Ersatz Audio
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FP: Du warst grade draußen Sketebord fahren. Machst Du das richtig?
- ALM: Nein, nicht mehr. Als ich 18 war, bin ich sehr viel gefahren, aber hab mich ziemlich übel dabei verletzt. Jetzt mache ich es eigentlich nur noch, um nicht ganz aus der Übung zu kommen.
- FP: Wie alt bist Du?
- ALM: 24.
- FP: Warum und wann hast du Dein Label angefangen?
- ALM: Laß mich erst mal meine Katze wegschieben. So. Ich habe angefangen, weil ich auf Rephlex sein sollte. Die haben mich letzten März angerufen und mochten meine Demos. Ich habe jeden Monat angerufen, und als Clair abgehauen ist, ging alles entsetztlich langsam. Die wollen mich zwar noch immer, aber nach 1 1/2 Jahren wurde ich müde. Es gab keine anderen Label, von denen ich dachte, daß sie mich auf ihrem Label vertreten könnten. Aufgrund der Experimentalität, so blöd das Wort jetzt auch klingen mag. Also habe ich mir gedacht, es selber zu machen. Und andere, mit einen ähnlichen Stil, bekommen dadurch eine Platform. Wenn die erste den Break Even schafft, geht es weiter, dachte ich mir. Und ich habe auch schon die Testpressungen. Von Ian Clark.
- FP: Woher kommt er?
- ALM: Auch von Detroit. Er war lange Zeit mein Nachbar. Von Ohio habe ich auch gute Tracks von Leuten, die auf einem Musikcollege in Technomusik ihren Abschluß gemacht haben.
- FP: Hat der Name des Labels tatsächlich damit zu tun, daß die Platte ein Ersatz ist für die nicht erschienene Rephlex Platte?
- ALM: Oh, nein. Ich wußte auch gar nicht, daß es ein deutsches Wort ist. Es sollte so etwas wie ein Substitut sein, ein synthetische Produkt. Aber es gibt soviele Definitionen. Elektronisches oder synthetisches Substitut. Meine Platte klingt ja sehr synkopisch, sehr mechanisch. Das ist die Art von Ästhetik, auf die ich stehe.
- FP: Sehr clean.
- ALM: Ja, sehr sehr clean. Ich bin eigentlich ein Maler. Und meine Bilder sollen auch nicht einfach nur eine einzige Bedeutung haben.
- FP: Machst du schon sehr lange Musik?
- ALM: Ja, seitdem ich 16 bin. Ich war in einer Punk Band.
- FP: Welche Sorte?
- ALM: Straight Edge. Ziemlich dumme Geschichte. Wir haben es bis ins Maximum Rock & Roll geschafft. Aber die allererste Platte, die ich mir gekauft habe, war von Gary Newman. Solche Sachen mochte ich immer. Elektronische Musik halt. Zu Punkrock bin ich gekommen, weil mir die Energie gefiel. Aber die negative Energie machte mich dann doch sehr schnell müde. Ich wollte Keyboard in einer Punkband spielen, aber das war wohl keine so gute Idee. Sind also jetzt 8 Jahre, und ich kann immer noch weder Musik lesen noch schreiben.
- FP: Alles ist also eher so nach und nach passiert. Gab es Leute in Deinem Freundeskreis, die mitgemacht haben?
- ALM: Ja, ich hatte Freunde, die mit mir zusammen Musik gemacht haben. Aber es war mir dann doch zu dumm, immer auf jemanden warten zu müssen. Es kann manchmal ganz schön nerven, mit jemand zusammen zu arbeiten.
- FP: Glaubst Du daß Du in die Detroit Szene paßt?
- ALM: Nein. - (alle lachen) - Ich komme aus Indiana, bin auf einer Farm aufgewachsen, in einem Maisfeld und kam hierher, um auf die Kunstschule zu gehen. Hier war Techno im Radio, und so lernte ich es kennen. Ich kenne nicht viele Technoleute hier in Detroit, bin wohl so eine Art Maulwurf. Außerhalb von Detroit kennt man mich besser. Die alte Geschichte.
- FP: Würde es Dich interessieren, ein Feedback von Detroit zu bekommen?
- ALM: Ja, deshalb bin ich auch schon live aufgetreten, aber ich mag es nicht so sehr. Weil ich ja eben gar nicht live spiele. Erstens benutze ich nicht das typische Setup. Die populäreren Instrumente - jetzt sollte ich vorsichtig sein, was ich sage - habe ich noch nie gesehen, habe keine Ahnung, wie eine 303 aussieht. Ich stehe mehr auf Midi und die Computerseite. Ich hänge nicht mit den Leuten rum, könnte auch keine Musik mit ihnen machen, weil ich die Maschinen nicht kenne und so. Aber es gibt zur Zeit eine Art neuer Szene von Leuten, auch um mich herum, die was machen. Einige von denen machen auch Label. Etwas von der typischen Detroit Technoszene losgelöst. Man realisiert, daß man ein Teil der Geschichte ist. Wir kennen sie alle, so als Fußnote, aber wir folgen ihr nicht. Eins der Label ist Cheshire.
- FP: Wie die Katze.
- ALM: Ist das eine Art von Katze?
- FP: Ja, die von Alice In Wonderland, die, bei der das Lachen übrigbleibt.
- ALM: Oh, das ist auch ihr Logo. Und das andere Label ist Interdimensional Transmissions von Brandon Gillan. Wir haben alle zur gleichen Zeit angefangen. Er ist in der Szene und hat mir sehr geholfen. Ich gehe ja nicht so oft zu Partys. Ich gab ihm Tapes und so, und er sagte mir, wem ich sie schicken könnte, weil ich gar nicht wußte, wer so etwas machen könnte. Ich höre immer noch mehr 80ger Jahre Sythsound.
- FP: Einer der Tracks klingt ein bißchen wie ein Medley.
- ALM: Ja, das war alles von mathematischen Pattern organisiert. Mein Glückslied. Ich mache meine Tracks meist so, daß ich Pattern auf den Editpages male und dann sehe was, dabei rausgekommen ist. Manchmal funktioniert das, manchmal nicht, und manchmal funktioniert es OK, und ich muß noch dran arbeiten. Dieser Track war einfach perfekt. Ich dachte mir: "Oh Gott, great!" Ich war glücklich.
- FP: Du beginnst also eher immer mit einem visuellen Element, oder einem graphischen?
- ALM: Ja, ich bin ja auch ein visueller Künstler. Ich kann halt keine Musik machen. Ich glaube, Brian Eno hat auch um Musik zu notieren seine eigene Sprache entwickelt . Und seitdem ich 16 bin, habe ich an verschiedensten Symbolen gebastelt, die mir irgendwie ermöglichen sollten, Dinge zu wiederholen.
- FP: Was heißt das Symbol auf der Ersatz Audio?
- ALM: Oh, das ist ein Doppel Z, eins im Rücken des anderen. Entworfen von einem Mitbewohner von mir, der auch Künstler ist. Wir machen viel, was man vielleicht Enteignungskunst nennen könnte, auch wenn ich das Wort nicht so mag. Bilder von andern Künstlern stehlen. Wenn man Ersatz spiegelt und aneinander setzt, dann treffen sich die beiden Enden so. Mein Graphikdesigner sollte in irgendeinem Buch sein. Er hat die Graphics für Jeff Mills und Robert Hood gemacht.
- FP: Mit was arbeitest Du?
- ALM: Oh, ich habe einen Sampler, den ich nicht benutze. Ich habe nicht viel Equipment. Himadri kommt ab und zu vorbei und muß sich immer darüber lustig machen. Wenn du damit glücklich bist. Bin ich. Ich habe ein EMU Vintage Keys Soundmodul und eine Dr Rhythm Drummachine,die wohl nahezu jeder vollkommen bescheuert findet, und einen Mixer und Effektgeräte. Das wars, aber mir gefällts. Ian Clark, der die nächste Ersatz gemacht hat, Lessening Lessons, hat tausende von Dingen, und er arbeitet analog. Klingt meine Platte digital?
- FP: Nein, der Sound eigentlich nicht, aber die Ästhetik dahinter.
- ALM: Das höre ich gerne, auch wenn es nicht als Wertung gemeint ist.
- FP: Was machst Du außer Musik?
- ALM: Malen. Austellungen machen und für ein Museum arbeiten. Aber ich ziehe in 4 Jahren nach New York. Ich habe es alles ausgearbeitet.
- FP: Dein ganzes Leben?
- ALM: Tatsächlich. Werde noch zwei Jahre arbeiten, dann in zwei Jahren meinen Abschluß machen, nach New York gehen und als Maler arbeiten. Aber Schallplatten werde ich solange machen, wie ich den Break Even erreiche. Seitdem ich mir meine erste Single - "Cars" von Gary Newman - kaufte, habe ich mir gesagt, daß ich eines Tages eine Platte rausbringen werde. Und so ist es.
- FP: Was war dein erster Gedanke, als Du Deine erste Platte in der Hand hattest?
- ALM: Oh, das kann ich nicht sagen, weil ich dann nicht cool rüberkomme. War kein großer Deal. Ich bin ausgerastet. Hab ich die Frage beantwortet?

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