Ausland

<City Report Süd

Zürich

Amsterdam

New York





Zürich

Hallo Freunde! Obwohl zu Ostern die Outdoor-Eiersuche meteorologisch erschwert war, gibtes aus der Schweiz mancherlei Gutes zu melden. An Ostern selbst war allerdings zumindest offiziell tote Hose: In Zürich gibts doch tatsächlich ein Tanzverbot für Karfreitag und Ostermontag. Wer da was veranstaltet, bekommt die Polizei ins Haus. Kommentar überflüssig.

Nun aber zum Positiven: Es gibt jetzt bei uns endlich mal einen Club, in dem regelmäßig die besten DJs aus aller Octopussies Länder zu hören sind: DekaDance im Tarot- Club. Die Trope-Night von Ende März bot zwar astreinen Sound, konnte aber leider nicht allzu viele Raver zur beschwerlichen Fahrt ins abgelegene Rümlang verführen - es war höchstens drittelvoll.
Immerhin war die ganze DJ-Bande aus Zürich da, die sich aber in erster Linie mit Fachsimpeleien untereinander und mit den Gast- DJs begnügte. Neben Heckmann selbst, der allerdings sein Kabelgewirr zu Hause ließ und stattdessen Platten auflegte, agierten Electric Indigo und zum Schluss Rok und brachten neben mir, der ich wie immer die wildesten Armverrenkungen und Hüpforgien von mir gab, doch zahlreiche Anwesende zum Tanzen. So richtig gings aber, weil eben halbleer, doch nicht ab, und es tropfte kein Kondensschweiß von der Decke. Das Tropfen sowie ein Vielfaches der dann Zuhausegebliebe-nen kamen dafür umso intensiver acht Tage später, was Proväthen in der Presse schon vorausgesehen hatten. Bereits am Tag zuvor war vor dem Club ein Zelt aufgeschlagen worden. Man mußte dann etwa zwanzig Minuten warten, bis man in die Hallen gelangen konnte.
Neben dem Haupt-Clubraum war an diesem Abend auch der ein Stockwerk höher gelegene Chillout-Floor geöffnet mit wunderbarem Ambientsound von Aural Float, Azary & Co., und ziemlich voll wars auch dort. Für den Zustand auf dem Hauptfloor ist "voll" keine korrekte Bezeichung. Aus dem Chemieunterricht erinnere ich mich an den Begriff der "dichtesten Kugelpackung"; das trifft es wohl eher. Es ist in diesem Raum bisher wohl selten derart abgegangen, und der Sven war echt gut drauf, völlig anders als bei seinem eher schwächlichen Set an der Omni (wohin wir zwei Wochen davor auch gereist waren und immerhin am Sonntagnachmittag im Omen durch Carl Cox voll für die Leiden der Nacht entschädigt wurden). Nach Deka- Dance gabs dann noch Afterhour mit Sven im Oxa, und sein nächstes Erscheinen in unserer Gegend ist schon für den 27. Mai vorgesehen.

Ganz anders war die Geburtstagsparty von Sauri, bekannt auch als "Das Sausen". Sie fand in der Nacht auf Karfreitag im "Brut", einem neuen Illegal-Club im Herzen von Zürichs Industriegebiet statt. Dieser Raum ist echt irre! Er hängt voll mit allen möglichen Kunst-Gegenständen. Der DJ steht erhöht auf einer Art Kanzel, die an der Decke aufgehängt und nur durch Beschreiten einer geländerlosen Holzbrücke zu betreten ist. Deshalb habe ich mich am Tag zuvor auch geweigert, dort aufzulegen, falle ich doch schon in Ohnmacht, wenn ich auf einen Stuhl stehen soll. Na ja, was solls. Die Party war jedenfalls total geil, gute Leute, Sound aus allen Gegenden, die irgendwie mit Detroit verbunden sind, und man weiß nicht, obs an der Musik oder an der Luft lag, da auch sonst als eher spröde bekannte Zürich-Szene-DJs ganz öffentlich den Frühling spürten

Von den Techno-Begleitphänomenen gibts ebenfalls Neues: In Basel existiert ein Laden namens Global Records, eingemietet im Kleiderladen Soho, der Maxis zu sage und schreibe zwölf Schweizerfranken verkauft. Da können andere auch mit ausgeklügelten Kunden-fangsystemen wie Member Card (kotz!) nicht mithalten. Spezialgebiete sind House, Progressive und Acid- trance, vor allem englische Labels. Man findet aber auch das Programm von No Respect und anderes.
In Zürich eröffnete vor einigen Wochen Le Garage Records, der Plattenladen zum Club, der sich durch architektonische Hübschheit, zentralste Lage und ein gutes House-Sortiment samt fachkundiger Beratung durch DJ Einstein auszeichnet. Außerdem ist es einer der wenigen Orte, wo man zum Anhören der Scheiben echte MKIIs zur Verfügung hat. Eingegangen ist dafür das Dadaland, wo sich ja auch die Zürcher Filiale von DJ Beat eingemietet hatte. Die kommt jetzt neu in den Planet 8 und erlangt damit auch eine zentralere Lage direkt zwischen Odeon und Upspace.

Damits aber nicht allzuschön wird, hier das kalte Grauen: Der König hat ne Platte gemacht. Veröffent-licht ist das Ganze auf dem Cubik-Sampler, auf dem irgendwie ohnehin die schwächsten Tracks der jeweiligen Acts publiziert sind. Im übrigen freuen wir uns alle auf Cubik 95, das am 27. Mai über die Bühne gehen soll. Diesmal wurden noch mehr Hallen angemietet; man erwartet 20.000 Besucher. Das Line-Up ist höchst vielversprechend und wird von den Veranstaltern erfahrungsgemäß auch eingehalten. Damit nicht zuviele Raverautos die Strassen des Landdörfchens Roggwil verstopfen, gibt es zu Spottpreisen sogar Sondertickets für die Bahn - die Station ist direkt neben der Location.

Fliegenpilz.


Amsterdam

Es darf gesagt werden: Fools' Paradise, die Radio 100 Party am 1. April im Silo, war ein voller Erfolg. Bereits um 23:00 h stand eine Schlange vor der Tür, und in kurzer Zeit war ausverkauft. Gegen Mitternacht wurde bereits kräftig gefeiert, und ab 1 Uhr war der Dancefloor gerammelt voller Leute, die völlig aus dem Häuschen waren. Auch die englische Gast-DJs begeisterten, die Deko war kreativ, und sogar Getränkeausschank und Garderobe funktionierten ausgezeichnet (das ist im Silo nicht immer der Fall, wie sich schon zwei Wochen später wieder zeigte). Pech für Nachzügler: der Laden blieb lange voll, und nur ganz späte After-Hour- Besucher kamen wieder rein. Einige Die-Hards hatten auch um 12 Uhr mittags noch nicht genug, aber dann war wirklich Schluß.
Bleibt die Frage: wann kommt Teil zwei? Auf jeden Fall musikalisch in die gleiche Richtung geht's am 4. Mai (der Tag danach ist Nationalfeiertag) bei Analog City. Live on stage dort UNIT MOEBIUS! Music by Abraxas, Mickey V und Jorn, also viel Acid & Heavy (Detroit) Techno. Startschuß um 22:00, be in time (siehe oben...).

Auch diesen Monat wieder gibt's Schlechtes von der Obrigkeit zu berichten: diesmal ist die Fun Factory in Zaandam (vor den Toren Amsterdams) das Opfer. Gerade in Multigroove umbenannt, der Name, unter dem die Organisation die letzte große Razzia vor ein paar Jahren erlebte, will die Stadtverwaltung den Laden schlies- sen, Grund unbekannt...Auch zum Königinnentag (30. April) hat die Stadt Amsterdam ihre Zähne gezeigt: während Humpapakapellen und Rockbands überall in der Stadt lärmen dürfen, kriegen House/Technoveranstalter keine Genehmigung. Irgendwann provozieren sie auch bei der politisch unengagiertesten Jugend die Revolution...the summer of revolution??


New York

Nach zwei recht fruchtbaren Monaten scheint in New York wieder die große Dürre ausgebrochen zu sein und ich renne wieder in die alten House-Clubs. Es gab schon ein paar Raves, aber das Glück war nicht auf meiner Seite. Irgend etwas lief immer schief.

Da gab es beispielsweise den "Creation Rave", für den Cosmic Baby und DJ Dag angekündigt waren, dann aber doch nicht auftauchten. Zum Glück war Carl Craig anwesend und rettete den Abend. Adam X verzauberte die Massen mit recht minimalem Sound. Es ist immer wieder erstaunlich, was er für Platten ausgräbt. Leider wird er aber seltener in Europa gebucht als die Kollegen Pierre und Morell. Ein Kumpel von mir äußerte letztens etwas, was er glaube ich schon ziemlich lange loswerden wollte: "Adam is god" und noch einiges andere in dieser Richtung. Die Party war sonst recht zufriedenstellend, wenn auch ein bißchen kurz.
Zwei Wochen später gab es dann die Fantasia Party in Brooklyn mit einem guten Line-up: Adam X, Mike Dearborn, Frankie Bones...Ich hatte mir die ( 20$ teure) Karte schon vorher gekauft, aber als ich um 2 Uhr eintraf, standen etwa 500 Mann bei eisiger Kälte draußen und warteten. Warum die Türsteher aber nur alle 10 Minuten etwa 10 Leute einließen, wird wohl ihr ewiges Geheim-nis bleiben. Ich bin nach Hause chillen gegangen, was auch sonst.

Enttäuschend sind nun auch die Light and Dark-Parties geworden, jeden Dienstag von Liquid Sky store organisiert. Aus Jungle wird Reggae und zu später Stunde konnte ich meinen Ohren nicht trauen, denn die als Tekkno-Party propagierte Sache endete mit nettem Acid-Jazz.
Dann war da noch die "Made in Detroit"-Party im Limelight. Kenny Larkin spielte Altes und Neues fast ausschließlich aus Detroit. Wir hatten unseren Spaß, aber ob all die anderen die Musik genauso genossen haben, ist zu bezweifeln. Soviel Hits und kein einziger Schrei. Da tat mir Kenny Larkin auch ein wenig leid, denn der ist ja mehr gewohnt. Limelight bleibt Lime-light. Man müßte den Kasten schon in die Luft spren-gen, um daran was zu ändern. Zu Schluß noch ein paar Tips für New York-Besucher, die keine Lust haben, sich in den großen Läden wie Scheiße behandeln zu lassen. Im Grey Gardens findet jeden Sams-tag eine House-Party statt, wo die Atmosphäre mal ganz anders ist: Türsteher und Barkeeper sind freundlich und sonst ist alles ein wenig mehr familiär. In jedem Fall der beste Club im Moment in New York. Adresse: 15 th Street /Ecke Irving Place.

Ein weiterer Tip für Freunde von seltenen Ambient-CDs und Platten ist der Strange Plattenladen (445 e. 9th Street). Der Laden ist klein, aber dafür recht gut be-stückt... Außerdem ist Besitzer Colin immer für eine Überraschung gut.

Kareem


<City Report Süd

Copyright © 1995, Technomedia GmbH HomeBattnSm2 HomeBattnSm1