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Ältere Interviews von April - September 2001 September 2001 - Juli 2002 August - Juli 2003 Juli - Dezember 2003 Januar - Juni 2004

pict Interview mit Commander Tom:

Du hast in der Techno-und Tranceszene einen einzigartigen Ruf.Du blickst auf eine siebzehnjährige Karriere als DJ,Produzent und Labelbetreiber zurück.Wie kamst Du auf die Idee, Deinen erfolgreichsten Hit "are m eye" aus dieser Zeit neu abgemischt noch einmal zu veröffentlichen?

Das Ganze begann 1999, zu einem Zeitpunkt als meine Labels -sprich Undercover Music Group- noch existierten. Da ist Silvio, der Head von Pulsive - meinem neuen Label, mit einem Remix von Marc van Linden an mich herange-treten und meinte zu mir, er hätte jetzt den amtlichen Chartmix von "are m eye" am Start. Erwolle unbedingt diesen Remix veröffentlichen. Ich sagte: "Wenn das Ding noch mal rauskommt, dann mach ich das selber - und bestimmt nicht ihr!" Damit dachte ich, sei das Ding erledigt. In der darauf folgenden Zeit hat Silvio immer wieder angerufen und dann auch noch ausgerechnet wieder zu einem Zeitpunkt, als die UCMG Konkurs angemeldet und die Rechte an dem Titel an mich zurück gefallen waren. Ich hatte dann noch mit einzelnen Majorlabels verhandelt und mich zum Schluss aber doch für Pulsive entschieden. Da steckte einfach soviel Begeisterung und soviel Herzblut in Silvios Worten, dass ich mir dachte, wenn einer die Scheibe noch mal nach vorne bringen kann, dann vielleicht er! Ich habe Mixe von meiner Seite machen lassen, wie z.B. von Martin Eyerer, und von Pulsive kamen Mixe von Kaylab, Marc van Linden und vor allem Lazard. Die Veröffentlichung musste dann über den Herbst hinaus verschoben werden. Aber im nachhinein hat sich das als perfekter Schachzug von Pulsive erwiesen, es zum Ende des Jahres zu veröffent-lichen. Der Titel ist zu Weihnachten die Dance-Charts hochgeklettert und hat in mehreren Charts sogar sensationell auf Platz 1 überwintert.

Das Original soll bis heute allein als Vinyl schon ca.100.000 Mal verkauft worden sein.Hattest Du keine Angst,dass der Titel durch die Neuveröffentlichung seinen Kultstatus verlieren würde?

Die Gefahr läuft man ja immer. Aber ich bin Dance-Producer und kein Pop-Producer. Und aktuell ist der Markt total durchgeweicht von den ganzen Castingshows. Jeder Popstar und jeder Super-star-Kandidat, egal ob er nun 1., 3. oder letzter ist, schwemmt den Markt mit diesen wirklich miesen Balladen durch - was für mich mit einer der Gründe ist, warum die Dance-Musik komplett abgestürzt ist. Der Markt war damit abgedeckt, und es kam der Hip Hop wieder stark zurück. Dance-Musik ist dadurch komplett abgemeldet und von daher hast Du eigentlich keine große Wahl mehr, ob du eine Nummer aus irgendwelchen Gründen richtig gut machen möchtest. Du bist froh, wenn Du mit irgendwas überhaupt noch wer am Markt bist. Das Package hat halt einfach gepasst und die Chance, damit noch mal etwas zu reißen, war schon relativ groß - weil die Mixe halt doch alle sehr zeitgemäß sind. Die Befürchtung, dass ich damit irgend etwas kaputt mache, war kleiner als die Hoffnung, dass es sich gut platziert und mittlerweile ist es in allen Dancecharts auf Platz 1 gelandet.

Wenn man versucht, Parallelen zu Deinem jetzigen Comeback zu finden,fällt einem unweigerlich Mark 'Oh ein,der vor drei Jahren begann,seine Hits neu zu veröffentlichen. Kannst Du Dich mit so einem Vergleich anfreunden?

Ich würde schon sagen, Mark'Oh mit seinem "randy" ist schon ganz wo anders. Das ist eine Ecke, wo ich gar nicht hin möchte. Persönlich halte ich von solcher Musik nicht ganz so viel, aber das spielt ja keine Rolle. Wir sind derzeit die handvoll Leute (zusammen mit DJs@Work, Lasgo oder Kai Tracid) die noch funktionieren. Ich bin einfach froh, dass ich in dieser Nische mit drin sein kann. Sollte ich dabei bleiben und damit bei den Besserverdienenden in der Dance-Szene, dann ist es mir auch egal, ob der Vergleich mit Mark'Oh kommt oder nicht. Solang ich damit weiter Erfolg haben kann, weiter verdienen und überleben kann, ist mir jeder Vergleich recht.

Nach den aktuellen Chartplatzierungen kann man zweifellos davon ausgehen,dass 2004 das Jahr von Commander Tom wird. Wie sehen Deine weiteren Pläne für dieses Jahr aus?

Es gibt einige Pläne und vor allem sensationelle Ideen in den Köpfen von mir und natürlich Silvio, damit auch erste Schritte für eine Nachfolge-Single und natürlich ein erfolgreiches Album. Zumindest akustisch, wie es dann da draußen im Endeffekt erfolgreich wird, kann ja niemand voraus sagen. Ich bin auch zuversichtlich, dass das jetzt abgedrehte Video seinen Platz bei den verschiedenen Clip-Stationen finden wird. Es ist nicht das Übliche: der DJ steht hinter den Plattentellern und lässt hübsche Mädels um sich rum tanzen. Das Video wurde von einigen bekannten deutschen Kurzfilmern gedreht und ist ein kleiner Spielfilm geworden; kein typisches Deejayvideo. Darüber bin ich sehr froh und auch sehr stolz. VIVA mag das Video, mag aber die Musik nicht. Jetzt müssen wir schauen, dass wir eine der Ausnahmen im Dancebereich werden, von denen VIVA behauptet, dass es sie noch gibt. Denn die Chartpositionen geben uns ja hier Recht.

Kannst Du Dich nach all den Jahren noch an Dein erstes Booking erinnern?

Nein, an mein erstes nicht. Mein allerdings erstes ernst zu nehmendes Booking hat mir ein damals enger Freund und Weggenosse ermög-licht, nämlich Sven Väth. Anfang der Neunziger hatte Sven eine eigene Rave-Serie, die nannte sich Omni. Jedes Jahr gab es eine Party und sollte die Frankfurter Antwort zur Mayday sein. Er hat mich damals zur Omni2 gebucht und das war eigentlich so der erste große Schritt ins Business. Ich hab den Sven damals öfter zu seinen Gigs gefahren, da er immer noch keinen Führerschein hatte. Wir hatten damals echt viel Spaß. Ich denke, dieses Booking war auf jeden Fall ein großer Schritt für mich in Deutschland.

Welchen Abschnitt Deiner Karriere würdest Du als Deine schönste Zeit beschreiben?

Auf ein bestimmtes Jahr kann man sich da gar nicht festlegen. Ich bin bis heute bestimmt 10 mal um die ganze Welt gesegelt. Ich habe mindestens zwischen 40-50 mal allein in New York gespielt und bestimmt in jeder Stadt in Nordamerika, die größer ist als ein paar hundert-tausend Einwohner. Die Jahre davor viel Süd-afrika, Australien und Südamerika. Als die erfolg-reichsten Jahre würde ich aber 1998 und 1999 bezeichnen. Da ging es in Amerika so richtig los. Die Eroberung der Metropolen Nordamerikas würde ich so ziemlich als die geilste Zeit be-schreiben. Und wer weiß, vielleicht wird das jetzt ja alles noch einmal überboten.

Das Interview führe Sebastian Schinner Anfang 2004. Url: www.nachtlichter.com


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