
Techno Online: Wie bist Du zur Musik gekommen?
Hoschi (Holger Wick): Angefangen hat es in der Schule zu Breakdancezeiten, als ich so mit 14, 15
anfing selbst Platten zu kaufen und mich für elektronische Musik zu interessieren.
Selbst zum Musik machen bin ich dann so Ende 1986 durch einen
Arbeitskollegen, während meiner Ausbildung gekommen. Der besaß schon einiges an elektronischem Equipment und damals kamen dann auch so langsam die ersten
Software Sequencer für den Atari heraus. Zwei Jahre später hatte ich dann meinen ersten eigenen Sampler, einen Atari und einen Roland D50 und fing an an eigenen Tracks zu basteln.
Techno Online: Was hörst Du privat?
Hoschi: Eigentlich sehr wenig Musik, da ich mich ja den ganzen Tag damit beschäftige. Ansonsten gibt es bei mir keine Unterschiede Musikmäßig gesehen zwischen Job und Privat.
Techno Online: Deine erste Platte?
Hoschi: Gute Frage - das müßte glaube ich Alphaville gewesen sein, weiß ich aber nicht mehr ganz genau.
Techno Online: Wie oft legst Du auf?
Hoschi: Momentan selten, da mir oft die Zeit fehlt und es für mich nur noch wenige Clubs gibt, die aufgrund ihrer Ausrichtung für mich in Frage kommen. Ich stehe ja mehr auf kleine persönliche Clubs mit nem guten Soundsystem. Ich komme leider nicht mehr dazu mich intensiv um Bookings zu kümmern und dann passiert halt auch nicht viel. Wenn ich dann auflege habe ich allerdings noch ne Menge Spaß an der Sache.
Techno Online: Was sagst Du zur Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der elektronischen Musik?
Hoschi: Die Vergangenheit hat von der Masse und Klasse gesehen mehr Innovationen und Klassiker hervorgebracht, wohin gegen die 90er Jahre doch extrem abfallen.
Techno war das große Ding der 90er hat sich aber letztendlich meiner Meinung nach zu schnell überlebt. Ich kann jedenfalls nur noch selten was entdecken,
wo ich noch denke - das hat das Zeug zum Klassiker! Zuviel Monotonie und Wiederholungen nach dem 08/15 Schema, genauso ist es oft auch in der
Popmusik, mir fehlt da größtenteils die Originalität. Letztendlich wird dann doch wieder auf 70er und 80er Einflüsse zurückgegriffen, weil da einfach die
interessantesten Dinge passiert sind. Was ich nicht so richtig verstehe, ist daß die Qualität trotz des höheren technischen Standards heute und der damit
verbundenen Möglichkeiten oft zu wünschen übrig läßt, speziell bei den ganzen 80er Electro - Pop Plagiaten. Letztendlich sehe ich aber auf alle
Fälle immer nach vorne und versuche für mich selbst spannende Sachen und Fusionen zu entdecken, die mich noch richtig kicken. Ist ja nicht so, daß es
keine geilen neuen Sachen mehr gibt. Die sind nur immer schwerer zu finden in dem ganzen Wust von extrem kurzlebiger Musik, die heutzutage
veröffentlicht wird. Was die Zukunft bringt? Davor ist mir nicht bange - Gute Musik wird es immer geben, nur das es keine Quantensprünge mehr geben
wird. Es werden sich allerdings auch wieder neue Strömungen rauskristallisieren. Qualität setzt sich auf Dauer immer durch.
Techno Online: Bist Du Deinem Stil treu geblieben oder ziehst Du bei Trends mit?
Hoschi: Ich würde sagen, daß ich vor einigen Jahren schon meinen eigenen Stil gefunden habe und der sich nicht unbedingt nach Trends richtet. Ich bin da
relativ offen und meinen Geschmack zu beschreiben fällt mir mittlerweile selber schwer, da er sehr vielseitig ist. Gegen Trends habe ich allerdings auch nichts, wenn es gute und originelle Trends sind.
Techno Online: Dein schönster bzw. außergewöhnlichster Gig?
Hoschi: Mhhhh. Einer der schönsten war auf alle Fälle 1994 bei Further in Milwaukee / USA zusammen mit Mike Dread, Aphex Twin u.a. Das war mitten im Nirgendwo,
ein paar Autostunden von Chicago und eine Stunde von der nächsten Kleinstadt entfernt. Es war bitterkalt, aber die Leute haben dort tagelang
gezeltet und in ihren Autos übernachtet und die Energie und der Enthusiasmus der dort herrschte war einfach unbeschreiblich. Ich hatte aber schon ne Menge großartiger Gigs in einigen Ländern, die bei meinen Highlights ganz
oben rangieren.
Techno Online: Ein Klassiker?
Hoschi: Paul Hardcastle - "19"
Techno Online: Engagierst Du Dich für den "Nachwuchs"? Wenn ja, wie?
Hoschi: Durch meine Labelarbeit kommt das ja zwangsläufig und ich bin immer auf der Suche nach begabtem Nachwuchs. Der Bereich bewegt sich so von House über Downbeat bis zu Hip Hop Wer mir also interessantes Material zukommen lassen möchte, soll das einfach an EFA Berlin, Forster Str. 4-5, 10999 Berlin zu meinen Händen schicken.
Techno Online: Was ist Deine derzeitige Inspiration fürs DJing bzw. Produzieren?
Hoschi: Eigentlich immer spannende neue Musik. Ich bin ja auch erst seit fast genau einem Jahr in Berlin, da gibts noch einiges zu entdecken und auch Inspirationsquellen die sich noch auftun.
Techno Online: Deine All-Time Top 5?
Hoschi:
Paul Rutherford - Get Real
Silver Bullet - Bring for the Guillotine
F.U.S.E. - Substance Abuse
Underground Resistance - Riot E.P.
Eberhard Schoner / Sting - Why don´t you answer?
(Hoschi: aber ich hab auf alle Fälle mehr als diese 5!!!)
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