Clark B
Interview mit Clark B im Mai 2003:
Marcel Uhlig alias Clark B, bekannter Veranstalter und DJ, lässt nicht nur in musikalischer Hinsicht Taten sprechen, sondern macht schon seit Jahren, als einer der aktivsten Protagonisten der ostdeutschen Techno-Szene auf sich aufmerksam. Mit gesundem Verstand und einer Menge Willenskraft propagiert er das, was ihm am Herzen liegt, nämlich eine gesunde Technokultur! Ein würdiger Anlass also, um sich mit Clark B in Dresden zu treffen und ein paar Fragen zu stellen.
TO (Techno Online): Man sollte zwar nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen, doch ich möchte es ausnahmsweise mal tun! Wie siehst du die derzeitige Techno-Szene?
Clark B: Die Szene ist fast im ganzen Land zerschlagen, oft stehen viele Leute mit ihren Problemen allein da. Drogen und ein für meines Erachtens zu großes Überangebot an Veranstaltungen haben viele müde gemacht. Ein Teil der Leute geht nicht mehr wöchentlich auf Party, sondern nur noch zu ausgewählten Veranstaltungen. Für die Veranstalter ist es daher nicht mehr abzuschätzen wie eine Veranstaltungen laufen wird. Und das Ende vom diesem Lied ist, dass viele Clubs finanzielle Probleme haben und leider schließen müssen!
TO: Was müsste denn verändert werden bzw. was wären denn neue und innovative Ideen?
Clark B: Mir würden tausende Veränderungen einfallen, aber eine ist mir sehr wichtig. Die Szene muss etwas zurück bekommen, und zwar von denen, die durch die Szene und ihren Anhängern ăgroß" geworden sind!
TO: Was wurde in der Szene deiner Meinung nach vernachlässig und auf was zu viel konzentriert?
Clark B: Es wurde kein Wert auf die Gemeinschaft gelegt, die Kids haben in dieser Szene keine Chancen und Perspektiven und erhalten zusätzlich keine Unterstützung. Die Love Parade geht in den letzten Jahren mit schlechtem Beispiel voran. Vor den Augen der Veranstalter gehen Parteien und Initiatoren auf Tour und werben mit Programmen und Inhalten, um sich einen potentiellen Kreis zu erschließen. Ist ja auch ein gefundenes Fressen, wenn von unseren ăMachern" nur ăbla bla" zu erwarten ist! Nicht nur ich wurde jedes Jahr mehr enttäuscht, als das sogenannte Sprachrohr der Szene seine Abschlusskundgebung begann.
TO: Also sollte man sich in der Szene politisch mehr engagieren und alle Leute die mit der elektronischen Musik zu tun haben gemeinschaftlich Partei ergreifen, um dann mehr auf das soziale Umfeld unserer ăverlorenen" Gesellschaft Einfluss zu nehmen?
Clark B: Auf jedem Fall, sie sollten sich nicht nur engagieren sondern auch aktiv werden! In unserem Land ist politisch doch eh nichts für die Jugend zu erwarten. Also ist das beste die Jugend schafft sich ihre Chancen selbst.
TO: Da stellt sich mir doch gleich die Frage, was gibt es denn seit den Anfängen Positives bzw. Negatives aus deiner Sichtweise zu berichten?
Clark B: Positiv - die Musik wurde sehr intensiv weiterentwickelt und sie hat sich über den ganzen Erdball verbreitet. Negativ - es gibt die Techno-Familie aus den 90gern nicht mehr. Neue Leute die ihren Weg zum Techno erstmals finden, werden von denen die schon ne Weile dabei sind, oft nicht aufgenommen sondern abwertend behandelt. Außerdem ist die sogenannte ăSzene" zu verschlossen und hat kaum noch wahres Musikinteresse! Für sehr viele gibt es nur 4 DJ's die sie nennen können. Auf die Fragen, wer eigentlich unsere ăTechno-Väter" sind, kann man nur mit dem Kopf schütteln.
TO: Also hast du auch manchmal das Gefühl, dass es sich in der Jugendbewegung nur noch um Statussymbole und materielle Werte handelt, anstatt nach ideellen Werten zu streben, so wie es in den Anfangszeiten zelebriert wurde?
Clark B: Einerseits ja, doch es gibt noch einige Leute die nach den ideellen Werten suchen und streben. Ich denke die Geschichte der Bewegung muss mehr erzählt werden, um wieder verstärkt Interesse für das was war zu wecken.
TO: Wie hast du die Szene speziell in Sachsen/Dresden erlebt?
Clark B: Erlebt? In den letzten 13 Jahren bin ich einfach nur so fest in der Musik verwachsen, dass das Erleben für mich mein Leben ist. Und mein Leben war Chaos aber schön. In Sachsen habe ich die Szene anders als im Rest des Landes kennengelernt, denn Sachsen war schon immer härter und schneller. Zum Thema Dresden kann ich nur so viel sagen, dass es lange Zeit sehr seltsam war. Hier hat Alles immer ein wenig später oder gar nicht funktioniert.
TO: Du bist einer der Initiatoren von Strasse E, einem Club der Ende der 90ziger verdammt boomte.
Was gibt es Neues v. der Strasse E zu berichten? Was ist Ansporn für deine Arbeit und wie kann man sich die Arbeit von dir vorstellen?
Clark B: Mein Ansporn ist es dem eher neuem Publikum Artists aus allen Richtungen vorzustellen. Die Partyreihe ăWorldwilde" bietet mit Dj's aus aller Welt die Möglichkeit, den Style anderer Länder zu erleben. Dieses Jahr gibt es auf jeden Fall noch sehr viele interessante Artists zu hören! Am besten Partydates verfolgen und Flyer checken! Das tägliche Arbeiten mit mir ist, denke ich, eher schwierig. Der Grund dafür könnte in meinem Sternzeichen liegen.
TO: Unter welchem Sternzeichen stehst du denn?
Clark B: Widder! Das sagt Alles!
TO: Ok, zurück zum eigentlichen Thema. Was ist Ziel bzw. Inspiration deiner Arbeit als DJ und was macht deiner Meinung nach einen guten DJ aus?
Clark B: Das größte Ziel ist es gemeinsam mit den Leuten für ein paar Stunden verbunden zu sein. Ich möchte die Leute bewegen, zum Zuhören bringen und wenn die Technik stimmt, ist mein Ziel, dass am Ende beide Seiten tanzen. Außerdem ist meine derzeitige Inspiration fürs Djing, Veränderungen zu wecken! Auf die Frage was einen guten Dj ausmacht, kann ich nur antworten: sein Style, und der sollte einzigartig sein!
TO: Als DJ hast du ja auch immer eine gewisse Macht bzw. die Chance gezielte Messages an das Publikum weiter zu geben - was wolltest du der Techno-Gemeinde schon immer mal mit auf den Weg geben?
Clark B: Erwacht wieder, um allen zu zeigen wie viele und wie stark wir sind!!!
TO: Techno bedeutet für dich also auch Familie mit großem Zusammenhalt!? Siehst du es daher als eine Art Pflicht an, gemeinsam Alltagsprobleme mit Hilfe der Musik bzw. der Techno-Bewegung zu lösen?
Clark B: Ich denke das es genau so sein müsste, die Bewegung müsste sich nur mehr engagieren! Jeder der sich zur Szene zählt, sollte sich sicher sein, dass sie auch für ihn da ist! Aber bis dies erreicht ist, ist es noch ein weiter Weg.
TO: Zu einem anderen Punkt - du stehst mit Mike Humbries (Punish Rec./UK) eng im Kontakt - kann man eventuell gemeinsame Projekte von dir und ihm erwarten?
Clark B: Wir lernen uns seit zwei Jahren kennen und sind gemeinsam in Europas Clubs unterwegs. Gemeinsame Projekte sind noch nicht in Planung aber im Bezug auf Musik ist er für mich ein echter Wunschpartner.
TO: Hört sich gut an - produzierst du? Wenn ja, gibt es vielleicht bald eine Platte von dir?
Clark B: Ich hoffe! Ich versuche mir mehr und mehr Freiräume zu schaffen, um meine Ideen musikalisch umzusetzen. Es sind einige Titel fertig, aber über eine konkrete Veröffentlichung möchte ich noch nichts sagen.
TO: Was sind private bzw. geschäftliche Pläne für die Zukunft?
Clark B: Nun, ich hoffe einfach Einiges in dieser Szene bewegen und verändern zu können. Gearbeitet wird zur Zeit an sehr vielen Projekten, aber die Ergebnisse werden erst im neuen Jahr zu sehen sein. Außerdem, hoffe ich, dass es in absehbarer Zeit möglich sein wird einen Pool zu schaffen, um den Leuten zu zeigen das Techno mehr ist, als das was sie in letzter Zeit erleben mußten und gesehen haben.
TO: Was ist eigentlich Techno für dich?
Clark B: Meine morgendliche Inspiration zu erwachen und meinen Alltag zu meistern. Es ist mein Leben.
TO: Was sagst du zum Unwort ăSchranz"?
Clark B: Schwachsinn, es ist und bleibt Techno!
TO: Wie beschreibst du deinen Style, den du auflegst?
Clark B: Oh, ich glaube das sollte lieber jemand beantworten der auf der anderen Seite der Boxen steht.
TO: Wie bist du zur Musik gekommen?
Clark B: Letztendlich durch meinen Vater, der schon zu ăOst-Zeiten" ein eigenes Studio betrieb und das Interesse für Musik und seine 303 in mir weckte. 1989 brannte sich dann Bomb the Bass mit ăBeat Dis" in meinen Kopf. Ein Jahr später begann ich selbst damit das Mixen zu erlernen.
TO: Was hörst du privat?
Clark B: Moby, Carl Craig, Kruder & Dorfmeister, Portishead, Massive Attack, Cosmic Baby, Cypress Hill
TO: Deine erste Platte?
Clark B: Gute Frage, ich glaube (ist ja 13 Jahre her) es war ein Hardcore Vinyl aus der USA von 12" Gauge.
TO: Wie oft legst du auf?
Clark B: Jede Woche, meistens 1 bis 2 mal, hin und wieder auch 3 mal.
TO: Was sagst du zur Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der elektronischen Musik?
Clark B: Die Vergangenheit war sehr geprägt vom Fortschritt, es sind viele Clubs, Labels und Firmen entstanden. In der Gegenwart wird leider Alles nur noch vermarktet, meist ist es egal wie. Es scheint als sei an vielen Orten eine Art Technomafia und Antitechnomafia am Werk. Wir lesen von Angriffen mit Buttersäure auf Clubs und von Stadtverwaltungen die versuchen mit Hilfe der Polizei das feiernde Volk zu vertreiben. Und wir haben Veranstalter und Agenturen die mit ihrem Handeln unwissend die Szene zerstören. Wenn alles so bleibt wie es ist, brauchen wir nicht über eine Zukunft sprechen.
TO: Bist du deinem Stil treu geblieben oder ziehst du bei Trends mit?
Clark B: Ich bin nicht mehr bei dem Style mit dem ich begonnen habe und ich denke auch das meine musikalische Reise noch nicht beendet ist. Aber für mich galt immer: ăGehe nicht mit Trends!"
TO: Dein schönster bzw. außergewöhnlichster Gig?
Clark B: Jeder Gig ist schön und außergewöhnlich. Es gibt nur wenige die da nicht genannt werden sollten.
TO: Ein Klassiker?
Clark B: Moby - Hymn
TO: Engagierst du dich für den "Nachwuchs"? Wenn ja, wie?
Clark B: Nun ich habe in den letzten 3 Jahren fünf Nachwuchscontest's organisiert. Einige der Teilnehmer sind heute mehr und mehr im Nachtleben zu sehen. Leider sind meist aus Zeitgründen nicht alle geplanten Projekte zur Durchführung gekommen aber bis 60 ist ja noch Zeit.
Weitere Infos: nächsten Gigs
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