
Nach einer kurzen Tour durch unsere atemberaubenden
Büroräume sitzen
wir uns schließlich gegenüber,
und ich bin eigentlich soweit, das Diktiergerät
einzuschalten, als wir darauf zu sprechen kommen, wie langweilig
wir es beide finden, wenn Interviews aus nicht mehr als kleinen
Lebensläufen, einer Equipmentliste und ordentlich Respekt
für alle Nichtanwesenden bestehen. Und so entwickelt sich
unser Gespräch irgendwie
zu einem netten, frühlingshaften Kaffeeklatsch.
Angefangen bei der Zusammenarbeit mit ihrem Freund Colin Faver an
dessen Show auf KISS FM, über ihre eigene Sendung auf dem
Satellitennetz von Sky Sports und Cable TV, mit der
Brenda Russel
ein Publikum von 2 Millionen Hörern erreichte.
Zudem hat sich Brenda durch verschiedene, eher experimentell orientierte Clubnächte unter die großen DJs Englands gemischt. Seit einiger Zeit wird sie auch auf dieser Seite des Kanals gebucht, ohne bisher wirklich einen Namen zu haben, unter dem sich hier jemand ein Gesicht vorstellen kann. Um dies zu ändern, haben wir sie in ihrem Büro in London angerufen.
Schon seine ersten, fast heimlichen Tracks wie
"Planet Earth" und
"Missing Channel"
gehörten zu den wenigen Tracks einer Zeit, die viele nie
vergessen werden. Und manche auch nach drei Jahren immer noch
auflegen. Im Grunde allerdings gehört er zu einer neuen
Generation von Producern, deren wichtigstes Ziel es ist, Techno zu
immer neuen, anderen Klängen zu bringen und die Entwicklung
einfach nur voranzutreiben auf eine ungewisse, aber
vielversprechende offene Zukunft hin,
in der alle zusammenarbeiten und Geld wieder mal keine Rolle mehr
spielt...
"Bester Videoclip"
9 Computerkünstler aus 7 Ländern
lieferten Bilder und einer der besten englischen DJs, Dave Angel
suchte Tracks zusammen, die sich weit über den Rahmen
"Dancefloor" wagen, aber auch
nichts mit der mysteriösen
"Intelligent"-Bewegung zu tun
haben:
12 kleine Einzelgeschichten, die sich optisch vom mittlerweile zum
Standard degenerierten
"Techno"-Geflimmer der Hi-
Tech-Produktionen absetzen, führen den Betrachter durch noch
ungebaute Stadtlandschaften, gewähren Einblick in eine
Hutfabrik der Zukunft und lassen in einer besonders gelungenen
Sequenz kleine Irrlichter in der Wüste auf Wanderschaft
gehen. Besonders faszinierend ist daran, daß die meisten
Beiträge nicht auf kommerziellen Großrechnern, sondern zum
Teil auf lo-fi-Amiga-Equipment erstellt wurde, was der Vision eine
andere Ästhetik verleiht als die der üblichen Virtual-
Reality Vorstellungen.
Musikalisch wird diese Reise in eine Ebene versetzt, die auch
unabhängig von Bildern funktioniert. In der Vision-Version
sind es nur 12 Tracks, auf der CD 17, die nicht nur richtig cool
gemixt, sondern schon bestens ausgewählt wurden, das
Tracklisting reicht von Kenny Larkin oder Sun Electric über
Josh Wink bis hin zu Chez Damier.
Damit dürfte 1995 definitiv das Erfolgsjahr für Dave Angel
sein, der mit seinem eigenen Label
"Rotation", zu dem es auch
eine Clubnight gibt, und z.B. seinem Debutalbum weite Anerkennung
gefunden hat. Seit 1991, als er einer der Headliner der ersten
Mayday war, hat er sich zu einem der abwechslungsreichsten DJs und
Producer der letzten Jahre entwickelt. Grund genug, um ihm via Fax
ein paar Fragen zu stellen:
Wie konnte es passieren, daß die kleine, lustige
10"von A.W.e.X. mit ihrem von einer Sample-CD
benutzten "It's our
future"soviel Erfolg hat, daß das Major-Label
gerne einen Carl Cox Mix gehabt hätte, der aber schon lange
vorhanden war?
Was ist los, wenn der Vertrieb des Underground Labels nie
abgerechnet hat?
Fragen, die für uns Alex Plastic, bürgerlich Alexander
Hendorf, der Besitzer von Plastic City, beantwortete.
Interview: Karin Kruse
Mit Formic Records ist die Kölner Techno- und Acidszene um ein weiteres Label gewachsen. Eine Anlaufstelle unter anderem auch für Nachwuchs-Artisten, die sich mit den etablierten Kräften der Szene nicht haben anfreunden können und einfach ein Label, welches das gesamte musikalische Spektrum Kölns, das ja ausschließlich das Produkt einer Handvoll von Leuten ist, um einen Variante bereichert.
Den Fans der ersten Stunde von Acid, House & Techno ist DJ
Rootpowder selbtverständlich ein Begriff, denn er war der
erste DJ, der im Kölner Rave, einem der wichtigsten Clubs
neben dem Front und dem UFO in Berlin zu diesem Zeitpunkt, 1988
Acid spielte.Von Newcomern also keine Spur, wie man Formic
letztlich noch in einem der zahlreichen Szenemagazinen
bezeichnete. Im Gegenteil, unter dem Namen Formicula 4
veröffentlichten die beiden in Zusammenarbeit mit Mike Ink
und Burger Industries mehrere Platten, die maßgeblichen Einfluß
auf die deutsche Acidszene hatten. Die Flut von
Veröffentlichungen danach riß nicht ab, und so
veröffentlichte man zusammen und in Soloprojekten Platten auf
Structure, Force Inc, Communism und Adam & Eve. Gerade die
Veröffentlichung Roots - "Racing
Cars" auf dem letzterem Label brachte ihnen
internationale Beachtung ein. Besonders in New York feierte man
die Platte aufs kräftigste ab, wo sie seitdem Kultstatus
besitzt.
Vor einem halben Jahr entschied man sich, selbst ein Label zu
eröffnen, das sich
"Formic" nennen sollte und auf
dem man unabhängig jeder musikalischen Richtung nachgehen
konnte. Den ersten drei auf ihrem Label erschienenen Platten merkt
man dieses neue Bewußtsein an, das sich sehr unbefangen vom
Technokontext entwickelt. Jeden Dienstag trifft man sich auf dem
Land, um, umgeben von Mutter Natur, Sessions hinzulegen, die
manchmal die ganze Nacht dauern.
Was die Stücke auf ihren Platten auszeichnet, ist die
fließende Qualität, das Basteln an Details und die Ambition,
auch dem Zufallsgenerator eine Chance zu geben, was oft zu
fremdartigen Nuancen führt. "Kennst Du die
Geschichte, als bei Probeaufnahmen zu der neuen LP von Can ein
Hund in das Studio gelaufen kommt und man ihn einfach
sampelt...?"
Trick Tracks, ihre neue 5track EP, greift dies zum ersten Mal auch
in ihrem Titel auf, und wer genau hinhört, merkt, daß hier
das Drumpattern unbemerkt von einem Mal zum anderen einfach
wechselt, oder die Drums komplett per Hand wie bei einem
Schlagzeug eingespielt werden.
Ein anderes Merkmal ihres Stils ist das ausgeprägte
Verständnis für Melodien.
In einer Zeit, wo diese mehr und mehr durch Geräusche und
Effekte ersetzt werden, weil einfach schon alles dagewesen zu
sein scheint, kommen Formic immer wieder mit neuen Ideen.
Triple R sprach mit Bolz Bolz & Rootpowder.
"No Sleep Raver", ihre
"Headhunter EP", aber auch
"Matrix" auf Kevin Saundersons
Label KMS, oder ihre Tek9 Veröffentlichungen sind bereits
Legende. Ihre nun für Europa veröffentlichte LP
"Parallel Universe", die
bereits vor über einem Jahr entstand, und, als sie im Sommer
letzten Jahres in England erschien, einfach zu prophetisch war, um
wirklich so aufgenommen zu werden, wie sie es verdient hätte,
ist ein gutes Beispiel dafür, wie weit sie wirklich der
gesamten Szene voraus sind. Jetzt ist das genau der Stil in
Perfektion, hinter dem ganz London her ist; eine Mischung aus
Jazz, Drum & Bass und Ambient, die jeden Donnerstag in LTJ
Bukeems Speed Club in London jeden aus der Hardcoreszene und vor
allem auch aus der immer näher rückenden Techno und
Triphopszene auf sich vereinigen kann. In Zeiten, in denen selbst
Mo Wax, ein britisches Instrumental-Hiphop-Oberstylee Label,
dessen Einfluß auf die Londoner Clubszene nicht zu
unterschätzen ist, Junglemixe veröffentlicht, und
Mixmaster Morris Ambientjungle auflegt, fallen die zwischen den
Szenen lange fast als unumstößlich geltenden Grenzen weiter,
und 4 Hero könnten, würden sie jetzt die Miniauflage von
"Parallel Universe"
wiederbeleben, als Propheten dastehen. Aber ganau das erscheint
ihnen immer unwichtiger. Jetzt, wo jeder der namhaften
Jungleproduzenten Englands in der Nachfolge Goldies, der seine
ersten Platten auch auf Reinforced veröffentlicht hatte, von
der Majorindustrie, die ganz anders als in Deutschland Jungle nie
als reinen Raggahype verkaufen wollte, um LPs angebaggert wird,
sind
4 Hero schon wieder mit ganz anderen Konzepten unterwegs und
produzieren ihre Jungletracks wie die auf "Tom
& Jerry" eigentlich nur noch, um
genügend Geld zu haben, als 4 Hero alle Freiheiten nutzen zu
können. Lieber verbringen sie Tag und Nacht in ihrem 8-m2-
Dachstudio in Nordlondon und suchen nach noch neueren Wegen, nach
einer Auflösung allen Stils und Wegen, die niemand vorher
gegangen ist.
Seine Stücke als Nookie, die immer sehr einfach gehalten sind
und die die Musikalität der Hardcoreszene auf die Spitze
treibenden Cloud-9-Releases sind einfach schön. Manchen
vielleicht etwas zu glatt, aber in ihrer bestechenden Klarheit
einzigartig.
Nookie wohnt seit kurzem über seinem Record Shop
"Armshouse" in einem ziemlich
verträumten Städchen namens Hitchin im Norden von
England, in dem einem alles so vorkommt, als wäre man mitten
unter Touristen, die einfach nur einen sonnigen Tag genießen. Kaum
eine Stunde von London entfernt und schon befindet man sich mitten
in der unglaublichsten Idylle, in der nie was Schlechtes zu
passieren scheint, alle Menschen jung und glücklich und
zufrieden aussehen und Junglerecordshops mitten im Dorfgefüge
in einem der älteste Fachwerkhäuser einfach so normal
sind wie ein MacDonald in jeder Großstadt. Vielleicht findet
Nookie seine Inspiration einfach genau dort, in dieser sehr
einfachen, sehr schlichten aber angenehmen Umgebung. Seine Tracks
wirken in diesem Licht einfach wie ein weiteres Tröpfchen Tau
auf den Feldern.
Wir sitzen in seinem schwarzweißen, frisch bezogenen
Häuschen, in dem keine Wand grade ist und plaudern uns mit
ein paar Moving Shadow Teetassen durch den Nachmittag.
So schön einfach kann das Leben sein.
Die beiden Produzenten, Dj Zki und Dobre, die sich hinter den meisten Produktionen verbergen, scheinen die richtigen Clubvibes während ihrer Gigs von Amsterdam bis Japan aufzuspüren, um sie dann in einer Studiosession genial für ihre Label Touché und Fresh Fruit umzusetzen. Karin Kruse sprach kurz vor ihrer Abreise nach Tokio mit dem Business-Kopf Marcel, um ein wenig mehr über die einsamen Soundeinsiedler aus dem Holländischen Gabberland zu erfahren.