Interview mit A Girl Called Sonia:
1. Wie bist Du zur Musik gekommen?
Mein Ursprung liegt in der Klassik. Bis zu meinem 15. Lebensjahr wollte ich Balletttänzerin werden und habe außerdem Klavierunterricht bekommen. Elektronisch wurde es dann mit 14/15 Jahren, also 1992. Schuld daran waren Plattenspieler, die bei Freunden herumstanden. Das zum Sound gehörige Leben mit seinen Institutionen und Helden hab ich erst Jahre später kennen gelernt.
2. Was hörst Du privat?
Wenn ich Zeit & Muße hab, hör ich mir gerne Mixe von richtig guten Leuten an wie DJ BASSLION oder Ils. Das sind Jungs, bei denen mir nicht langweilig wird. An Non-Party-Sound hör ich am liebsten "Reykjavik" von Nick Warren, Beastie Boys oder Satie.
3. Deine erste Platte?
Schlimmer geht's nimmer: Der Soundtrack von der Teenie-Komödie "La Boum, die Fete Teil 2". Meine Mutter hat sie mir gekauft, weil ich mich alleine nicht getraut hab. Danach war ich ganz stolz.
4. Wie oft legst Du auf?
Während der letzten zwei Jahre hab ich jedes Wochenende gespielt. Leider hat letztes Jahr das Aceton in Köln geschlossen, das war eine meiner Residencys. Ende 2003 hab ich dann aus Prinzipgründen meine andere Residency im Bastard aufgegeben, weil die Gage dort bis unter die Schmerzgrenze gekürzt wurde. Der letzte Monat war deshalb ruhig, was mir sehr gut getan hat. Deshalb möchte ich mich auch erst wieder zum Frühling als Resident verpflichten. Und mit den normalen weiteren Anfragen geht es ja trotzdem weiter, worüber ich mich natürlich sehr freue.
5. Was sagst Du zur Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der elektronischen Musik?
Ich möchte mich nur zur Zukunft der elektronischen Musik äußern: Der Liebhaber elektronischer Musik wird erkennen, dass alles schon da gewesen ist, dass es nichts neues mehr geben wird. Darum wird er sich über seine Genre-Gewohnheit hinaus orientieren und Mischformen annehmen. Darüber wird er lernen, von Modebewegungen unabhängig zu denken und fühlen, denn er wird damit konfrontiert, jene Klänge, die er einst ablehnte, selber zu ergründen. Fazit: Begrenzheit der elektronisch musikalischen Ressourcen führt zu style übergreifender Musikwahrnehmung. Aufbrechen der Genre und Vermischung der Audiance. Hoffentlich ein Weg zu mehr Offenheit und Toleranz.
6. Bist Du Deinem Stil treu geblieben oder ziehst Du bei Trends mit?
Ich bewege mich in Themen. Mein Thema ist VOLUMINA. VOLUMINA folgt der Idee nach voluminöser Klangstruktur und Style Unabhängigkeit in der elektronischen Tanzmusik. Charakteristisch ist das weite und blumige Moment - irgendwo zwischen Genie und Kitsch. Ich glaube, wer so irre ist, wie ich, der hat mit Trends nicht viel am Hut. Modebewegungen sind zwar schön für's Auge, sind aber nichts, wovon ich ernsthaft zehren könnte. Um ehrlich zu sein, machen sie mir eher Angst. Wenn bemerkenwert viele Menschen einem durch Idole geprägten Inhalt hinterherlaufen und die Essenz auf ein allgemein begreifbares Maß reduzieren, sodass daraus eine Mode entsteht - das ist für mich nichts anderes als der Lauf wachsender Undifferenziertheit. Und das macht mir Angst. Leider gehen außerdem die ursprünglichen Inhalte verloren. Wer kennt den zum Beispiel heute noch die Grundidee der Kölner Minimalen Schule? Wem sagen Voigts Konzeptalben noch etwas? Den Leuten auf Partys mit dem Stempel "Minimal" auf jeden Fall nicht - soweit die gebotene Klangkulisse schliessen lässt.
7. Dein schönster bzw. außergewöhnlichster Gig?
Jeder Gig hatte ein besonderes Moment, da möchte ich keinen besonders hervorheben.
8. Ein Klassiker?
"Metal Master" auf Harthouse.
9. Engagierst Du Dich für den "Nachwuchs"? Wenn ja, wie?
Ich versuche, den Nachwuchs durch professionelles Know-How zu pushen. Ich bin Gründer des BÜRO OHNE NAMEN, ein Dienstleister für die elektronische Szene. An professioneller Kommunikation bei der Promotion oder Akquise von Sponsoren usw. hapert es doch noch häufig. Schade, wenn dadurch Talent unbeachtet bleibt. Dann betreue ich eine Kolumne "Marketing für DJs" im DJ Magazine, außerdem ein Feature übers Booking-Business und eine Newcomer-Portrait-Reihe. Ich glaube, dass wahrheitsgemässe Hintergrundinfo mehr bringt, als diese abgedroschenen Floskeln wie "Geh deinen Weg!", "Glaube an dich!" oder "Zieh dein Ding durch!". Mein Input ist nicht so verträumt und wirkt bestimmt hart und kalt. Aber so ist der Weg nun einmal. Popoküsschen bringen da nicht weiter. Weiterhin initiiere ich gerade das Projekt FIGHT DJ PROSTITUTION!. Dem Qualitätskiller DJ-Ausbeute gehört der Krieg erklärt! Wohin soll das uns musikalisch bitte bringen?
10. Was ist Deine derzeitige Inspiration fürs DJing bzw. Produzieren?
VOLUMINA geht mir nicht aus dem Kopf! Ich werde mich diesem Thema so lange widmen, bis alles "gesagt" ist. Und wenn ich mir anschaue, wie undifferenziert heutzutage mit Begriffen wie "Minimal" umgegangen wird, wenn ich sehe, was für Klänge in unseren gelobten Metropolen bevorzugt werden, dann glaube ich, dass VOLUMINA noch lange, lange aktuell bleiben wird!
11. Deine Alltime Top 10?
Underworld "Dark and Long - Darktrain"
Underworld "Jumbo"
Underworld "Rez"
Underworld "Born Slippy - Nuxx"
Hybrid "We are in Control"
Hybrid "Visible Noise"
Moby "Porcellain"
Bandulu "Presence"
Funk D'Void "Diabla - Heavenly Mix"
Metal Master "?" auf Harthouse
Charts: Top 10
Auftritte: A Girl Called Sonia Gigs
Das Interview führe Mirko Seifert im Februar 2004.
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