DJ Tom
<Dave Angel Formic Records >

FP: Ihr habt soeben mit Motor einen Deal abgeschlossen und euren
Clubhit "It's our
future"(Yeahhh!) signen lassen. Was ist da
für euch rausgesprungen?
Alex Plastic: Was da rausgesprungen ist? Also, erst mal kann man
nicht sagen, daß wir ihn haben signen lassen. Urban ist an die
Künstler herangetreten und die Sache war die, daß ich erst
mal ultra schlechte Laune hatte, weil diese ganze A.W.e.X.
Geschichte ein Projekt war, daß auf einer sehr freundschaftlichen
Basis angefangen hatte und nicht dazu geschaffen war so abzugehen,
wie es im Moment abgeht.
Wer sind die Freunde und Künstler?
Das sind DJ Tom und Thorsten Adler die auch Microbots und
Arpeggiators machen. Und eigentlich war ja mehr die Microbots-
Geschichte jetzt auf Sony ein kommerziell angelegtes Projekt.
Daher hatte ich schon ein gewisses, sehr Artist bezogenes Pojekt.
Sie hatten damals für die zweite Plastic City noch einen
Psycho Drums Remix gemacht und der gefiel mir so gut, daß ich sie
so lange zulaberte, mit 10"lockte und dann
hatten sie auch Bock drauf. Eine halbe Stunde später als wir
darüber gesprochen hatten, riefen sie noch einmal an und
saßen auch schon an dem Track "It's our
future". Es war also eine sehr spontane Geschichte und das
spiegelt sich auch in dem Track wieder.
Und dann kam die Anfrage von Urban. Da war ich nicht besonders
erfreut, da ich mit Majors schlechte Erfahrungen gemacht habe, wie
sie den Independent Bereich halt so als Techno-Supermarkt sehen
und mal 10.000 DM auf den Tisch legen und die Jungs dann alles
machen. Sie hatten aber angesprochen, daß sie das gerne aus
Prestige machen würden, weil sie auch andere Sachen haben,
die halt nicht so toll sind. Ich habe Sascha Basler gesagt, 10.000
Platten zu verkaufen schaffen wir auch alleine. Wenn, dann
müssen wir noch mal zusammen Vollgas geben. Und die
Zusammenarbeit fruchtet ganz gut. Jeder deckt seinen Bereich ganz
gut ab.
Habt ihr mehr Werbebudget, wurden Remixe in Auftrag gegeben,
bessere Presse?
Ich habe gesagt, wenn wir es mit Motor machen, dann möchten
wir Anzeigenschaltungen und daß die Artworks, die wir von Marc
Bohre von Cebra Gestaltung entwickeln lassen haben, beibehalten
wird.
Wir hatten keine Lust in einer Urban Tasche in die Läden zu
kommen. Weiterhin haben wir um Unterstützung im Media Pool
gebeten und man muß wirklich sagen, was Spitze ist, ist der Urban
Verteiler, also der DJ-Pool. Das funktioniert wirklich super. Und
der Kontakt mit den Leuten ist sehr locker. Ganz im Gegensatz zu
einer Firma, die sich nach Himmelsrichtungen benennt.
Es soll doch auch Remixe geben, oder?
Ja, auf der CD werden gleich zwei neue Remixe sein. Einer von
Norman, der ist etwas raviger, aber troztdem sehr geil.
Norman von Tom+Norman, also friendship?
Ja, und er hat es auch als Norman geremixt. Übrigens wird
Norman demnächst auch unter Terry Lee Brown auf Plastic City
erscheinen.
Sehr Chicago-mässiger Name.
Ja, es wird ein sehr housiger Release. Dann wird noch ein Watchman
Rmx kommen, das ist Normans Projekt auf Phuture Wax, Toms Label.
Den hat er einfach aus Spaß gemacht. Und dann haben wir aus
England noch einen Carl Cox Mix. Der ist halt namensmäßig.
Den haben wir im Austausch mit einem Lizenzdeal dazu gekriegt.
Wer hat euren Track in England lizensiert?
Unity Records, das ist das Underground Label von PWL. PWL kennen
wir noch durch das Karo, wo groß PWL steht und das ist nichts
anderes als das Label von Pete Walterman, der durch Produktionen
wie Rick Astley und Kylie Minogue etc. bekannt ist. Aber die haben
sich im Underground inzwischen ziemlich breit gemacht und haben
mehr als zehn Plattenläden, die ihnen angeschlossen sind, und
beobachten da was im Underground passiert, wirklich genau. Sie
haben schon eine ganz gute Struktur. Wenn erst mal etwas im
Underground erfolgreich ist, können sie sofort in die
breitere Vermarktung gehen.
Und was passiert jetzt mit Dj Toms Projekt noch, bekommt ihr eine
Videoproduktion und wollt ihr gechartet werden?
Also, erst mal kurz gesagt, DJ Tom nennt sich jetzt Tom Wax, denn
es gibt einfach zuviele DJ Tom's. Wir haben jetzt auch ein Video
gemacht, aber das haben wir schon vor dieser ganzen
Urbangeschichte geplant, weil wir soviele Auslandslizensierungen
hatten. Und ich investiere das Geld von einem Produkt, das ganz
gut läuft eben gerne wieder in das Projekt. Und da wir
für das Follow Up von "Its our
future", "Back on
Plastic"schon ein Video in Angriff genommen
hatten, wieder mit Cebra Design und einem befreundeten
Videokünstler, wurde es gerade abgedreht. Ich habe es leider
noch nicht gesehen, aber es wird wohl ein sehr experimentelles
Video werden. Wir werden da auch keinerlei Zugeständnisse
machen, wie bei dem ganzen Projekt. Wir werden jetzt nicht
irgendwelche Mädels tanzen lassen, nur damit sich da
irgendwelche Leute vorm Fernseher aufgeilen können. Entweder
man akzeptiert das Projekt so, wie es ist, oder halt nicht. Das
angestrebte Ziel ist eigentlich so ein Status wie The Prodigy ihn
z.B. hat.
Auch nicht wenig.
Ja, auch nicht wenig, immer hoch gesteckte Ziele.
Ihr als Plastic City werdet über MMS vertrieben, und es
kommen da Gerüchte auf, dass noch niemand bezahlt worden
ist.
Es gibt ein paar Zahlungsprobleme bei MMS, was ja wohl schon jeder
in Deutschland wissen dürfte. Und das hemmt natürlich
etwas den Fluß von den Sachen. Ich hab z. B. schon verschiedene
Releases, die ich zurück halten mußte, denn ich kann
natürlich nicht immer Platten liefern, wenn es von den
vorherigen Erscheinungen noch keine Abrechnungen gibt. Da mußte
ich natürlich den Fluß von Nachlieferungen einschränken,
und da beginnt der Punkt, wo ich das nicht mehr vor den
Künslern vertreten kann. Wir haben halt deutlich gemacht, daß
wir unsere Zahlungen haben wollen und wie sich die Sache jetzt
weiter entwickelt, wird man mal sehen.
Wie siehst du den Technomarkt? Philosophiere!!!
Man muß leider beobachten, daß viele Leute, die schon lange dabei
sind, sich gewissen Strukturen beugen, und kurzfristig das Geld
sehen. Ich kann auch verstehen, daß die Leute Geld verdienen
wollen, aber auf der anderen Seite muß man auch den Aspekt
betrachten, daß man auch wirklich für das einsteht, was man
angefangen hat. Für mich gibt es im Moment aber auch keinen
richtigen Undergound mehr. Die seltsame Beobachtung, die man
machen kann, ist, daß immer wenn Leute aus dem Underground eine
Nummer gut finden, und wenn diese Nummer auch noch Erfolg hat, im
größeren Sinne vielleicht auch noch in die Charts geht, dann
werden die Leute immer sofort vom Underground rausgeschmissen. So
von wegen, oh Gott, du hast ja Erfolg, du kannst nicht Underground
sein.
Ich bin der Meinung, es gibt nur schlechte und gute Musik, und ich
denke auch im Underground gibt es genauso viel Müll, wie im
kommerziellen Bereich. Das Undergrundgehabe ist Quatsch. Es gibt
immer Leute, denen etwas nicht gefällt, aber man muß doch
nicht gleich aufeinander losgehen, man kann sich doch dran freuen,
wenn jemand Erfolg hat. Solange du dein Ding durchziehst, und
keine hochgepitschten Vocals in deine Technonummern baust, um dem
Markt gerecht zu werden, muß man doch eine gewisse credibility
bekommen, nicht gleich ausgestossen oder schlecht angeschaut
werden.
Im Underground ist dann immer alles ganz toll, was aus dem Ausland
kommt, obwohl doch ein Armand van Helden auch einen Capella Remix
machen kann. Wenn jemand einen guten Mark'oh Remix macht, dann
wird er in Deutschland wahrscheinlich total gedisst. Da sollte man
sich vielleicht mal etwas lockerer machen. Den anfänglichen
Community Gedanken gegen feste Strukturen, sollte man vielleicht
durch konstruktives Zusammenarbeiten wieder aufleben lassen. Ich
meine, viele Majors sind schon so flexibel wie Finanzämter -
und da liegen unsere Stärken, daß wir schneller sind und
viele Ideen und bessere Strukturen mit mehr Einblick haben. Ich
sage einfach mal, der Underground hat viel mehr kreatives
Potential als alle Majors zusammen.
Würdest du sagen, du hast jetzt mit deinem endgültigen
Zustimmen A.w.E.X. mit "Its ou
future" an Motor zu geben, den Versuch
gestartet, einen geschmackvollen Clubhit in die Charts zu
bringen?
Es war ein bißchen anders. Tom und Thorsten haben gesagt, sie
würden es gerne machen und natürlich hat Plastic City
nicht solche Kapazitäten soviele Platten auf den Markt zu
bringen, wie Motor. Wovor ich Angst hatte, war, daß sie gleich das
ganze Projekt einkaufen und dann versauen würden. Aber
nachdem ich mit Motor gesprochen hatte, hat sich ein gute
Partnerschaft ergeben. Ich glaube, ich hätte es auch mit
niemanden anderes in Deutschland gemacht. Und wenn es in die
Charts geht, dann ist es gut, es wäre ja auch für die
Charts wirklich mal schön, wenn so etwas drin wäre.
<Dave Angel Formic Records >
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