DJ Irwin Leschet Interview
Kurzinterview mit Irwin Leschet vom 15.03.2001
1. Wie bist Du zur Musik gekommen?
Zum Produzieren bin ich durch die Faszination an alten Synthis und
Drumcomputern gekommen. 1994 habe ich angefangen, diese zu sammeln. Anfangs habe
ich nur "daran rumgespielt" - ohne den Anspruch zu haben, einen "fertigen" Track
zu produzieren, "richtige Musik" ist erst später daraus geworden ...
2. Was hörst Du privat?
Schon häufig die Platten, die ich auch im Set spiele - vor allem neue. Wenn
nicht, läuft bei mir gerne auch mal Jazz - weil das die einzige Musik ist, die
ich im Hintergrund laufen lassen kann, ohne zwangsweise immer darauf zu achten,
wie sie produziert ist, welche Geräte verwendet worden sind, welcher Break noch
besser und welcher Basslauf fetter sein könnte ...
3. Deine erste Platte?
Meine erste Single war "Modern Girl" von Meat Loaf, meine erste Maxi "I Was
Made For Loving You" von Kiss (wovon es gerade einen sehr guten Remix gibt, den
ich momentan jedesmal auflege).
4. Wie oft legst Du auf?
Fast jedes Wochenende.
5. Was sagst Du zur Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der
elektronischen Musik?
Das kann ich nur subjektiv beantworten:
Früher: Mich hat elektronische Musik früher mehr begeistert - das liegt
allerdings daran, dass ich heute weiß, wie einfach diese teilweise zu
produzieren ist. Wenn mich heute ein Stück umhaut, dann weil ich der
Produktionsart- und -weise Achtung zolle. Früher konnte ich mich stundenlang für
Musik begeistern, die lediglich mit einer 909 und einer 303 gemacht wurde. Heute
funktioniert das leider nicht mehr - das "Jungfräuliche" ist leider weg.
Heute: Andererseits halte ich es für Klasse, dass heute jeder durch Produkte wie
"Rebirth" selber Musik produzieren kann. Dadurch ist das Verhältnis von Qualität
und Quantität zwar schlechter geworden, aber man findet doch immmer wieder
"Perlen" die von unbekannten Homerekordlern produziert wurden.
Morgen: Ich denke, dass sich nicht allzuviel an der Stilvielfalt der
elektronischen Musik ändern wird - aber einiges an den Vertriebswegen. Durchs
Internet hat sich hier in den letzten 3 Jahren schon einiges getan, aber das
war erst der Anfang. Die Industrie setzt immer mehr auf digitale Medien, die
übers Netz vertrieben werden können. Und auch für uns (DJs) gibt es bereits die
ersten Tools, um mit MP3s zu mixen (obwohl es mir sehr leid tun würde, wenn
dieser Trend das Vinyl vertreibt!)
6. Bist Du Deinem Stil treu geblieben oder ziehst Du bei Trends mit?
Grundsätzlich versuche ich, "meinen Stil" erst dann festzulegen, wenn ich
weiß, wo ich auflegen soll. Gewiss hat man eine gewisse Grundlage, die immer die
gleiche ist, aber trotzdem sollte man flexibel genug sein, um sich auf die
jeweilige Situation einzustellen. Das heisst, dass ich Techno, House,
Breakbeats und Triphop auflegen kann - ohne zu sagen "ich bleibe meinem Stil
nicht treu" ... alles zu seiner Zeit... :-)
7. Dein schönster bzw. außergewöhnlichster Gig?
Da fallen mir zuerst einige Open-Air Partys ein. Nachmittags in der Sonne
auf einer Wiese mit ein paar hundert Leuten ... das ist für mich das Beste. 1997
hab ich zur Loveparade im Eimer in Berlin gespielt - das war eine der coolsten
Locations - und der Geburtstag von HR-XXL im Lofthaus in Frankfurt. In Frankfurt
feiern die Leute immer eine Spur lauter als in Köln - das ist für den DJ sehr
schön ...
8. Ein Klassiker?
Jay Dee "Plastic Dreams".
9. Engagierst Du Dich für den "Nachwuchs"? Wenn ja, wie?
Ich habe eine eigene Partyreihe im Liquid Sky Cologne namens "Audiokunststoff".
Hier lade ich immer neue Gäste ein, die mit mir jammen ... allerdings ist das
nicht als reine Nachwuchsförderung konzipiert. wichtig hierbei ist der
Live-Faktor. Zum Teil treffen sich hier 8 Leute, die sich vorher noch nie
gesehen haben (ich bin der Einzige, der alle kennt), schließen ihre Geräte
zusammen und legen los ...
10. Was ist Deine derzeitige Inspiration fürs DJing bzw. Produzieren?
Meine Motivation schwankt immer zwischen Produzieren und DJing. Momentan habe
ich eher Lust zum Auflegen und gehe kaum ins Studio. Gute Partys auf denen ich
gute Musik höre, machen Laune auf neue Platten und zum Auflegen. Die Inspiration zum Produzieren kommt meist daher, dass man jemanden trifft und sagt "wir müssen unbedingt mal was zusammen machen" ... wenn dann wirklich was daraus wird und man nebeneinander im Studio sitzt, kann das schon sehr inspirierend sein :-)
URL: http://www.leschet.de
Mail: irwin.leschet@liquid-sky-cologne.de
coypright: OPfeil@change-it.de, Techno Online