Advent
- FP: Was ist Advent für ein Projekt? Internal macht sonst zu 99% Intelligent Techno, oder?
- SF: Im Grunde genommen ist der Name Advent eine Internal-spezifische Angelegenheit. Und zwar haben wir einen Fünf-Jahresvertrag mit Internal. In dieser Zeit müssen wir fünf LPs veröffentlichen. Die 12"s, die es zur Zeit gibt, sind einfach Platten, die dem Projekt ein Profil geben sollen. Es ist schlicht eine Art von Werbung.
- FP: Das ist für die Technowelt ein ungewöhnlicher Vertrag!
- SF: Ja, sie wollen von uns Platten, wir wollen uns aber nicht festlegen. Wir haben unser eigenes Studio, produzieren unter anderen Namen für andere Labels, was für sie OK ist.
- FP: Für welche Labels macht Ihr die Platten?
- SF: Wir z.B. machen Platten für ITP Records unter dem Namen "Manuel & Clide". Die erste, die wir gemacht haben auf dem Label, war eine Platte, die sich B.C. nannte. Ein Undercover Projekt.
- FP: Das war eine der ersten englischen Platten, die den Basic Channel Spirit aufgegriffen hat.
- SF: Ja, das Material war besonders schwierig für Labels. Wir waren froh, daß sich ein Label dafür interessierte, im besonderen ein englisches. Ein weiteres Projekt von uns auf ITP ist Sargo, was in den nächsten Tagen herauskommen wird. Es werden aber auch weiterhin von uns Remixe auf anderen Labels kommen.
- FP: Was ist da geplant?
- SF: Vor kurzem haben wir Advent Remixe von "Be Yourself" gemacht für das schwedische Label Planet Rhythm. Was als nächsten kommt sind Remixe für die legendäre Rock-Electronic Band Hawkwind. Sie haben uns ihren ganzen Backkatalog von Stücken aus den 70igern gegeben und wir können uns Stücke aussuchen. Dann kommen noch Remixe für Fragile, für die ich die allererste Platte gemacht habe. Den meisten fehlt die erste Platte auf Fragile und sie haben die darauf folgenden von Carl Craig. Mit den Remixen wird auch das Original wieder aufgelegt werden.
- FP: Hast du sonst noch weitere legendäre Platten gemacht?
- SF:1990 habe ich Stücke auf der 4th Sign von C.J. Bolland gemacht. Von mir kamen drei Stücke, womit ich ein Drittel des Albums gemacht habe. Danach kamen noch Remixe, die während unseres Live Gigs beim Universe Rave aufgenommen wurden. Ich bin bei allen Live Gigs, die C.J Bolland machte, dabeigewesen, sei es bei Mayday e.t.c e.t.c.
- FP: Hast Du unabhängig davon selbst etwas gemacht für R&S?
- SF: Das erste mal, daß ich bei R&S war, war 1987, zu dem Zeitpunkt als man in Belgien keinen Techno kannte. Ich habe damals Chicago House produziert und frühen Detroit-Style. Meine Stücke waren 130 BPM schnell, aber alles in Belgien hatte so um die 90 BPM, war super langsam. Man hat New Beat aufgelegt und die seltsameren House-Sachen, wie Lil Louis "French Kiss". Es war so, wie wenn man Klassik-Fans House-Musik verkaufen möchte. Sie haben nicht wirklich darüber gelacht, aber....... Ich glaube, ich war die erste Person aus England, die mit R&S zusammenarbeitete, zu einer Zeit, als Renaat noch kommerzielle Sachen gemacht hat wie Code 61. Ich habe Renaat damals bekannt gemacht mit Carl Craig und Derrick May, mit Techno überhaupt. Renaat wußte zu diesem Zeitpunkt von dieser Art von Musik nichts. Ich habe Platten auf R&S gemacht unter dem Namen Space Hopper, The Project und Cisco Ferreira. Mein Stück "Here We Go" auf R&S wurde dann lizensiert für Fragile. Als ich 1988 R&S verließ, fing C.J. Bolland bei ihnen an.
- FP: Ich muß nochmal auf Euren 5-Jahres-Vertrag zurückkommen. Deine Produktionen aus der Vergangenheit waren sicherlich der Grund für Internal?
- SF: Die Sache ist, daß wir so viele auch schlechte Erfahrungen gemacht haben mit kleinen Labels, die von dir verlangten, daß du dich für sie einsetzt, du selbst aber hast nicht so viel davon. Momentan ist es so, daß jeder versucht, ein wenig bekannter zu werden, ein paar Gigs zu bekommen, was funktioniert. Früher hast du keine Gigs bekommen und du warst angewiesen auf deine 14% von jeder verkauften Platte. Du konntest davon natürlich nicht leben. Jetzt, wo es einen besseren Markt gibt, da ist es besser mit jemandem zusammenzuarbeiten, der viele Platten veröffentlichen kann. Die Sache ist natürlich, daß wir volle Kontrolle haben über unser Projekt. Das ist schriftlich fixiert worden. Wir können machen was wir wollen.
- FP: Ihr seid das einzige Danceprojekt von Internal?
- SF: Nein, es gibt noch Orbital und Salt Tank. Für die letzteren haben wir die Tracks neu abgemischt. Gerade jetzt hat Internal auch C.J. Bolland gesigned. Er arbeitet somit nicht mehr bei R&S.
- FP: Wie ich es verstehe, sind eure 12"s aus dem Grund hart zu kriegen, weil sie limitiert sind und eher als Promos intendiert sind. Gibt es trotzdem eine Chance, die Platten noch einmal kaufen zu können?
- SF: Wenn wir die erste LP veröffentlicht haben, werden wir die 12" wiederveröffentlichen, mit diversen Remixen. Bisher haben wir von jeder Platte nur 1000 gepreßt, nicht mehr. Der großen Nachfrage wegen werden wir aber in der Zukunft 2000 pressen. Unsere nächsten beiden Platten 007& 008 werden wir in Detroit pressen lassen.
- FP: Wie hast Du angefangen Musik zu machen?
- SF: Nach der Schule habe ich Tontechniker studiert. In dem selben Gebäude war damals ein Label mit dem Namen Jack Tracks, eines der allerersten Houselabel in England, die damals viele US-Klassiker lizensiert haben. Sie haben damals das Technostück überhaupt, Derrick Mays "Strings Of Life" in England veröffentlicht. Ich habe im Studio Marshall Jefferson , Fingers Inc., Derrich May und anderen geholfen, beim Mischen e.t.c. Ich habe mir dann irgendwann einmal gedacht, daß ich das auch kann und habe gelernt, wie man mit den Keyboards umgeht. Zu einem Zeitpunkt, wo es noch keine Computer-Sequenzer gab. Das war 1986. Ich arbeite nun als Tontechniker seit 8 Jahren, aber ich mag das eigentlich gar nicht, weil ich oft Tracks abmischen muß, die mir nicht gefallen. Es ist sehr langweilig. Ich habe Leute geremixt wie Robert Plant, Malcom McLaren & John Lydon von den Sex Pistols e.t.c......1988 habe ich Colin kennengelernt und wir hatten ein Projekt mit dem Namen KCC. Zu dem gleichen Zeitpunkt haben wir unter dem Namen "Constant Ritual" auf dem Network Biorythm-Sampler auch ein Stück veröffentlicht. Das Stück hieß "Hard Way To Come" und war von uns beiden und der Person aus Detroit, die sich Fade To Black nannte. Zu der Zeit sind wir total abgefahren auf Techno. Es gab in London nur eine kleine Gruppe von Leuten, die den Sound mochten. Vielleicht 2000 Leute im Ganzen.
- FP: Legt Ihr beide auch Platten auf?
- SF: Colin kam vom DJen zum Produzieren, bei mir war es umgekehrt. Ich DJe nun seit drei Jahren.
- FP: Bei Eurer neuen Platte, sowie bei der davor gab es auf einer Seite immer ein Electro Stück. Wie war das mit Euren anderen Platten und warum war es so?
- SF: Für mich ist Electro der Anfang von allem und ich mag es sehr gerne. Electro als Street Version von dem, was Kraftwerk gemacht hat, fand sich auf so Klassikern wie Man Parrish, Nucleus u.s.w. Sogar Juan Atkins hat damals Musik gemacht und deshalb schätze ich ihn so sehr. Mit Derrick May ist es so, daß er seit langem nichts gemacht hat, aber vielleicht wartet er auf den richtigen Augenblick, um dann mit etwas völlig neuem zu kommen. Das wäre toll. Electro ist etwas besonderes für mich. Ich habe damals Break Dance gemacht, Grafitties gesprüht........ich war voll in der Szene.
- FP: Jetzt gibt es so etwas wie ein Revival! Clear Records in London e.t.c..
- SF: Ja, aber das ist erst seit kurzem. Für mich sind es Underground Resistence, die es als erste wieder aufgegriffen haben und die es am besten gemacht haben, Drexciya........ Es gab auch in England schon vorher Vertreter wie Autechre, die für meinen Geschmack so etwas gemacht haben wie "Light Weigh Techno". Sie haben die 808 und den Electro Touch, aber es bringt dich nicht zum Tanzen. Das ist es, was uns fehlt, auch momentan. Ok, manche Sachen mag ich auch, wie z.B. Jedi Knights. Aber die Sache ist ja, wer macht den ersten Schritt und spielt Electro nach einer Luke Slater- oder Jeff Mills-Platte? Wie es im Moment aussieht, ist es so, daß jeder darauf wartet , wer den nächsten Schritt macht, so daß er sich dranhängen kann.
- FP: Wie ist das mit Jungle momentan? Wie stehtst du dazu?
- SF: Das ist so, jedesmal wenn wir wegfahren aus England in irgendein anderes Land, haben wir den Eindruck, daß dort die Leute Techno dort eher akzeptieren als bei uns. Im Norden von England ist es immer anders gewesen, da hören die Leute jetzt noch gerne Techno, aber in London war die Soul/Reggea-Szene immer größer. Das kann einen schon stören, wenn man dort lebt. Die einzigen DJs, die Techno im Radio supporten, sind Colin Dale und Colin Favour. Vier Stunden Techno in der Woche im Radio - das ist alles, was du kriegst.
- FP: Wenn man sich Eure Platten anhört, fällt auf, daß Ihr den Jeff Mills Vibe für euch aufgegriffen habt.
- SF: Ja das stimmt. Für mich hat Jeff Mills Techno eine andere Dimension gegeben. Er hat diese Art von Verzerrung hinzugefügt, bei der die Energy nicht verloren geht. Wir mögen diese Art von Energy, die er schafft, wenn die Hi Hats schnell schlagen. Wir machen Stücke, die man auflegen kann, wenn nichts mehr geht. Stücke für den Höhepunkt des Abends. Luke Slater hat eine so ähnliche Vorstellung, und als seine erste Planetary Assault Systems auf dem Markt war, dachten hier viele, es wäre Jeff Mills.
- FP: Werdet Ihr in der Zukunft auch Live Gigs machen?
- SF: Im August werden wir uns einem Live-Konzept widmen und spezielle Stücke einüben, veröffentlichte und neue. Wir werden dann in Europa auf Tour gehen. Für mich mit meiner Erfahrung mit C.J Bolland ist das kein Problem, Live zu spielen,
Viele zu dem Zeitpunkt wie GTO haben nur ihr DAT laufen lassen, ich hasse das. Bei uns wird alles Live sein, wir können das Tempo kontrollieren, eben auf das Publikum eingehen.
Discography/ The Advent:
White CCCB1
Red CCCB2
Yellow CCCB3
Orange CCCB4 -The Time EP
Sky Blue CCCB5 - The Interference EP
Coming:
Green CCCB6 & Now & Then EP
Black CCCB7
Purple CCCB8

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