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Autech Re Head

Die Zukunftsvisionen eines Jeff Noon, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, das Manchester der Zukunft zu beschreiben (Vurt & Pollen sind zwei der besten Science-Fiction-Romane der Welt, und ein Grund, jetzt schon mal richtig englisch zu lernen!!), geben ein brilliantes Bild davon, wie diese Stadt in Kürze aussehen wird...
Die Bandenkriege sind schon heute ein alltäglich. Clubs mußten schließen, weil sie es nicht schafften, die Knarren draußen zu halten. Der Drogenkrieg geht weiter. Schwarz und Weiß sind längst keine Nachbarn mehr. Die Stadt versinkt in Trümmern.
Autechre sitzen mitten drin und haben das Interesse an jeder Art Politik verloren. Sie konzentrieren sich lieber auf ihre Musik, leben so gut es geht, und wenn ihnen jemand in die Frühstücksmilch vor der Haustür schießt, dann versuchen sie eben, neue zu bekommen. Gewalt jeglicher Form führt zu einer Haltung, die das Interesse auf das reduziert, was man ändern kann.

Vielleicht wird ihre Musik eines Tages etwas bewegen, das über den engen Rahmen von Kunst hinausgeht, das wäre eine Hoffnung, vielleicht bewegen Klänge als Kommunikation mehr als Worte. Vielleicht sollte die Zeit bald reif sein für eine Politik jenseits der Sprache. Autechre sind einzigartig in ihrem Sound, und sie wissen, daß sie damit nicht nur für sich arbeiten. Die Welt hat viele Seiten. Auch in Manchester.
Das Ende ist nie so nah wie man denkt.

Gibt es zwischen den Tracks auf der LP und der Doppel 12" Anvil Vapre einen Unterschied?
Nein, das ist nur eine andere Sammlung von Stücken. Wir dachten, daß sich die vier Tracks von >Anvil Vapre< irgendwie besser als 40-Minuten-Ding machen würden, und die andern Tracks für Tri Reptae klangen wohl irgendwie als LP besser. Wir veröffentlichen nicht so gerne Sachen doppelt, und da schien es eine ganz gute Idee, als EP erst mal ganz andere Tracks zu machen. Einfach persönlicher Geschmack.
Wie kommen eure Titel zusammen? Das hat etwas ziemlich lateinisches für unsere Ohren.
Eine Sammlung verdrehter Buchstaben, die irgendwie interessant für uns klingen. Eine phonetische Sache. Titel sind ja überhaupt eher eine konventionelle Sache. Einfach nur ein Wort, um den Track leichter wiederzufinden. Mit der Musik hat das weniger zu tun. Wenn man in einem Umkreis aufwächst, in dem die lateinische Sprache irgendwie präsent ist, dann kann es ja schon sein, daß sie einfach auftaucht. Unsere eigenen Titel kommen uns eher wie so eine Art falsches Russisch vor.
Ist das eine ähnliche Vorgehensweise wie bei euerer Musik?
Es gibt nichts, von dem wir denken, daß es perfekt klingt, also machen wir selber genau das. Ich glaube natürlich nicht, daß wir die einzigen auf der Welt sind, die "richtig" klingen, fuck it, wir sind nicht besser als andere, aber die Musik, die wir machen, ist nun mal die, die wir gerne hören wollen. Unsere musikalische Sprache.
Wen ihr einen Track macht, geschieht das in einem Prozess, in dem immer mehr Material abgezogen wird, oder türmt ihr es eher auf?
Ein bißchen von beidem. Wir fangen mit nichts an, ideenlos. Sounds, je nachdem wie wir uns fühlen, dann ist es ein Herantasten.
Denkt ihr darüber nach, warum ihr das so macht & nicht anders?
Alles, wofür wir uns interessieren, ist die Kontrolle über das, was wir machen. Wir verstehen genau, was wir tun, aber nur in der Art und Weise, daß wir mit dem Track gehen, er zu uns spricht, wir in der Zeit, in der wir ihn machen, ganz da sind. Das Verstehen, auf das du glaube ich anspielst, ist eher eins, das nur im Rückblick stattfinden kann. Das ist natürlich in einem gewissen Sinn sinnvoll, aber man kann nur in dem Maße etwas quantifizieren, in dem man es mit Worten belegt. Das ist natürlich, wenn es um Musik geht, eher eine Barriere. Die Tracks müssen sich selber entwickeln. Die Motive sind im Track, weil wir ihn kontrollieren. Also suchen wir nach dieser absoluten Kontrolle über den Track, damit die Motive so klar sind wie möglich.
Ihr arbeitet meist mit Samples?
Zumindest oft. Aber da gibt es keine Regeln. Wir benutzen analoges und digitales Equipment. Synths, Drummachines, ein ziemliches Durcheinander an Equipment. Wir haben keine drei Akais. Wir haben ein paar modifizierte Sachen. Sampling ist natürlich ein wichtiger Teil. Ein Weg, das Material zu manipulieren. Wir samplen uns selber sehr gerne, und vor allem auch die Sounds von anderen Geräten. Natürlich ist das eher eine Art, Sounds mit dem Sampler zu machen, als die Reproduktion von etwas.
Ihr habt ja tatsächlich so was wie einen HipHop Background!
Ja, obwohl man das nicht verwechseln darf. Wir arbeiten nicht wie die Leute, die man heute mit HipHop in Verbindung bringt. Der Zeitpunkt, an dem HipHop für uns uninteressant wurde, war der, an dem HipHop anfing, sehr viel von anderen zu samplen.
HipHop war immer eine Inspiration, aber als die Leute anfingen, aus einem Sampler nicht mehr rauszuholen, als ihre Einflüsse durch direktes Sampling klarzustellen, da waren wir draußen. Leute wie Mantronix haben damals absolut phantastische neue Musik gamacht, auch wenn sie auf Samples basierte, aber die Art und Weise, wie die Samples klangen, war ganz anders. Man konnte nicht im Track herumwandern und sich denken, aha, das kommt von da, das von hier und so. Das war einfach ein Gestus gegenüber der Technologie, der gut war. Da wurde der Mißbrauch großgeschrieben. Wir hatten dafür viel Respekt. Da haben wir natürlich auch Gemeinsamkeiten.
Wann seit ihr ausgestiegen?
So um 87. Nachdem Public Enemy eine Popband geworden waren. Nichts gegen die Bomb Squad allerdings.
Die meisten, die auf HipHop standen, findet man heute in der Jungle- oder Triphopszene. Die feiern jetzt das Elektrorevival feiern > ihr nicht, warum?
Wir machen unsere Sachen außerhalb einer Szene. Electro, Breakdancing und all das war Teil von unserem Leben, aber wir waren nie in einer Szene. Wir waren unglücklich, wie sich Electro zu HipHop entwickelte. Hiphop oder Electro sind für uns Inspiration gewesen, weil es interessante musikalische Formen waren. Aber nach 87 gingen wir nur noch eigene Wege. Wir waren ja DJs, und haben angefangen, Drummachines zu benutzen, Effektgeräte, und daraus entwickelte sich alles, bis am Ende unsere eigene Musik da war.
Was war eure erste Platte?
Eine Single auf einem Indielabel, aber wir können nicht sagen, was, weil wir ziemlich über den Tisch gezogen worden sind und keine Lust haben, jemanden anzuklagen. 91, eine Hardcoreplatte. Aber das war Mist. Wir machen das lieber privat aus. Das lenkt zu sehr ab von dem, was einen interessiert. Danach kamen direkt die Warp Sachen.
Ich macht ziemlich viele Remixe.
Ja, obwohl wir da nicht wirklich nach suchen. Die Leute bisher haben uns einfach angerufen oder getroffen und dann kamen die Remixe zustande. Meist kennen wir dann nicht mal die Orginaltracks, nur die Samples, und rekonstruieren alles von da aus. Meist kommen die EPs, auf denen das erscheint, dann eigentlich ganz gut.
Was war euer Lieblingsremix?
Vielleicht Palmskins. Schwer zu entscheiden. Wir haben auch mal einen für Kinesthesia gemacht. Vor zwei Jahren. Das war sehr gut. Aber Rephlex brauchen ja immer ein bißchen. Wir stehen nicht darauf, Sachen so lange hinauszuschieben, aber der Track dürfte auch später noch gut sein. Vor kurzem haben wir gehört, daß er rauskommen soll und waren ein bißchen erschrocken, aber man kann das immer noch sehr gut hören.
Habt ihr eine Beziehung zu den Leuten, die ihr remixt?
Die einzige Beziehung sind die Remixe. Einfach nur neues Material, mit dem man arbeiten kann. Wir machen dann unsere eigenen Tracks daraus. DJ Foods zum Beispiel hatten wir auch nie gehört. Auf dem DAT waren die Samples. Alles findet ohne Voreingenommenheit statt. Das ist auch besser. Magst du den Plastikman-Remix von Attika Blues?
Bin ich mir nicht sicher, das ist so sehr Plastikman.
Er hat seinen Stil und da bleibt er bei. Aber ich mag es, die Rhythmen sind sehr verrückt, ein bißchen Latin irgendwie.
Mein Liblings Mix ist der von Photek.
Oh, ja, der ist prima. Hast du irgendeine Platte von Crystl?
Alle!
Unglaublich. Wir haben ein paar von seinen Sachen in Südafrika aufgelegt, das war absoluter Wahninn. Der ist unglaublich. Obwohl da niemand vorher Jungle gehört hatte, sind alle in die Luft gegangen. Crystl ist absoluter Wahnsinn.
Wie kam dieser Gangstartrack auf die MoWax Compilation?
Er wollte ihn haben. Da war nichts zu machen. Wir hatten ihm einen Track geschickt. Den letzten, der jetzt auf der Gescom EP auf Clear ist. Die wollten das zu der Zeit allerdings nicht haben. Trotz aller Euphorie für den neuen Sound. Die schienen ganz nett, aber das war ihnen zu Techno. Wir waren natürlich sauer, weil wir dachten, das ist doch Musik, was soll dieses Technogeschwätz da auf einmal. Avantgarde oder nicht? Abstract Musical Science ? Wir hatten dann eine Weile nicht mehr mit ihm geredet ,und er hatte hinter unserem Rücken Warp angerufen und genau diesen sehr offensichtlichen Track von uns gesignt. Das war ein Witz, ein bißchen Oldschool nur für uns, aber er fand es natürlich super damals. Und wir müssen uns mit diesem Track rumärgern. Den gab es doch schon mal. Nun ja.
Habt ihr euer eigenes Label?
Ja, Scam Records. Das sind ziemlich limitierte Releases. Die verkaufen wir vom Van aus. Um gesund zu bleiben, braucht man so was. Viele Leute machen so was und keiner bekommt davon etwas mit. Der Underground, das ist immer sehr wichtig. Wenn man mit der Musikindustrie zu tun hat, dann braucht man einfach mehr von dieser Direktheit, die einem ein eigenes Label geben kann.

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