Party, Party, ...


Die erotisch/sinnlichen Ausdrucksformen, die sexuell motivierten Interessen, die Konstellationen von Frauen und Männern, ihre spezifischen Erwartungshaltungen zu Freundschaft, Liebe und Sex bestimmen die Stimmungslagen in einer Partygemeinschaft immer wieder neu.

Dementsprechend differenziert oder undifferenziert stellen sich Konstellationen des Flirts, der Anmache, der körperlich sinnlichen Begierden auf den Dancefloors her. Grundsätzlich kann davon ausgegangen werden, daß diejenigen, die unter dem Einfluß von Drogen Kontakt suchen, hohe Erwartungshaltungen an die Erlebnisqualitäten in liebenden, wie sexuell begehrenden Situationen an die Begegnung stellen. "Also ich bin da nicht allein auf Sex programmiert, aber wenn ich mich auf jemanden einlasse, dann erwarte ich da aber wirklich alles. Ich bin wesentlich offener, auch mein Partner. Wie soll ich das beschreiben, das ist wirklich schwer zu greifen.
Es fallen völlig... äh, wie soll ich sagen, Verkrampfungen weg, die ich vielleicht im nüchternen Zustand, oder bei Leuten, die ich nicht gut kenne, habe. Ich hab' z. B. eine phantasy im Kopf, möchte die ganz gerne machen, da ich aber ja nun nicht weiß, wie mein Gegenüber darauf reagieren könnte, traue ich mich nicht. Bei Ecstasy hat man zwar auch immer noch den Gedanken, daß Du nicht weißt, wie der andere reagiert, aber es fällt Dir leichter, es auszusprechen oder einfach zu machen, egal, was da jetzt als Gegenreaktion kommt. Ich hab' das schon erlebt, daß der andere sagt, das mag ich nicht jetzt, oder ich will was anderes oder ich habe doch keine Lust und das war völlig korrekt. Das gehört zur Erfahrung von Ecstasy überhaupt und auch beim Sex. Warum das allerdings im nüchternen Zustand so schwer ist, das weiß ich auch nicht." (1)

Die Entzweiung der Gefühle und Phantasien zu Freundschaft und Liebe einerseits und zu spontanen Triebregungen und sexuellen Bedürfnissen, die der unmittelbaren somatisch körperlichen Befriedigung ohne Aufschub zustreben andererseits, ist ein altbekanntes Leiden innerhalb und außerhalb von Partnerschaften. Die Schwierigkeit, Liebe und individuell als normbrüchig erlebte erotisch/sexuelle Phantasien mit den Werten von Freundschaft und Liebe zu vereinbaren, ist ebenfalls bekannt. Das ganze Drama von Eifersucht und damit einhergehender Selbstbewußtseinsprobleme, die oft als quälend und nervtötend empfundene Diskussion um Treue- und Vertrauensbruch im Zusammenhang mit Fremdgehen, Partnerwechsel und schließlich selbstbemitleidende Schuldgefühle in Trennungsprozessen, das alles aktiviert situativ aufkeimendes, um sich greifendes, begehrendes Triebverlangen, das sich nicht zuletzt in den "Masken des Begehrens" auf dem Dancefloor in Diskotheken spielerisch verpackt zeigt.
"Ich hab in Technodiskotheken exzessive Kämpfe mit mir ausgestanden halt mit meinem Schwanz und mit meinem Kopf. Ja, der Schwanz wollte halt wieder schneller irgendwo drinstecken als wie der Kopf das eigentlich registriert hatte. Ich sag' jetzt mal ein Wort: wenn'ste mit "denen" fickst, mußte halt gucken, daß Du geilen Sex hast und das Du das ganz gut verpacken kannst, ohne daß man da jetzt nen Eifersuchts- und Ehefilm fährt." (2) So sehr die tanzenden Körper in feucht/warem Clubs dampfen und schwitzen mögen, so sehr sich Körperkult, Pearcen, Intimschmuck, Neigung zu S/ M-Sex, Fetisch- Gummi- und Lackerotik verbreitet hat: die romantische Liebe, die Sehnsucht nach einer Einheit von Freundschaft, Liebe und Sex ohne und mit Drogen im Nightlife hat sich unter der kommunikativen Oberfläche von Unterhaltungssex nicht geändert und das kann unterm Verhütungs- wie unter'm AIDS- Aspekt zum Problem werden.
Der Sexualwissenschaftler Martin Dannecker bringt ein Hauptproblem von AIDS-Aufklärung und die gegenwärtig benennbaren Grenzen von Erwartungshaltungen an präventionsadäquaten Safer Sex mit folgender Hypothese auf den Punkt:..."wo Liebe bei der Sexualität ist und wo Liebe als Möglichkeit erscheint, sind riskante sexuelle Kontakte wahrscheinlicher, als bei sexuellen Begegnungen, bei denen der jeweils andere ausschließlich als Sexualobjekt fungiert!" (DAH Aktuell: "Im Liebesfall"- Martin Dannecker, - Risikofaktor Liebe; S. 20, August- Heft 1994) Es ist nicht erforscht, in welchem Umfang diese Aussage, die für das HIV-Infektionsgeschehen unter Männern, die sich homosexuell verhalten, getroffen wurde, im Risikoverhalten von Heterosexuellen gilt. HIV-positive Frauen, die sich mit dem HI-Virus infiziert haben, geben dazu unterschiedliche Erfahrungsberichte ab.
In jedem Falle muß allgemein beim Sex unter Drogeneinfluß mit erhöhter Risikobereitschaft unter gesundheitlichem Aspekt gerechnet werden und deshalb ist es notwendig, daß alle, für die Nightlife, Sex und Drogen situativ oder dauerhaft zusammengehört, sich einen Standpunkt zum Infektionsschutz erarbeiten. "Ich würde mich nicht trauen, mit einem Negativen eine LSD-Erfahrung zu machen. Ich würde das als sehr gefährlich und stressig ansehen und verzichte dann lieber darauf, weil das, was sich an Veränderungen des Körperschemas ergibt auch zu anderen sinnlichen Konsquenzen führt, also die Art und Weise, des aufeinander und auf sich selbst Reagierens verändert sich so, daß die Dinge eine Eigendynamik gewinnen können und sollen, denen ich mich nicht dann aus Gründen der Infektionsprävention verschließen möchte," berichtet ein HIV-positiver Mann mit LSD-Erfahrungen beim Sex. (3) Nicht alle kennen ihren Immunstatus, die heute Sex haben und nicht alle sind andererseits so vorsichtig wie dieser ansonsten experimentierfreudige HIV-positive Mann.

Die meisten Menschen haben die größten "Gedächtnislücken", wenn sie von Soziologen oder Psychologen zu ihrem Sexual- und Drogenverhalten befragt werden. Das Kommunikationsdefizit in der Gesellschaft, das jenseits von pornographierten Phantasien und Unterhaltungssex die offene Auseinandersetzung über die Liebes-, Sex- und Drogenrealitäten verhindert, erzeugt Leiden, die im Risikofalle in Krankheiten ohne Heilung einmünden können. Deshalb ist unter Urlaubern, die das heimliche oder auch offene sexuelle Vergnügen in "entspannter Atmosphäre" anstreben, an die Regeln des Safer Sex und Kondombenutzung zu erinnern und zwar beim funktionalen Sex beim "one night stand" wie im "Liebesfalle".

SOLL MAN SEX UND DROGEN VERDAMMEN?

"Zu Anfang im "Cut", da war einer hübscher als der andere, da waren nicht so viele Frauen da die schrien 'ich bin fett, ich bin fett... und unmöglich, wie "die" aussehen, wie ein Kartoffelsack. Die haben da meiner Meinung nach nichts verloren. Die vögeln da auf den Toiletten rum. Nee, das hat da drin nichts verloren... Die rennen da wirklich durch den ganzen Laden und prahlen damit, wieviel drugs sie gefressen haben und wie fett sie wären... Das hat nichts mit Party zu tun! Das hat auch nichts mit der Musik zu tun! Das ist nur Männerhascherei! Ich bin auch noch nie durch die Droge so geil geworden, daß ich das mußte. Ich brauche zwar den Körperkontakt, aber... den Rest können die sich doch zu Hause holen! Das muß in der Disko nicht sein! Also diese Hooligans und Prolltussen, die stören mich schon, deshalb gehe ich seltener dahin". (4)
"Ich bin da in den Club gegangen, wo sie einmal in der Woche Erotiknacht haben und ihre Technoparty feiern. Also ich muß sagen, ich habe ein Paar gesehen, das unheimlich gut harmonierte, wie die sich angeguckt haben, wie die getanzt, wie sie sich nur durch Körpersprache alles gesagt haben. Sie haben sich geliebt und sie haben da auf der Tanzfläche Sex gemacht und ich muß sagen, ich fand das unglaublich ästhetisch und schön. Ich kannte das vorher garnicht" (5)
"Du schiebst unter Drogen auch beim Sex einen anderen Film. Du fühlst dich freier und du bist meistens enthemmter, das ist klar. Aber die Gefahr besteht, daß du nur noch Sex mit Drogen haben willst und deshalb halte ich mich zurück, abgesehen von dem AIDS-Risiko, daß du haben kannst, wenn du ihn kaum kennst. Ich habe beim Chillen beobachtet, daß die Leute, die sich auf der Party gut verstehen, hinterher zu Hause treffen, noch Drogen nehmen und dann Sex haben. Sie sind dann offener, aber sie sind ja auch betäubt vom Rausch und kennen ihre Grenzen nicht mehr. Mich würde das nicht glücklich machen."(1)

Die Erfahrungen, Meinungen, Werte und Ansichten zu Sex unter Einfluß von Drogenchemie sind durch Werthierachien polarisiert. Treue zu den erklärtermaßen als wertvoll angesehenen Vorstellungen, Erwartungen und Wünschen differiert oft in einer Person. Einstellungsänderungen passieren in einer Nacht, wenn "der Richtige" kommt. Die teilweise extreme Ambivalenz zu den im Nachtleben zu beobachtetenden Praktiken von Partyfeiern, Tanzen, Flirten, Anmachen, Abschleppen, Vögeln und Drogenkonsum läßt sich kaum auf einen konsensfähigen Nenner bringen.
In jedem Falle ändern Drogenwirkungen durch ihre berauschenden, und oft mehr noch durch ihre betäubenden Effekte, die psychischen und körperlichen Wahrnehmungs -und "Belastungsgrenzen" und deshalb sind die Gefahren von Verletzungen im somatisch/psychischen Sinne größer, als beim Sex ohne Alkohol und Drogen. Verletzungen und Unfälle kommen beim Sex unter Einfluß von harten Drogen und hochprozentigem Alkohol nach Szeneberichten häufiger vor, als beim Sex mit sogenannten weichen Drogen oder beim Sex unter PartnerInnen, die sich bereits länger kennen. Wer Sex mit Drogen- oder/-und Alkoholkonsum verbindet, sollte bewußter als sonst auf die Unversehrtheit des Körpers wie auf psychisches Wohlbefinden achten. Das Selbstverständliche zu tun, erscheint manchmal als das Fernliegenste, aber ruhiger schläft, wer sich im richtigen Moment schützt.
Patentrezepte zum Gesundheitsschutz gibt es nicht, aber soviel ist klar: > > > bei Sex und Drogenkosum ist Vorsicht angesagt! Kondombenutzung auch im Liebesfall! Das ist die wiederkehrende Message, die so leicht über die Lippen geht und so schwer durchzusetzen ist.

ECSTASY, SEX UND LIEBE

Unter dem Einfluß spezifischer Drogenwirkungen sind z. B. bei Ecstasy zwei Tendenzen unter UserInnen zu beobachten. In der Anfangsphase des Experimentierens steigt die sexuelle Aktivität situativ in euphorisierten Stimmungslagen. Über die harmonisierende Wirkung und die Sensibilisierung des Berührungsempfindens können Bedürfnisse nach Nähe ungehemmter und unmittelbar körperlich zum Ausdruck gebracht werden. Über die stimulierenden Effekte der Ecstasywirkung kommt der sexuell Aktivitätsdrang oft schneller als im Zustand der Nüchternheit zum Ziel.
Die "Verliebtheit" mit der subjektiv als entspannend erlebten Drogenwirkung wird vielfach mit der gesteigerten Verliebtheit zum Partner in sexuellen Begegnungen im doppelten Sinne des Wortes gepaart, doch alle erfahrenen Ecstasy-User raten dazu, mit der Heirat zu warten, bis eine längere Phase der Nüchternheit gemeinsam durchlebt wurde. Die Emphase, die Offenheit, die gesteigerte Sensibilität und Aufmerksamkeit füreinander ist durchwegs gebunden an die Dauer der Drogenwirkung. Die zweite Tendenz, die unter TänzerInnen, die noch unter dem Einfluß von Ecstasy stehend, erotisch/sexuelle Kontakte haben, ist die Beobachtung und Selbstbeobachtung unter Männern, daß der Schwanz nicht mehr hochkommt und die soziale Liebe, d.h. der Austausch von Zärtlichkeiten wie Streicheln und Kuscheln sich in den Vordergrund rückt. Dazu gibt es verschiedene Erklärungsversuche. Entweder war das eigentliche Interesse, das in diesem Moment zur Befriedigung kam, von vornherein auf Liebe programmiert oder es war der psychische Toleranzeffekt bei regelmäßigem Ecstasykonsum, der den genital zentrierten Akt penetrierender Vereinigung (oder gut deutsch: das Ficken) zur Nebensache werden ließ.
Anders gelagert scheinen die Verhältnisse bei Kokain, das viele User nach subjektivem Empfinden "geil und schmerzunempfindlich macht" zu liegen. Die sexuellen Begegnungen sind allgemein egozentrierter und gleichzeitig heftiger in den Phantasien bei allgemein klarem Verstand. "Auf Ecstasy ist alles kopflos, auf Kokain ist alles herzlos", berichtete mir eine erfahrene Frau. Noch anders gelagert sind die Wirkungsweisen von Amphetaminen auf Sex: "Du kannst stundenlang ficken, aber du hast dabei ein aufgeblasenes Ichgefühl. Das ist eigentlich ein mechanischer glückloser Sex". (2) Cannabiskonsum soll anregend auf die erotisch/sexuelle Phanatsie wirken, doch allgemein sind die Drogenkonsumpraktiken so, daß Mischkonsum vorherrscht und dadurch enstehen nicht nur unkalkulierbare gesundheitliche Probleme und psychische Abhängigkeitsrisiken. Die in der internationalen AIDS-Forschung beschrieben Vorfälle von Neuinfektionen mit dem HIV-Virus waren überwiegend auf Drogenmischkonsum vor und während sexueller Interaktionen zurückzuführen. D.h. es ist nach heutigem Wissenstand der AIDS-Forschung ein Vorurteil zu meinen, Drogenkonsum in Verbindung mit Sex führe bereits automatisch zur erhöhten Risikobereitschaft. Es kommt jeweils auf die Verbindlichkeit, die Offenheit und das Vertrauen unter sexuell intim verkehrende Paaren an, mit der sie zusammentreffen und auf das Setting, indem Drogenwirkungen sexuell stimulierend oder dämpfend wirken.

SOMMER, URLAUB UND ENTSPANNUNG

Wer Rave-Holydays plant oder einen "Summer of Love" irgendwo am Meer unter heißer Sonne erleben will, sollte folgende EVE & RAVE Tips beachten: -

Wenn Du mehr über Urlaubstips und Schutz vor unliebsamen Problemen wissen willst, greif' zum Telefon und wähle EVE & RAVE "Rave-safe" summer hotline: Di. Do. So. 17.00 bis 21.00 Uhr


Copyright © 1995, Technomedia GmbH HomeBattnSm2 HomeBattnSm1