The Frontiers of the Raving Society

<Zille                                                      Blake Baxter >

Raving Society kein Jahr ist es her, dass dieser Begriff erfunden wurde. Ob man will oder nicht, eins muss zur Kenntnis genommen werden: Noch nie hat eine Musikrichtung die ganze branche so durcheinandergewirbelt wie Ravemusik und Tracks, die auf Raveriffs beruhen:

Im Ausland wird das Ganze oft als German Happy Hardcore bezeichnet. Melodic Techno, Ravy Techno oder wie auch immer sind andere Bezeichnungen. Eine Compilation mit Rave-Remakes und Techno-Covers von NDW Hits nennt sich dann auch folgerichtig Neuer Deutscher Dancefloor. Der Übergang zum stumpfen Deppentechno scheint fast fließend zu sein. Tatsache ist, daß es diese Musik ist, die derzeit 85 % aller Single-Chart-Entries ausmacht und der Trend erkennbar ist, daß Titel tendentiell eher technolastiger werden bzw. der Anteil von Technotracks zunimmt. Eine überragende Rolle im Rahmen dieser Entwicklung spielt das Label Low Spirit, deren Acts Marusha und Marc Oh auf diesem Sektor zunächst eine Pionier-Rolle spielten. Während Marusha zusehends den schweren Weg anzutreten hat, um von ihrem Somewhere over the Rainbow Image fortzukommen und Marc Oh nach allen Platin-Platten mit einer zumindest überraschenden Gabberplatte mit Asi-Punk Sample "Droste, hörst Du mich" ihren Erfolg verarbeiten. Die Charts sind voll von Low-Spirit- Epigonen wie Dune und Charlie Lownoise/Mental Theo sowie von Coverscheußlichkeiten wie "Das Modul" und den dümmsten Techno-Coverversionen alter Schlager. "Derzeit geht alles...", so der A & R einer großen deutschen Major Company, die all ihre in die Vergessenheit geratenen Rock-Producer anhaut, schleunigst ein paar Techno-Remakes nachzulegen, sonst wirds nix mit der Vertragsverlängerung.

Eine andere Entwicklung ist, daß Acts, die vor zwei Jahren noch Stars einer Undergroundszene waren, wie z.B. Ravers Nature, Genlog oder RMB mit ihren Tracks mühelos die Top 50 erreichen können, ohne ihren Musikstil wesentlich verändert zu haben.

Was bedeutet das?

Gibt es die inzwischen geknackte Supersuccessformel des Kommerztechnos. Gibt es noch irgendwelche Grenzen zwischen Gut und Böse. Die drei genannten Acts der sog. 2. Low Spirit Generation basteln gerade an Alben. Frontpage sprach mit den Herren der Raveszene über den Stand der Dinge.

Interview Ravers Nature


Interview RMB


Interview GENLOG



Ravers Nature

Ravers Nature sind vielleicht der Rave Act schlechthin. Ihre ersten Singles "The Spirit of Technology" und "Lost in Space" erschienen auf dem längst verblichenen Bash Label und verkauften dort jeweils 1.500 Exemplare. Das war 1992. Heute ist Ravers Nature bei Camel Move Award der beliebteste Rave Live Act der Republik, gerade mal mit "Take Off" bis auf Platz 27 der Verkaufscharts vorgedrungen und Roy Ströbel und seine Mannen Pedro "Ferrero" Ferrari und Jon Bon "Bugatti" Bogota bringen gerade mit "Stop Scratchin" die nächste Hit-Single auf den Markt und arbeiten an ihrer LP. MC und Ravers Nature Superhirn Roy Ströbel gilt bei seinen Fans als umjubelter gute Laune- Hardliner, seinen Kritikern als Stalinist des Happysounds. Das bayerische Urgestein des Techno mit Brille im Frontpage Interview launisch:

Wie erklärst Du Dir Euer Standing als erfolgreichster Rave- Act.

Ach so. und was ist er zu Scooter?

Seht ihr Euch als typischen Low Spirit Act?

Wie ist Stop Scratchin', der Titel Euer neuen Single, gemeint? ist das Eure Antwort auf Star Washs Disco Fans?

Ist die Raveszene gespalten?


RMB

Rolf Meier Bode und Farid sind als RMB einer der populärsten Low Spirit Acts, die mit Redemption bis hoch in die Single Charts vorstießen. Ihre neue Single heißt "Love is an Ocean". Bereits vor 91 war RMB als Main Act auf Adam & Eve und Le Petit Prince erfolgreich.

Ihr arbeitet momentan an einem Album. Wie wird das werden?

Würdet Ihr Euch als typischen Low Spirit Act sehen?

Auf Raves tretet ihr wie klassischen Popstars auf. Seht ihr euch selber so?

Wie seht ihr generell den Stand der Rave-Szene? Was macht Euch am meisten Spass? Was nicht.

Wo seht ihr denn die Grenze zu Acts wie Pharao und das Modul? Wo kann man zwischen gut und böse unterscheiden.

Habt ihr auch bei Grossveranstaltungen schlechte Erfahrungen gemacht?

Wer ist denn das richtige Publikum?

Das hört sich ein bisschen nach Gottlieb Wendehals an. Ravers Natures Roy bestreitet dies ja nicht mal. Was meinst Du zu Gottlieb Wendehals?


GENLOG

Genlog sind seit ihrem 91er Überflieger "Mock Moon" einer der gefragtesten deutschen Rave-Live Acts. Die Aktivisten der ersten Stunde haben geholfen, Techno im Ruhrgebiet groß zu machen und haben mit "Airwalk", ihrer neuen Single wieder einen großen Ravehit am Start.

Ihr seid einer der klassischen Rave-Acts, wie findet Ihr die Rave- Szene im Moment?

Was waren für Euch die positiven und negativen Erfahrungen in der letzten Zeit?

Welche siehst Du da?

Ihr seid Aktivisten der ersten Stunde der Ruhr-Area. Techno ist eine Massenbewegung, viele sind im TechnoRausch. Kann das zu Folge haben, dass man einen Qualitätsverlust, bzw. einen Verlust von Inovation hat?

Wie wird die LP heissen?

Wie seid ihr auf den Namen gekommen?

Wie kommt ihr mit dem Medium LP zurecht? Ist das jetzt eine neue Herausforderung aus der Raveszene mit LPs zu starten?

Mit wem feiert ihr am liebsten? Liegt es nicht auch daran, dass die Leute, mit denen wir damals gefeiert haben, jetzt ihr Abitur haben. Ist jetzt das ganze Genre der Ravemusik wie Menschen ohne Schamhaare?

Hat Genlog den typischen Low Spirit Sound?

Wo zieht ihr die Grenze?

Es gibt auch genauso viele andere...


<Zille                                                      Blake Baxter >

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