Rob Acid Dicabor, Junkfood, Macromusik und Musik für Danach. Ambient in Deutschland Wenn man den Stand von Ambient Musik in der deutschen Techno-Szene über die Jahre betrachtet, hat sich wenig getan. Noch immer gilt diese Musik als minderwertig, nur selten geht das Reinhören in Ambient-Platten über ein Naserümpfen hinaus. ABER… Ambient-Raüme in Clubs sind meistens die schlecht dekoriertesten und die mit der schlechtesten Anlage. Gut, es gibt mit Der Mission nun in Berlin den ersten Ambient-Laden der Nation und das wachsende Potential von DJs wird auch im Ambientbereich immer größer. Doch das ist Systemerhalt - nicht mehr… Die Label-Landschaft sieht mit einigen Sternen wie Source Rec., Fax und Space Teddy noch immer recht düster aus. Aufgrund dessen ist es nicht leicht, mit ambienter Musik als Künstler in Deutschland sein Geld zu verdienen, die Credits der Szene sind hier vergleichsweise gering. Mit ambienter Musik ist eben schwerer Karriere zu machen… Rob Acid ist einer der wenigen Künstler in Germany, die neben ihrer Karriere als Techno- & Acid-Produzent, Ambient-Tracks veröffentlichen. Dies tut er nicht nebenbei oder in Form einer Restverwertung von Material, das zu chillig ist für Junkfood, sondern er läßt mindestens genauso viel Energie, - wenn nicht mehr - in sein neues Projekt Dicabor fließen. Obwohl oft im Zusammenhang mit Kölner DJs bzw. Produzenten wie Roland Casper und Mate Galic genannt, hat er sich in der letzten Zeit fast ganz aus der Raveszene zurückgezogen. Auch sonst hat er sich zurückgezogen, ist kaum in Köln anzutreffen und wohnt seit kurzem hinter der Stadtgrenze. Rob Acid ist ein Eigenbrödler auf der ständigen Suche nach dem Experiment, sowie dem Kontakt zu Gleichgesinnten, was in Köln zugegebenermaßen schwer ist. In Mate Galic und Roland Casper hat er in der Hinsicht Freunde gefunden, mit denen er Stücke auf Junkfood produziert, was für Kölns hauseigenen Seperatismus wirklich ungewöhnlich ist. Das musikalische Experiment also steht im Vordergrund und wo andere bitter gespart haben, um mit der vollständigen Roland-Reihe, amtliche Technotracks zu produzieren, experimentiert er unter anderem mit simplen Rückkopplungen und hat schon etliche Platten rausgebracht, alle mit einem kleinen DJ Mischpult, was manchen vor Ungläubigkeit die Falten in die Stirn treibt. Aus wenig viel herauszuholen, ist eine Eigenschaft, der er neben vielen anderen, vollkommen beherrscht. Von dem harten Techno Colones auf Labworks, über Rob Acids "Happy Answer", bis zu den spitzfindigen Stücken auf Junkfood, hat sich viel verändert. Seine Stücke heutzutage auf Junkfood, seinem eigenem Label machen Gebrauch von einer introspektiveren Sicht der Dinge, sind perönlicher und reflektieren stärker. Dennoch sind es Dancetracks, die in erster Linie darauf abzielen, die Leute zum Tanzen zu bringen. "Ich versuche, wenn ich als Rob Acid auftrete, die Leute zum tanzen zu bringen, so daß die Leute ihren Spaß haben. Ich habe schon genug Live Acts gesehen die nur darauf aus sind ihre Egos auszuleben." Seine chilligen Stücke unter dem Namen Dicabor, in satanischer Tradition ein einfach rückwärts gesprochenes Rob Acid, hat er gemacht, weil er einfach zu Hause nichts hatte, was chillig war und ihm gefiel. Besonders in Berlin ist er seitdem mit seinem Sound auf große Resonanz gestoßen. Sein erstes Mal dort hat eher zufällig zu dem geführt, was sich später als Dicabor herauskristallisiert hat. "Als ich zuerst in Berlin als Dicabor gespielt habe, hatte ich so gar keine Ahnung, was ich jetzt da auf der Bühne soll. Dann sind mir die Geräte ausgefallen und es hat garnichts mehr geklappt. Aus diesem Frust heraus und der Entscheidung, dann doch zu spielen, ist dann etwas entstanden. Dann kam noch Dr. Motte dazu der eigentlich hätte auflegen sollen und er hat sich eingebracht, was mir sehr gefallen hat und ich habe etwas gemacht, was ihm gefallen hat und daraus sind mehrere Stunden improvisierter Musik entstanden. Was wirklich aber die Leute so dermaßen gepackt hat, die in dem Raum waren. Die Leute sind aufgesprungen, ausgeflippt und haben geschrien Es war wirklich unheimliche Magie gewesen und das alles ohne Bassdrum." Oft dauern die Sets, für die er zuhause sein ganzes Equipment abbaut Stunden und er verliert sich in einer Umgebung die Zeitlos zu sein scheint. "Wie ich festgestellt habe, macht es unwahrscheinlich Spaß mit Leuten zu jammen, die mir unbekannt sind, die dazukommen und einfach mitspielen. Mit ihnen auf der Bühne in Kommunikation zu treten. Die Live Auftritte sind im Vergleich zu den Sachen auf CD rythmischer und schon fast tanzbar. Dicabor ist keine Entspannungsmusik, kein Easy Listening. Sie hat schon Wirkung. Mir kommt es so vor, daß wenn ich diese Art von Musik gehört habe, sie unwahrscheinlich meine Phantasie angeregt hat. Die Musik verschmilzt mit ihrer Umgebung und dann fängst du an zu reflektieren. Es ist wie eine Droge, die von deinem Gehör aufgenommen wird. Es gibt z.B. auch Übereinstimmungen von Assoziationen, die Leute bei meinen Sets, bzw. meiner CD hatten. Empfindungen, die ich auch selbst hatte. Ein gewissen Nenner unter all den Menschen zu finden, ist gewiß nicht schlecht." Zuletzt ist er mit Dr. Motte in Berlin und danach auf dem Interference Festival mit einem Freund aufgetreten. Für ihn selbst ist Dicabor, ein entwicklungsfähiges, offenes Projekt, bis zu den Stücken selbst, die selbst keinen Anfang und kein Ende haben. Mit seiner ersten CD auf Space Teddy unter dem Namen Dicabor, schuf er extrem ruhige, fast schon mediative, ambiente Musik, die eine sehr persönliche Note trug. Eingefangene Zustände, die auftauchen, verschwinden und durch neue ersetzt werden. Im Gegensatz zu ambienter bzw. Chillout Musik aus England, die oft von einer überladenen Qualität, bzw. von einem designten Charakter gekennzeichnet sind, trägt seine Musik einen lebenden Charakter. Für ihn ist designte Musik, körperlose Musik, die ausschließlich für das Gehirn gemacht worden ist, etwas das er nicht mag. "Die erste CD war eine rein reflektive persönliche Sache, die nicht geplant war rauszubringen. Es war etwas für mich zu Hause, wenn ich mal nach Hause kam und keine Lust hatte auf Bassdrums. Für mich sind die Stücke auf meiner ersten CD, wie wenn ich mit einer fünf Meter breiten Lupe auf die Musik schaue und diese Vergrößerung auf CD banne. Das ist ein ganz kleiner Ausschnitt aus einem riesigen Musikstück. Ich sehe das so, daß es mit der Zeit, mit den ganzen zukünftigen LPs, es zu einem ganz großen Stück wird. Das sind einfach alles nur so kleine Parts. Ich überblicke das selbst noch nicht. Ich habe nur so ein ungefähres Gefühl in meiner Seelengegend. Ich spüre da ganz große Strukturen, die ich Stück um Stück zusammensetze. Ich denke das ist spannend weil man wirklich nicht weiß was passieren wird. Für mich ist das ein lebender Organismus. Auch wenn die Stücke selbst keine geschlossenen Cyclen haben, was alle Stücke als Basis gemeinsam haben, ist das Leben. Das sind Resonanzen, die einfach vom Leben her entstehen, die kannst du dann alle wieder zurückformen. Das ruhige Moment ist sicherlich eine feste Konstante bei Dicabor." Trotz seiner momentanen Vorliebe für ambiente Musik ist Dicabor aber auch noch immer Rob Acid und seine musikalische Entwicklung ist selbst dort noch weit entfernt davon, abgeschlossen zu sein: "Ich muß jetzt erst einmal wegkommen von den ganzen Rob-Acid-Auftritten, von der Routine, die sich ergeben hat. Das Wiener Publikum war für wirklich offener, es hat mir dort vielmehr Spaß gemacht als teilweise hier. Ich habe z.B. diese Electro-Rhythmen, die offenen Rythmen auch hier in Deutschland versucht einzusetzen, aber da klappt es nicht. In Wien hätte ich es durchziehen können." Für den September ist eine weitere CD geplant mit einer Auswahl von Stücken der er live eingespielt hatte letztes Jahr, auf seiner vierstündigen Performance zur Chroma- park-Party.