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Ältere Interviews von April - September 2001 September 2001 - Juli 2002 August - Juli 2003 Juli - Dezember 2003 Januar - Juni 2004

Boogie Pimps

pict Das Interview wurde geführt von M1 Bookings (Daniel), Email: Daniel@m1-bookings.com

Marcus, Du betreibst ja den Joue Joue Club. Wie ist dieser musikalisch positioniert?

House, House und nochmals House. In allen Facetten. Ich versuche immer beim Booking darauf zu achten, dass die Leute nicht mit einem Style über Stunden beansprucht werden. Deshalb haben wir auch verschiedenste DJs am Start; von Deep bis Uplifting. Doch das eigentliche Highlight vom Joue Joue sind seine Shows. Bei denen die Grenzen zwischen Live und Musik von Platte verschwinden und unsere extravaganten Tänzer dem Laden ein wildes Flair einhauchen. Wichtig ist uns eben der Spaß der Leute; Sie haben nur eine Samstagnacht pro Woche.

Wie lange kennt Ihr zwei euch schon und wie lange seid Ihr schon als DJ-Tam tätig?

Wir kennen uns seid 5 Jahren und sind seid 4 Jahren als DJ-Team unter dem Namen "Boogie Pimps" unterwegs.

Wie kamt ihr auf die Idee, Sequenzen von "Fear and loathing in Las Vegas" in den Track "Somebody to love" einzubauen?

Mirko kam eines Tages und sagte: "Hier - hör mal rein, ich find die Nummer klasse."
Ich meinte dazu nur, ob er nun auch zu den "Fear and Loathing-Jüngern" gehört? Denn ich liebe diesen Film. Aber ich mochte den Track anfangs nicht so sehr. Doch Mirko blieb ja bekanntlich hart - Gott sei dank.

Mit welcher Motivation seid ihr damals ins Studio gegangen um "Somebody to love" zu produzieren?

Wir hatten so einen Sound im Ohr und fanden diesen nie auf unseren Platten. Da haben wir uns gesagt, wenn es den noch nicht gibt, müssen wir halt ran und so begann die Tüftelei.

Hättet ihr damals, als das Stück fertig gestellt wurde, damit gerechnet, dass der Track so durchstartet?

Natürlich...! (Im Ernst) Natürlich nicht. Wir haben ca. 3 Monate daran rumgebastelt. Die ersten Platten, die wir machen ließen, wollte dann auch prompt keiner haben. Kein Vertrieb, kein Label, kein Laden. Niemand. Mit Hilfe eines Freundes (Heinz Felber) hatten wir dann das Glück, dass Discomania die Platte in den Vertrieb genommen hat. Somit erreichte diese dann die DJs dieser Welt, die Ohren und Beine der Partyvölker und ca. 6000 verkaufte Platten später die A&Rs von Superstar, die die Nummer dann so richtig pushten. Manchmal können wir das noch immer nicht so richtig glauben, aber wir können versichern: Es ist ein tolles Gefühl, wenn das ankommt, was man produziert hat.

Ihr seid unerwartet schnell zum Erfolg gekommen. Was haltet ihr von den ganzen Casting-Geschichten die momentan in Deutschland überhand nehmen? Ist Erfolg eurer Meinung nach kalkulierbar?

Schnell? Dem Nachtleben gehören wir schon länger als eine Dekade an. Aber egal, wir finden es immer gut, wenn man eine Chance bekommt seine Träume zu verwirklichen.
Es ist immer leichter sich auf dem Sofa vorm Fernseher aufzuregen, als selbst den Mut zu haben, sein Leben zu leben. Es spricht uns zwar nicht an, aber wir zählen bestimmt auch nicht zu der Zielgruppe für den TV-Casting-Zirkus.
Ich glaube aber schon, dass kommerzieller Erfolg planbar ist. Wozu gäbe es sonst Marketing. Aber ob das auch gute Songs hervorbringt, steht immer auf einem anderen Blatt. Wenn gutes Marketing aber den Leuten die Ohren für Musik öffnet, dann hat es doch etwas Positives.

Seit eurem Hit besteht ja eine enorme Nachfrage an den Pimps. Wie sieht euer Terminkalender seitdem aus?

Voll. Manchmal zu voll aber es ist auch ein schönes Gefühl, wenn man zu tun hat. Wir genießen es, weil wir es schon immer so wollten, dieses Touren, vor immer wieder anderen Leuten spielen; es ist schön. Wir wurden ja nicht zum Deejaying gezwungen. Deshalb ist es schön, wenn die Leute unsere Platten und unsere Musik gut finden und zu unseren Sets abgehen. Wem würde das nicht gefallen?

Eure neue Single "Sunny" kommt am 01.12 auf den Markt. Ist es nicht schwierig, nach so einem Hit wieder ins Studio zu gehen um einen neuen Track zu produzieren? Besteht da ein gewisser Druck?

Ja und Ja!!! Es ist weniger der Druck noch einen "Hit" abzuliefern; das ist sowieso utopisch, da ein Hit halt einfach nur passiert. Aber eine gute Platte zu machen, die die Leute zum Tanzen bringen soll, das ist eine Herausforderung, ebenso wie seinen Stil prägen. Ob uns das mit der zweiten Pimps-Single gelungen ist, entscheiden die Leute. Wir hoffen es sehr für uns.

Wie ist der neue Track entstanden? Woher kam die Idee?
Warum wieder eine Cover-Version?

In fast 6 Monaten Arbeit. Zwischendurch war Zwangspause, da einer der Pimps mit einem Wirbelbruch im Krankenhaus lag. Vom Sommer haben wir nur mitbekommen, dass er heiß war, da wir im Studio ungewöhnlich mehr geschwitzt haben. Diesmal jedoch kam uns dass Produzieren so vor, als ob man einen Liebesbrief schreibt. Man fängt an mit einer Idee und verwirft diese und wieder von vorn...
Die Idee zu "Sunny" kam eigentlich schon vor "Salt Shaker" bei einer unserer ersten "54 Parties" im Joue Joue Club. Wir haben "Sunny" im Original gespielt und die Leute sind vor Glück zerflossen. Da kam uns die Idee für den Track. Ist ja auch ein uraltes Thema. Kommt, soweit wir wissen, von den Plantagen aus Amerika, noch aus der Sklavenzeit. Wir kennen etwa 17 Versionen von "Sunny". Da liegt es doch nahe, noch mal ein paar beizusteuern. Coverversion? - unsere Lieblingsfrage. Wir samplen, wie so ziemlich jeder in der House und Hip Hop Szene. Wir spielen das Lied ja nicht nach. Anyway: es ein heißer Track, unheimlich emotional mit tollen Harmonien. Sunny ones so true the Pimps loves you...

Wird es zum neuen Track Remixe von anderen Produzenten geben?

Nein. Wir wollen mal bewusst diesen Kreislauf durchbrechen. Außerdem haben sich so viele Ideen angesammelt, dass die locker ausreichen um ein Album zum Thema "Sunny" abzuliefern.

Produziert Ihr selbst oder habt Ihr einen dritten Mann im Studio?

No, wir haben kein Ghost, wie so einige Sternchen am Househimmel. Was die Leute von den Pimps hören, wird auch von den Pimps gemacht. Mirko macht die Drums, FXs und die Mischerei und Mark J. macht die Sounds, Arrangements und das Samplework.

Wie kann man sich euer Studio vorstellen? Mit welchen Instrumenten, Geräten arbeitet ihr?

Unser Studio ist in der Garage von Mark J's Eltern. So ein Studio wird wohl immer eine Baustelle sein und bleiben. Wir lieben es aber auch - dieses unfertige Klima. Wie kann man es sich vorstellen? Mirko schreit: "Wie den Chaos Computer Club!" Kabel, Maschinen, Keyboards, Mischer und es sieht aus als ob es eher eine Laune der Technik ist, wenn alles im Zusammenspiel geht, aber ein bisschen System steckt schon dahinter.

Unsere Technik:
Mackie D8B, Behringer Eurodesk 8000, Akai S6000, PC mit Cubase SX, Creamware und A16 AD/DA Wandler, Yamaha CS1x,CS6x & DX7, Juno 106. Roland SH 101 & XV5050, Oberheim 1000, EMU Orbit, Waldorf Microwave, Novation Drumstation, Midiinterfaces von Motu & Steinberg, diverse Remotes von Doepfer, Oberheim usw., Effekte von Akai - MfC42, Sherman, TC Eletronics, Behringer... was man so braucht.

Abhören tun wir mit Yamaha NS10M & JBL Monitoren. K+S Monitore sind gerade auf dem Weg. Wir arbeiten lieber mit Maschinen, als mit Plug Ins + Softwaresynthies, auch wenn es etwas altmodisch ist. Das Studio ist so eine Mischung aus digital und analog. Etwas sehr vereinfacht dargestellt laufen die ganzen Preproductions digital, die Postproduction und das Mastering gehen dann zerlegt in seine Spuren durch die Analogmische. Klingt "much more dirty".

Von wem oder was lasst Ihr Euch musikalisch beeinflussen?

Von allem und jedem. Das geht von klassischen Konzertbesuchen bis zu ganz derbem Metal. Wir hören viel und vor allem sehr verschiedene Musik. Mark J meint: "Ich stehe derzeit extrem auf den Sound von Redman und Marylin Manson" (Mirko nickt mitleidsvoll).
Unsere gemeinsamen Götter, wenn wir es mal auf Beat beschränken sollen, sind wohl Daft Punk. Die Jungs haben es gewaltig drauf. Das schöne bei Beat ist ja aber gerade der Umstand, dass es so viele schöne Sachen gibt, die oft so innovativ sind.

Wird es ein Album geben?

So Gott und die Plattenfirma will. Das mit den Alben scheint ja immer ein bisschen schwierig zu sein. Wichtig ist, dass wir etwas "zu sagen haben" im Sinne von Unterhalten. Es wäre schön, wenn es uns gelingt zu amüsieren, nicht bloß 13 Tracks a 130 BPM aneinander zureihen. Ich denke in nicht allzu ferner Zukunft wird da wohl eine klare Aussage zu erwarten sein.

Wolltet Ihr an dem bestehenden Konzept anknüpfen?

Welches Konzept? Sollte das bedeuten, gute Musik zu machen, dann hoffen wir sehr, dass uns das gelingt. Die Möglichkeit eines Albums gibt einem wohl weit aus mehr Spielraum als eine Single. Prinzipiell richtet sich die Frage aber wohl eher Richtung eigene oder inspirierte Tracks, um dieses Wort Cover mal zu umgehen. Es ist uns eigentlich egal, ob wir covern oder eigene Songs schreiben; beides gut zu machen ist gleich schwer. Wichtig ist, dass es uns gefällt und wir die Freiheit haben uns zu verwirklichen. Es soll unser Empfinden zu 100% wiedergeben.

Wie würdet ihr die momentane Clubsituation in Deutschland beschreiben?

Schwierig. Die so liebevoll vertuschte Rezession im Land schlägt gerade im normalen Leben richtig durch. Ängste und Geldnot, egal auf welchem sozialen Level, sind halt Partykiller. Das ganze gepaart mit der Arroganz der üblichen Verdächtigen in der Partyszene, Leute die lieber auf Promoparties von irgendwelchen Schnapsbrennereien auflegen, weil da die überzogenen Gagen bezahlt werden und somit ein Großteil der Clubkultur billig zu Markte tragen, ist eben nicht besonders förderlich. Generell glauben wir, dass es in jeder Szene immer ein Auf und Ab gibt. Nach all den Jahren, die wir überblicken können, scheint der Hype zwar nicht mehr so groß zu sein, aber das ist wohl normal. Wichtig ist, was bleibt. Wenn das gut und auch im finanziellen Sinne überlebensfähig ist, dann werden House, Techno und die Clubs genauso überleben wie Rock n Roll, Klassik, Pop und all die anderen Genre der Musik und der Ausgehkultur.

Uns erscheint es in Süddeutschland immer so, als wenn die Clubszene in Ostdeutschland sehr musikbegeistert und aufgeschlossen ist (z.B. 1st Decade und Northern Lite oder SonneMondSterne). Wie seht ihr das?

Wohl nicht mehr und weniger als in Süd-, West- oder Norddeutschland. Es scheint neuer und somit frischer in den Erinnerungen. Toll ist bei den genannten Sachen, dass das alles gewachsen ist und somit ein ganzes Stück glaubwürdiger rüber kommt. Es wird mehr probiert, gerade beim SMS-Festival. Das Ding ist schon längst kein reines Beatfestival mehr, und das ist gut so, sonst könnte man so ein interessantes Line Up wie im letzten Jahr wohl gar nicht finanzieren. Ob die Leute hier aufgeschlossener sind als anderswo? Keine Ahnung, von "anderswo" ist eine ganze Menge an irren Tracks hergekommen. Es ist wohl eher die Frage, was der Crowd offeriert wird, als die, ob sie alles über sich ergehen lässt. Wir haben tolle Acts am Start: Gunjah, Northern Lite, Lexy + Paule, SMS-Macher, Dresden + Leipzig Area, Freshguide und, und, und ... das sind alles Topleute - was die machen ist rund und gut.

Was ist Euer Lieblingsclub?

Der Joue Joue Club in Erfurt. Unser Mittelpunkt.

Aktuelle Top Ten?

1
Boogie Pimps
Sunny - Juno im Oktober Mix
2
Die Raketen
Sound für Zwischendurch
3
DJ Toca
Disco
4
Gypsy
all over th world
5
Erick Morillo Harry Romero & Jose Nunez feat Jessica Eve 
DANCIN (Fuzzy Hair Remix)
6
Cold Play
Clocks - Röyksopp RMX
7
sirius b feat afrika bambaataa
Tell Lie Vision
8
northern lite
Reach the Sun
9
White
Small Town Boy
10
Martin Solveig
Funky Music


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