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Holgi Star Interview
Ältere Interviews von April - September 2001 September 2001 - Juli 2002 August - Juli 2003 Juli - Dezember 2003 Januar - Juni 2004

Es ist ein kalter Mittwoch Abend in Berlin und Holgi Star hat zum gemütlichen Abendessen in seiner Wohnung geladen. Nach kurzem Klingeln öffnet ein gutgelaunter Holgi die Tür, bittet höflichst ins gute Stübchen und stellt nebst seinen Mitbewohner auch einen kleinen Teil der Kiddaz.fm Posse vor. Eine verdammt gute Basis also, für ein ausgedehntes Gespräch über das Label Kiddaz.fm, sein Debütalbum "Starwars" und vieles mehr. Aber vorher beweist der Berliner Techno-Protagonist, dass er nicht nur als Künstler und DJ ein ausgesprochenes Feeling für das "Gewisse Etwas" besitzt, sondern auch als Hobby-Koch eine hervorragende Figur abgibt - ein wahrlich herzhafter Gaumenschmaus wird geboten, der wiederum erkennen lässt, dass Alles "Hand und Fuß" bei Holgi hat! Genüsslich gestärkt und in "familiärer" Atmosphäre ergibt sich kurze Zeit später ein sehr interessantes Gespräch...

TO: Starwars, der Name deines Debütalbums, was drückt er aus? Steht er eher mit dem Inhalt des Albums im Kontext oder mehr mit deinem Künstlernamen und deiner Tätigkeit als DJ?

Holgi Star: Also, wenn du nun irgendwelche hochphilosophischen Gedanken dazu vermutest, dann muss ich dich leider enttäuschen. Der Arbeitstitel war "Shootingstar", den ich von Emerson verpasst bekommen habe. Irgendwann stand auf meinem Bildschirm im Büro "holgistarwars" - so als kleiner Joke. Das fand ich dann irgendwann so cool, dass ich es als Titel für mein Album genommen habe. Und der passt ja wunderbar zu meinem DJ Namen. Aber Namen von Platten oder Alben sind bei mir immer was Spontanes, so ganz nach Gefühlslage und nicht wirklich planbar und auch nicht wirklich wichtig, zumindest nie wichtiger als der Sound!

TO: Was war Anstoß für das Album?

Holgi Star: Das war so 'ne Mischung aus Lust und Notwendigkeit. Lust, weil es tierischen Spaß macht konzentriert auf so ein Ziel hinzuarbeiten und zu sehen wie das Baby wächst, Notwendigkeit weil es einfach Tatsache ist, dass, wenn du als Künstler dein Standing ausbauen willst, du mit einem Album daher kommen solltest und bitte mit einem guten! Die Medien nehmen ein Album Release wesentlich ernster als Single Releases. Das liegt wohl daran, dass es so viele Single Releases pro Monat gibt, so dass es schwierig wäre über alle zu berichten außer in den Plattenkritiken. Und wenn sich jemand mal ein paar Monate im Studio verbunkert hat, um ein Album zusammenzuschrauben, dann nötigt dass eben den Medien mehr Respekt ab und sie honorieren das mit Interviews und diversen Berichten, was ich durchaus verstehen kann! Und vom musikalischen Aspekt her, schwirrt mir ständig soviel Musik im Kopf rum, und wenn man das nicht mal in einem Album kanalisiert, so als eine Art Bestandsaufnahme, dann dreht man glaub ich durch... ein Akt der Selbstbefreiung :)!

TO: Geht mit dem ersten eigenen Album ein Traum für dich in Erfüllung und erfüllt es dich mit einem gewissen Stolz?

Holgi Star: Ein Traum wäre jetzt übertrieben. Träume sollten, finde ich, immer etwas höher gesteckt sein, so kurz vor "unerreichbar". Aber ein gewisser Stolz kommt schon auf, wenn man dann das fertige Teil in Händen hält, für das man so lange gearbeitet hat. Wenn man dann zum ersten mal die Platte im Club auflegt, ist man für alles entschädigt... Dieser Moment ist eigentlich der wahre Traum!!!

pict TO: Du arbeitest mit Stereo Jack und Circuit Breaker zusammen, sind die Beiden bestimmte Kreativköpfe hinter Holgi Star oder sind es Diejenigen die deine Ideen und Gefühle technisch umsetzen?

Holgi Star: Also, erst mal sind der Breaker und auch der Jack ziemlich kreative Köpfe und absolute "Wizards" im Studio. Unsere Zusammenarbeit ist ganz einfach. Wir machen Musik zusammen und das impliziert keine große Planung, sondern geht eigentlich fast von alleine. Der Breaker oder Stereo Jack oder ich haben 'ne Idee, dann hat der Breaker einen geilen Loop, ich hab ein Sample und der Stereo will unbedingt seinen Döpfer-Synth einsetzen. Dann suchen wir noch eine Hihat, 'nen Clap und was man sonst noch so braucht. Daraus schrauben wir einen Track. Das geht mal schneller und manchmal eben nicht so schnell... und ist auch kein großes Geheimnis. Einfach Musik machen! Wichtig ist nur, wenn der Track fertig ist, muss man darauf abfeiern können, sonst kommt er in die Tonne! Allerdings muss ich betonen, bedingt durch die große Studio- und Produktionserfahrung von Jochen und Sören ist der Ausschuss bei uns ziemlich gering und geht fast gegen null. Das ist ein großer Vorteil.

Circuit Breaker: Die Arbeit eines guten Produzenten besteht darin, die "Gefühls- und Gedankenlage" seines Kunden umzusetzen und nicht sich selbst zu verwirklichen. Bei Holgi war es, wie übrigens auch bei Emerson, dass unsere Vorstellungen fast deckungsgleich waren, was natürlich der idealen Situation entspricht.

TO: Starwars beinhaltet ja sehr tanzflächentaugliche Tracks. Sollte Starwars von vornherein nur ein cluborientiertes Technoalbum werden oder hattest du auch vor, "gediegenere" Tracks darauf zu veröffentlichen?

Holgi Star: Starwars war von Anfang an als ein cluborientiertes Album konzipiert, alles andere würde für mich und Kiddaz.fm, in unserem momentanen Entwicklungszustand, keinen Sinn machen. Kiddaz.fm ist ein Label von DJs für DJs und die benötigen ein Album, dass Sie spielen können. Außerdem bin ich Techno DJ und will es auch noch eine Weile bleiben, weil's mir Spaß macht und ich mit dem ganzen Herzen dabei bin. Und da macht es schon Sinn ein funktionales Album zu produzieren und zu veröffentlichen!

TO: Wie entstand die Auswahl zum Album - habt ihr auch Material verworfen?

Holgi Star: Lustigerweise haben wir kein Material verworfen. Wir haben einfach Track für Track produziert und am Schluss klang alles ziemlich fett. Ich habe dann das Material im Club getestet und dann noch hier und da kleine Änderungen vorgenommen, mal 'ne Hihat früher kommen lassen, mal die Kick ein bisschen leiser bzw. lauter gedreht - das war Alles!

TO: Man merkt das du auf Starwars eine Symbiose aus Oldschool Techno, Breaks und dem heutigen Techno entwickelt hast - zu welcher Zeit und welchen Charakteren der jeweiligen Genres fühlst du dich mehr hingezogen bzw. was siehst du an positiven und negativen Merkmalen der jeweiligen Zeiten?

Holgi Star: Was mich an dem ganzen Oldschool "Ding" immer so fasziniert, sind diese Sounds mit absolutem Wiedererkennungswert, diese "angeravten" Chord Sounds, das "frikelige", diese Dynamik, die Melodien. Ich habe damals die Main Time im guten alten Exxit miterlebt, und damals war der Sound ziemlich melodisch und charakteristisch, ohne peinlich rüberzukommen, wie es heute z. B. bei so mancher Trance Produktion ist. Bei vielen der sogenannten Oldschool Stücke kann ich mich, wenn der Track vorbei ist, an irgendwas erinnern, also bleibt etwas hängen in meinem Hirn. Das vermisse ich heute bei vielen Produktionen. Die klingen oft alle gleich, manchmal gleich gut, oft gleich schlecht. Bei den meisten Schranz-Produktionen haben die wenigsten einen eigenen Charakter, da fehlt die Hook. Allerdings fasziniert mich da der Druck, die Power, die Geradlinigkeit, die trockenen, aber extrem funktionalen Arrangements. Und genau das vermischt mit den coolen Oldschool Sounds ergibt meiner Meinung nach eine ziemlich lebhafte Mischung, die rockt und im Ohr bleibt. Und darum geht's mir bei meinen Produktionen!!!

TO: Mit welchen Geräten habt ihr hauptsächlich gearbeitet?

Circuit Breaker: Mac G4 mit Logic Audio Platinum, diverse Software Synths und PlugIns (besonders erwähnenswert Battery und Absynth), kombiniert mit Hardware wie z. B. zwei große Emu Sampler, Clavia NordLead, Prophecy u.a.. Gemischt wird bei mir auf einer analogen Konsole, denn die klingt einfach fetter!

TO: Was auffällt ist die Qualität der Tracks! Nicht nur abwechslungsreich präsentiert sich das Album, sondern auch mit sehr viel Druck! Legst du wert darauf, dass zum Beispiel eine Bassdrum eben nicht nur lau daher hüpft, sondern dir förmlich die Füße unterm Arsch weg zieht?

Circuit Breaker: Ein Teil ist schon durch die vorhergehende Frage beantwortet! Man kann aber generell sagen, dass wir uns auf das Wesentliche konzentrieren und Musikmachen im Endeffekt die Kunst des "Weglassens" ist. Naja, und man darf nicht am Ende des Stückes vergessen, die Kick wieder an den Track anzupassen, sprich nach vorne zu holen damit´s besser knallt. Und immer dick Kompressor drauf, dass ist wichtig!

TO: Hast du bestimmte Einflüsse, Emotionen und Erfahrungen aus DJ-Buisness, Großstadtleben oder Privatleben in Starwars verarbeitet? Wenn ja, welche?

Holgi Star: Wenn man im Studio sitzt und produziert, dann verarbeitet man zwangsläufig Emotionen und Gefühle, denn Musik ist ja irgendwie die Verlängerung der Seele. Aber dass man sich jetzt hinsetzt und sagt ich verarbeite z. B. nun mal die Trennung von meiner Freundin im nächsten Track oder den Autounfall vom Wochenende, so funktioniert das nicht! Musikmachen soll Spaß machen und der Spaß kommt nur, wenn man sich beim Produzieren gehen lassen kann. Aber wie ich vorhin schon gesagt habe, wenn ich Breaker oder Jack im Studio sitze, dann ist das immer gemeinsames Musikmachen ohne einen festen Plan. Wir sitzen da, weil wir Spaß dran haben dicke Beats zu programmieren. Wir haben Spaß am Endergebnis und sind einfach geil auf die Platte, auf der es irgendwann erscheint und noch viel geiler darauf die Platte dann im Club zu spielen, den eigenen Sound zu hören und zu sehen, dass die Leute drauf tanzen, schreien und abgehen. Das ist die Emotion, die man sucht und für die man das macht!!

TO: Hast du auch einmal vor andere Wege einzuschlagen, die fernab von Kiddaz.fm und Techno realisiert werden wollen?

Holgi Star: Da schwirren viele Pläne in meinem Kopf rum. Aber ich bin so ein Typ, der immer eins nach dem anderen macht. Wenn das eine läuft, dann kann man sich um neue Sachen kümmern. Ich hab ja schon ein paar mal in Interviews gesagt, dass ich Bands à la Kosheen total verehre... Irgendwann will ich auch mal ein Teil von so einer Combo sein. Aber an so was muss man arbeiten und mit ganzem Herzen dabei sein. Aber ich habe momentan mit Kiddaz.fm und meinem DJìng so viel zu tun, dass für andere Exkursionen kaum Zeit bleibt. Aber im Hinterkopf habe ich es immer!!!

TO: Wie ich so mitbekomme präsentiert sich Kiddaz.fm als eine sehr starke Posse mit Teamgeist und persönlicher Akzeptanz. Gibt es aber nicht manchmal auch etwas Neid auf den Erfolg des Anderen oder seht ihr den internen Wettbewerb als positiven Nebeneffekt, um nach "Höherem" zu streben?

Holgi Star: Klar wir sind auch nur Menschen, aber ich denke, dass sich bei Kiddaz.fm ein gewisses Potential an Leuten mit einer ähnlichen Persönlichkeit gefunden hat. Bei uns ist wirklich niemand neidisch auf den Erfolg des anderen. Wenn hier z. B. die Verkaufszahlen reinkommen und die sind gut, dann freuen sich alle! Was soll auch der ganze Neidscheiß! Neid zerstört viel, grade in einer Gruppe, und deshalb schauen Emerson und ich total auf den Charakter der Leute, wenn wir jemand neu signen. Wir haben ein paar Tests, woran wir ganz schnell erkennen wie jemand drauf ist. Auf Zicken oder Dummschwätzer haben wir keinen Bock! Wir wollen Homies sein und auch mit Homies arbeiten, was nicht heißen soll, dass hier auch öfters mal die Fetzen fliegen - logo, das bleibt nicht aus. Aber dann wird geredet sich die Hand geschüttelt und weiter geht's.

TO: Wie geht's weiter mit Kiddaz.fm - gibt's Pläne, die in Zukunft zur Debatte stehen?

Holgi Star: Also, im Moment wollen wir einfach nur in Ruhe weitermachen, sprich, eine Platte nach der anderen rausbringen. Wir haben soviel gutes Zeug gesignt. Ständig kommen irgendwelche jungen Producer vorbei und geben komplette 12" ab - es ist eine wahre Freude! Wir haben auf alle Fälle den Anspruch, ein richtiges Label mit allem drum und dran zu werden und irgendwann mal ein Kiddaz.fm Studio im Süden zu haben, wo man sich in den kalten Wintermonaten hin verpissen kann. Aber dazu muss man Erfolg haben und die nötigen finanziellen Mittel. Und Erfolg kommt nicht von alleine, also müssen wir Kiddaz.fm Schritt für Schritt aufbauen und immer schauen, dass die Musik, die wir auf Kiddaz.fm releasen, passt und uns und vor allem den Leutz da draußen gefällt.. Alles andere wird sich dann von alleine ergeben!

TO: Siehst du deine DJ-Karriere als fördernd für deine Produktionen und Euer Label Kiddaz.fm?

Holgi Star: Also, ich denke, dass das eine klassische Wechselwirkung ist: Der Erfolg von Kiddaz.fm hat Einfluss auf meinen Bekanntheitsgrad als DJ und andersherum herum auch. Wenn du für ein Label stehst, das gerade erfolgreich ist, dann nehmen dir die Leute auch eher ab dass du ein guter DJ bist ohne dich gehört zu haben. Oder sie kommen einfach im Club vorbei, um mal reinzuhören. Ansonsten ist so eine DJ Karriere dahingehend für das Label dienlich, weil ich jedes Wochenende die Möglichkeit habe, neue Tracks von mir oder den anderen Künstlern von Kiddaz.fm bzw. White Labels im Club zu testen. Der Dancefloor ist die beste Basis bestimmte Sachen zu testen. Wenn sich da dann nix bewegt, weiß man was zu tun ist!

TO: Gibt es eine Tour zum Starwars Album, ähnlich wie bei Emersons Album "Kidd Rock"?

Holgi Star: Also eine direkte Starwars Tour ist nicht geplant, als DJ bist du ja eigentlich immer auf Tour. Aber ich bin in nächster Zeit sowieso viel unterwegs, um das Album zu promoten. Das ist dann schon irgendwie 'ne Starwars Tour. Aber die nächste große Kiddaz.fm Tour, mit allen Artists, wird es irgendwann im Herbst oder Anfang nächsten Jahres geben, mal sehen wie wir das hinkriegen. Momentan hat das Label und die kommenden VÖ´s Vorrang!

TO: Vielen Dank für das Gespräch, den schönen Abend und die ausgesprochen "wohltuende" Atmosphäre ...

Holgi Star: Keine Ursache, immer wieder gern!!

Kontakt:
Label Adresse:
Kiddaz.Fm
Stralauer Allee 2-16
Osthafen Haus G
10245 Berlin

Booking contact:
Mun-ju Kim, E-Mail: info@kiddazfm.de

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