Alexander Kowalski
Interview mit Alexander Kowalski im Juli 2003:
Das dritte Album "Response" von Alexander Kowalski ist soeben auf Kanzleramt erschienen. Zeit also für ein Interview, das Nils Lund für techno.de geführt hat.
Nils: Du hast dein nunmehr drittes Album auf Kanzleramt herausgebracht. Im
Gegensatz zu den Vorgängern bist du beim Produzieren einmal verkehrt herum
herangegangen: Die bei Live-Auftritten eingespielten Tracks wurden im Studio
auf Albumtauglichkeit gebürstet. Warum dieser Ansatz - und wie schätzt du
den Unterschied zu deinen älteren Alben ein?
Alexander: Die Tracks wurden nicht wirklich beim Live-Spielen kreiert. Ich habe nach "Progress" einfach angefangen, neue Tracks (oder auch nur Sketche) für meinen Live-Act zu produzieren. Manche waren am Anfang wirklich noch sehr roh und wurden mit der Zeit weiter verfeinert. Als ich dann im Studio angefangen habe an "Response" zu arbeiten, hatte ich auch immer die Reaktion der Leute im Club im Kopf. Ich denke, dass das Album dadurch schon club-lastiger geworden ist als die beiden Vorgänger.
Nils: Wie sieht ein typischer Produktionstag in der heißen Phase bei dir aus?
Alexander: Im letzten Monat vor der Deadline saß ich eigentlich nur noch im Studio. In der Zeit habe ich dann auch keine Gigs mehr gespielt. Ich wollte mich total aufs Album konzentrieren. Also man steht dann morgens auf und geht dann echt sofort ins Studio. Manchmal habe ich sogar vergessen zu essen. Mit vielen der Tracks bin ich dann noch mal zu Heiko ins Studio gefahren und habe sie mir dort angehört. Er hat größere Speaker und kann auch lauter machen, als ich bei mir zuhause.
Nils: Woher bekommst du deine Ideen und wie entsteht idealtypisch ein Track?
Interessant für die Technik-Nerds: Welchem (Soft- und Hard-)Equipment
schenkst du dein Vertrauen (live vs. im Studio)?
Alexander: Ich weiß nicht. Ideen sind entweder da oder nicht. Es gibt auch Tage, an denen ich gar nichts zustande bekomme. Ich setzte mich meistens erstmal hin und fange an, mit Sounds zu spielen, bis da was cooles entsteht. Wenn erstmal ein bis zwei Ideen da sind, dann geht's eigentlich wie von selber. Ich setzte dabei in letzter Zeit auch verstärkt auf Software. Ich habe fürs Album Cubase SX (mit dem Houston Controller), Propellerheads Reason und diverse Plug-Ins benutzt. Den Mix-Down mache ich aber voll analog. Ich habe 32 Outs an meinem Rechner, die ich auf meinem Soundcraft Ghost mixe. Da kommen dann noch diverse Hardware Effektgeräte und Compressoren dazu. Im Studio habe ich einen PC, aber live verwende ich ein Powerbook. Da benutzte ich dann Ableton Live. Zusätzlich habe ich immer eine Roland TR-909 und TR-505, eine Access Virus und einen Mackie Mixer da.
Nils: Es fällt auf, dass Raz Ohara nur einmal auf deinem Album auftaucht. Hingegen
ist er nach wie vor bei den meisten deiner Live-Auftritte dabei. Welche
Rolle spielt er für dich live sowie im musikalischen Schaffensprozess?
Ihr werdet oft als ungleiches Paar charakterisiert. Wie schätzt du selbst
euer Verhältnis über die Zeit ein?
Alexander: Wir waren letztes Jahr sehr viel zusammen unterwegs. Dieses Jahr wird er bei weniger Auftritten dabei sein, da er jetzt auch einen eigenen Live-Act am Start hat. Es ist auf jeden Fall etwas anderes, wenn Raz noch mit auf der Bühne ist. Dann ist da jemand, der das Publikum direkt anspricht. Im Studio ist er auf jeden Fall auch eine Bereicherung. Was der Mann mit seiner Stimme machen kann, ist echt unglaublich. Ich denke auch, dass wir schon sehr unterschiedlich sind. Raz ist schon etwas offensiver als ich, was sich auch auf der Bühne zeigt. Ich bin da eher etwas schüchtern.
Nils: Ein weiterer "Großer" in deinem musikalischen Leben ist Heiko Laux, der
nicht nur dein "Label-Boss" ist, sondern dich auch oft als DJ unterstützt.
Wie sieht euer Verhältnis aus und wie schätzt du ihn für dein Schaffen ein?
Alexander: Bevor ich zu Kanzleramt kam war ich schon ein großer Fan. Ich denke, er ist einer der Visionäre in der Technowelt. Jetzt sind wir zusammen auf Mission. Heiko ist auf jeden Fall nicht ein typischer Boss. Es ist vielmehr ein freundschaftliches Verhältnis. Das weiß ich sehr zu schätzen. Ich denke auch, dass er sehr wichtig für meine musikalische Laufbahn war. Er hat mir Selbstvertrauen gegeben, um meinen eigenen Sound zu finden. Auf Kanzleramt bin ich völlig frei von Vorgaben. Ich kann machen, was ich will.
Nils: Blättern wir ein wenig in deiner zwar noch jungen aber dafür um so
ereignisreichen Biographie.
Wie bist du zum Techno gekommen (welche "Milestones" haben dich begleitet)?
Und wie bist du zum Produzieren und letztendlich zu Kanzleramt gekommen?
Alexander: Angefangen hat bei mir alles mit MTV. Ich habe früher immer "Partyzone" mit Simone Angel gesehen. Da lief dann irgendwann mal ein Video von Felix. Am nächsten Tag bin ich sofort in den Laden gerannt und habe mir das Album gekauft. Das war mein erstes Kontakt mit Techno. Ich habe dann angefangen mich mehr für diese Musik zu interessieren. Hab irgendwann rausbekommen, wo das Hardwax ist und dann mein ganzes Geld für Platten ausgegeben. In der Zeit habe ich mich besonders für New Yorker Labels wie Synewave oder Proper interessiert. Nebenbei habe ich versucht, ein paar eigene Ideen auf meinem Amiga-Computer umzusetzen. Das reichte mir dann nicht mehr, und ich habe angefangen, mir Equipment zu kaufen. Ich hatte dann 1996 meinen ersten Live-Act im Tresor. Ich habe dann weiterhin einige kleinere Gigs in Berlin und Umland gespielt. Bei einem Live-Act auf einem Open Air war auch Ronny Krieger (der die Promotion für Kanzleramt macht) dabei. Er fand einige Tracks aus dem Live-Set sehr gut und wollte, dass ich ihm ein Demo davon gebe. Ich hab mich zuerst nicht so recht getraut, aber hab es dann nach einem halben Jahr doch gemacht. Er hat die Tracks zum Heiko geschickt, der die dann ganz gut fand. So kam dann also meine erste Kanzleramt Platte (KA-36 , Alexander Kowalski "Live") heraus.
Nils: Zuletzt noch ein kleines Psycho-Spielchen.
Was fällt dir spontan zu folgenden Schlagwörtern ein?
- Berlin: Meine Heimat.
- Kanzleramt: Meine musikalische Familie.
- iMac / iBook: Sehr schick.
- Heiko Laux: Ein Mann mit einer Vision. Song-Mode-Techno !
- Raz Ohara: Grossartiger Künstler.
- Alexander Kowalski vs. DisX3: Ich gegen meine dunkle Seite.
- Response: Aufarbeitung der letzten 1 1/2 Jahre meines Lebens.
- Belo Horizonte: Sehr schöne Erinnerungen an einen schönen Ort.
- Bestes Live-Erlebnis: In Brasilien haben die Leute angefangen bei "Hotspot" und "Delicious" mitzusingen. Hatte ich vorher noch nie erlebt.
- Schlechtestes (skurrilstes) Live-Erlebnis: Ich musste einmal bei einem großen Festival nach Adam Beyer spielen. Adam hat total hart und schnell gespielt und hatte den Mixer nur im roten Bereich. Als ich dann dran war, hatten die Techniker die Anlage viel leiser gemacht, und meine Sounds verpufften einfach. Das Zelt war nach 5 Minuten nur noch halb so voll. Das war schon sehr frustrierend.
- Groupies: Gibts die im Techno?
- Love Parade: Ich bin klaustrophobisch veranlagt.
- Drei Tracks, die dich prägten:
Felix - "Stars"
Patrick Pulsinger - "Dogmatic Sequences Vol. 2"
JJ72 - "Oxygene"
- Sommer: Im Moment etwas zu warm. Mir liegen eher Temperaturen um die 20-25 Grad.
- Past: Sehr viele schöne Erinnerungen und viele Einflüsse.
- Present: Viel Arbeit.
- Future: Hoffentlich bald mal Urlaub. Ansonsten wird ich weiter ganz viel Musik machen.
- Musikpresse: Lese ich sehr gerne. Aber leider werden die Mags immer weniger. Ich würde mir wünschen, dass unsere Musik etwas mehr supportet wird.
Interviewer: Nils Lund
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