Interviews 4.10


Stefan Riesen & Marco Repetto - Axodya Records

Stefan Riesen und Marco Repetto, seit 1989 aktiv, gehören zu den konsequentesten Vertretern der Schweiz in Sachen elektronischer Musik. An die 40 Platten haben die beiden zusammen herausgebracht, unter anderem auf so bekannten Labeln wie Rephlex, Trigger, Drop Bass Network, Generator (USA), Disturbance, Delirium, Superstition und ihren eigenen, bz.w. neuen Labels wie Axodya, Essex, Krommode e.t.c.
Ihr eigenes Label Axodya Records bildet somit nur die Spitze eines Eisberges von Veröffentlichungen, die von Chill Out, Listening Techno bis zu Dancefloor ambitionierten Acid und Techno gehen. Axodya hat schon mit seiner zweiten Veröffentlichung, eine Compilation mit Mike Dread, Roland Casper, Mike MC Coy (Atom Heart) und ihnen selbst, Zeichen gesetzt, was den momentanen Stand von Acid angeht.
Ihre gerade erschienene 10" Synetics knüpft an progressive Detroit Einflüsse an und wird sicherlich auch in Deutschland auf starke Resonanz stoßen.
Triple R sprach mit ihnen:


The Advent

The Advent sind in Londons Underground eine treibende Kraft geworden, durch ihre ersten 12"s auf Internal. Platten, die man hier in Deutschland selten bekommt und um die sich die DJs reißen. Stücke, die in der Tradition von Jeff Mills, Luke Slater und Dave Angel stehen und somit eine Kombination aus experimentellen Bausteinen mit dancefloortauglicher Wirksamkeit sind.
Die Personen hinter The Advent sind der 24jährige Cisco Ferreira und der 33jährige Colin McBean. Beide haben schon in der Vergangenheit Londons Clubszene mit diversen Platten am Leben erhalten, meist anonym. An Cisco Ferreiro klebt eine Menge Geschichte, war er der erste Engländer, vor Dave Angel oder C.J Bolland, der auf R&S schon zu New Beat Zeiten Platten veröffentlichte. Unglaublich auch die Tatsache, daß er 1988 die erste Platte auf dem Sublabel von Transmat, Fragile schrieb. Einigen hierzulande dürfte Cisco Ferreira noch durch seine Live Auftritte mit C.J. Bolland auf der Mayday im Gedächtnis geblieben sein, war er doch die Person, die hinter Bolland die Fäden zog.
Genau das aber, im Hintergrund anderer zu stehen, will man jetzt nicht mehr, da sich der Markt für Techno verändert hat und man nicht mehr von Royalties abhängig ist. Das Resultat war die Gründung von The Advent!
Triple R sprach mit Sisco Ferreira.


THE CONNECTION MACHINE

Eine der wundervollsten Platten, die in der letzten Zeit erschienen ist, war Connection Machines tiefblaue EP auf Planet E. Viele waren erstaunt, daß es Leute aus Holland waren, die hier plötzlich alle Gesetze auf den Kopf stellten und mit einer ganz eigenen Vision von Musik gerade auf Carl Craigs Label Planet E erscheinen. Eine Mischung aus ruhigen Tracks, unter denen man immer eine extrem intensive Energie spürt, eine Gewalt, die sich einfach in der Musik auflöst, aber trotz allem immer präsent ist. Connection Machine sind Natasja Brandjes und Jeroen aus Utrecht. Ihre sehr eigenwilligen, mal scharfkantigen, mal unendlich tiefen Tracks scheinen stellenweise so weit von Techno entfernt wie nur möglich, fallen aber immer wieder in genau diesen Bereich zurück und wollen im Grunde Tanzmusik sein.
Vielleicht ist es mal wieder an der Zeit, neue Arten von Tänzen zu erfinden oder neue Menschen, die wieder zu allem, was sie berührt, tanzen wollen. Besonders die Utrechter-Undergoundszene ist immer wieder vergessen worden, obwohl sie mit einigen interessanten Sachen aufwarten kann. Und alles gruppiert sich um die Awax Foundation, Drome Tapes und natürlich U Trax.
Ein sehr intensiver Underground von Producern, die sich alle verschworen haben, keinen Millimeter von ihren Vorsätzen abzuweichen, wie schwierig es auch für sie sein mag. Und für Connection Machine scheint sich alles hervorragend zu entwickeln.


Ersatz Audio

Detroit kommt in die Jahre. Eine Stadt, in der soviel an House- und Technogeschichte gelagert ist, kann einen fast erdrücken. Überall nur Legenden. Aber langsam hat sich eine kleine Szene von Musikern herausgebildet, die nicht direkt aus der Techno-Ursuppe hervorgehen und ganz eigene Wege beschreiten, die vieles aus dem Gleichgewicht bringen werden. Adam Lee Miller und sein noch ganz neues Label "Ersatz Audio" ist einer von ihnen. Sein Ansatz ist ganz anders als der von Musikern.
Er ist noch viel mehr Techno als viele der heutigen Technostars, wenn man zugrunde legt, daß Techno das Ende des Musikertums sein wollte. Er produziert seine Musik nach mathematischen oder graphischen Vorlagen. Er erfindet Strukturen am Computer und hört sich danach an, was dabei entstanden ist. Im Grunde ist es eine Art Musik, die, wenn sie nicht so klingen würde, wie sie aber nun mal klingt (einzigartig, erfrischend, natürlich und gleichzeitig wie von einer anderen Welt), jedem sofort den Vorwurf des akademischen, des zu künstlerischen einbringen würde.
Aber bei Adam Lee Miller scheinen sich endlich wieder mal Experimetalität und Eingängigkeit zu treffen. Seine Musik wird sicher in den nächsten Monaten mit zu dem spannendsten gehören, was Techno aus Detroit zu bieten hat.


Funk For The Future

Mit Interdimensional Transmissions hat Detroit wieder ein Elektrolabel, das es ernst meint mit dem Erbe des hier in Deutschland in Vergessenheit gebliebenen Musikstils.
Dabei ist Elektro eine der wichtigsten Grundlagen für die gesamte Technogeschichte.


Hans Nieswandt

Als DJ Sneak vorigen Monat im Berliner E-Werk gebucht war, hing er den halben Nachmittag entweder in meiner Hängematte, oder wir saßen an meinem Plattenspieler, um uns unsere Neuerwerbungen vorzuspielen. Eine der Promos, die er noch nicht kannte, war Brian De Palma.
Schon das Intro, in dem sich eine Jeff-Mills-artige Horror-Streicher-Sequenz rasend in den Raum frißt, um uns dann mit einem fulminanten Discowumms in eine neue Welt der Grooves zu entlassen, holte Sneak aus der Rückenlage. Als er dann abends Moon Huh spielte und es nahtlos in die DanceManiaReliefCajualHenryStreet-Walze paßte, begriff ich, was seit Flyin' High mit Whirlpool Productions passiert war.
Hans Nieswandt, Vinyljunkie, angehender Vater und freier Journalist, ist der Mann in der Band, der neben seinen DJ-Beiträgen zu den diversen Releases und der gerade beendeten Promotion-Tour auch die Öffentlichkeitsarbeit übernimmt und so habe ich einen Interview-Termin mit ihm, den wir kurzfristig verschieben, weil er für Strictly Rhythm einen Megamix abliefern soll. Am nächsten Tag dann:


the war of the ilsas

Zuerst gab es Ilsa Gold, die mit ihrem Track "Silke" zu einem der lustigsten und beliebtesten Acts der Raveszene avancierten. Doch dann tauchten auf einmal die Sons of Ilsa auf, die mit ihrer überraschenden EP "Die Zipfelmütze, der Handwagen und die Gummimuschi" mit dem für Gesprächsstoff sorgenden Cover (wg. Sven-Väth-Verarschung) für Verwirrung sorgten…
Niemand wußte, wer ist was?
Ilsa Gold waren nicht zu sprechen, zu Tisch oder im Ausland… Aber:


Neil Landstrumm


Von Triple R.

Cristian Vogel steht in meiner Wohnung und ist völlig aus dem Häuschen: "Dies ist einer der größten Talente seit langem und er wird eine Platte auf meinem Label Moskito machen." Die Rede ist von dem 18jährigen Schotten Neil Landstrumm, den er bei einer seiner Live-PAs im Club Sativa kennengelernt hat. Die Stücke auf dem Tape sind sehr bizarre. Auf der einen Seite sind es Jazz-Stücke mit kräftiger 909 Bassdrum, auf der anderen Chicago Trax. Cristian Vogel darf sich als Ziehvater des Neil Landstrum verstehen, dem er nicht nur beigebracht hat, was es heißt, eine fette Produktion hinzulegen.
Die erste Platte produzierten sie gemeinsam. Neil bringt seine 303 nach Brighton und an einem Nachmittag macht man die Platte. Sie erscheint kurze Zeit später auf dem neugegründeten Label Sativa.
Durchschlagenden Erfolg hat er mit seinem Release auf Moskito, Neil Landstrumm - The Paskal EP, die als DJ-Tool in allen Plattenkoffern dieser Welt zu finden war. Die vielleicht größte Überraschung war seine Platte auf Peacefrog, The Index Man EP, die man schon jetzt als die überzeugendste, auf Daniel Bells Spuren wandelnde Platte des Jahres 95 bezeichnen darf. Auffällig ist hier auch das selbstbewußte Auftreten und die Risikobereitschaft, einfach aus dem Schatten eines Daniel Bell zu springen, denn Kopien des DBX Style gibt es wie Sand am Meer.


Source Records

Das Heidelberger Label Source Rec. hat sich von seinen Anfängen an als Geheimtip in einer Szene plaziert, die eigentlich erst erfunden werden müßte…


Stickmen

In der europäischen Clublandschaft nimmt das Toronto-Label Stickman einen bestimmten Platz ein. Kein anderes amerikanisches House Label hat es geschafft, derart in die Technolandschaft einzudringen und massenhaft Techno-Freunde zum House-Ufer überlaufen zu lassen. Der Grund dafür liegt in dem Stil von Stickman. "Rougher" House, übersichtlich arrangiert, im Sinne von Progressive House, mit einer ungewöhnlich fett produzierten, lauten Bass Drum, liegt seit der Dave Clarke Hysterie voll im Trend und findet in Stickmen Records einen konsequenten Vertreter. Warum aus den USA gerade eine solch bizarre, fast schon mit einem europäischen Verständnis geschaffene Musik kommt, muß verwundern.
Mit der aktuellen Veröffentlichung der Stickmen Double 12" Direct Disc, von den Machern des Labels selbst, ist wieder ein Dancefloor Garant geschaffen worden.
Triple R sprach mit Paul Mintsoulis und Greg Zwarich von Stickmen.


Subvoice Electronic Music -Tokyo

Subvoice Tokyo ist eines der ersten japanischen Label, das neben seinen Listening Stücken auch niveauvolle, härtere Technotracks abgeliefert hat. Ihre zweite Veröffentlichung Vampirella fand Anklang rund um den Continent und so kann man viel erwarten für die Zukunft. Auch andere scheinen die Qualität des Labels schon erkannt zu haben und so wird auf dem nächsten Vinyl ein Mix von DBX zu finden sein.
Triple R sprach mit den Machern des Labels Hideo Sakumsa und Namie Ito.

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