Patrik Walder

Seit längerer Zeit hat sich abgezeichnet, daß Techno keine Angelegenheit von Kellerkindern mit Verhaltensstörungen ist, kein Einzelschicksal, sondern > daß es neben der weltumspannenden Bedeutung für die aktiven Teilnehmer auch eine Faszination auf Medien & Politik & Wirtschaft darstellt.

Noch bevor diese zweite Auflage erschienen war, suchte Walder den Kontakt zu Philipp Anz, einem Schweizer DJ und Musikjournalisten, der wie ein Gletscher in der Brandung der Trends steht, um die Geschichte der Bewegung vom zentralen Standpunkt Musik aus anzugehen. Nach acht Monaten Arbeit, die durch häufig verschobene Deadlines bestimmt nicht kürzer wurden, haben die beiden nun "techno" veröffentlicht. Frontpage wollte von Walder wissen, warum gerade jetzt.

>>> Es ist schon seltsam, so früh die Geschichte von Techno zu schreiben, aber ich glaube, das hat damit zu tun, daß sich alles so explosionsartig entwickelt hat, sowohl, was Techno betrifft, als auch, was die verschiedenen Stile angeht. All dem kann man mit dem Begriff "Techno" gar nicht mehr gerecht werden. Irgendwie scheint der Zeitpunkt gekommen zu sein, daß man ein bißchen innehält und überlegt, woher wir kommen und wohin wir gehen, oder was das alles überhaupt soll. Wir haben auch festgestellt, daß man mit ganz vielen Sachen, die unter dem Namen laufen, gar nichts mehr zu tun hat oder nichts mehr zu tun haben will. Es gibt ja auch schon verschiedene Generationen von Techno, es ist außerdem ein Marketing-Ding geworden, und viel von dem beschworenen Geist ist den jungen Generationen überhaupt nicht mehr bekannt.

Wie seid ihr auf die Autoren gekommen?

Ein Ziel war, bei der Auswahl der Autoren diese vielen Gesichter des Phänomens darzustellen. Damit nicht ganz klar eine Linie dominiert, sondern damit auch klar wird, daß es hier um ganz verschiedene Ziele geht. Das wird, finde ich, im zweiten Teil noch deutlicher, welcher der Diskussionsteil ist, wo es um das Phänomen Techno als Kultur oder als ein soziales Phänomen geht. Also, wo es um Exzess, Kommerzialisierung, Drogen, Sex und über Business und so weiter geht. Da gibt es den Kommentar von > Ralf Niemczyk, der eine sehr kritische Position einnimmt, bis hin zu > Jürgen Laarmann, der den Begriff der "Raving Society" prägt."

Glaubst Du, daß euer Buch auch von der Zielgruppe gelesen wird?

Es ist kein Raver-Buch, es ist kein Bilderbuch, sondern ein textlastiges Buch. Aber wir haben das Buch nicht mit dem Gedanken gemacht, bestimmte Gruppen zu erreichen. An erster Stelle stand ganz klar unsere eigene Neugier, der Wissensdurst und auch die Lust, über das nachzudenken, was da abgeht. Was wir interessant fanden, war der Maßstab. Wir hoffen natürlich, daß sich dann auch jemand anderes dafür interessiert, aber wir haben keine Konzessionen gemacht, indem wir gesagt haben, okay, jetzt brauchen wir noch eine "Human Touch" - Geschichte, damit die Raver das auch kaufen.

Was kommt als nächstes?

Ich weiß nicht. Wir haben unheimlich viel durch das alles gelernt, seit wir angefangen haben. Ich glaube auch, wir hätten das Buch nicht machen können, wenn wir hier in der Frontpage gesessen hätten oder in Köln oder in Frankfurt. Aber die neutrale Schweiz konnte dann bei allen Leuten anfragen, die sich vielleicht sonst gar nicht an einen Tisch gesetzt hätten. Das war sozusagen Heimvorteil für die Provinz.


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