X Trax


Für die drei Holländer, deren Platten ihnen mittlerweile den Ruf eingebracht haben, das Label des Jahres zu sein, ist das alles noch sehr neu. Und eine Labelparty wie die, auf der wir sie trafen, in der Rakete, einem neuen Club mitten im Mediapark in Köln, ist für sie einer der bald vielen Höhepunkte auf dem Weg ganz nach oben. In Rotterdam ziemlich abseits von jeder Art von Funky Techno Hype, ist ihr Erfolg für sie fast noch unglaublich, und sie freuen sich, endlich mal ihre eigenen Tracks vor einem Publikum zu hören, für das sie alle die größten Hits sind, die sie im letzten halben Jahr zu hören bekommen haben. Die Vorstellung von Raves, auf denen genau ihr Style läuft, ist für sie noch völlig unglaublich, und sie sehen sich mit ihrer Musik als die neue Generation von Producern, die in Holland das eingefleischte Regime von Gabba & Garage endlich ablösen.


FP: Woher kommt ihr?

Wir sind alle aus Rotterdam.

Ausgerechnet. Ist ja nicht gerade die groovigste Stadt der Welt, oder?

Nein, aber wir schlagen uns da schon durch. Für unsere Musik gibt es da zwar auch ein Publikum, aber keine Clubs, wo unsere Sachen laufen. Keine Szene. Entweder hören die Leute mellow Sachen oder Happy Hardcore.

Wie lange habt ihr das Label jetzt?

Seit Dezember letzten Jahres.

Hattet ihr diesen Erfolg erwartet?War das Ganze irgendwie geplant?

Nein, gar nicht. Ich war sogar sehr beunruhigt, weil ich genau zu der Zeit, als die erste EP erschienen ist in Australien war. Ich hatte wirklich Angst, weil ich gar nicht wußte, was passiert. Und als ich wieder zurück nach Rotterdam kam, da war die erste Pressung schon verkauft.

Ihr legt ja jetzt alle drei auch auf, war einer von euch schon vor X Trax DJ?

Eric: Ja, ich hatte vorher schon in einem Club in der Nähe von Rotterdam aufgelegt, aber um mal ehrlich zu sein, vergiß das lieber. Zur Zeit lege ich immer im Nighttown auf, das ist für unsere Musik in Rotterdam eigentlich der beste Club.

Wer macht genau was auf X Trax?

Misjah: Ich mache die ganze A&R, kümmere mich um das Geld, die Cover und außerdem habe ich noch das Studio. Die beiden produzieren, und Midtown kümmert sich um so Sachen wie Distribution und sowas.

Wo habt ihr euch getroffen?

Wir haben alle in dem gleichen Club gearbeitet, aber da gehen wir jetzt nicht mehr hin. Außer, um uns über die Leute lustig zu machen. Das ist ein sehr kommerzieller Club, und wir sind da seit letztem Jahr raus. Wir waren auf derselben Wellenlänge und haben uns von Anfang an verstanden.

Wer von euch hat als erster Musik gemacht?

Das war Misjah, er ist der "Main Man".

Was für eine Art Musik war das?

Misjah: Natürlich Happy Hardcore. "Da Witness" ist von mir. Das ist immer noch ein ziemlicher Hit. Vor so ungefähr einem Jahr habe ich mit Groovehead dann meine erste Platte auf Jinx gemacht. Misjahroon. Danach haben mich die Leute von Midtown direkt angesprochen, ob ich ein eigenes Label für sie machen wolle. Da konnte ich nicht nein sagen.

Wie kommt es, daß du von Happy Hardcore zu den X Trax Sachen gekommen bist?

Das ist ja musikalisch ein riesiger Sprung.
Misjah: Ja, kann man wohl sagen. Ich glaube, das war wohl Jeroen, Groovehead, der mich drauf gebracht hat. Es war eigentlich immer schon mehr mein Stil, die Musik, die ich wirklich mag, aber ich kam einfach von selbst nicht drauf, das dann auch zu produzieren. Jeroen hat mir mal ein Demo von sich mitgegeben, und das fand ich sehr gut, also habe ich ihm vorgeschlagen, mal mit mir ins Studio zu gehen. Daraus ist dann direkt die Misjahroon entstanden. Ich arbeite nicht so gerne alleine, deshalb sind auch alle Sachen auf X Trax eine Zusammenarbeit. Da fallen einem einfach bessere Sachen ein, und man wird vielfältiger.

Wie würdet ihr den Stil von X Trax beschreiben?

Misjah: Oh, da kann ich nicht drauf antworten. Ich bin das schon oft gefragt worden, aber unsere Stücke sind doch auch alle anders. Auf jeden Fall ist es ganz klar Musik zum Tanzen. Ich kann in Clubs einfach nicht stillstehen und ich will, daß die Stücke dann auch wirklich abgehen. Das ist immer das wichtigste an einem Stück. Auch für die Zukunft sind wir uns überhaupt nicht im klaren, was wir machen werden. X Trax entwickelt sich von Stück zu Stück. Da kann man nicht einfach jetzt schon wissen, was kommen wird.

Man könnte euch vorwerfen, daß ihr eine Art Konsens-Sound macht. Die wichtigsten AbgehElemente aus verschiedenen Stilen zusammenwürfelt, um sichere Hits draus zu zimmern.

Das trifft aber nur für einen Teil unserer Trax zu. Obwohl wir nun wirklich nicht so richtig experimentelle Sachen machen. Aber es soll ja auch im Club richtig gut funktionieren.

Ist die Reaktion auf eure Sachen denn in Holland so gering?

Ja, wir haben eigentlich keine Ahnung, was mit unserer Musik so wirklich passiert.

Aber ihr müßt doch mitbekommen, wohin Eure Platten gehn.

Misjah: Ja, das schon, aber was dann im Club damit passiert, ob die Leute wirklich so drauf abgehen, wie wir uns das wünschen, ob die Reaktionen in den Clubs in England und Deutschland wirklich so gut sind wie die Verkäufe, das bekommen wir doch nicht mit.

Ihr seid jetzt zum zweiten Mal in Deutschland, oder?

Ja, wir waren mal gerade letzte Woche mit Andy Düx in Hannover, aber auch nicht wir drei. Heute ist eigentlich das erste Mal, daß wir alle zusammen auftreten. Obwohl wir im Mixmag schon Label des Monats waren, waren wir noch nicht einmal in England. Aber das wird jetzt wohl kommen. Auch über die ganzen Remixe, Jam & Spoon, "I Believe", Utah Saints, Josh Wink, "Amphetamine", da haben wir wirklich gute Kontakte geknüpft. Warum sind auf eurem Label keine Platten von anderen erschienen?

Wir haben einfach noch keine Demos bekommen, die wirklich gut genug sind.

Was sind da eure Kriterien?

Es müßte schon besser sein als die Sachen, die wir selbst machen können, oder zumindest auf eine Art so gut, daß wir es selber nicht nochmal machen müssen.

Alles selber zu machen, ist das nicht anstrengend?

Misjah: Ja, irgendwie schon. Da ich ja für alles irgendwie die Entscheidungen treffen muß und mich zur Zeit auch noch um das Booking kümmern muß, bin ich immer beschäftigt. Busy, busy, busy. Nur die ganzen Lizensierungen laufen über Midtown. In Deutschland macht unsere Sachen Dias, und in England haben schon verschiedene Labels wie Aura unsere Platten rausgebracht.

Warum macht ihr soviele Anleihen bei House?

Eric: Wenn ich an House denke, dann denke ich immer an etwas wie Garage, und wenn ich an Techno denke, dann an Jeff Mills. Ich glaube, wir liegen irgendwo in der Mitte. Schwer zu erklären, aber es ist auch nicht so wichtig.

Gibt es was, das euch inspiriert?

Eric: Ich mag zur Zeit am liebsten die Sachen, die Robert Hood macht und auch die von Jeff Mills. Viele verschiedene Quellen.
Misjah: Ich bekomme meine Inspirationen eigentlich mehr von Samples. Ich höre einen Sound und will dann damit sofort etwas machen. Wir machen unsere besten Sachen immer dann, wenn wir nicht genau wissen, wie der Track hinterher wirklich klingen soll.

Habt ihr Lieblingsplatten?

Misjah: Ich hab eine, das ist so eine Testpressung und heißt "Siren". Die ist sehr gut.
Eric: Meine Lieblingsplatte ist die neue Damon Wild und Morgan auf Synewave. Groovehead: Ich habe so eine Art All Time Favorite: Public Energys "303".


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