David Moufang und Jonas Grossman haben gleich mit ihrer ersten CD als Deep Space Network, der furios chilligen "Earth To Infinity" völlig neue Beziehungen zwischen Stilen erfunden und Ambient, mit einer Ruhe und Souveränität augezeichnet, die selbst Countrysamples verträgt und immer noch nach der letzten Chillout Lounge vor dem endgültigen Start in die anderen Welten klingt.
Und sollten Jazz, House, Ambient, Psychedelic, Breakbeat und Experimentalmusik immer wieder neu umstülpen und eine ganz einzigartige Mischung hervorbringen, die Source zu einem der wichtigsten und, speziell in Deutschland, unterschätzten Label der letzten zwei Jahre machen.
Und sie dehnen sich immer weiter aus. Neben Deep Space Network, ihrem noch am ehesten wirklich und jetzt zum letzten Mal als ambient zu bezeichnenden Projekt, gibt es Redagain P, der schon '93 Ambient Jungle quasi im Alleingang erfunden hat und mittlerweile noch seltsamere Dinge versucht, David Moufangs sehr jazziges, bis ins letzte Detail ausgefeiltes Soloprojekt Move D, den befreundeten Milk-Gründer D Man, Jonah Sharp von Reflective, dem San Franciscoer Ambientkultlabel, auf dem auch die Londoner Vulva eine EP veröffentlicht haben, und die jetzt als Yoni auf Source ihre erste CD gemacht haben - kleine Atempause - und schließlich noch Robert Gordon einem der Forgemasters war und dem enigmatischen Japaner Elfish Echo. Mixt man das noch durch, denkt an die drei wirklich unglaublich sicheren und stilistisch unübertroffenen Synchronized Chaos TV Videocompilations, die immer klareren, ästhetisch unübertroffenen Cover von Jonas und bezieht die möglichen Einflüsse dazu, dann erhält man ein Substrat, das Source Records sein könnte. Kein Sound, denn die Releases klingen von mal zu mal anders, aber eben doch ein Sound, denn sie sind alle in sich selbst auf diese spezielle Art so perfekt, daß man sie gar nicht mit etwas anderem verwechseln kann.
Wäre man etwas vorschnell, könnte man behaupten, daß Source für Deutschland das sind, was Rephlex für England sind, nur daß über ihnen nicht der Schatten eines allmächtigen Aphex Twin ruht. Jede Source Platte ist irgendwie ein Unikat und schafft es immer wieder, ganz anders zu sein als ihre Vorgänger, man könnte sich vorstellen, eine Plattensammlung aus Sourceplatten zu einem nahezu unanfechtbaren musikalischen Background zu machen, der jenseits aller noch so hartnäckig ausgefochtenen Szenekämpfe einfach immer richtig wäre und einem alles bietet, was man braucht. Source ist ein kleiner Kosmos.
Man erinnert sich ziemlich gerne an die wahnwitzige Planet Jazz, die einige Leute durch den letzten Sommer gebracht hat, oder die jetzt schon bei allen Plattensammlern gesuchte 50th Anniversary of LSD LP, und muß mit einemmal feststellen, daß sich mitten im Technoland ein Label etabliert hat, für das die ehernen Gesetze der Verfallsdauer einer Techno 12" einfach nicht greifen wollen. Von der ersten bis zur letzten Platte hat nichts, was Source bis jetzt veröffentlicht haben, an Aktualität verloren und wird es wohl auch in den nächsten Jahren nicht. Und seltsamerweise planen sie jetzt eine Platte für präpariertes Piano. Kein Wunder, daß sie eine Vorliebe für Psychedelica und die 60ies pflegen, eine Zeit, in der Experimentalität noch lange nicht so kanalisiert war wie jetzt und scheinbar unvereinbares ziemlich unbedarft nebeneinander existieren konnte. Und wenn Source wenigstens dies wieder in die Technoszene einfließen lassen können, dann dürften sie dieses Jahr zu den beachtenswertesten Labeln gehören.
Da wir nur zu zweit sind, fällt es natürlich leicht. Wir bemühen uns, keinen einheitlichen Sound zu machen oder berechenbare Releases. Die Elfish Echo ist ja auch schon wieder ein gutes Stück geforscht, und demnächst kommt halt Kobald, die ganz auf einem präparierten Piano aufgenommen ist. Live und direkt mit Mikro. Präpariert in der Weise, wie das wohl schon John Cage gemacht hat, da kenn ich mich aber nicht so aus. Keine Elektronik.
