Frontpage: In Deiner Karriere als DJ und Produzent hast Du verschiedene Stationen duchlaufen.

Armand: Ich bin zwar in Europa als House-DJ bekannt, lege aber diese Musik erst seit vier Jahren auf. Mit 15 habe ich hingegen angefangen Hip Hop Platten zu spielen.

Also liegen die Roots beim Hip Hop.

Ja, viele House-Produzenten haben mit Hip Hop angefangen, siehe Dave Morales, Roger S., Kenny Dope oder Lill' Louie Vega. Louie war als Rap DJ sogar so berüchtigt, daß er in keinem New Yorker Club auflegen durfte, weil es immer zu Ausschreitungen kam.

Was war Dein musikalisches Schlüsselerlebnis - Womit hat alles angefangen?

Mit Planet Rock 1992 ging es los. Ich war total besessen. Mit einem mal habe ich alles verstanden. Ich wußte, das ist meine Musik und so möchte ich leben. Es hat lange gedauert, bis mich eine Platte jemals wieder so fasziniert hat.

War das die Geburt des B-Boy Armand?

Zu dieser Zeit hat sich der Tanzstil "Popping" entwickelt. In Europa hieß das damals Electric Boogie. Auch ich habe so getanzt. Meine Freunde waren DJs, Mcs, Beaker und Graffiti Artists, man kann mich wohl B-Boy nennen.

Hattest Du damals eine Crew?

Klar. In Amerika läuft das anders als bei euch. Du hast ein paar Freunde, sie tragen alle die gleichen T-Shirts und haben alle die selbe Lebensphilosophie. In Europa nehmen sich die Kids lieber einen Arm ab, als die gleichen Klamotten wie ihre Freunde zu tragen.

Ist Crew gleichbedeutend wie Gang-Wars?

Armand: Die Gangs sind in New York Ende der 70er ausgestorben.
TC: Dank der ZULU Nation. Als Hip Hop anfing, gab es eine Horde Brüder, die sich gegenseitig die Köpfe einschlugen. Das war pure Dummheit und viele sind für nichts und wieder nichts gestorben. Mein Vetter, Africa Bambaataa, hat damals ZULUs auf die Partie mitgenommen, die den Streit geschlichtet haben. Ich war damlas nur ein "Shortie" und heute bin ich Wold Spokesman of the ZULU Nation und repräsentiere rund 1 Mio. Mit- glieder auf der ganzen Welt. Wir holen die Kids von der Straße, bieten ihnen Bildungswege und treten für die Menschenrechte ein. Armand: Aus den Gang-Wars wurden wieder Dance-Battles, legendär waren die Kämpfe zwischen Rocksteady und Dynamic Breakers. Die Musik stand wieder im Vordergrund.

Dein erster großer musikalischer Erfolg war vor zwei Jahren mit "Funky Shell Toes". Warum schreibt man einen Song über Schuhe?

"Funky Shell Toes" ist ein HipHop-Track und der adidas Shell Toe (Superstar) ist das funkigste Symbol der Old School Ära. Diese Platte ist deshalb so erfolgreich, weil sie für den DJ gemacht worden ist. Nicht viele Plattenproduzenten machen HipHop-Trax, da sich Instrumentals bekanntlich weitaus besser kommerziel ausschlachten lassen, wenn man eine Rapstimme darüber legt.
Ich weiß, daß Deine Leidenschaft drei Streifen hat. adidas macht einen großen Teil der Hip Hop Kultur aus. Man trägt schließlich über seinen Style seine Lebensphilosophie nach außen. Und wir haben adidas auf unsere Art gelebt.

Auf eure Art?

Ja, Fat Laces waren ein absolutes Muß. Jede Crew hat seine eigene Farbe oder Art zu binden…
TC: ...oh ja, erinnerst Du Dich daran, daß wir die Laces noch vor der Schule gebügelt haben.

Was, Schnürsenkel bügeln?

Armand: Na klar, die Dinger wurden schnell dreckig und dann mußte man sie waschen und bügeln...
TC: ...und stärken, natürlich. Denn, wenn wir unsere Sneaker schon mit Laces getragen haben, dann mußten sie auch "fat" aussehen, zu den Streifen und zum Anzug passen. Ansonsten haben wir sie ganz ohne getragen. In der Run DMC Line hat adidas sogar einen "Ultrastar" rausgebracht. Der hatte keinen 7Senkel, sondern nur einen Gummizug und eine fette Zunge. Armand:...das eingerahmte Dreiblatt mußte hinausblitzen. Man steckte sogar Pappkarton in die Schuhwagen damit sie weiter auseinanderstehen und die Fat Laces weiter geschnürt werden konnten. TC: Die wirklich Kranken haben an ihren Schuhen auch noch rumgebastelt. Da wurden Superstars gefärbt, Streifen angemalt oder ganz abgemacht.
Armand: Wenn die Sneakers dann abgetragen waren, hat man sie einfach über die Telefonleitung geworfen.
TC: In manchen Gegenden sah man ganze Straßenzüge, die mit alten Schuhen behangen waren.

Halt, das ist Hip Hop, aber Du bist jetzt House Produzent. Was hat sich für Dich verändert?

Armand: Viele Europäer verstehen nicht, daß das meiste, was sie hören seine Roots in der Hip Hop Musik hat, natürlich abgesehen von dem starken Einfluß des Chicago House. Als House Musik nach New York kam, war es die Musik der B-Boys. Viele Hip Hop-Künstler, wie die Jungle Brothers, De La Soul oder Queen Latifah haben damals echten B-Boy-House gemacht.
TC: Anfang der 90er ging Hip Hop durch ein kreatives Tal und viele entdeckten die House Musik.
Armand: Die Hip Hop Szene ist viel zu träge und lahm geworden. Dafür war die Energie, die sie in ihrer Ursprungszeit besaß nun auf die Rave- und House-Szene übergesprungen - mit allem was dazugehört. Ich habe mich nicht mehr eingekriegt, als ich damals in Europa gesehen habe, daß die Mädchen auf Raves genauso gekleidet waren wie Baby Love von der Rocksteady Crew. Old School was back:Shell Toes, Fat Laces, adidas Trainingsanzüge, Gazelle Brillen und enge Tennis- Shirts...





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