Drumcode...
Hinter diesem Namen verbirgt sich das Label des jungen, schwedischen Producers und DJs Adam Beyer. Zusammen mit seinen Kollegen Cari Lekebusch und Joe Mull bildet er das oft betitelte Triumvirat der Technoszene in Schweden. Er war eine, der entscheidenden Schlüsselfiguren in der Entwicklung der elektronischen Musik in seinem Land und prägte mit seiner Pioniersarbeit den Begriff "Swedish Techno".
Schon seit jungen Jahren ist er von der rhythmischen Welt stark fasziniert und spielt damals als Drummer in einer Band.. Als er sich dann 1990 seine ersten zwei 1210er zulegt, beginnt eine kometenhafte und steile Karriere. Zu anfangs noch in den Hip Hop, Hip House und Acid Gefilden unterwegs wendet er sich später dem Techno zu und gibt bald in den lokalen Clubs und Parties sein Können zum Besten. Beeinflusst durch seinen damaligen Schulkameraden Peter Benisch kommt er 1992 zum ersten Mal mit Produktionshardware in Kontakt und schließt schon ein Jahr später seinen ersten Plattendeal mit dem New Yorker Label Direct Drive ab.
Nach seinem Schulabschluss 1995 beginnt er, beim Planet Rhythm Label zu arbeiten, auf dem er noch im gleichen Jahr die Platte "Drumcode 1" veröffentlicht. Sie trägt nicht nur den Namen seines zukünftigen Labels, sondern markiert auch die Definition seines einzigartigen Styles.
Kurz darauf folgt sein gefeiertes Debutalbum "Decoded". 1996 gründet er dann sein eigenes Label Drumcode, um seinem Wunsch nach dem perfekten DJ Tool zu entsprechen. Wiederum nur sechs Veröffentlichungen später führt er das auf nur zehn Releases beschränkte Projektlabel Code Red ein, in dessen Rahmen er sich der melodischeren und sanfteren Seite des Technos hingibt. Den Abschluss bildet die Remix-Compilation "Stand Down".
In dieser Anfangszeit prägt er einen harten, treibenden und stark perkussiven Style, der für ihn und auch bald für die schwedische Technoszene, so typisch wird. Weitere Künstler wie Joe Mull, Cari Lekebusch sind daran beteiligt. Der "Sound Of Stockholm" entsteht. Loop-basierter Techno.
Nicht nur mit seinen DJ-orientierten Produktion, sondern auch mit seinen unglaublich gefühlvollen Sets und dem Können an drei Plattenspielern, steigt sein Bekanntheitsgrad und weltweite Bookings folgen. Mit jedem weiteren Schritt wächst auch die Szene im Heimatland und er kann als einer der Katalysatoren für die Entstehung bezeichnet werden.
Nach unzähligen Releases und Remixen gibt es dann im Jahre 1999 sein zweites Album, "Protechtion", auf Drumcode zu hören. Entgegen der steigenden Verbreitung von monotonem, rein gelooptem Sound, entwickelte er sich weiter und versucht, seine Arrangements zu verdichten und melodische Parts mit einzubauen. Jedoch der Dancefloor als Einsatzort für seine Musik bleibt der Hauptaugenmerk.
Zur gleichen Zeit präsentieren sich Cari Lekebusch und Adam Beyer, die beiden Altmeister aus Schweden, als mitreissender Liveact. Rücken an Rücken mischen sie ihre Produktionen und erschaffen so das Gefühl eines extremen lebendigen und äusserst kreativen DJ Sets.
Mit seinem eigenen Label beginnt er nun auch aus Schweden kommenden Künstler zu unterstützen und gibt so der Bewegung neuen Antrieb. So featuret die neue Remainings III-Reihe aufstrebende Producer aus seiner Heimat.
Anfang diesen Jahres entschliesßt sich dann Adam Beyer ein weiteres Label aus der Taufe zu heben. Mit Truesoul möchte er einen grösseren Raum für neue Einflüsse auf die Musik, die er produziert, schaffen. Die Idee dazu entsteht in einer Internetdiskussionrunde mit Freunden aus Stockholm Begründer dieser Gruppe ist Henrik Falkenberg, der sich nun als Art Director auch um den optische Auftritt von Truesoul kümmert. Truesoul ist dabei von zwanzig Jahren Erfahrung als Konsument elektronischer Musik beeinflusst und wird sich auf konzeptionelle Projekte, als auch Alben konzentrieren, also ein Kontrast zu den DJ Tools auf Drumcode darstellen.
Gerade aus dem Grund seines unverwechselbaren Styles und seines extremen Gefühls für den Fluss der Musik, wird Adam Beyer darum gebeten die Compilation anlässlich der Veranstaltung Time Warp 2002 zu mixen. Doch nicht nur aus diesem Grunde, sondern weil er auch mit seinem Label Drumcode ganz wesentlich an der Definition des harten, rhythmischen und perkussiven Techno Sounds beteiligt war, ist er genau der Richtige für diesen Job. Mit "Timewarp Compilation 3", erschienen am 08. April, erzählt er die Geschichte zur Veranstaltung und zeichnet zugleich seinen musikalischen Status Quo ab.
Einen knappen Monat vor der Veranstaltung, bei der er dieses Jahr auch teilnehmen wird, und vor der Veröffentlichung machte sich Techno Online auf und traf den "Master of the Sound of Sweden" in einem Berliner Café zum gemütlichen Gespräch.
TO (Techno Online):
Auf welche Art und Weise produzierst Du solch eine Mix CD, welche Arbeistschritte gibt es dabei?
AB (Adam Beyer):
Ganz am Anfang wähle ich erst einmal so ca. 100 Platten aus, die meiner Meinung nach für die CD in Frage kommen. Danach beginne ich sie durchzuhören und suche mir die heraus, die ich in meinen Sets in der letzten Zeit verwendet habe oder verwenden würde. Gleichzeitig habe ich versucht, verschieden Artists miteinzubeziehen, unter andern mich selbst oder andere schwedische, die zum Time Warp passen oder auch schon einmal dort aufgelegt haben. Natürlich kam auch der Computer zum Einsatz. Dabei mixe ich so fünf bis zehn Platten und nehme diesen Abschnitt auf. Das passiert mehrmals. Diese Parts werden nun digital miteinander verbunden, so dass sie perfekt zusammenpassen. Sicherlich wäre es auch möglich das Ganze in Form eines Live Sets aufzunehmen, aber ich müsste es wahrscheinlich zehnmal oder noch öfters wiederholen, bevor es wirklich perfekt klingt. Zum Abschluss wird dann noch einmal digital gemastert.
TO:
Kann solch eine Mix CD mit einem Deiner Sets verglichen werden? Würdest Du so bei einer Veranstaltung auflegen?
AB:
Ja, in gewisser Hinsicht schon. Es ist vielmehr der Teil eines Live Sets. Ich habe gerade zwei Mix CDs fertiggestellt, eine für Time Warp und eine weitere für das kanadische Label, Turbo Recordings. Die auf Tiga's Label erschienene Compilation ist ein bisschen mehr clubtauglicher und cooler. Es ist ein Art Gegensatz zu der härteren Schiene, die ich auf der Time Warp Compilation fahre. An einem Abend würde ich dann beide Richtungen spielen, jedoch bei 74 min muss ich mich letztendlich für einen Sound entscheiden.
Bei der Time Warp CD versuchte ich, mit etwas smootheren, funky Sounds zu starten und mich dann zu steigern und härter zu werden, um dann zum Ende hin wieder etwas zu relaxen, Gas wegnehmen.
TO:
Legst Du dann bei Deinen Auftritten mehr spontan auf und lässt Dich beeinflussen oder gehst Du dabei nach Plan vor?
AB:
Beides. In erster Linie versuchst Du mit dem Publikum zu arbeiten, aber daneben gibt es auch immer ein paar Platten, die einfach verdammt gut zusammenpassen und die Du auch so spielen willst. Doch den groben Umriss vom Ablauf hast Du im Kopf, nicht die genauen Platten. Manchmal spielt man dann auch mal etwas länger, dadurch verändert sich der Setaufbau erneut. Um nicht zu vergessen, spielt der Club, in dem Du auflegst, noch eine wichtige Rolle. Wenn Du in einer Location schon einmal aufgelegt hast, dann kannst Du viel besser auf die Leute, die dort feiern, eingehen.
TO:
Gibt es für Dich irgendeinen Club, den Du besonders magst?
AB:
Nicht wirklich. Es hängt von Abend ab, manchmal ist die Party sehr gut, manchmal ok! Europa ist für den Sound; den ich spiele, ein gutes Pflaster, aber auch Japan und Australien ist auf den Geschmack gekommen. Doch die besten Parties feiert man immer noch in europäischen Clubs. Die Szene, die dahinter steht, ist am besten entwickelt und bietet die beste Grundlage.
TO:
Code Red. Dies war ein Label, das seine Arbeit schon nach zehn Releases wieder einstellte. War es von Anfang an so geplant?
AB:
Zu der Zeit war ich davon überzeugt, das mehr Raum für meine zahlreichen Produktion vorhanden sei und startete zusätzlich zu Drumcode noch Code Red. Also veröffentlichte ich darauf Platten, die nicht so ganz in die Linie von Drumcode passten, jedoch noch in die selbe Richtung von Techno gingen. Kurzum war es ein Sublabel von Drumcode. Als ich dann 1999 damit abschloss, gab es eine Menge neuer schwedischer Labels und ich war viel mehr als DJ unterwegs. So fehlte mir die Zeit, weiterhin solchen Sound zu produzieren, und es war genau die richtige Zeit, um damit aufzuhören. Ich war sehr zufrieden mit dem Gesamteindruck der Releases, eine abgeschlossene, runde Sache.
So richtig als limitiertes Label war es nicht unbedingt geplant. Es gab zwar die Idee es nicht für immer zu betreiben, jedoch keinen genauen Zeitplan. Eine Art Projekt also.
TO:
Wenn wir schon über Labels sprechen, Anfang dieses Jahres wurde Truesoul gegründet. Was kann man sich darunter vorstellen? Welche Philosophie?
AB:
Im Vordergrund stehen die Konzeptalben, keine 12inches und keine dancefloororientierte Musik. Es ist Techno, aber eher Listening Techno. Einige Releases werden auf alle Fälle spielbar sein, melodischer, smoother Sound, Electro Music wird es auch geben. Es geht in eine ganz andere Richtung als Drumcode.
Die Idee dazu kam uns, Joe Mull, Cari Lekebusch, meiner Wenigkeit u.v.a., in einem Internetforum, das Henrik Fagerberg, auch ein Freund von mir, gestartet hatte. Alle waren sich darüber einig, dass wir für unsere Arbeit neuen Raum, sprich ein neues Label benötigen. Henrik ist nun als Art Director mit daran beteiligt.
TO:
Welche Releases sind in Planung?
AB:
Ich selbst werde bald ein Album darauf herausbringen und auch mein Freund Peter Benisch, der die Neuinterpretation von Miami Vice "Crockett's Theme" produziert hat, wird einen Longplayer veröffentlichen. Man darf gespannt sein!
TO:
In diesem Sinne wünsche ich Dir The Best für die Aktivitäten und Pläne in der nahen Zukunft. Viel Erfolg und Danke fürs Gespräch.
AB:
Danke und bis bald...
Ebay:
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