Claude Young
<Brenda Russel Dave Angel >

Du hast gerade mit einem neuen Label angefangen, Frictional?
Ja, das mache ich mit Shakir zusammen. Mit Utensil arbeite ich
nicht mehr zusammen. Jetzt machen das nur noch Terrance Dixon und
ein paar andere Leute, ich hab mich entschlossen das Label nach
der letzten EP, Revolution, zu verlassen.
Was war eigetlich mit dieser EP, der Sound war so seltsam und man
konnte kaum noch etwas hören?
Ich hatte mich einfach entschlossen, etwas ganz anderes zu machen,
ich weiß auch nicht, ich wollte noch nie nur für einen Sound
stehen, immer etwas anderes versuchen. Die erste Utensil war ja
auch völlig verschieden von der zweiten und so weiter. Ich
mag es, kontrovers zu sein und mich nicht einschließen zu lassen.
Sonst kommen die Leute angerannt und erzählen einem, daß man
nur einen einzigen Sound machen könnte. Das ist nicht gut.
Und es scheint auch nicht gut zu sein, zu lange bei einem Label zu
bleiben? Dow wurde ja auch ziemlich schnell wieder eingestellt.
Stimmt. Obwohl Utensil das gleiche Label ist. Wir wollten
eigentlich House auf Dow und Techno auf Utensil machen, aber es
gab nur diese eine House Platte von Terrance Parker die anstand,
und weiter ist einfach nichts draus geworden. Das wars. Dow gehts
wohl gut.
Arbeitest Du noch mit anderen Labeln ausser Djax Up Beats
zusammen?
Zur Zeit konzentriere ich mich lieber auf Frictional. Es sind noch
ein paar Zusammenarbeiten geplant, wie mit Slam von Soma Records
in Schottland. Letztes Jahr, als ich in Schottland war, haben wir
an ein paar Tracks gearbeitet und wahrscheinlich werden wir das
weitermachen. Shakir arbeitet gerade an der nächsten
Frictional, und die wollen wir eigentlich in ein paar Wochen schon
rausbringen. Und ich mache dann die Dritte.
Shakir war lange Zeit verschwunden. Ein paar legendäre
Platten auf Metroplex und KMS und dann war plötzlich Stille.
Was war da los?
Er hat schon viel gemacht, aber alles irgendwie im Background.
Er hat viel für Inner City gemacht. Jetzt ist das Jahr, wo er
endlich wieder loslegen kann. Haben wir so beschlossen. Er hatte
tatsächlich auch alleine eine Menge Tracks gemacht, für
die verschiedensten Label, aber die sind nie erschienen. Soetwas
nagelt einen natürlich gemein fest. Wir sind schon ewig die
besten Freunde, und als ich Utensil verlassen habe, hatte ich ihm
vorgeschlagen, das Label mit mir zusammen zu machen. Er meinte
einfach, OK, und jetzt haben wir dieses Ding, auf das wir uns
konzentrieren können, das ist gut.
Bist Du in Detroit aufgewachsen?
Ja, ich habe mein ganzes Leben in Detroit verbracht.
Was für ein Umfeld war das?
Für mich war es schon irgendwie seltsam, weil ich zuerst mit
meiner Mutter, meine Mutter und mein Vater haben sich getrennt als
ich noch sehr sehr jung war, mitten in der City gewohnt habe,
dann, als ich High School gehen mußte, bin ich in die Suburbs
gezogen. Und dann bin ich wieder zurück in die City. Immer
hin und zurück. Suburbs, City, Suburbs, City, immer hin und
her. Schon verrückt. Detroit ist einfach Detroit, Du
wächst da auf und mußt mit dieser Stadt einfach so zurecht
kommen, wie sie ist. Es hat seine wirklich üblen Gegenden, es
kann sehr gewaltvoll sein, aber wenn man damit jeden Tag
konfrontiert wird, wird man dagegen irgendwie immun. Du
kümmerst dich irgendwann einfach nicht mehr um die Gewalt.
Gewalt macht Dir nichts mehr aus?
Du nimmst sie nicht mehr wahr. Sie berührt mich nicht mehr.
Das ist so eine Art Desensibilisierung. Es ist traurig, das zu
sagen. Ich sehe das schon, aber es kümmert mich nicht mehr so
wie früher.
Bist Du je in wirklich brenzlige Situationen gekommen?
Als ich in der Grundschule war, hat mal jemand auf uns geschossen.
Aber daneben. Du gerätst immer in Fights und sowas. Aber
damit wächst man einfach auf. In New York ist es wohl
ähnlich in gewissen Teilen. In Chicago auch, in großen
Städten ist es immer dasselbe. Es gibt immer schlimme Zeiten,
aber die nehme ich nicht so ernst, meine Musik ist mir wichtiger.
Seit den 5 Jahren, die ich Musik mache, treibe ich mich auch kaum
an Orten rum, wo solche Sachen mehr oder weniger die ganze Zeit
über passieren, also bin ich ganz gut dran.
Deine EP auf Djax Up hatte eine ziemlich düstere
Athmosphäre.
Ja, jeder sagt das. Sie klänge sehr evil, böse.
Ich würde eher dunkel sagen. Nightflight-music. Ich mache
alles in Stimmungen, ich setzte mich hin, fange an und es fließt
los. Als ich die EP für Djax gemacht habe, war ich gerade in
Australien gewesen und hing mit HMC rum. Wir haben jede Menge neue
Tracks gehört, über alles Mögliche geredet, und das
ist dabei rausgekommen. Ihre Musik, die von Juice, hat mich etwas
beeinflußt, aber die Athmosphäre wohl noch viel mehr. Ich
weiß es vorher nie. Man macht die Maschinen an und was passiert,
passiert.
Wie kommen die Titel zustande?
Ehrlich gesagt meinen sie nichts Bestimmtes, wie die Musik auch,
viele von den Sachen für DJax Up zum Beispiel sind aus
Gesprächen zwischen mir und Shakir, einfach so Fetzen.
Alltägliches Leben, weißt Du? Ich habe eine neue
12" auf 7th City Records, Daniel Bells Label,
die wir die Nachfolge Platte von Brother From Another Planet, und
die Titel sind alle von Plätzen in Schottland, an denen ich
war, oder Leute, mit denen ich zusammen war. Sachen, die
passieren, einfache Sachen, nichts komplexes.
Was fasziniert Dich an Musik?
Ich mag es, daß alle Leute ganz andere Sachen machen. Wenn ich mit
jemand zusammen arbeite, dann fasziniert es mich immer, wie sie
arbeiten. Jeder hat seine eigenen Tricks und Methoden. Jeder von
uns hat eine völlig andere Art, mit den Maschinen umzugehen,
obwohl wir uns alle auf den gleichen Sound zubewegen. Über
die Zukunft dessen nachzudenken, ist verrückt, ich habe mit
Slam produziert, mit Niel Angstom und Shakir, Robert Hood, jeder
macht es anders.
Mit wem arbeitest Du in Detroit zusammen?
Shakir ist ja, wie gesagt, mein bester Freund, Daniel Bell sehe
ich auch ein paar mal die Woche, Robert Hood und ich sind gut
befreundet, und mit den restlichen verstehe ich mich auch ganz
gut. Shake hat mich ja auch im Grunde zu der Musik gebracht. Ich
hatte gerade angefangen zu DJen, bei einer Radiostation hier.
WHYT. Eine lokale kommerzielle Station. Die hatten jedes
Wochenende Mixshows, Richie Hawtin, Blake Baxter, Kevin
Saunderson, aber die sind nach einiger Zeit alle abgehauen. Ich
hatte bis dahin als Telefonist gearbeitet und ihnen ein paar
Mixtapes gemacht, obwohl ich wirklich erst in den Anfängen
war. Dann bin ich natürlich zu den Shops gegangen, um mehr
und mehr Detroit Sound zu finden und bin auch bei Metroplex
vorbeigelaufen, wo Shake damals war und habe ihn gefragt, ob er
mir nicht ein paar Promos geben könnte. Er meinte nur, daß
sie soviele Platten nicht hätten, ist aber dann mit mir durch
die Stadt gezogen, hat mich allen vorgestellt und so konnte ich
ziemlich leicht anfangen. Dann hing ich einfach mit den Leuten in
den Studios rum, und so kam eins zum anderen. Ich war allerdings
immer schon ein großer Fan von Musik. Mein Vater ist auch DJ
gewesen, zwanzig Jahre lang.
Was hat der denn aufgelegt?
Die verschiedensten Sachen, George Clinton hat ihm hier einiges zu
verdanken. Er war immer im Musikbusiness, jetzt ist er bei einer
Distribution Company, und in unserem Haus war ich immer von Musik
umgeben.
Überall waren Schallplatten. Aber ich wollte einen Schritt
weiter gehen.
Wann hast Du Deine erste platte gekauft?
Ich hatte ja immer schon Platten, einfach weil so viele da waren,
aber die erste, für die ich wirklich in den Laden gelaufen
bin, das war die Inner City LP so um 89. Das mußte einfach sein.
Ich sehe mich, ehrlich gesagt, am liebsten als Musikstudent.
Wie alt bist Du?
Lebst Du bei deinen Eltern?
Ja, ob Du es glaubst oder nicht. Mein Studio ist bei meinem Vater,
in einem Vorort, und ich lebe immer noch mit meiner Mutter in der
City.
Alles, wie es immer war.
Wie in den Old Days. Aber ich mag es so. Gerade jetzt, wo ich
soviel rumreise, da kann ich meine Sachen einfach zu Hause lassen
und sie sind sicher. Meine family paßt drauf auf.
Deine Eltern halten es für ziemlich seltsam, was Du machst,
oder?
Zumindest die Musik verstehen sie nicht so sehr. Am Anfang haben
sie natürlich nicht so genau gewußt, was los ist, obwohl mein
Vater natürlich etwas mehr Verständnis aufbringen konnte
als meine Mutter, aber sie unterstützen mich schon. Die
Tatsache alleine, daß man genug Geld dafür bekommt,
Schallplatten aufzulegen um in der Welt herumzureisen, will ihnen
einfach nicht in den Kopf. Das ist einfach nicht ihr Leben, ich
zeig ihnen zwar alles, die Platten, die Magazine und so, und sie
sind eigentlich ganz cool, aber so richtig verstehen können
sie es nicht.
was ist Deine Lieblingsplatte?
Das ist eine komische Frage. Ich bekomme immer, wenn ich auflege,
Platten geschenkt, und dann ist tatsächlich immer eine dabei,
die meine Lieblingsplatte wird. Momentan ist das eine von den
Platten, die ich hier in Frankfurt das letzte Mal bekommen habe,
Flux, von Heiko aus dem Delirium. Die ist richtig gut...
Wie gefällt Dir das Electrorevival in Detroit?
Oh ja, das ist wirklich gerade ziemlich in, aber ich finde, die
Einzigen, die es schaffen, diesen Sound in eine neue Dimension zu
tragen, sind die Drexciya-Jungs. Die mag ich. Die kopieren nicht,
sondern machen es auf ihre ganz eigene, ganz neue Art. Die anderen
orientieren sich einfach zu sehr an diesem alten Kram, das hilft
niemandem.
Aber es verdrängt Techno nicht, oder?
Nein, das war eher mit House so, eine lange Zeit wollte jeder
House machen, sogar ich, ich habe soviele Houseplatten gemacht auf
Serious Groove & Inner City. Tracks mit Shakir. Das war zu der
Zeit, als Mike Kinchen Detroit verlassen hat und in New York groß
rauskam. Das wollte jeder auch. Wir waren alle ein bißchen
confused, das muß man zugeben. Außer Underground Resistance,
Daniel Bell und Plus 8. Die blieben bei dem, was sie immer gemacht
haben, anstatt wie die anderen dem Geld hinterherzulaufen. Dann
merkten sie alle, daß sie es nicht schaffen werden und gaben auf.
Leute wie Chez Damier und Alton Miller machen natürlich
erstklassige Housetracks, da ist nichts gegen zu sagen. Aber viele
wollten nur hinterher. Ich mag Techno viel lieber.
Legst Du oft in Detroit auf?
Ich habe meine Sendung fast vier Jahre gemacht, aber die Station
hat sich verändert und die spielen jetzt nur noch Indierock.
Da sind wir alle abgesprungen. Ein paar Parties gibt es
natürlich. Aber außerhalb von Detroit und außerhalb der
Staaten, in England, Schottland, Österreich, Deutschland und
Australien und so lege ich öfter auf. Schottland ist mein
Lieblingsort zum Auflegen, dann kommt Deutschland, obwohl ich hier
erst einmal war, aber es ist ziemlich klasse gewesen. Ich hatte
eine ziemlich gute Zeit. Australien ist natürlich auch gut,
aber das ist so weit weg. Ich bin zur Zeit ziemlich busy, und da
macht es natürlich nicht soviel Spaß, so lange unterwegs zu
sein. Ich bin allerdings sehr gerne busy. Speziell, wenn ich Musik
mache. Ich bin auch ziemlich aufgeregt, weil ich wieder mit Robert
Hood zusammenarbeiten werde. Wir werden wieder eine Missing
Channel machen. Kaum einer weiß, daß wir die erste Missing Channel
gemacht haben.
Ein Track auf der zweiten Dow klang auch ziemlich nach Missing
Channel.
Hood hat in letzter Zeit ziemlich gute Sachen gemacht, und vor
kurzem haben wir uns irgendwie überlegt, nochmal zusammen zu
arbeiten. Mit Christian Vogel habe ich auch ein paar ziemlich
kickende Tracks gemacht und mit diesem Ambientguy aus Schottland,
The Being nennt er sich, habe ich ein paar Sachen gemacht, und das
war ziemlich gut. Hoffentlich werde ich auch mit Martin und dem
anderen, die zusammen die Emplant 3 gemacht haben,was produzieren,
die waren sehr nett. Und mit den Cheap Leuten vielleicht. Wir
haben uns sehr gut verstanden beim letzten Mal. Wer weiß,
vielleicht auch mit Jeff eines Tages. Denn er ist der, der mich,
was das DJen betrifft, am meißten beeinflußt hat.
Er ist wohl einer der besten DJs der Welt.
Ich würde sagen der Beste, aber das ist eine persönliche
Meinung.
Wie legst Du selber auf?
Oh, das ist wirklich schwierig, das mußte ich noch nie jemandem
beschreiben. Hey Katja, wie leg ich auf? Kannst Du das nicht
erklären?
Katja: Hallo, also wie Claude auflegt, mal sehn, von der
Perfektion her eigentlich wie Jeff Mills, so
performancemäßig, aber eigentlich macht er es besser, weil er
so aus mehreren Tracks irgendwie ein neues Lied macht, man
hört teilweise nicht mehr raus, was er auflegt. Er scratched
viel, und es ist super für Leute, die tanzen wollen weil
nicht so wie bei Jeff Mills man die ganze Zeit nur am gucken ist,
was der so macht, sondern es ist richtig geil. Ich weiß nicht, ob
dir das viel sagt aber .....
Doch, doch....
Ja, also für mich ist er auf jeden Fall der Beste.
Hey Claude du bist der beste DJ der Welt.
Oh nein, nein, nein. Ich lege supergerne auf. Viele legen so als
Job auf, und wenn man das macht, sollte man wirklich
aufhören. Ich liebe es einfach, ich liebe Musik und es macht
mir Spaß. Ich habe Fun, wenn ich auflege. Viele Leute sind ein
bißchen
zu seriös. Das ist nicht lustig. Aber die Musik muß schon gut
sein.
Du kannst harte Musik auflegen und Spaß haben. Das sagt man
mir manchmal, hörst du Katja, ich und nicht seriös genug
- frech.
Aber das ist schon OK.
<Brenda Russel Dave Angel >
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