<News Helmut Ahrens >
1994 war Chromapark eins der herausragenden Events der Techno History, da zum ersten Mal eine Art Exhibition präsentiert wurde, die auf den enormen und höchst bemerkenswerten visuellen Output der Technoszene aufmerksam machte und diese mit einer Reihe legendärer Events (remember Frontpage Eternal- Classic-Night mit Tanith und Rok) in die Geschichte einging.
Nach dem gelungenen Start von Chromapark '94, der allerdings trotz
ständig vollen Hauses leider ein finanzielles Defizit
hinterließ, war die Ausgangslage f. Chromapark Zwei weit pro
blematischer.
Die historische Aufarbeitung und Dokumentation (die dann ja auch
in Form des Buches Localizer präsentiert wurde) war vorerst
abgeschlossen. Es ist den Machern hoch anzurechnen, daß sie
für Teil 2 weiter gedacht haben, und nicht einfach eine
Update-Folge a la ("alle Flyer 94 - 95") präsentiert haben,
sondern neue Wege suchten und fanden.
Umstritten war die teilweise sehr hochtrabend und pseudo-
intellektuell klingende Vorabwerbung (siehe letztes Frontpage),
denen man zugute halten kann, daß sie "Techno" mal explizit
als progressive Kunst- und Kulturbewegung featurten, um sich
dadurch um so mehr von der üblichen Rabaukendarstellung in
den Massenmedien abzusetzen. Die Erwartungen waren also
hochgesteckt und wurden durchaus nicht enttäuscht.
Während der erste Chrompark ausschließlich im E-Werk
stattfand, nutzte man diesmal die Evidence Halle als Ausstellungs-
und Chill Space, die sich mit ihren vielen Winkeln als Top-Galerie
bewährte und beim Rundgang durchaus für Vielfalt und
Kurzweil und visuelle Highlights sorgte. Erwähnt seien
natürlich alle Arbeiten von Mediamorph, die "nackte Berliner
Szene" von Ali Kepenek, das Attila "Ralf Regitz" Bild, der
hölzerne Fashion-Store von Jim Avignon, diverse Brain MachineInstallationen und (tatsächlich!) die Sound, Bewegung und
Visuals verbindende Camel Move Installation.
Flyer und
Gebrauchskunst wurde kurzerhand im Internet versenkt, was
Stärken und Schwächen dieses neuen Mediums nur
allzudeutlich werden ließ. Wer sich damit befasste, konnte
sich über eine durchaus gelungene
Selektion erfreuen, wer nicht, verpaßte einen Hauptteil der
Exhibtion. Die Möglichkeiten des Internets provozieren
geradezu die Forderung nach dem Komfort des Real Lifes (will
heißen: eine Pinwand mit allen Flyern hätte
womöglich viel mehr Leute angesprochen und begeistert - so
gesehen kann man das ganze auch halb-lobend, halb-tadelnd unter
der Rubrik Pädagogik abbuchen. Klarer Nachteil: daß
für die Nicht-User des Internets dieser Chrompark viel
weniger umfangreich erscheint als Folge 1, klarer Vorteil: das
Chromapark im Internet viel länger "geöffnet ist" als die physikalische Form der Ausstellung).
Die Reaktionen auf Chromapark waren gemischt und reichten von dankbarer Anerkennung bis bestätigter Skepsis. Häufig geäußerte Kritik neben dem nicht so spektakulären musikalischen Programm und organisatorischen*) Fragen, insbesondere zu einigen Exponaten von Berliner Artists war die durchaus berechtigte Frage, was denn dies alles mit Techno zu tun habe. "Bei uns in Köln gibts sowas auch, das steht das ganze Jahr über in Galerien herum, der ganze Chromapark-Anspruch ist angesichts dem, was tatsächlich ist, weit überzogen", so das Urteil eines Kölner Journalisten. Dem könnte entgegnet werden, daß Chromapark als Pionierprojekt an seinen Grenzen auch den Art-Output des Szeneumfeldes präsentiert. Auf einen Katalog und einen Guide über den Stand der Dinge "auf der Suche nach dem Weltmodell" wurde von seiten der Veranstalter verzichtet, (ähnliches wurde hier schon mal im Zusammenhang mit dem Localizer Buch kritisiert. Statements als Grundlage für einen Diskurs hätten Chromapark vielleicht die Tiefe verliehen, die die Initiatoren beanspruchen). So bleibt ein (je nach Wissensstand & Gusto) eher vager Gesamteindruck, der nicht ganz so imposant ausfiel wie die Vorjahresveranstaltung.
Dennoch hat sich Chromapark als integratives Forum für Techno-Art bewiesen und sollte sich mit entsprechender Vorbereitung bei Teil 3 zur nicht wegzudenkenden Institution in der Techno-Welt profilieren, wozu mit den ersten beiden Veranstaltungen ein guter Grundstein gelegt wurde.
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