Stefan Riesen & Marco Repetto - Axodya Records

FP: Ihr geht jetzt mit Axodya, Eurem neuen Label, etwas mehr an die Öffentlichkeit? Was war Eure erste Platte auf Axodia?

A( Marco): Die erste Veröffentlichung des Labels war ´93 die Planet Love-CD. Danach waren wir so beschäftigt mit anderen Labels, daß wir eine Pause gemacht haben.

A (Stefan): Wir wußten auch noch nicht, wie man ein eigenes Label startet, waren uns noch nicht sicher genug. Es fehlte die Erfahrung zu diesem Zeitpunkt. Nach einer gewissen Zeit sieht man wie es läuft und man ist dann sowieso bereit, ein eigens Label zu machen.

A( Marco): Eigentlich ist die Idee, jetzt regelmäßig zu veröffentlichen, d.h. jetzt eine Veröffentlichung pro Monat auf Axodya herauszubringen mit unseren Sachen und mit Stücken von anderen Schweizern bzw. mit internationaler Beteiligung. Axodyo soll zu einem Hauptgewicht unserer Aktivitäten werden.

FP: Der Name Planet Love kommt mir bekannt vor. Woher stammt der?

A( Marco): Es gab 1989 hier in Bern ein Rave, der sich so nannte und da machten wir eine 7" Picture dazu. Mit dieser Platte wurde eigentlich das Project Planet Love geboren.

FP: Ihr habt ein extremes Low Profile Image. Es gibt diverse Platten, wo Eure Namen nicht draufstehen.

A: Es ist natürlich auch Absicht, daß nicht unbedingt immer die Namen dort stehen. Die Musik sollte für sich sprechen. Das ist immer wichtig. Wenn man die Platten hört, erkennt man schon, hinter welchen wir stecken. Unsere gemeinsamen Hauptprojekte sind Synectics und A3000. Solo sind wir aufgeteilt, Marco macht Planet Love, Bigeneric und Random Fluctuations und ich mache Box Blaze. Zweite Hälfte letzten Jahres kamen ein paar Platten von uns heraus. Jetzt war erst mal längere Zeit nichts und jetzt kommt eigentlich ziemlich viel. Nach dieser Veröffentlichungswelle wird eigentlich klar sein, wer dahintersteck, wo wir was machen.

FP: Du (Stefan) machst Box Blaze auf Kromode, Italien. Was ist das für ein Label?

A: Das Label wird gemacht von der Person, die auch Bochum Welt macht auf Rephlex. Ein sehr junger und lustiger Typ, der gerade sein Label aufbaut und auch auf unserem Label etwas machen wird.

FP: Wie ist der Kontakt länderübergreifend zwischen der Schweiz und Italien? Wie kam der Kontakt mit Kromode zustande?

A: Wir trugen auf einem Rave beide ein Rephlex T-Shirt und so kamen wir ins Gespräch mit ihm, und es stellte sich heraus, daß wir, so wie auch er, auf Rephlex veröffentlichen. Seitdem sind wir in Kontakt mit ihm, und er legt jetzt auch öfters auf bei uns. Der Kontakt geht aber in erster Linie immer über die persönliche Seite. Das ist so wie in jedem Land. Man hat seine drei vier Leute, die auf der selben Wellenlänge liegen. Nach Rom z.B. haben wir gar keinen Kontakt.

FP: Ihr habt aber auf Disturbance/Italien schon Platten gemacht?

A: Ja, aber Disturbance kommen aus dem tiefen Süden, aus Bari.

FP: Wie ist das mit Disturbance, es hat als Label einen schwierigen Stand in Deutschland. Die Distributers scheinen sich mit dem Material schwerzutun? Manche Sachen gehen bis in die New Age Ecke....

A: Ja. Manche bezeichnen Disturbance als das Replex Italiens. In der letzten Zeit sind auch ein paar trancige Sachen dort erschienen, aber das Umfeld war mit Minus Habens immer eine experimentelles. Die Stückzahlen der Veröffentlichungen sind nicht immer sehr groß, aber wir waren mit unserem Material auf dem Label immer sehr zufrieden und haben auch keine schlechten Kritiken gelesen. Wir sind ein bißchen enttäuscht von dem Feedback was Disturbance angeht. Wir werden bestimmt keine Anstrengungen machen, dort noch 20 Platten zu veröffentlichen.

FP: Ihr seid einer der wenigen Nicht-Engländer, die auf Rephlex produzieren!

A: Wir haben bis zu diesem Zeitpunkt drei Platten auf Rephlex herausgebracht, bzw wir warten darauf, daß sie erscheinen. Zur Zeit ist von uns unter dem Namen Synectics eine limitierte 12" in lila Vinyl draußen. Die eine Seite ist von uns und die andere ist von Ono aus Manchester. Es ist eine Art Promo, denn es erscheint noch eine LP/CD. Was vielleicht interessant ist, ist, daß wir das Material schon vor zwei Jahren `92/'93 Rephlex gegeben haben. Ich glaube aber, daß es allen Acts dort so geht. Es gibt eben eine extrem lange Wartezeit.

FP: Daß, was Ihr musikalisch macht, ist vielleicht in Ansätzen vergleichbar mit der Vielfalt von Projekten, wie wir sie in Deutschland nur von Atom Heart/Atomu Shinzu kennen. Es erstaunt dann auch nicht, daß Ihr zusammen mit ihm eine Platte gemacht habt auf Delirium, Synectics VS Atom Heart.

A: Seine Sachen haben wirklich eine Perfektion, sei es der Sound, sei es die Stil- Vielfalt, jetzt auch mit seinem eigenem Label Rather Interesting. Es stimmt einfach alles. Wir kennen ihn schon aus der Zeit, als er noch gar keine Platten veröffentlichte sondern nur Tapes machte. Persönlich ist er trotz seines Erfolges ein sehr bescheidener Mensch, nicht übergeschnappt und sehr angenehm. Ich glaube, daß wenn du nur Musik machst, das heißt nicht auflegst, dann muß zwangsläufig diese Vielfalt entstehen. Bei uns wie bei ihm. Damit nicht der falsche Eindruck hier erweckt wird, wir sind keine klassischen Studiomusiker, die in einem riesigen Sudio arbeiten. Wir arbeiten daheim noch immer auf kleinstem Raum. Es ist noch immer ein `Bedroom Thing', wie die Engländer es nennen und so soll es auch bleiben.

FP: Wie ist euer Wirkungskreis in der Schweiz, abgesehen von Plattenveröffentlichungen?

A: Wir sind seit eh und je auf Parties gegangen, so daß wir mit der Zeit die Veranstalter kannten. Wir haben somit ab und zu die Möglichkeit, das Booking für Raves zu machen. Wir sind zudem als DJs oder Live gebucht auf Raves.

FP: Wie sieht ein Live-Gig bei euch aus?

A: Wir werden sehr viel gebucht in den Chill Out Räumen und da machen wir schon auch komplexere Sachen, mit größeren Synths und Computern. Wir haben letzten Samstag einen Live-Gig im Dancefloo-rRaum gemacht, 100%ig analog mit reduziertem Equippment, und das macht natürlich auch Spaß. Du kannst das Tempo variieren und die Länge der Stücke. So etwas wie einen DAT-Auftritt lehnen wir kategorisch ab.

FP: Ihr macht dermaßen viel verschiedene Sachen, daß es für Leute außerhalb Eures Freundeskreises wahrscheinlich schwierig ist, Euch zu buchen, weil ihr nicht beständig eine Sache macht.

A: Das ist sehr interessant, daß Du uns das sagst, weil wir uns das erst letzte Woche überlegt haben. In der Schweiz werden wir zum Teil nicht verstanden, falsch verstanden oder nicht richtig wahrgenommen. Bei Rozzo z.B. ist das anders. Der macht Platten und DJed, bringt das alles auf einen Punkt und hat dadurch eine ganz klare Identität. Wenn wir uns nur einem Sound verschreiben würden, wäre das einfach für uns nicht so interessant. Ich glaube schon, daß man eine gewisse Vielfalt von Musik braucht, sonst hätten wir auch eine andere Form von Musik gewählt. Elektronische Musik ist eben noch ein enormes Experimentierfeld...

FP: Wie habt ihr beide angefangen?

A( Marco): 1989 fing ich mit Acid an, habe aber auch mit anderen analogen Sounds experimentiert. Ich war vor meinem Soloprojekt schon viel mit Bands unterwegs, z.B. Grauzone, und wir arbeiteten damals schon viel mit Synthezisern. Davor habe ich schon Schlagzeug gespielt. Wir wollten dann all diese Klischees über Board werfen............. Wir haben Performances gemacht, theaterähnliche Sachen und irgendwann habe ich angefangen, meine eigenen Projekte zu machen, weil es mit den anderen nicht mehr stimmte. Ich wollte mehr rhythmusbetontere Sachen, einfach diesen Dancegroove. Zu diesem Zeitpunkt kam die ganze Acidhousewelle auf uns zu hier in Europa und das hat mich sehr geprägt. Ich habe dann angefangen Sachen zu machen, die zu diesem Zeitpunkt keiner mochte. Das war ziemlich schlimm. Ich habe Tapes verschickt und man hat mir gesagt: "Du mußt das anders machen. Nimm ein anderes Tempo u.s.w.". Ich glaubte aber an das, was ich machte, auch wenn mir "kompetente" Personen was anderes gesagt haben. Ich habe dann Anfang 1990 mit Planet Love klassische Housestücke produziert, melodiösere Sachen. Das Experimentelle kommt dann auch eher von mir, obwohl wir das manchmal auch zusammen machen. Es vermischt sich zusehens. Ich mag natürlich sehr gerne Ambient. Ausschlaggebend dafür war, als ich mal Arnold Jarvis live gesehen habe. Es lief ein DAT und zu dem hat er gesungen, im Hintergrund liefen traumhaft schöne Flächen. Irgendwie hat das mich damals sehr inspiriert. Arnold Jarvis ist ein New Yorker Housesänger, der seine ganzen ersten Produktionen Ende der 80ger hatte. Von dort kam eigenlich dieses Ambientgefühl. Das konnte ich damals zum ersten mal spüren und definieren. Danach habe ich angefangen, Strings einzubauen und das hat mir immer mehr gefallen. Zeitweise habe ich das etwas übertrieben und bin davongeschwebt. Aber jetzt z.B. wird vieles wieder minimaler, aber ich glaube, daß sich das morgen wieder ändern wird.

FP: Stefan macht im Vergleich dazu eher Acidtracks?!

A: Ich mache minimale Acidsachen, nicht immer 303-Tracks, oft auch auch bleepige Stücke. Von mir alleine werden wahrscheinlich keine so überkomplexen Sachen kommen.

FP: Hat man es in der Schweiz besonders schwer, elektronische Musik an den Mann zu bringen?

A( Marco): Also ich weiß nicht ob das doof klingt, aber das nationale Bewußtsein hier ist überhaupt nicht ausgeprägt. Wenn ich zum Beispiel in Italien bin, sprechen sie von ihren Labels, ihrer Musik, in Deutschland auch. Da gibt es ja auch Erfindungen, z.B. mediteranen Italo-House, oder Trance in Deutschland. Das sind Sachen, die dort entstanden sind. Sie gibt es aber bei uns eigentlich nicht. Uns feht es hier an allem. An Produzenten, an Clubs, wir haben noch nicht einmal ein Presswerk für Vinylplatten! Hier gibt er schlicht gesagt eher eine Mentalität, die das Konsumieren dem Produzieren vorzieht. Die Leute kaufen sich eher eine Sample CD im Laden um die Ecke, als klein anzufangen mit zwei Geräten. Die Leute wollen direkt groß einsteigen, an die Spitze der Charts stürmen. Warum nicht Schritt um Schritt lernen, wie beim Autofahren? Die Schweiz ist einfach sehr klein und hat keine Infrastruktur. Alteingesessene Strukturen zählen hier mehr. Hier gibt es nur zwei oder drei Labels, die etwas musikalisch vergleichbares machen. Es wird hier vielmehr nach England, Deutschland oder USA geschielt. Man traut sich nicht mal, ein White Label oder so herauszubringen. Aber wer nichts riskiert, kann auch nichts zuwege bringen.

FP: Ihr macht also nichts regelmäßig in einem Club?

A: Nein. Wie gesagt, es gibt hier wenige Clubs mit einem regelmäßig guten Programm. Dafür häufen sich hier momentan die Raves.

FP: Vom Hörensagen sollen diese sehr gut sein. Das Line Up in einer Größenordnung wie dieser überrascht doch immer wieder durch seine Qualität.

A: Ja, es gibt zwei oder drei wirklich gute, schöne Lokations hier. Wir beraten ab und zu die Organisatoren. Das Ganze ist aber eher eine idealistische Sache von unserer Seite.

FP: Was kommt noch aus der Schweiz, was musikalisch von internationalem Interesse sein könnte?

A: Es sind sehr wenig Leute, die etwas gutes hier machen. Es gibt drei Labels, die ansatzweise so etwas machen wie wir.

FP: Was wird in der Zukunft auf Axodya erscheinen?

A: Die Axodya 4 ist elektronischer House, so fern man das so sagen kann. Die Rückseite ist chilliger.

A: Von Marko ist gerade eine Platte unter dem Namen Bigeneric auf Spacefrog erschienen, dem experimentellen Sublabel von Superstition, auf dem demnächst auch eine LP von ihm als Planet Love erscheint. Wir stehen zudem in Verhandlungen mit Analog Records, Communiqé und JJ.


Discography:

Stefan Riesen:
Box Blaze - Minimum Effective Frequency Vol I (Krommode 01, Italien 1995)
Box Blaze - Minimum Effective Frequency Vol II(Krommode 04, Italien 1995)
Box Blaze - Electro Bird EP (Essex Germany 1995)
Marco Repetto:
R. Epee 7  EP  (BZZ Klang 0477, Schweiz 1989)
R. Epee 7 UP LP (BZZ Klang 0048, Schweiz 1989)
Planet Love - Flowers Picture 7"  (1990)   
Planet Love - The Trip (Mighty Quinn 0041, Italien 1991)
Planet Love - Magic CD (Axoya Records 01, Schweiz 1993)
Planet Love - Magical Excerpts (Cosmic Trigger 02, Germany 1995)
Planet Love - Experience EP (Disturbance 008 Italien, 1993)
Bigeneric - Venydia 12" (Spacefrogs 04, Germany 1995)
Bigeneric - Myriades LP/CD /SpaceFrogs 07, Germany 1995)
Random Fluctuations - Lydernar EP (Kromode 02, Italien)
Marco Repetto/Manuel Mind
Energy Flesh - Jack Tracks EP (Trigger 09)
Energy Flesh - Slam Return (Trigger 12)
Marco Repetto & Stefan Riesen
Synectics - Purple Universe EP (Rephlex 006 England,1995)
Synectics - Ambient Split EP mit Ono (Rephlex 024 England, 1995)
Synectics - Purple Universe CD (Rephlex 006 England, 1995)
Synectics vs Atom Heart EP (Delirium 12 Germany, 1994)
Synectics - Audio Strike /Love Plug 10" (Axodya Schweiz, 1995)

A 3000 - Polarity EP (Disturbance 012, Italien 1994)
A 3000 - Magnetic Gliding  Double EP(Disturbance 015, Italien 1994)
A 3000 - Synchral Voltage EP (Disturbance 024, Italien 024)
TAB 2 - Split EP (T+B Vinyl 1009 Schottland, 1994)
RBR - DO It Fluid! EP (Essex  001 Germany, 1994)
RBR - 1- 3 - 2 Tracks (Essex 003 Germany, 1995)
Silver Zone EP (Delirium 017 Germany, 1994)
Silver Zone - Foggyfeel EP (Delirium 026 Germany, 1995)
Keep It Acid - Compilation (Axodya 02 Schweiz 1995)
CCC - Compilation (Random Records Schweiz, 1995)
Future Releases:
Repetto #1 - 4 Track EP (Axodya 04 Schweiz)
Bochum Welt - Phial EP (Axodya 05 Schweiz)


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