<City Report Süd
Nun aber zum Positiven: Es gibt jetzt bei uns endlich mal einen
Club, in dem regelmäßig die besten DJs aus aller
Octopussies Länder zu hören sind: DekaDance im Tarot-
Club. Die Trope-Night von Ende März bot zwar astreinen Sound,
konnte aber leider nicht allzu viele Raver zur beschwerlichen
Fahrt ins abgelegene Rümlang verführen - es war
höchstens drittelvoll.
Immerhin war die ganze DJ-Bande aus Zürich da, die sich aber
in erster Linie mit Fachsimpeleien untereinander und mit den Gast-
DJs begnügte. Neben Heckmann selbst, der allerdings sein
Kabelgewirr zu Hause ließ und stattdessen Platten auflegte,
agierten Electric Indigo und zum Schluss Rok und brachten neben
mir, der ich wie immer die wildesten Armverrenkungen und
Hüpforgien von mir gab, doch zahlreiche Anwesende zum Tanzen.
So richtig gings aber, weil eben halbleer, doch nicht ab, und es
tropfte kein Kondensschweiß von der Decke. Das Tropfen sowie
ein Vielfaches der dann Zuhausegebliebe-nen kamen dafür umso
intensiver acht Tage später, was Proväthen in der Presse
schon vorausgesehen hatten. Bereits am Tag zuvor war vor dem Club
ein Zelt aufgeschlagen worden. Man mußte dann etwa zwanzig
Minuten warten, bis man in die Hallen gelangen konnte.
Neben dem Haupt-Clubraum war an diesem Abend auch der ein
Stockwerk höher gelegene Chillout-Floor geöffnet mit
wunderbarem Ambientsound von Aural Float, Azary & Co., und
ziemlich voll wars auch dort. Für den Zustand auf dem
Hauptfloor ist "voll" keine korrekte Bezeichung. Aus dem
Chemieunterricht erinnere ich mich an den Begriff der "dichtesten
Kugelpackung"; das trifft es wohl eher. Es ist in diesem Raum
bisher wohl selten derart abgegangen, und der Sven war echt gut
drauf, völlig anders als bei seinem eher schwächlichen
Set an der Omni (wohin wir zwei Wochen davor auch gereist waren
und immerhin am Sonntagnachmittag im Omen durch Carl Cox voll
für die Leiden der Nacht entschädigt wurden). Nach Deka-
Dance gabs dann noch Afterhour mit Sven im Oxa, und sein
nächstes Erscheinen in unserer Gegend ist schon für den
27. Mai vorgesehen.
Ganz anders war die Geburtstagsparty von Sauri, bekannt auch als "Das Sausen". Sie fand in der Nacht auf Karfreitag im "Brut", einem neuen Illegal-Club im Herzen von Zürichs Industriegebiet statt. Dieser Raum ist echt irre! Er hängt voll mit allen möglichen Kunst-Gegenständen. Der DJ steht erhöht auf einer Art Kanzel, die an der Decke aufgehängt und nur durch Beschreiten einer geländerlosen Holzbrücke zu betreten ist. Deshalb habe ich mich am Tag zuvor auch geweigert, dort aufzulegen, falle ich doch schon in Ohnmacht, wenn ich auf einen Stuhl stehen soll. Na ja, was solls. Die Party war jedenfalls total geil, gute Leute, Sound aus allen Gegenden, die irgendwie mit Detroit verbunden sind, und man weiß nicht, obs an der Musik oder an der Luft lag, da auch sonst als eher spröde bekannte Zürich-Szene-DJs ganz öffentlich den Frühling spürten
Von den Techno-Begleitphänomenen gibts ebenfalls Neues: In
Basel existiert ein Laden namens Global Records, eingemietet im
Kleiderladen Soho, der Maxis zu sage und schreibe zwölf
Schweizerfranken verkauft. Da können andere auch mit
ausgeklügelten Kunden-fangsystemen wie Member Card (kotz!)
nicht mithalten. Spezialgebiete sind House, Progressive und Acid-
trance, vor allem englische Labels. Man findet aber auch das
Programm von No Respect und anderes.
In Zürich eröffnete vor einigen Wochen Le Garage
Records, der Plattenladen zum Club, der sich durch
architektonische Hübschheit, zentralste Lage und ein gutes
House-Sortiment samt fachkundiger Beratung durch DJ Einstein
auszeichnet. Außerdem ist es einer der wenigen Orte, wo man
zum Anhören der Scheiben echte MKIIs zur Verfügung hat.
Eingegangen ist dafür das Dadaland, wo sich ja auch die
Zürcher Filiale von DJ Beat eingemietet hatte. Die kommt
jetzt neu in den Planet 8 und erlangt damit auch eine zentralere
Lage direkt zwischen Odeon und Upspace.
Damits aber nicht allzuschön wird, hier das kalte Grauen: Der König hat ne Platte gemacht. Veröffent-licht ist das Ganze auf dem Cubik-Sampler, auf dem irgendwie ohnehin die schwächsten Tracks der jeweiligen Acts publiziert sind. Im übrigen freuen wir uns alle auf Cubik 95, das am 27. Mai über die Bühne gehen soll. Diesmal wurden noch mehr Hallen angemietet; man erwartet 20.000 Besucher. Das Line-Up ist höchst vielversprechend und wird von den Veranstaltern erfahrungsgemäß auch eingehalten. Damit nicht zuviele Raverautos die Strassen des Landdörfchens Roggwil verstopfen, gibt es zu Spottpreisen sogar Sondertickets für die Bahn - die Station ist direkt neben der Location.
Fliegenpilz.
Auch diesen Monat wieder gibt's Schlechtes von der Obrigkeit zu berichten: diesmal ist die Fun Factory in Zaandam (vor den Toren Amsterdams) das Opfer. Gerade in Multigroove umbenannt, der Name, unter dem die Organisation die letzte große Razzia vor ein paar Jahren erlebte, will die Stadtverwaltung den Laden schlies- sen, Grund unbekannt...Auch zum Königinnentag (30. April) hat die Stadt Amsterdam ihre Zähne gezeigt: während Humpapakapellen und Rockbands überall in der Stadt lärmen dürfen, kriegen House/Technoveranstalter keine Genehmigung. Irgendwann provozieren sie auch bei der politisch unengagiertesten Jugend die Revolution...the summer of revolution??
Da gab es beispielsweise den "Creation Rave", für den Cosmic
Baby und DJ Dag angekündigt waren, dann aber doch nicht
auftauchten. Zum Glück war Carl Craig anwesend und rettete
den Abend. Adam X verzauberte die Massen mit recht minimalem
Sound. Es ist immer wieder erstaunlich, was er für Platten
ausgräbt. Leider wird er aber seltener in Europa gebucht als
die Kollegen Pierre und Morell. Ein Kumpel von mir
äußerte letztens etwas, was er glaube ich schon
ziemlich lange loswerden wollte: "Adam is god" und noch einiges
andere in dieser Richtung. Die Party war sonst recht
zufriedenstellend, wenn auch ein bißchen kurz.
Zwei Wochen später gab es dann die Fantasia Party in Brooklyn
mit einem guten Line-up: Adam X, Mike Dearborn, Frankie
Bones...Ich hatte mir die ( 20$ teure) Karte schon vorher gekauft,
aber als ich um 2 Uhr eintraf, standen etwa 500 Mann bei eisiger
Kälte draußen und warteten. Warum die Türsteher
aber nur alle 10 Minuten etwa 10 Leute einließen, wird wohl
ihr ewiges Geheim-nis bleiben. Ich bin nach Hause chillen
gegangen, was auch sonst.
Enttäuschend sind nun auch die Light and Dark-Parties
geworden, jeden Dienstag von Liquid Sky store organisiert. Aus
Jungle wird Reggae und zu später Stunde konnte ich meinen
Ohren nicht trauen, denn die als Tekkno-Party propagierte Sache
endete mit nettem Acid-Jazz.
Dann war da noch die "Made in
Detroit"-Party im Limelight. Kenny Larkin spielte Altes und Neues
fast ausschließlich aus Detroit. Wir hatten unseren
Spaß, aber ob all die anderen die Musik genauso genossen
haben, ist zu bezweifeln. Soviel Hits und kein einziger Schrei. Da
tat mir Kenny Larkin auch ein wenig leid, denn der ist ja mehr
gewohnt. Limelight bleibt Lime-light. Man müßte den
Kasten schon in die Luft spren-gen, um daran was zu ändern.
Zu Schluß noch ein paar Tips für New York-Besucher, die
keine Lust haben, sich in den großen Läden wie
Scheiße behandeln zu lassen. Im Grey Gardens findet jeden
Sams-tag eine House-Party statt, wo die Atmosphäre mal ganz
anders ist: Türsteher und Barkeeper sind freundlich und sonst
ist alles ein wenig mehr familiär. In jedem Fall der beste
Club im Moment in New York. Adresse: 15 th Street /Ecke Irving
Place.
Ein weiterer Tip für Freunde von seltenen Ambient-CDs und Platten ist der Strange Plattenladen (445 e. 9th Street). Der Laden ist klein, aber dafür recht gut be-stückt... Außerdem ist Besitzer Colin immer für eine Überraschung gut.
Kareem
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