster bis hin zu hell und rein klingend. Dafür stehen unzählige Releases auf dem Label Kanzleramt, mit dem er so tief verbunden ist, wie ka24 "Reality to midi", ka15 "Feiern", ka21 "P.A.X.", ka49 "Future Primitive", ka33 "Illuminate the Planet" oder ka63 "Feiern". Daneben gab es auch Veröffentlichungen auf uturn, einem Sublabel von Kanzleramt, das für düsteren und roughen Techno steht, auf seinem eigenen Label JH oder International Deejay Gigolo Records.In jeder einzelnen beweist er seine Kunst, einzigartige Musik zu erschaffen. Im Februar erscheint nun sein viertes Artistalbum mit dem Namen "Heilstyle" und für April ist eine erneute Auflage des Johannes Heil Klassikers "Paranoid Dancer" zusammen mit Remixes von DJ Hell, Heiko Laux und Alexander Kowalski geplant. In diesem Zusammenhang traf sich Techno Online mit Johannes Heil, dem interessanten Menschen der hinter dieser phantastischen Musik steht, um mit ihm über sein neues Album, seine Musik und seine Freizeit zu sprechen. Da er jedoch ein vielbeschäftigter Mann ist, musste dieses Gespräch in den unendlichen Weiten des Cyberspace stattfinden und via E-Mail geführt werden.

TO (Techno Online):
Auf Deinem neuen Artistalbum "Heilstyle" trägt ein Track den Titel "Capuera". Betreibst Du selbst diese aussergewöhnliche Kampfsportart?
JH (Johannes Heil):
Nein, mich fasziniert einfach nur die Tatsache, dass es eine Art zu kämpfen gibt, welche die Eleganz eines Tanzes besitzt und gleichzeitig auch ein Tanz ist, und das schon seit sehr langer Zeit.

TO:
Wenn man jetzt "Heilstyle" und dessen Vorgänger "Future Primitive" gegenüberstellt, was hat sich seit dem getan?
JH:
Ehrlich gesagt halte ich von solchen Gegenüberstellungen nichts, da "Heilstyle" als auch "Future Primitive" individuelle Schallplatten sind, welche sich auf völlig unterschiedlichen Ebenen bewegen. "Future Primitive" war rein musikalisch ein Ausflug in eine melodiegespickte Plastikwelt, welche in den Achzigern eröffnet wurde, und des weiteren enthielt sie die Information, dass die Seele des Menschen Stück für Stück immer mehr verwesen wird. "Heilstyle" dagegen ist voll aus dem Bauch heraus, 100% clubig, von soften Weiten bis zu steilen Breiten ist alles dabei. Eine Feierplatte, die man sowohl um 22 Uhr, als auch um 0 Uhr, als auch morgens früh um fünf im Club, und wenn man ein Freak ist, sogar auch zu Hause hören kann. Pure Musik geformt aus elektrischem Strom, welche Gefühl und Seele beinhaltet, sei es die Seele eines Engels oder die Seele eines Wahnsinnigen, doch sie ist präsent, jetzt und für alle Zeit.

TO:
Ist "Heilstyle" Dein momentaner Stand oder eine Art der Zusammenfassung Deiner künstlerischen Tätigkeit in der letzten Zeit?

pict JH:
Es ist mein Clubalbum 2002.Um meinen Stand künstlerischer Tätigkeit zusammenzufassen, würde ein Album sowieso nicht genügen und wäre warscheinlich auch vollkommen verwirrend, da man soundmäßig keine klare Linie finden würde.

TO:
"Heilstyle", wie würdest Du ihn umschreiben?
JH:
"Heilstyle" ist eine Art zu produzieren, einen Track von Anfang bis zum Ende zu kicken, das Arrangment qausi live zu erschaffen und dabei eine Energie zu erzeugen, welche sehr stark und wierd ist.

TO:
Wie steht der "Heilstyle" in Verbindung zum "Kanzleramtstyle"?
JH:
Sie gehen Hand in Hand, denn wir stehen und standen schon immer vereint.

TO:
"Feiern", Deine letzte Veröffentlichung - eine Sammlung von Dir auf 12inch veröffentlichten Material. -"Heilstyle" Dein neues Artistalbum. Was steckt dahinter? Auf welche Reise entführst Du diesmal den Hörer?
JH:
Zurück auf die Strasse, denn die Strasse ist der Ort, wo alle sind und ein Ort, der fucking real ist. Ein Ort, an dem ich viele Jahre mit Freunden war, um das Leben besser zu verstehen geh auf die Strasse, da kannst du alles sehen, Hunderte von Menschen bahnen sich ihren Weg durch den Dschungel, jeder hat ein Ziel doch nicht alle zeigen, welches ihre Ziele sind... Aber du lernst es einen Faker von einem wahren Menschen zu unterscheiden. Eingefleischte Freaks wissen was ich meine, entweder du bist echt oder du bist nichts, als ein Abbild deiner egomanen Vorstellung.

TO:
Im April wird ein von DJ Hell angefertigtes Remix deines bekannten Tracks "Paranoid Dancer" auf Kanzleramt erscheinen. Wie war die Zusammenarbeit mit ihm? Fühlst Du Dich durch seine Neuinterpretation geehrt?
JH:
Ich bin einfach nur glücklich und froh, dass es diesen tollen Mix gibt, und dass die Arbeit mit Hell super viel Spaß gemacht hat, und dass das Endresultat buchstäblich Ärsche eintreten wird.

TO:
Ist es richtig, dass auch mal eine Veröffentlichung von Dir auf Gigolo geplant war?
JH:
Ja das ist richtig.

TO:
Was ist letztendlich daraus geworden?
JH:
Sie wurde veröffentlicht, allerdings unter dem Namen The Trinity - "Insanity" (Gig 47 The Trinity Anm. d. V.). War eine Superscheibe im übrigen und auch irgendwie das allererste Mal, dass ich in einer solchen Form mit Vocals gearbeitet habe.

TO:
Interessierst Du Dich neben der Musik für Kunst, z.B. Malerei oder Dichtung? Wie sieht es mit Fashion aus?
JH:
Kunst interessiert mich generell, ganz egal welche, am liebsten sozialkritische und wachrüttelnde Dinge.
Fashion ist mir eher egal und ich denke auch, dass es nicht viele, wirklich praktische und stylische Klamotten gibt und ausserdem hält der ganze Designerkram ja auch nichts aus. Damit gehst du einmal richtig die Sau rauslassen und siehst danach aus, als würde dein Totalmarktwert 8 Euro 20 Cent betragen... Lang lebe die Baumwolle!

TO:
Wenn wir schon einmal beim Thema Kunst sind. Malst Du selbst in Deiner freien Zeit?
JH:
Ich kann nicht Malen. So gerne ich es auch würde, ich hab zwei "Linke Hände", wenn es um dieses Thema geht, und meine dreidimensionale Vorstellungskraft ist meines Erachtens auch eher bizzar anstatt realistisch.

TO:
Das Cover von deinem letzten Artistalbum "Future Primitive" zeigt Deinen durch Airbrushkunst verfremdeten Kopf. Dabei wurde ich an die Kunstwerke von H.R. Giger erinnert? Wie findest Du dessen Kunst?
JH:
Ich fand seine Bilder sehr eindrucksvoll, nur hatte ich irgendwie übersehen wie krank seine Werke eigentlich sind. Nachdem ich ein kleines Stückchen Giger's Biographie gelesen hatte und mir klar wurde, dass dieser Mann ja schon in der Grundschule vor versammelter Klasse mastubierend auf der Schulbank saß und zu einem späterem Zeitpunkt einen schwarz gestrichenen Raum hatte, in dem er sich an Unterstufenschülerinnen vergnügte, konnte mir zu diesem Thema eigentlich nichts anderes mehr einfallen, als dass es sehr schade ist, dass ein so unglaublich detailverliebter Künstler wie Giger seine Zeit hier auf Erden nur Themen wie Satanismus,schwarzer Magie,Phalluskult usw. widmet.

TO:
Welche Literatur liest Du bevorzugt?
JH:
Ich lese nicht sehr viel, aber wenn ich lese dann am liebsten Science-Fiction a la Douglas Adams. Etwas für den Geist, wie z.B. die "Pforten der Wahrnehmung" von Aldois Huxley oder die "Regeln des Glücks", welches von einem Amerikaner geschrieben geschrieben wurden, der den Dalai Lama aufsuchte, um dem Sinn unseres Daseins auf die Schliche zu kommen.

Teil 2 hier entlang...


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