Sein Herz galt auch in Zeiten, in denen Technohouse seine Blütezeit erlebte, der düsteren Variante elektronischen Musik: Industrial und EBM. Der Pionier geriet in Gefahr in die Sackgasse gefahren zu sein. Als DJ und Producer war von ihm recht wenig zu hören, abgesehen von der EBM-Nacht, die er einmal im Monat im Technoclub veranstaltet. Es sah so, aus als würde der Technomaniac seine Karriere ganz auf seine Labelarbeit ausrichten und als DJ aufhören. Doch 1995 ist Talla zurück und mit Tetsuo, einem neuen Event im Technoclub FFM und einem neuen Label, zurück an der Spitze der Bewegung. Oder auf dem Weg dahin. Wird es der Legende gelingen noch einmal alle zu verblüffen und noch einmal neue Akzente zu setzen...?
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Was bedeutet Tetsuo?
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Talla: Der Name kommt von einem japanischen Film. Es ist ein Cyberpunk-Film mit Industrial-, Elektro- und Technosound. Die Filme haben mir sehr gut gefallen.
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Man hat zunächst damit gerechnet, daß Du Dich aus dem DJ-Business zurückgezogen hast, Du machst ja auch noch jede Menge andere Sachen.
In den letzten zwei drei Jahren habe ich mich nur um meine Firma gekümmert. Mit dem DJing habe ich mich selbst zurückgedrückt, ich habe immer nur den ersten Freitag im Monat gemacht und die EBM-Leute mit Musik versorgt. Richtig Spaß hat mir das nicht gemacht, da ich auf der Tanzfläche nicht mehr für neue Impulse sorgen konnte. Die Leute wollten immer die Zeit zwischen 89 und 90 hören. Letztes Jahr habe ich dann immer so einen Oldieabend machen müssen, da bekam ich Frust und habe gesagt: jetzt ist Schluß. Ich habe dann angefangen an meinem Comeback zu arbeiten und habe es Anfang diesen Jahres in die Tat umgesetzt, mit einem neuen Konzept. Jetzt gibt es jeden ersten Freitag Tetsuo im Technoclub.
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Gibt es einen Unterschied zwischen Tetsuo und anderen Nächten im Technoclub?
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Jeder hat seinen eigenen Stil. Düx und R-Damski spielen Acid und trancige, trippige Geschichten. Ich lege mich auf keinen Stil fest. Für mich ist es wichtig, daß die Leute feiern und sagen: Es hat sich gelohnt, daß ich heute hier gewesen bin. Ich bin ja auch schon auf anderen Veranstaltungen gewesen wie dem Euphoria 3, Teutonic Techno Tempel und San Franzisco. Mir macht es wieder richtig Spaß.
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Was sagen dann Deine EBM-Fans dazu?
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Sie sind ein wenig traurig. EBM macht jetzt Andy Fröse. Das Problem bei der EBM Geschichte ist, es gibt immer noch viele und gute Gruppen, aber es wächst keine neue Generation nach. Von 100 Leuten, die elektronische Musik hören, hört vielleicht einer EBM und die anderen hören Techno. Die Gruppe wurde immer kleiner. Wir machen ja auch noch ein Label, aber das läuft nur global und in Deutschland nicht mehr so stark.
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Du warst in der Anfangszeit als Producer tätig wie mit so Nummern: Two Of China und den ganzen Moskwa-TV-Sachen. Jetzt geht der Trend zu deinen Roots: ElectroFunk.
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Ich lege teilweise Electro auf, denn ich habe noch die alten Scheiben von früher. Ich habe jetzt am Sonntag mit Mark Spoon zusammen aufgelegt und habe ein, zwei alte Sachen gespielt und das gefällt mir natürlich, ganz klar. Bei den Stücken, die ich neu mache, gibt es eine sehr electrofunkige Nummer.
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Unter welchem Namen wird die rauskommen, unter "Tetsuo"?
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Demnächst kommt eine Maxi raus auf Tetsuo. Die heißt dann 2XLC. Es wird dann Ende des Jahres oder Anfang des nächsten Jahres die LP Talla 2XLC geben.
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Bigod 20 gibt es dann nicht mehr?
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Gibt es schon noch, aber wir haben es zur Zeit auf Eis gelegt. Momentan ist der Sound auch nicht das, was ich machen will.
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Wird es ein Comeback von Moskwa TV geben?
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Das war im Gespräch. Mir persönlich ist die DJ-Geschichte, das Label und auch mein Soloprojekt auch wichtiger.
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Wie kommt es, daß gerade Du auf die alten Tage zum Partyanimal wirst?
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So alt fühle ich mich gar nicht. Ich bin der Meinung, daß man sich so alt fühlt, wie man denkt, wie alt man ist. Der ausschlaggebende Punkt war auch die Trennung von meiner Freundin. Ich habe mir einfach gesagt, bevor du hier auf dem Sofa versackst, mußt du dich ins Schlachtfeld hineinstürzen, das hat mir auch ganz gut getan.
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Alle sagen, das Talla sich zum Positiven verändert hat. Die Kraft von Technohouse ist ja doch vorhanden.
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Na klar. Mir hat es nie so gut gefallen, immer auf die Rolle des EBM-Aktivisten reduziert zu werden. Jeder, der mich kennt, weiß, daß ich schon immer offen für alle Arten von elektronischer Musik gewesen bin.
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Im nachhinnein kann man das ja als deine Exzentrik sehen die Love Parade von 1992 bis 1994 einfach auszulassen.
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Ich habe eben den Bonus, daß viele DJs ohne Ende überall aufgelegt haben. Vielleicht ist der ein oder ander satt davon, ich haue da als neue Erscheinung wieder rein. Was ich eben auch gut finde ist, daß ich den Einstieg wieder so easy geschafft habe, ich habe es mir schwerer vorgestellt.
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Wo kommen die bahnbrechenden Impulse her?
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Aus England und Deutschland kommen die besten Sachen. Belgien, da gibt es nicht so viel und die Amis haben sich zur Zeit ein bißchen versteckt. Außer von Josh Wink und Armand van Helden gibt es da keine heißen Sachen.
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Wie stehst du der Housewelle, die derzeit auch als großer Kommerztrend im Gang ist, gegenüber?
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Ich habe nichts dagegen. Ich mag housige Sachen, das kann man an Tetsou und Housecorps sehen. Aber ob es das große Ding wird, wird man abwarten.
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Was siehst du mit Tetsuo? Könnte das ein neuer Sound aus Frankfurt werden? Was ist in Frankfurt überhaupt los?
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Ich denke, da könnte wieder was kommen. Die Clubs sind eine Zeit richtig tot gewesen. Es werden dieses Jahr noch einige neue entstehen, musikalisch ist hier aber einiges am kochen. Mit Tetsou habe ich Pläne, ich habe es nur ein bißchen gesplittet. Hier gibt es zwei Kerne; einmal Hardcorps und Housecorps.
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Die Zukunft der elektronischen Musik, wohin wird der Trend gehen?
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Es ändert sich alles von Monat zu Monat. Selbst im Sommerloch bringen die Leute mehr raus als je zuvor. Als DJ hat man es auch schwer, da die richtigen Sachen auszusuchen.
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Du bist seit fast zwölf Jahren DJ, hat sich irgend etwas geändert und sind auf diesem Sektor Inovationen denkbar? Früher war es sehr modern Platten aufzulegen, heute, im digitalen Zeitalter ist derjenige, der Platten auflegt und mixt eher der altmodische Part.
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DJing ist immer noch das Pult und reine Handarbeit und das wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Es wird bei den Roots bleiben:
made by hand!

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