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Pure Head

Pi Rec und der härteste Club Schottlands, das Pure

Es ist vielleicht ein Zufall, daß die DJs der Stadt Edinborough sich gerade jetzt entschlossen haben, nach Jahren des Zuschauens das Heft in die Hand zu nehmen.

Auf Parties zu gehen und sich zu betrinken ist letztlich nicht befriedigend genug, und so schießen jetzt Labels wie Pilze aus dem Boden. Eines der bekanntesten schottischen Labels, das seit '91 existiert, ist T&B Vinyl von DJ Twitch, der seit '90 Resident des Pure ist. Das Label reflektiert eine geschmackliche Vielfältigkeit, die unüblich ist für ein Techno-Label, geht von poppigen Tracks bis zu minimalerem Arrangement, was dazu geführt hat, daß es nicht leicht ist, für einen selbst eine Linie zu erkennen.
Mit Pi Records entschloß sich Keith McIvor Alias Twich, seinen persönlichen Vorlieben nachzugehen, und so wurde '93 mit "Intensive Care Unit" eine Platte veröffentlicht, die seine Industrial Roots mit Techno kollaborieren ließ, eine rohe Version dessen, was er für sich umsetzen wollte. Das Mammut-Projekt "Out There", ein 4fach-VinylPaket auf Pi Rec., das '94 erschien, versuchte Musik der Vergangenheit mit zeitgenössischer Musik zur Musik für Morgen zu verknüpfen. Auf dem Sampler fanden sich bekannte elektronische Bands, wie Soviet France, Coil, Chris & Cosey, Greater Than One, sowie Black Dog, Unit Moebius und letztlich Ø von Sähkö. Pi war somit das einzige Label der Welt, das jemals ein Sähkö-Stück hat lizensieren dürfen, wobei Mika Vainos "Eetteri" bis jetzt ausschließlich auf dieser Compilation zu finden ist. Nicht überraschen dürfte die Tatsache, daß infolge dessen Jimi Tenors "Take Me Baby"-Remixe auch nur auf Pi erschienen. Die aktuelle Veröffentlichung des Labels "Triology" kommt vom dem Producer-Duo Kasbah und Phase 6, die unter dem Namen 6k produzieren. Ihre Platte auf Pi ist ausschließlich mit 303 und Effekten gemacht, ohne daß wir, bei allen Berührungsängsten nach nun neun Jahren mit dieser Maschine, sie heraushören würden. Trilogy ist ein fein modulierendes Werk, das sich mit einer industriellen Beharrlichkeit Zeit nimmt, um in einer den Technoproduktionen von heute abgehenden Reinheit auf kleine impressive Variationen aufmerksam zu machen.
Triple R sprach mit Twitch Aka Keith McIvor.

FP: Eure Platten sind in einer speziellen Art Industrial, ohne sich auf deren Roots auszuruhen, sondern bedienen sich ihrer Form, was Zeit und Dynamik angeht. Die Mittel und die Umsetzung sind dabei durchaus modern.
Keith McIvor: Wenn ich auflege, spiele ich mehr House und Techno, aber meine Roots liegen im Industrial, und das ist etwas, was ich den Leuten von Heute in einer zeitgemäßen Form zuführen wollte. Viele kennen diese Form von Musik nicht. Vielleicht habe ich das auf Pi so weit vorangetrieben, wie es zur Zeit möglich ist. Es ist eine persönliche Sache. Industrielle Musik war hier nie ein Thema. Es gab zwar Bands, aber keine Szene für die Musik.
Aber ihr hattet in England Labels wie z.B. Mute Rec., die zu einem frühen Zeitpunkt diese Musik rausbrachten.
Das stimmt. Aber dabei blieb es. Außer einer Handvoll von Leuten mochte es in Schottland keiner.
Stimmt es, daß du das Pure machts?
Wir sind zu viert: DJ Brainstorm & ich sind Resident DJs, die beiden anderen kümmern sich um Promotion und anderes. Wir wählen z.B. die Leute aus, die hier auflegen.
Seit wann gibt es den Club?
Wir feiern gerade unsere 5jähriges Bestehen.
Pure
Welchen Einfluß hat deine Vorliebe für Industrial, wenn du auflegst. Ich könnte mir vorstellen, daß es nicht bei einem purem House /Techno-Set bleibt?
Ab und zu werfe ich schon ein paar "leftfield" (>gemeint sind andersartige Stücke) Sachen ein. Wenn ich im Norden auflege, lege ich nicht nur Dancefloor auf. Wenn es Chill Out Räume gibt, spiele ich ein experimentelles, grooviges Set. Als ich anfing zu DJen, war ich ein Industrial DJ in einem Punk Club. Das war vor acht oder neun Jahren. Der Club war in Edinburough und hieß "The Backroom". Irgendwann langweilten wir uns. Die Musik entwickelte sich nicht mehr und Acid kam. Wir begannen Acid aufzulegen und keiner kam mehr in den Club. Wir schlossen den Club, machten eine Pause mit dem DJen und öffneten das Pure.
Man hört, daß der Club ein anderes musikalischen Programm fährt als zu Beginn?
Als der Club anfing, war er der härteste Club in den vier Wänden von Schottland. Wie haben immer etwas anderes einfließen lassen, wie z.B. House, aber generell war der Sound hart. Mit den Jahren ist der Sound langsamer und mehr "angenehm" geworden.
Pi Records ist ein Sublabel von T+B Vinyl, was auch euch gehört.
T+B Vinyl ist vielleicht bekannt durch die Jimi Tenor Remixe. Pi Rec. ist mein ganz privates Label, auf dem alles erscheinen soll, was abseits des Mainstreams steht. Subjective ist ein weiters Sublabel von T+B. Das Label wird gemacht von DJ Brainstorm.
T+B Vinyl ist ein Label, daß man irgendwann einmal durch Zufall in den Händen hatte, daß aber keine Linie hatte, an der man das Label hätte festmachen können. Der Stil war immer wieder unterschiedlich.
Das ist sehr wahr. Das war ein großes Problem für uns, weil wir alle verschiedene Geschmäcker haben. Jeder wollte seine Sache machen. Wir müssen da umdenken, und dem Label ein bestimmtes Gefühl innewohnen lassen, wobei die anderen Labels alles sein könnten. Auf Pi wird als nächstes z.B. eine Industrial Grunge Band rauskommen und danach wird eine Gruppe aus Manchester bei uns veröffentlichen, deren Stil man als `Ethnic Industrial Percussion' bezeichnen könnte. Auf dieser Platte wir auch ein Mix von Panasonic sein. Die erste Phase von Pi wird seltsames, experimentelles Material veröffentlichen. Danach wird es eine Reihe von Platten geben, die durch ein anderes Gefühl bestimmt werden. Ich möchte mit der Erwartungshaltung der Leute brechen, in Zyklen arbeiten.Wir machen T+B Vinyl nun seit drei jahren und wir sind nicht weit gekommen, schlechte Distribution u.s.w..
Was war eure erste Platte auf T+B?
1991 > ein Bootleg mit vielen gemixten Acidklassikern. Ein Turntable Mix sozusagen.
Persönliches Interesse und die funktionale Seite des Clubs, kommt das sich nicht in die Quere?
Ich mache den Club schon so lange, daß ich mir es erlauben kann, hier und da zu variieren. Wenn ich unterwegs bin, ist es oft schwierig, das zu machen, was mir am Herzen liegt. Als ich in Wien gespielt habe, war das Publikum toll, war offener für verschiedene Genres von Musik. In Schottland sind die Leute auch relativ Open Minded. Wenn du nach London gehst, ist das wirklich schrecklich. Die Leute sind so engstirnig.
Wie siehst du die Entwicklung dort?
Es sind bekannte DJs, du hörst sie zweimal in der Woche und alle spielen sie die selben Tracks, ja die selben Sets. Es ist elend. Ich frage mich, ob es je eine neue Generation vom Kaliber eines Jeff Mills oder Richie Hawtin geben wird. Jeff Mills ist einer der wenigen, die ihren Sound weiterentwickeln, aber viele andere bekannte DJs denken nur >money money!
Ihr seid das einzige Label, das Sähkö Stücke veröffentlichen durfte.
Ich habe denen von Sakhö gesagt, wer sonst noch auf die Platte kommen sollte, und das hatte wohl einen positiven Einfluß. Sie waren zweimal bei uns im Club und wir sind Freunde geworden.
Momentan kommt viel progressiver Techno aus deiner Stadt.
Es ist ein Zufall, daß alle mit der gleichen Idee zum selben Zeitpunkt an den Start gegangen sind, aber ich kann dir sagen, daß in der Zukunft noch viele neue Label aus Schottland kommen werden...