< Vinyl Continental Vinyl USA >
Heist - Dystrophic E.P. (Praxis 11)
Praxis ist fast immer cool, das ist inzwischen klargeworden. Auch dann, wenn nicht mit etablierten Produzentennamen geprotzt wird. Erneut läßt Christoph Fringeli auf Praxis einen bis dato unbeflecktem Produzenten die Möglichkeit, seine aggressiven Talente auf vier Cuts voll auszuleben. A1 knarzt und clonkt, während A2 diese beiden vorrangigen Elemente mit düsteren Grooves, protzig-preschenden Strings und einer drogigen Bassdrum in einen völlig anderen Kontext stellt. Die B-Seite kommt experimenteller, mit cleveren, flüsternden Hooks und undefinierbaren Beatstrukturen. Wer noch nicht tot ist, versteht's, und lacht aus Wut. (*** ***1/2) JAM
Kickdown - Here Is Justice (Mindprobe 14)
Hardcore zwischen Mokum, Killit, DHR und Force Inc. mit mauskleinen Disco B-Einflüssen. Würde auf keinem der vorgenannten Labels veröffentlicht werden, kickt aber mit seiner Mischung aus Breakbeat und Disco-Gabberacid zärtlich in die Weichteile. Tut deswegen nur ein ganz klein bißchen weh. (*** ** - *** **1/2) JAM
Source - T-10 Remixes (White Label)
Pianolastiger Happytrance ohne Euphoriesekunden mit beinahe experimentellen Analogspielereien so zwischendurch. Weder Hund noch Katze. (***) JAM
Autechre - Garbage (Warp)
Nach ihren Remixen für Mo'Wax jetzt wieder direkt eine Produktion für Warp. Die einzelnen Mixe verbeugen sich 1. vor Basic Channel, sind 2. Ambient '95 und 3. typisch Autechre, wie man sie von ihren Warp-Produktionen her schätzt. (*** ***) JAM
Space 2000 - Release Me (Wired)
Progressive Brithouse mit schwulem Jimmy Sommerville-Gesang. (***) JAM
Jeanie Tracy - It's My Time (Pulse 8)
Alle Klischees bestätigender Piano-House mit schwarzer singender Frau. Doppel-12-Inch. Achtung, folgende Info ist der Hit: Jeanie Tracy (ex-Weather Girls) hat bei Whitney Houston's "Every Woman" im Background gesungen. (***) JAM
Nightcrawlers - Push the feeling on rmxs (ffrr)
Nicht genug, daß dieses Stück schon so uralt ist, daß das endlich gedrehte Video langweilig und so weiter, nein, die Remixe verwursten das ehemals gar nicht mal schlechte Original bis ganz nach oben in die Dorfdiscocharts. Eklige "let's push it" - Gesänge sind das einzig neue, und die sind einfach keinen Pilz wert. (*) dis
Sound Enforcer (Rising high)
Wer noch eine ausladende, dramatische Platte sucht, die einfach bis zum Ende durchläuft, ohne die versammelte Gemeinde einzuschläfern, ist mit dem Kauf dieser Scheibe bestens bedient. Sorgfältig arrangierte, flächige Sequenzen, die einen jeden über lang einwickeln, in bester Qualität produziert. In einer Version passiert alles traurig langsam, die andere ist definitiv ein Erfolg auf der Tanzfläche. (*** *) dis
AtomX - Neutron 5 EP (Reload)
Highspeed-Achterbahnfahren in einer endlosen Betonröhre, die durch einige wenige Öffnungen in ihrer meterdicken Wand Tageslicht einläßt, das so gleißend hell ist, daß die Nachbilder auf Deiner Netzhaut beginnen, ein Eigenleben zu führen. Alles, was Du siehst, sind Abbilder von Bildern, die noch schneller vergehen als sie entstanden sind. Und das Ziehen im Rückgrat wird nie wieder verschwinden. (*** ***) dis
Affie Yusuf & Nigel Casey - mad dogs and englishmen (909 Pervertions)
Nicht weniger als ein Reiseführer verbirgt sich hinter dieser EP, die sich vier englische Städte zum Thema der einzelnen trax macht. Inwieweit die Stücke was mit den Orten zu tun haben, weeßicknich. Am besten würde mir es vielleicht in Leeds gefallen, London bringt mich sowieso um und in Manchester und Sheffield war ich noch nie. Eine Koproduktion, die klappt.
(A1 *** ** Rest ***) dis
The Evader - no hats required (cosmic)
Obwohl sie vom letzten Jahr datiert ist, hab ich sie jetzt erst gesehen, wer hat da geschlafen? Verpaßt hätte ich fast mehr als eine handvoll universeller trax, feuchter minimalacid, der auch auf Utensil landen könnte. Absolut eindeutiges, unbeirrtes Walzen auf der langen Straße der Übriggebliebenen. (*** ***) dis
Eddie Flashin Fowlkes - Stella2 (Peacefrog)
EFF muß seine Murmeln verloren haben. Der Mann, der seiner Meinung nach eher Jazzer ist, beschert uns nervöse, flatternde Sounds, die am ehesten noch nach einer durchgeknallten Folkgeige klingen, eine Batterie von Rasseln, Glocken und Hölzern, arrangiert mit soviel Sicherheit, daß jeder hört; das ist die Zukunft. Die B-Seite, ein trauriger, endloser dub-hop, entlässt Dich danach sorgsam in die Gegenwart. (A *** ** B *** *) dis
XTRAK - Relay EP (Peacefrog)
Es kann gar nicht genug simple, monotone Weisen geben, da macht das Auflegen neben Spaß auch richtig Arbeit, endlos kicks über-, neben-, zwischeneinander zu legen. Denn was eigentlich zählt, ist doch nicht der beat, sondern die Teile dazwischen. Und die füllt Todd Sines, der auch schon Accelerator beliefert hat, mit so coolen Geräuschen, daß es funkt. (*** ***) dis
Roland Casper - take this (magnetic north)
Drei Statements zur Lage der Säure vom allseits bekannten Klassikacid-DJ.
Scheinbar angeregt durch die Vorlagen einiger Kollegen, zeigt Roland Casper erwachsenen Jack, von hypnotisch bis alarmierend. Zurück bleibt leider der Nachgeschmack aufgewärmter Tiefkühlnahrung. (*** *) dis
Bandulu - fight the apressers (infonet)
Nahkampfmusik, bestens in der Lage, durchgreifend Ordnung in einen Haufen Haltungsgeschädigter zu bringen. Über einem treibendem Schlagzeug trötet es Dir direkt ins Hirn, weghören oder hinsetzen is nich. (*** **1/2) dis
Secret Life - Love So Strong (Pulse 8)
Alle Klischees bestätigender Piano-House mit schwarzem singenden Mann. Doppel-12-Inch. (***) JAM
Spaces - Freeflow (out on a limb)
Unwiderstehliche Sequenzen, wie sie Dave Clarke oder Rob Hood aus dem Ärmel schütteln, funky Drumprogrammierung und viel Geduld sind die Bestandteile der beiden langen, taktvollen und cool modulierten trax. Einmal pumpt es eher bodenständig, einmal fliegst Du zügig nach Irgendwo. Cool. (*** **) dis
Patrik Sjeren (Universal Code)
Nach einigen Veröffentlichungen auf Labworks beehrt P. Sjeren jetzt das junge englische UC-Label mit drei flüssigen Acidstompern, jeder eigenständig und beste Endlosschleifenmusik. Fette Kickdrums, einlullende Loops, simpel aber gut arrangiert, trocken und ausgesprochen motivierend.
(*** ***) dis
The Tusken Raiders - Bantha Trax (clear)
Phatter, schwerfälliger, aber gutgelaunter Electrobeat, der zu deep ist, um auf dem Dancefloor eine Chance zu haben. Aber gute Musik findet immer ihren Platz, und so passt diese dann, wenn Du keine kicks mehr suchst, sondern leerläufst, ohne auf der Stelle treten zu wollen. Gekonnt wickeln die Raiders Sounds umeinander, bis sich keiner mehr erinnert, wie das alles angefangen hat. (*** ***) dis
Gigglatron - Kromozone (Paradigm)
Kromozone lebt von einer harten Bassdrum, einer einzigen, schnellen Sequenz und kalten, durchsichtigen Sounds. Gigglatron versuchen gottseidank gar nicht erst, etwas auszubauen, was nicht da ist und belassen es bei diesen basics, um diese so effektiv wie möglich wirken zu lassen. Dabei schraubt sich die ganze Zeit ein Virus ein, den keiner loswerden will.
(*** ***) dis
Choci - Come closer (stay up forever)
Mahlender Acid, sauber produziert und geschmackssicher arrangiert, modulieren zwei Sequenzen in bester Hardfloor-Tradition umeinander und drücken einen dichten Teppich aus kickdrum, claps und hihats in den Tanzboden. Auf der flipside gibt's einmal eher getragenes und noch eine Humpelnummer mit lustigen basslines. (*** **) dis
Jihad - Rights & Rituals (Celestial)
In hohem Tempo rutschen fies übersteuerte drums über glitschige Zappelsequenzen, ein allgemeines Gefühl von endloser Tanzfolter macht sich breit, die nächste Atempause ist nicht in Reichweite.Schneller englischer Acid ohne ein schielendes Auge auf die Charts, direkt sympathisch. (*** ***) dis
Ocra-A - Invisible EP (Collide)
Feierlich, weit gespannte Musik, trancig, nicht langweilig, aber sehr vorhersehbar und deswegen eigentlich nicht gelungen. Handelsübliche, flatternde Sequenzen, zerhackte Vocalsamples, alles gefällig arrangiert, nicht aufregend. (***) dis
Spira 003
Spira gehören der Generation von Producern an, die nach Luke Slater gekommen sind, diesen speziellen Sound aufgreifen und für sich ein wenig anders interpretieren. In diesem Genre sind Spira ausgesprochen gut und können sich durchaus mit den Altmeistern messen. (*** **1/2) RRR
Mode 4 - Eurobliss (Soma)
Amerikanische Produktion und die experimentellste Platte des Labels bis dato. Wahnwitzig schräge Akkorde und ein ebenso ungewohntes Understatement lassen die Platte in viele Plattentaschen wandern, denke ich. Äußerst interessant! (*** ***) RRR
Pure Plastic 003
War man auf den letzten Platten von PP den relativ straighten Stil von Mark Broom gewohnt, so meint man hier latent eine Sympathie für Cheap Records zu spüren. Cool, relaxt und mit einem Gespür für das Detail! Superb! (*** ***) RRR
Baby Ford & Mark Broom- Perbec EP (I-Fach)
Platte, die mit ihren zwei völlig unterschiedlichen Seiten irgendwo zwischen Basic Channel und Cheap Tracks liegt. Sicherlich weniger fragile und morbid, dafür aber konkreter und greifbarer im Sinne englischer Produktionen. Nett! (*** **) RRR
X Track - Relay EP (Peace Frog)
Alle Trax kommen von Todd Sines, einem Freund von Daniel Bell, dessen Stücke ursprünglich auf Accelerate hätten erscheinen sollen. Stilistisch entfernt sich dieser mit seinen Drumtrax nur minimal vom Schaffen eines Daniel Bell. Zwar wirken sie weniger plastisch, haben aber dennoch das animalisch, gurrende Lebenselexier, das auch die DBX Stücke beseelt. (*** ** 1/2) RRR
Deadstock (Internal)
Trip Hop und House, z.T. mit experimentellen Stücken, insgesamt allerdings ist es enttäuschend, was hier auf drei Platten (!) geboten wird.
(*) RRR
Eddie Flashin Fowlkes - Stella (Peace Frog)
"Bust The Jam" ist Hip Hop Beats, Shouts, Toasts, Cratches und im ganzen eher untypisch für ihn und etwas schwieriger verständlich für uns. "Stella", das A-Seiten Stück, hat Detroit Techno Profil, läßt analoge Synthies Melodien pfeifen und verdreht Sequenzen wie DNA Stränge, um aus ihnen diese endlos schönen Känge zu gewinnen. Die Stücke sind lizensiert von City Boy Records, sind aber auf seriösere Art "verrückter", als das, was er auf dem Label in letzter Zeit veröffentlicht hat. (*** **1/2) RRR
Paperclip People - The Climax/Clear & Present (Open)
Seine Remixe von Mister Mondays "Future" waren eine Enttäuschung. Demensprechend hoch sind die Erwartungen, die nur zum Teil erfüllt werden. Es scheint, als wenn für die Puristen die Zeit vorbei wäre, daß sie sich über ein Carl Craig Release hätten freuen können, denn sein Parade-Projekt neben 69, Paperclip People, scheint sich endgültig den hörerfreundlichen Gefilden zugewendet zu haben. Nun gut, zur Platte; auf ihr befinden sich mit "Climax" und "Clear und Present" zwei Stücke, wovon das erstere ein Detroit Stringsound Track mit Disco und Funk Elementen ist, der geritten wird durch eine gerade, durchlaufende Bassdrum. Das Stück ist verhalten/entspannt, cool und hat mehr von einem gehauchten Statement, mehr von einem Late Night Feeling als von kämpferischer Schrägheit. Gerade aber und auch auf die Gefahr hin, daß ich mich wiederhole, gerade diese aber vermißt man. Ein Carl Craig Break Beat hätte im Zusammenspiel mit den Strings mehr bewegt, aber darum scheint es nicht zu gehen, Carl Craig scheint "nicht "bewegen zu wollen, das Stück soll an Identität verlieren und sich einfügen in den Kreislauf des Abends? "Climax" läuft letztendlich in einer Soundrille ohne Beat aus, die nochmal eine ganze Minute dauert. Mutig, denkt man und man spürt eine kleine Sensation, freut sich auf die Endlosrille, die leider auch nicht kommt. Shit! "Clear & Present" klingt zu Beginn stark nach Chez Damier und Ron Trent, wenn auch weniger smooth und natürlich mit europäischem Einschlag, geht aber im Verlauf des Stücks durch seinen konventionellen Tribal-Disco Beat einen anderen Weg. Faszinierend dagegen sein Break im letzten 6-tel des Stücks, der verdammt viel von einer Fusion von Pink Floyed und verkiffter Krautrock Ästethik hat, der danach kommende Beat wirkt da enttäuschend plump und unpassend. Schade, auch wenn's ein Hit wird, es hätte noch tausendmal besser sein können! (*** **) RRR
dazu sl: Carl Craig wird ja mittlerweile zum Stammgast und besten Pferd im Stall beim Ministry-Of-Sound-Label. Nach seinem Mister-Monday-Remix letzten Monat (dessen Originalversion in der Tat ein 89er-Ibiza-Smash des damaligen Adamski-Konkurrenten ist und sich nicht nur so anhört) schreit diese Platte diesmal nicht sofort "ich bin ein Clubhit ersten Grades!", sondern schleicht sich eher unauffällig groovend und flötend ein. Auf den wirklichen Höhepunkt wartet man bei "The Climax" vergebens, was der Freude an Craigs Minimal-Spiel mit bekannten Elementen aber keinen Abbruch tut. Die B-Seite geht dagegen eher mal zurück zum Planet-E-Sound der ersten Stunden, worauf die Fans ja auch lange gewartet haben. (*** **) sl dazu disko: Disco lebt. (*** *** *) dis
Distant Drums -Work That Body (Out On A Limb)
Der A-Seiten Mix von "Work That Body" ist definitiv ein kleiner Hit, auch wenn die Chicago Tönchenmelodie und das Sprachsample nichts Neues darstellen, so ist die Mischung mit 303 Sequenzen und das Stück im ganzen catchy. Mutig und gelungen ist zudem der ambiente, verhallte Part, der ein weiteres Spannungselement schafft. Die Beste Out On A Limb seit der Debutplatte! (*** ***) RRR
The Siren (?)
Einseitig bespieltes, hartes Technorelease, mit klozigen Drumpattern und ravigen Sirenen Sounds. Clubkompatible Platte im Tim Taylor Stil. (*** **) RRR
The Advent - Level X,Y,Z (Internal)
Kick Ass Scheibe aus England (!!!!!!!) und Gott sei Dank einmal ein Output nicht von Luke Slater, welches sich anschickt, das Erbe eines Jeff Mills würdig zu interpretieren. Im ganzen wirkt die Platte zurückhaltender und kompakter als Luke Slaters letzte Platten, gleichzeitig aber hochgradig vielschichtig und druckvoll aus der Mitte heraus, wie es für Jeff Mills typisch ist. Für Elektro Fans befindet sich ein Mix auf der Rückseite, der ebenfalls gut ist. Eine eindrucksvolle Platte!
(*** ***) RRR
MLO - 01 Hour 01 Minute 01 Second (ITP)
Doppel 12" mit introvertiert ruhigen und schlichten Abientstücken. Platte kommt in braunem Packpapier-Umschlag und ist auf 1000 limitiert. (*** **) RRR
Power Trip EP (Fvturus Rec.)
Platte im Progressive House Look mit erstaunlich bösen und schweren Oldschool Acid Stücken. Im besonderen "Stella Vandazee" hat vergleichbare Dancefloorqualitäten, die man sonst nur bei Altmeistern findet. Akzeptabel. (**** 1/2) RRR
M-Age - Under A Cubik Sky (Rising High)
Under A Cubik Sky hat so etwas von englischer See-Romantik, von englischem Indie Gitarren Pop, wie er früher aus Brighton kam. Beschwingt, unbedacht und sympathisch schönlebig. Alle Stücke kommen von Casper Pound, mit der Ausnahme von " Visitor " (Air Liquide) und "Under A Cubic Sky" (Donique Woosey). (*** **) RRR
Bandulu - Fight The Adressers (Infonet)
Es wäre falsch zu sagen, daß es sich hier um eine typisch Bandula Platte handelt, der Titel läßt es vielleicht schon erkennen, denn es sind diesmal Hardcore Tracks entstanden. Wie bei Luke Slater hat man sich hier etwas von Jeff Mills' Gedankengut abgekupfert, allerdings in eigener Interpretation, die ja schon immer gekennzeichnet war von digitaler Schönheit (?) und diesem berechenbaren Arrangement, das auch bei ihren besten Stükken immer anwesend war. (****) RRR
Schatrax Vol III (Schahtrax)
Die neue Schahtrax wirkt nicht so geschlossen wie ihre Vorgänger, sondern irgendwie zerstreut und ohne Design. (****) RRR
Dropping Science Rmx (Dropping Science)
Dropping Science Like Girls Dropping Babies' ist eingeritzt, und das scheint ernster gemeint, als man glauben mag. Cyberraggajazzbassline und auf ein Minimum reduzierter Drum & Bass Track auf der einen Seite, der außer dem Step on Sample und ganz kleinen tonalen Drumgeräuschen eigentlich nichts mehr braucht, um jeden Dancefloor mit gebleckten Zähnen zu zerfleischen. Wenn später noch die sehr schrägen, sehr verhangen verspielten Flöten und Explosionen dazukommen, dann ist das schon fast zuviel. Genial arrangiert von Danny Breaks, der nach langer Pause mal wieder zeigt, daß Jungs eben doch was zuwege bringen können, und sei es nur Kunst. Der EZ Rollers Remix von Jazz ist mehr soundverliebt, dicht und übernimmt dieses nervöse Swingen aus dem Original. Bringt den Track eigentlich eher in die nähe von Omni Trio, was auch sehr gut ist, gegenüber dem wirklich visionären Orginal allerdings abfällt.
(A*** ***B*** **) Bleed
Dread Bass (Second Movement)
Die schon auf ihrer letzten Second Movement heißgeliebte Stepperbassline ist auch hier wieder auf Moods zu finden, sorgt allerdings von Beginn des Tracks an dafür, daß es high spirits ist. Superleichter Sahnetrack, der zugleich enthusiastisch, euphorisch, megapathetisch und glorreich wie auch federnd und kickend ist. Ein Track, der das Sandmännchen unauslöschlich in jedes Kinderherz eingraviert hätte, wäre er damals schon gelaufen. Selbst die dezenten paar Töne bekiffter Sechziger- Gitarre ändern nichts daran. `Baby Tears' verbreitet mehr Urwaldstimmung, klotzt ein wenig in den Vocalsamples, benutzt nochmal diesen Dead Dread Bass, und setzt obendrauf extrem peitschende gephasete Crashrideouts. Ein Killer. Ein bißchen hohl vielleicht, aber bestimmt dazu, ein Hit zu sein. Die Generation wird schwanger, da kann man nichts machen. So fett auf den Punkt.
(A*** **B*** ***) Bleed
Point Blank (One Touch)
Ich muß zugeben daß ich von den ehemaligen After Dark Jungs lange nichts mehr gehört habe, und wie es scheint, haben sie sich irgendwie in die Raggaecke zurückgezogen und versucht, die mit neuen Drumsounds aufzufrischen. Aus so einer Art Slomotion Talkingdrumbacking entwickelt sich eine rollende Bassdrum wie ein Doppelstöckiger Panzer, und kleine Explosionen folgen. Ziemlich tief grabender Track, der irgendwann in seiner Suche auch noch 60ger Pizzicato-Strings auftreibt und Mellotronsoli so unverfroren neben die grollenden, runtergetuneten Raggavocals setzt, daß Harpo seine Freude hätte. Einer der besten Raggatracks des Monats for sure. `Eternally'ist eher Gangsterfunk. In der verrauchten Bar klirren die Gläser. Unerklärliche Schönheiten vermutet man hinter den Schwaden aus Licht und Drogen. Wahrheiten durchzucken knorpelig das schummrige Bewußtsein und Raggavocals klingen fast schon wie ein Kommentar, der eben noch so den Cortex streifen kann. Ab in die Opiumhöle. (A*** **B*** ***) Bleed
Dreamteam (Joker)
Natürlich will auch Bizzy B seinen Teil von der 60ger Jazzeuphorie mitmachen, bei ihm allerdings steigert sich das ewig faulenzende Wah wah zu einem Präzisionsinstrument des Schlachters. `The Lighter' rattert durch Snares, Crashes und explodierende Bassdrums, als gäbe es für Intensitäten keine Verschnaufpause. Vielleicht mal eine Sekunde, aber dann wieder hinein in den zerfetzendsten Irrsinn seit Ewigkeiten. Tödlicher Hammertrack, der einfach irgendwann stoppt. `Sweetie'orgelt sich eher mitten in das Glück, beginnt mit dem Höhepunkt und erreicht spielend die psychedelische Qualität eines Formation Tracks, ohne allerdings dort stehenzubleiben. Die irgendwann geschaffene Leere einer Bassline wird durch extreme Sounds zerrissen und immer wieder der Spannungsbogen zum Ende hin aufrechterhalten. Stellt einige Grundkonzepte des Lebens mal wieder auf den Kopf. Bestialisch himmlisch. (*** ***) Bleed
DJ Dopeski (IQ)
`The Clash' ist schon so etwas wie ein typischer Hit für die Raggaszene. Mit Soundeffects aus der üblichen Dubkiste, Raggavocs und Sirenen, wie man sie sich wünscht. Aber das eigentlich Interessante ist, daß der gesamte Beat die ganze Zeit über klingt wie unter Wasser aufgenommen. Das nimmt ihm Präzision, gibt ihm aber eine seltsame Schärfe im Ausweichen. Ein Hit, mit allem was dazugehört, nur daß um die Krone des Königs der Löwen eben keine Vögel fliegen, sondern Seepferdchen. `Dope' geht noch einen Schritt weiter und bläst auf zum ewigen Kampf. Tückisch hinterhältige Breaks und Basslines, die sich hinter den Bäumen verstecken, um einen unerwartet und schlängelnd anzufallen. Ruffneckstyle. Jungle ist tot, aber bis wir das auch merken, vergeht wohl noch ein halbes Jahr. (*** **) Bleed
2 Dem Ruff - Zion Gate (Pharaoh)
Soundsystem Jungle. Zwei Tracks, die sich ganz gerne mal in den Hallwegen verlieren und im allgemeinen auch weniger mit Ragga zu tun haben als mit Dub. Kurz, wichtiger ist ihnen die Illusion eines Grooves und seiner Möglichkeiten, als die Message irgendeines Egos. Der EarthquakeTrack wirkt allerdings so selbstzufrieden in seinem Trudeln, daß man sich außer den Parts, in denen man dieses angenehme Lagerfeuergefühl der ersten Stämme dieser Erde bekommt, nicht an viel erinnern wird. Nicht zuletzt, weil dieser bad Sister Break mittlerweile so unglaublich oft benutzt wurde. Der andere, Zion Gate funktioniert eigentlich gleich. Mit einem besinnlichen Vocal extra. Angenehm unwichtig. Ja, die Zionisten. (****) Bleed
Radic (Pharaoh)
Geht man mal davon aus, daß der erste Track `Guns Don`t Argue' heißt, sollte man sich über diese Art nostalgisch euphorischen Humors schon wundern. Erstmal wird versucht, aus diesen heftigen Crashsounds eine endlos lange Melodielinie zu ziehen, dann tapsen die Beats plötzlich wie 101 Dalmatiner vor Deiner Haustür herum, und dann macht der Track Ferien in Atlantis. Schön, bis auf den letzten Kick. Will gar nicht wissen, wieviele Junglerelatedte Autounfälle es in London zur Zeit gibt. Kamikazestyle. `Mafia Man' versetzt uns schon wieder in diese seltsame Baratmosphäre, in der die Gleichgültigkeit der Kenntnisnahme einer Mafiazugehörigkeit nur ein weiteres Element in der tagtäglich tristen Unüberschaubarkeit der Welt ist. Es wird gekämpft, egal auf welcher Seite, wir treten ins physische Zeitalter der Funktionalität. (*** **) Bleed
Goldie featuring Metalheads - Inner City Life (FFRR)
Amirelease mit neuen Mixen von Nookie, Roni Size und 4 Hero. An dem Gesangspart kann man nicht viel verändern, denn die Stimmung der Stimme überwiegt einfach, was immer man macht. Die interessanten Teile liegen also außerhalb, und da hat Roni Size die Nase in gewisser Hinsicht vorn und katapultiert uns in ein Vacuum sich überschlagender Beats und Stimmreste, deren Dimensionen die Bassline auslotet. Zu schön dann das Ganze. Vielleicht ist Inner City Life doch einfach eine neue Generation. Der endgültig erste Bote von Pop für das nächste Jahrtausend. Nookies Versuch, dem Ganzen etwas mehr Drive zu geben, schlägt irgendwie fehl, aber 4 Hero schaffen es doch tatsächlich, daraus eine Jazzoper (Weiß selber, wie beschissen das klingt, brauche jetzt keinen Psychiater, weiß Gott wie blöd, aber so ist es) zu machen. An Understatement und Komplexizität kaum zu Überbieten. Und selbst die Trompeten können tun und lassen, was sie wollen. Freeformswing auf allerhöchster Ebene. Da gibt es nichts. (4HeroRoniSizeOriginal
*** ***Nookie****) Bleed
Vexed Generation (Vexed)
Versucht sich doch mal wieder jemand an diesem James Bond Thema. Seltsam rollin, das Ganze und wenn nicht wenigstens etwas zu dick aufgetragen wird, ist es ja auch kein James Bond Thema und auch keine MC Five Vocal, oder? Alles drin und sehr breiig befreiend gemacht, hätte dieser Track zu anderen Zeiten gut und gerne eine Hymne werden können, jetzt wird er es wegen seines etwas einfachen Musters schwer haben, das dann wieder durch den dezent an den Rändern hinabfallenden Irrsinn wiedergut zu machen. Trash wird auch immer feiner. Demnächst knieen wir noch nieder vor den Mülltonnen und lecken ihre bewarzten Füße. Der Skeleton Mix ist aufgrund seines prähistorischen Raps völlig daneben, der Shy FX Mix, na ja, benutzt das Orginal genaugenommen als Vorwand, ein bißchen weiterzukommen. Ganz in Ordnung, aber irgendwie konzeptionslos, zwischen verschiedenen Sounds hin- und hergerissen. (A*** **B1*B2***) Bleed
The Boys Dem From Booby Trap inc. DJ Spooks (Booby Trap)
Hello, diesmal nicht ganz so frech geklaut, und schon klingt der Track viel frischer. Dezenter Goafunk im Hintergrund, eine Stimme direkt vom No1 Piratensender und Disharmonien, die man so eigentlich nicht stehen lassen sollte. Alles so frech und feist nebeneinander aufgetürmt, daß man denen kaum glauben wird, wenn sie einem sagen, sie hätten noch nie Drogen genommen. Hier wird so frech auf intelligent gefaket und dann auch noch so unverwüstlich mit den Beats drauflosgehämmert, daß man sich fragt, was für eine Art von Humor die eigentlich haben. Bastarde, aber völlig überzeugend. Abgehobener Workout auf der Dub Seite. (*** **) Bleed
Life (Dark Science)
Letzte nacht, so behauptet dieser Typ, habe er das erste mal Liebe gemacht. Nächste Nacht setzt er sich dann an den Computer, um was weniger wichtiges zu tun. So genau kommt diese Platte rüber. Aussage ganz fett und die Beats klapprig. Tat weh, kann man hören, und daß die Atmosphäre ein wenig glitschig war. Naja, irgendwie blöd dieser Track. Wenn man das Sample mal pur hört, weiß man eigenlicht nicht warum, aber das war vom Sound her fast interessanter als der ganze Track. `Move Your Body' übertreibt zwar den Recyclewert des Samples, ist aber dafür insgesamt plätschriger und nervt wenigstens nicht. Dennoch, eine sehr flache Platte ohne selbst das Minimum einer Vision oder eines Verlangens. Coca Cola, zu heiß geworden? (**) Bleed
Chronicles in Dub (Tone Def)
Sehr geschmackvoll nur eine Seite bespielt, die andere etched to impress. Das Logo von Tone Def ist es aber auch wert. Der Track auf der Seite ist mal was ganz anderes. Heißt nicht umsonst Chronicles in Dub. Nahezu statisch, mit immer neuen Tricks und Ausbuchtungen in der Zeit, etwas düster und ohne den kleinsten Synthsound. Doppelte Bassline, Vocals, die durch die Straßen flattern wie ein einarmiger Nachtfalter auf der Suche nach dem großen Coup und zwischendrin ein dezentes Blockflötensolo irgendwo weit hinten im Mix. Kickt nicht, aber schmooved ganz und gar. Seltsame Off The Road Platte, die zwischen bedrohlich und einsam wuchert. (*** **) Bleed
Dope - Burning/Travelling (Rugged Vinyl)
Bei Rugged Vinyl blickt, glaube ich, jetzt niemand mehr durch, die wievielte version von Travelling da gemacht wird. `Burning' jedenfalls beginnt intensiv eiernd, und erhebt sich dann wie ein schlafendes Monster in solch bezaubernder Schläfrigkeit,daß einem der Atem stockt. Soll nach dem ersten Tag der Schöpfung klingen, ich weiß das, klingt allerdings so wie ein paar Sekunden zu spät gekommen. Nett. Glimmt eher als daß es brennt. Eine Flechte, die die Erde umspannt hat und deshalb in aller Ruhe agieren kann. `Travelling' perfektioniert diesen Sound noch, der mit einer Überlastung an Samples immer noch so transparent klingt wie die Windschutzscheibe einer Concorde. Reine Illussion. Reines Detail. (*** ***) Bleed
Project X (Summit Records)
Endlich mal eine Platte, die den 91ger Manchestersound wieder aufleben läßt, aber das ist natürlich nicht der Grund, warum sie hier steht. Das Ganze ist als ein Projekt gedacht, das versucht, auf die Zusammenhänge von Drogen, Gewalt und Armut aufmerksam zu machen und das in verschiedensten Mixen. Das Radio Edit, typisch Anfang des Jahrzehnts, der Justin Robertson Lionrock Mix mehr so detroity mit einem Hauch Strictly Einfluß, der Pure Silver Mix leicht kitschig, triphoppy und dann der Guy Called Gerald Mix, der alles auf den Punkt bringt. Mit untypischem Raggavocal und einer tiefen Trauer über der ganzen Stadt. (*** *3/4) Bleed
DJ Harmony (Moving Shadow)
`Let Me In' ist Jazz, ohne wirkliche Jazzversatzstücke zu übernehmen. Nur die Stimmung. Dezent bittendes Vocal, Türme von Breaks, die zusammenbrechen, vernichtend schnell wieder da sind und den Track zu einem der Energischsten machen, die es diesem Monat gab. Typischer Moving Shadow Sound, bei dem alles Intensität ist, alles Exstase und alles Innovation. Die leichteren Parts erinnern ein wenig an die letzte Omni Trio, haben aber dieses übersteigerte Wirklichkeitsgefühl des Vollen, das bei Omni Trio oft in Reduktion aufgeht. Funky Bassline. `So Real' ist leichter, endloses Grooven um den Punkt, der jede Bewegung zu einem Flug macht. Göttlicher als Präzision, wahrer als wahr, leichter als Asche. (*** ***) Bleed
Blame (Moving Shadow)
Vier Tracks und alle kommen an die legendären Tracks auf Blame & Justice Two On One heran. Blame ist einfach einer der Meister der irrsinnigen Wirbel und Drumstrukturen, die nichts mehr an Wiederholung besitzen, sondern reine Verschiedenheit sind. Daß sich daraus überhaupt noch soetwas wie ein Groove entwickelt, ist schon seltsam, wenn er aber so massiv ist wie auf diesen vier Tracks, dann ist es ein Wunder. Alle Tracks sind einfach unschlagbar. Mehr kann man da nicht sagen. Vier Tracks, die man das ganze Jahr über spielen können wird und wahrscheinlich immer, weil sie nie an Intensität verlieren können. (*** ***,*** ***,*** ***,*** ***) Bleed
4 Hero - Universal Love Rx (Selector)
Der Metalheadsmix beginnt doch tatsächlich mit einer klasssischen 808 und schwebt dann einfach davon. Die Beats werden schon kaum noch durch irgendetwas aufgehalten, sie fliegen mit den Vocals um die Wette. Danach kann man ja nur noch lieben wollen, alles und jeden. Völlige Auflösung verlangen und sich nach nichts mehr sehnen müssen, weil alles erfüllt ist. Soulvocals, ph, längst einen Schritt oder auch tausend weiter. Der Gesang ist einfach richtig. Die Nachahmer werden nichts mehr zu sagen haben. Ist verlockend zu sehen, daß Jungle auch den ganzen Girls, die immer schon singen wollten, aber keine Lust hatten, sich aufs repressive Discogewerbe einzulassen, jetzt in aller Frische und Neu singen können, ohne sich einen Style aufgepfropft zu haben. Der 4 Hero Mix ist zwar genauso jazzy wie der auf Goldies FFRR Mixen, aber irgendwie nicht so gut und überwältigend perfekt gemacht, so daß der Track etwas unter sich selbst zu leiden beginnt. Der L Double Mix überzeugt vor allem durch seine stehenden Samples, die übereinandergelagert immer psychedelischer wirken und zwar nicht mehr so viel mit dem Track im allgemeinen zu tun haben ,aber sehr spannend zu hören sind. Nookie, bekannt dafür, mehr zu klotzen als zu kleckern, räumt auf mit den Kleinigkeiten und macht einen cleanen Track draus, wodurch er ein bißchen an Reiz verliert, glücklicherweise aber als Track zu stark ist, um daran unterzugehen.
(A1*** ***A2B1*** **B2****) Bleed
DJ Vibes & Hellrazor - Future Beats 2 (Breakthrough)
Sehr schön und schnittig. Wie ein verdammter Jaguar auf Kerosin. Man könnte enttäuscht sein, daß in beiden Tracks vielleicht etwas zu sehr auf diesen Aspekt des Stromlinienförmigen gebaut wird, in dem die Windschatten der Snares und Crashbecken fast schon zu einer der Eckpfeiler werden und darüber ein bißchen die Tiefe des Tracks vergessen wird. So wirkt `Rare Jungle'dann auch wie ein Highspeedgospeltrack trotz Raggavocals. Aber das Leben ist kurz. Die beiden Tracks werden es höchstens kürzer machen, wie vieles. Aber deshalb davon loskommen? Nie. (*** **) Bleed
Digital - Touch Me (Timeless)
Bongos an sich kann ich nicht leiden. Hier geht es in einer LTJ Bukem artigen Rollingorgie des Flüsterns und der nachgeschobenen Bassline auf, was wiederum ganz gut ist. Auch wenn die Stringsounds sich Berge hochsliden und verzogene Bleeps wie ein Snowboard ohne Besatzung über die Hänge rasen, hörbar imaginären Grundgesetzen Platz machen und plötzlich wieder in der richtigen Dimension als das große Weiß auftauchen. Beide Seiten schön. (*** **1/2) Bleed
Watton G - She`s so/Harp Love (Future Beyond Dance)
`She`s So' ist ein Lullaby. Unspezifisch warm, glückseelig, und man sieht die Sterne mit einer neuen Sicherheit glühen wie das Stück Kohle im Herzen. Von Neil Trix mitproduziert. Steppt mittendrin kunstvollst blumelig auf dem Kopfkissen und ist nicht davon zu überzeugen, daß das Leben einfach auch eine Möglichkeit hätte, Böses zu wollen. Endlos Optimistisch und verspielt. Harp Loop, das von W.G. allein produziert ist, steht dem in nichts nach, ist aber schräger. Wie der Name schon sagt, geht's hier um die Möglichkeiten, einem Harfenloop (schönes, sehr schönes) ein Kinderzimmer zu basteln, in dem es einfach genau den Lebensraum bekommt, der zu ihm passt. Weich wie ein Doppelzentner Watte unter den Füßen.
(*** **-*** ***) Bleed
Ninjaman - Jungle Move (Street Tuff)
Find ich nett, diesen Ninjaman. Das gebe ich zu. Da kommt der den ganzen weiten Weg von Jamaika, um sich über diesen Inglishman lustig zu machen, der gerade Jungle so nett findet. Mode ist das, alles, das weiß der ganz genau, aber macht irgendwie Spaß, dazu zu toasten, das hält einen fit, und so. Niedlich, wie gesagt, für den hab ich was übrig. (***1/2) Bleed
Sedzy - All My Love (Flex)
Seltsame Tracks. Bekiffter Sound ist noch das harmloseste, was man da sagen kann. `All My Love' ist sehr melancholisch, vom Raggasample bis zum Reggaesample, bis zum Verhallen der Elemente und dem wie eine Beschwörung auftauchenden Sog aus Soundsystemsound. Ein Lovesong würde ich sagen. Schlicht und ergreifend. Geschlechterkampf in Form einer stillen Post gegenseitiger spiegelbildlicher Verehrung. `Go Inna It' pustet sich am Anfang erst mal das Leben aus, findet auf dem Grund der Verzweiflung die Energie, die sich auftürmt, rebelliert, und smasht dann etwas verschnupft los, als wollte es auf Tearing Vinyl landen. Pathetisch. Das Ende eines Sounds nicht aus den Augen verlieren. Gute Geste. (*** **) Bleed
Rhythm For Reasons Rx (Formation)
`Love Statement' kann man ja gar nicht mehr verbessern, und das hat DJ SS auch gar nicht vor. Es geht vielmehr darum, eine Art zeitübergreifendes Statement draus zu machen, in dem mehrere Generationen Extase Platz haben und zur Entfaltung kommen. Dafür hat DJ SS den Irrsinn des Orginals rausgenommen, Bleeps reduziert, Vocals freigesetzt und grundlegende Beats geschaffen. Das läßt Raum, den man erst mal füllen muß, und der sich bei diesem Mix erst auf die Dauer zu dem steigern kann, was man erwartet. Im entscheidenden Moment dann allerdings etwas zu kurz kommt, gut, dezent, bescheiden. `Smokers Rythm' allerdings, das im Orginal etwas träge war, wird hier so dermaßen irrsinnig aufgeblasen und verdreht, daß es einfach genial ist. In die Beats kommt immer wieder ein alles veränderndes Blubbern, die übliche Kifferatmosphäre wird plötzlich zum Abenteuerlichsten aller Abenteuerspielplätze und Funk dürfte nach diesem Track einen vollkommen neuen Bezug bekommen. Killer.
(A*** *3/4B*** ***) Bleed
Skool Of hard Knocks Rx (Kickman)
`New Style' klingt irgendwie verdächtig nach einem alten Tom & Jerry Track. Und warum der hier mit einer dezenten Swinggitarrenuntermalung und Snares, die einem das Trommelfell aufrauhen wollen, wieder verarbeitet wird, ist fragwürdig, speziell, weil der Track sich gerne in eine Art Leerlauf hineinkatapultiert, in dem man fast schon anfängt, die Knöchel in der Hand zu zählen. `Right Bullet' war auf einer der 4 Star Doppel 10"es und klingt hier eher nach Selbstschutz. Es gibt außer dem extrem guten Timestretchvocal eigentlich kein so richtig neues Element, der den Track irgendwie besser machen würde oder ihm die Niedlichkeit des Orginals streitig machen wollte. Alles eher träge gemacht, wirklich. Schade. Gäbe es diese Timestretchmelodien nicht, wäre alles umsonst. Wer um alles in der Welt sind School Of Hard Knocks.? (***) Bleed
LTJ Bukem - Horizons (Good Looking Records)
Horizons selber wirkt fast schon Barock am Anfang. Dann allerdings pusht es sich durch eine Art Orgellinie immer weiter vor wie ein Laser, der seine Flächen durch den Nebel schneidet. Wie immer dauert es Jahre, bis die erste Bassdrum auftaucht, aber das geschieht dann einfach dezent, ohne Effekthascherei, und der Track breitet sich konstant immer weiter aus und verteilt neue und neue Flächen und Horizonte wie ein Segelflieger mit Facettenaugen. `Rain Fall' beginnt mit dem Loop von Beschwörungsgesängen in weiter Ferne und prickelt darüber hinweg die Erfüllungen. Extrem niedlich die Glöckchenparts, die sich gegenseitig Angenehmes zuzugluckern scheinen. Überhaupt ein unglaublich harmloser, so unschuldig vor sich hinagierend, als hätte die Welt erst einen Menschen gesehen. (*** **3/4) Bleed
Kollective L - Terminator (No Sell Out)
Es gibt eine Jungleist und eine Junglettes Seite. `Terminator' ist natürlich eher was für die Jungs und ist im Grunde ein ziemlich stimmungsvoller Powerfunktrack mit breiig gepresstem Raggavocalsample. Auf jeden Fall gut gemacht, mit netten Parts, in denen das Ganze mäusetrippelnd in die Ritzen schleicht und überhaupt funky eben. Und extrem Stereo. Plauschige Barmusik für jeden, der seine Instinke im Griff hat. Cool. Wie die Mädels zu diesem panthergleichen Groove kommen sollen, in den zuweilen ein paar Jingles eingefadet werden, ist ein bißchen schleierhaft. Geht wohl irgendwie um seine Königin, klingt aber so unglaublich Revuehaft und daneben, so Käsekuchenmitkandiertenkirschenmäßig, daß man schon das etwas beleidigte Gesicht der Angebeteten spöttisch durch den Nebel von dannen grooven sieht. Da wollte doch jemand zu nett sein. (A*** *3/4B****) Bleed
Vinyl Conflicts Own- Death Row (Tearing Vinyl)
Was soll man dazu noch sagen? Das erste Mal, daß Krome & Time nicht selbst Hand anlegen auf ihrem Label und die Qualität bleibt. Nicht so durchgreifend aggressiv wie die eigenen Sachen, sondern vielmehr hinterhältig und abgrundtief böse. Die Beats sind erschreckend treibend Stereo und so schnell wieder begraben, wie sie auferstehen. Über dem Ganzen hängt eine bedrohlich morphende Bassline. Es ist einfach kaum auszumachen, wo sich dieser Track abspielt, denn alles könnte sowohl im Badezimmer stattfinden wie im Vakuum der Nichtexistenz. Seltsam, aber wer maßt sich schon an, über Tod und Leben zu entscheiden? Gleichzeitig verbreitet dieser Track auch noch eine ziemliche Up Stimmung. `Times Are getting Rougher' scheint uns mal seltsamerweise Recht zu geben. Ist obendrein auch noch wirklich ruff. Dagegen sagt man nichts. Speziell die Passagen, in denen sich zielgenau eine Boeing auf die Tanzfläche schiebt, sind ein Killer. Genaugenommen fehlt diesen Tracks nur noch der letzte Millimeter an Innovation, der sie unantastbar macht. (*** ***) Bleed
Photek - Vol 4 (Photek)
Wie immer zwei sehr frickelige Tracks, die stellenweise extrem jazzy wirken, aber, anders als bei Roni Size, ihre Verwandschaft nicht in sich auflösen, sondern strukturell wiedergeben und als Zitat durchscheinen lassen. `The Water Margin' steigert sich unscheinbar immer weiter in die Tiefe seiner Drums und füllt die Zwischenräume mit unaufhaltsamer Emotion. `Fusion' ist eher gespenstisch und hohl, flattert von den Gräbern wie ein Schwarm flügge gewordener Totengräber auf das Licht des Mondes zu.
(*** ***) Bleed
DJ Kane - Game Over (Renegade Recordings)
`Game Over' ist in beiden Mixen ein Killer. Genau in der Tradition von No U Turn und der letzten `Force is Electric'. Tödlich leere Grooves, die Überreste von Ragga verschlucken wie eine sich ausbreitende Seuche. Die Beats so locker wie ein Feld Cannabis im Wind, die Samples und Drums so zerhackt wie vergessene Dreidimensionalität. Beide Mixe extrem gut, extrem dicht, und der Bonustrack ein Killer. Was soll man sagen, lazy diese bassline. Höllischer Slomosound, dem man einfach glaubt. So geht's, wenn es bald vorbei ist. Dem Tod ins Auge zu sehen hat noch nie geschadet. (*** ***) Bleed
Ninjaman & Lewi Cifer - murder Dem (Street Tuff)
Juppi, die alte Männer Garde, die schunkelt sich da einen zurecht, unglaublich. Der Fullvocal ist Ragga mit irgendwelchem Geklapper im Hintergrund und sollte als solcher behandelt werden. Partymucke für die Ziegenbärtigen unter uns. Die Miami Drum & Bass Mixe hüpfen auch um die Bassline, als wär grad mächtig was los. Soll'n sie mal, aber nicht kleinen Babes an den Hintern fassen. (***) Bleed
Frankie Paul - Bring Yu Body (Street Tuff)
Frankie Paul hat sich einen etwas neueren Anzug verpassen lassen, aber da sind Flecken drauf. Was soll man da machen? Ich würde solche Mixe einfach wieder zurückschicken. Gesangsmäßig hat er es gelinde gesagt auch nicht so drauf wie der gute Ninjaman, eher so ein Kurzatmiger, dieser Frankie. Aber jodeln wollen. Nun gut. Goldzähne sind teuer. (**1/2) Bleed
Just Jungle - gold EP (Trouble On Vinyl)
Daß die Burschen jetzt Jungle machen, war ja nicht anders zu erwarten. Double Crisp ist sogar tatsächlich ziemlich crisp geworden und läßt einem zumindest keine Ruhe, wenn auch irgendwie alles nicht mehr so frisch ist. Auch eine Kunst. Pauken und Trompeten. Auf der Rückseite dann ein mächtig grooviger Soulklassiker im Breakbeatgewand, der schon irgendwie gut kickt und swingt und so vielleicht etwas ausladende Hüften bekommt im Laufe der Zeit und ein wirklich rootsiger Smashhit. Alles in allem eine EP, die nichts neues bringt, altes zufriedenstellend wieder aufwärmt, aber es wohl außer ein paar Liebhabern kaum zu einem vernünftigen Hörer bringen wird. Zurecht. Dennoch: (****) Bleed
Big Bud - new Vision (Underdog)
`Faceless' beginnt eigentlich wie ein Tranceklassiker und für alle, die jetzt die Ohren schließen, sei gesagt daß sie sie nach ca. 30 Sekunden wieder aufmachen können und immer noch feststellen, daß der Track nach einem Tranceklassiker klingt. Irgendwie lau. Darauf haben wir natürlich nicht gewartet. Erholt man sich auch nur schwer von diesem ersten Eindruck, so muß man feststellen, daß er doch erstaunlich prägend war und das nicht nur für einen selber, sondern für den Track. Big Bud. Was er wirklich möchte, ist gesichtslos zu sein, körperlos und in Ruhe gelassen werden. Gut. Kann er haben. Lausiger Track. `New Vision' ist der gleiche Kram in Grün, und ich sehe Underdog schon ins Happy Hardcorelager wechseln. Gut produziert, deshalb: (**) Bleed
Scarface Rx (Virgin)
Fraternisieren mit Ice Cube ist ein sogenannter Cool Move. Würde ich auch machen. Ob das so tatsächlich funktioniert mit den Ice Cube Vocs auf dem relativ jazzigen Groovetrack, ist fraglich, weil die dann doch eher rausstaken wie ein Kaktus im Weizenfeld ,wenn man da zufällig langkriecht. Der Possible187 auf der einen und der freche Rollout Instrumental B/Boyz beware Remix sind's allerdings schon wert. Wenn auch vielleicht mehr als Zeitdokument. Denn wer diese Platte spielt, ist wohl eher ein Spinner. die armen Hiphoper müssen sich jetzt schon mal abgewöhnen, mit Sprühflaschen rumzuhängen. Gangster leben nicht so lange. Und vor allem nicht so lustig. Übrigens kommen die Hiphopmixe in diesem Fall eigentlich genausogut. Außer dem Radioedit und der Instrumental Version korrekte Platte zwischen Verbrüderung und Okkupation. Keine Angst vor dem weißen Mann. (*****) Bleed
Palm Skin Productions - The Beast Remix (Mo Wax)
Genaugenommen gibt es auch schlechte Roni Size Remixe, zumindest der von More Rockers, eine im übrigen extrem blöde Band, die das meines Erachtens nicht unbedingt hätte machen sollen und keinerlei Recht, besitzt irgendwie jetzt cool sein zu wollen, sondern eher mal dritte Liga ist, knapp vor den Jamaicanern, der von `The Beast'ist allerdings wiedermal eine der unglaublichen Jazzlicks, die man einfach haben muß. Und das Drumherum, der wirklich extrem gute Mix von Chameleon, wer ist das? Mehr davon. Die beiden Techno (wenn mans denn so nennen möchte, vielleicht ist es eher electronic freestylejazz) von Autechre und Evolution zeigen die beiden auch von ihrer besten Seite. Eine absolut gelungene Schallplatte in allen Klassen. (*** ***) Bleed
Doctor jay & DJ Rush Puppy (Firm Hands Records)
Tja, eine Platte von sogenannten Raggaheinies. Eigentlich nicht mal eine schlechte, wenn man das genau nimmt. Ein paar coole Tricks haben sie schon drauf, der Sound stimmt durchaus und ich kann mir vorstellen, wieviele Hoffnungen an soetwas wie eine erste Platte geknüpft werden. Das Strickmuster ist einfach: Instrumentalpart, Rewind, Raggapart, Rewind, Samplepart, Rewind, bis der Track aus ist. Samples sehr soulig, Gerede wie immer belanglos (vermutlich) und, wie gesagt, Sound recht gut, Bassline fett, ordentliches Produkt. (***) Bleed
Roni Size & DJ Krust - 11.55 (Full Circle Records)
Genau die Platte, die man von ihnen erwartet hatte. Psychedelischer Hardstepjazz. 2 Mixe von 11.55, die absolute Straßenfegerathmosphäre verbreiten. Wie man es schafft, aus so wenigen Elementen eine solche Dichte zu schaffen und mit einer Leichtigkeit Genregrenzen überwindet, die in England schon dazu geführt hat, daß Jungle sowohl in Jazzbars wie auch auf dem Ambientfloor läuft, ist schon verwunderlich. Und das ganze kickt auch noch immer wieder. Vergesst Triphop. Das hier ist die Wirklichkeit. Die glitzernde Tiefe des Lebens. Dieser Track verbreitet eine Coolness, für die man den passenden Ort erst noch erfinden müßte. (*** ***) Bleed
Subsequence/Intense (Tooz Up)
Und wieder eine absolut phantastische, diesmal gesplittete EP auf Tooz Up. Subsequence klingen noch reduzierter und ihre Beats werden immer eigenwilliger. `Everyday' phased sich so durchs Leere, die Sterne fallen vom Himmel und die Bassline pumpt einem den Magen aus. Was sie immer schon konnten, eine relaxende Athmosphäre zu schaffen, die auf erfüllende Weise erhebend ist, perfektionieren sie immer mehr. Es ist immer das gleiche mit dem Glück, es läßt sich nicht fassen. `Exstatic' von Intense ist einfach eine Hymne. Wenige Worte, fett ohne Ende und erhebend bis zuletzt. (*** ***) Bleed
Da Dogs (Prime Time)
Scheint schon die Zweite zu sein, was einen beunruhigt. Die beiden Tracks sind extrem gut. War Time Jungle. Futuristic und düster wie eine tote Straßenlaterne. `Non Stop' treibt die Zeitungsfetzen der letzten Morde durch den Rinnstein. Und in den rollenden Beats tauchen immer wieder elektronische Minisequenzen auf, die wie räudige Katzen die feuchten Pflastersteine nach Nahrung ablecken. In der Mitte ein Raggapart, der ausnahmslos gepflegt erklärt, daß in dieser Nacht Viele leiden werden. Erhebend. `Cool Operator' beginnt etwas schnarchig und mit vielen Spielereien. Ein Kinderzimmer auf dem Weg in die Schlachterei. Was diese Kids suchen, ist die Ewigkeit: `We're gonna be here forever - do you understand?'. Paragliding ist dagegen ein Scheiß. KTP ein zerbrochener Buntstift. Wer nach Illusion/Vision sucht, der sollte sich an Prime Time halten. Silversurfers' Lieblingssoundtrack. Extrem vielseitig. (*** ***) Bleed
Asend & Ultravibe - Just A Little/R`eal Love (Back to Basics)
Meiner Meinung nach vermasseln sich die beiden Wahnsinnigen hier den genialen Hardsteptrack `Just a Little', mit einer der besten Basslines seit langem, denn das haben sie einfach immer wieder, durch die wirklichen Schuhausziehkäsesockensoulvocals. Gräßlichste getremoloete ähhähähäs. Pfui. Sehr schade um den ansonsten wirklich netten Track. `Real Love' kommt trotz Piano am Anfang und dem Maschinengewehrgeknatter eigentlich ganz gut in die Gänge und wenn es auch mal nicht gerade wirklich neues bringt, so ist alles wenigstens klar und erfreulich um die Bassline, schon wieder, zentriert. Der Track wirkt ein bißchen so, als wollten sie mit ihren Muskeln protzen. Das Vocal auch hier Mist. Aber wenigstens erträglich konzentriert. (****) Bleed
Black 1 (Black)
Und hier auch. Wer will dieses `Give It to me Baby' Sample noch mal hören? Wozu, beim ersten Mal war's schon wirklich nervig, aber immer wieder ist es einfach elend. Black ist ein Sublabel von Formation, und so hört es sich auch an. Auf der A-Seite die typischen Beats, die einfach hämmern, grollende Bässe, die angedeuteten Vocals und die etwas kratzbürstige Produktion. Nur scheint alles vielleicht ein wenig weniger ambitioniert zu sein und damit bekommt das Label gleich dieses Resteverwerterimage. Mögen die Reste von DJ SS, oder wer immer hier am Werk war, vielleicht auch noch genügen, andere Labels dürften sich das bestimmt nicht erlauben und hoffentlich macht das nicht Schule. Die Rückseite läßt einen das allerdings sofort wieder vergessen. Und wenn die das Kratzen endlich mal aus dem Studio schmeißen würden, dann wäre es bestimmt einer der hymnischten Tracks des Monats. Nach dem Intro gibt es eine Art Raggabreak, in dem die Basslines fast alles aus der Rille pressen, was noch irgendwie da sein wollte. Ein ziemlicher Weihnachtstrack.
(A***B*** **) Bleed
Sounds Of Life Rx (18Records)
Das Orginal war schon phantastisch. Und tatsächlich schafft es sogar Wishdokta, der alte Karnevalist, hier einen fast ebenbürtigen Remix zu machen. Nahezu. `Release The Bells' ist ein reiner Wishful Thinking Mix. Man sollte vielleicht überhaupt mal nachschauen, inwiefern Virtual Reality in der Form, in der sie als Jungle nun mal auftritt, nicht vielleicht einfach genau das ist. Selbsterfüllung. Mit all ihren Mängeln. Manchmal nagt sich der Remix ein bißchen zu sehr an den Patterns fest, und die Glocken werden vielleicht etwas unauffällig integriert. Ist aber ein schwieriges Thema, und floaten kann dieser Track allemal. Der `Currents' Mix ist klarer und unglaublich feinfühlig. Man wünscht sich fast, daß es nie losgehen möchte. Roll The Beats. Noch eine Stufe weiter. Als wäre die Erde nur dafür geschaffen worden, um mit Triolen um sich zu werfen. Voll der Landliebe Track. (A****3/4B*** ***) Bleed
DJ Nut Nut - The Dream (Rough Tone Recordings)
Die A-Seite ist ein bißken Gungelig geworden, oder? Natürlich macht es Spaß, dubbigen `all massives' hinterherzukriechen, und wenn es darum geht, einen extrem gut produzierten Raggatrack, der ruff ist, aber trotzdem kickt, zu finden, dann ist das bestimmt erste Wahl, nur nach DJ Nut Nut klingt es nicht unbedingt, eher wie eine sehr trickreiche Flex Scheibe. `Big Tings' ist vielleicht ein bißchen trocken aufgetragen. Die Rückseite ist dafür genau die Sorte Futurestyle, die man von Nut Nut hören will. Ultrabollerige Zeitlupenexplosionen, die an der Intelligenz nagen und einem die Ohren zu Lehm zerkochen wie ein gutes Mobile. Geballter Packertrack, der nichts verschenkt und genau weiß, wann man zubeißen muß. Sehr unspaßig und sehr wahr. Basslineepileptiker. Dream Dub Ghetto Thang. Tuff, sehr sehr tuff. Nahkampf direkt am Körper. (A****B*** ***) Bleed
Rebelli Jungelists (Rebelli/Gash Records)
Junglecorner. Die PC Variante. Kämpfen für Recht und Freedom. Wie der Name schon sagt. `Tora Tora Tories' weiß nich, was fürn Schlachtruf das sein soll. Maxwells Wallet heißt der Track, aber wer oder was ist Maxwell? Kennen wir überhaupt noch den amtierenden Frauenminister Deutschlands? Ist es noch wichtig, über die Zusammenhänge informiert zu sein, wenn man eh nur für die immer gleichen Strukturen kämpfen kann? Klar ist das criminal Justice Bill Shiete, aber der Sound von dieser Maxi ist es leider auch. Null Tiefe, nette Samples und auch einen vielleicht sogar übertriebenen Happen Musikalität machen eben noch keinen Widerstand, selbst wenn er sich so nennt. Nett, aber lala. Die Dubversion ist auch nicht grade ein Killa. Der Track von `White Noize' - merke, Rebellen treten immer in Rudeln auf - swinggitarrt sich so ein, grooved lässig in der korrekten Flanellhose und macht dann die wischiwaschigsten Oldskoolepianoakkorde, die ich seit langem gehört habe. Und dann wird auch noch gefolksingt, ala olala Edie Brickell. Nuff Said. Jungle-Exploitation. (***) Bleed
Rudebwoy Monty - Out In Streets (Frontline)
Der Pascal Mix bringt jede Raggaattitüde zum Zittern. Demontage der Roots. So. Stiel rausreißen, zerfleddern und von Grund auf reorganisieren. Das Geheimnis, wie sie es denn nun nennen auf der Straße, wird dadurch natürlich nicht mehr gelüftet. Aber es ist was los, was will man da lüften? Smasher. Jungelites Mix ist was anderes. Mehr so ein Schnellfeuertrack. Kickt wie eine Erdnuß. Popt wie ein Popel. Überhaupt nicht das, was man von Frontline erwarten würde. (Pascal*** **Jungl.****) Bleed
Leviticus - The Burial Rx (Philly Blunt/FFRR)
Vier nette Mixe des Jungleklassikers, von denen mich nur der Heavyweight wirklich interessieren kann, weil er das `Big Hard & Heavy' tatsächlich relativ aus dem Spiel läßt und Miss Yolanda Raum gibt, in einer Weise zu singen, die einem glatt den Glauben an die menschliche Stimme wiedergibt. Klingt wie zuhause vor sich hin geträllert. Zerbrechlich und so nett, daß man fast wegschauen möchte. Wenn dann der fette Sack auftaucht, kann das nur noch nach Vergewaltigung klingen. Sehr feministischer Track. Sehr tief. Könnte A.Schwarzer mit ihrem Dummblatt noch was von lernen. (*** ***der eine Mix, Rest eher so wie immer.) Bleed
Bantan Dangerous - Roll IT (Dangerous)
Hach, die Industrie. Langweilig wird sie nie. Fleißige Bienchen allerorten, speziell wo's warm ist, hecken mit dem Taschenmesser zwischen den Zähnen einen Reißbretthype aus, der immer wieder amüsiert. Das hier ist so'n Raggagequatsche ohne Ende auf vielen Mixen der A-Seite, wesentlich witziger auf der B-Seite, mit mehr Groove und lustigen Soundeffekts wie zum Beispiel Pistolenschüsse, die ja bekanntlich immer lustig sind. `No Guns Extended' ist schon niedlich. Hey, böser Mann, laß uns das Junglebein schwingen von Palme zu Affenbrotbaum, eine Nation unter einem Baum pinkeln. Aufpassen, dieser Mann hat die Wut einer ganzen Generation im Urin. (**) Bleed
Dread The Bold Head (Slam)
Die Jungleköpfe machen jetzt Drum & Bass und Hardstep Mixe, so so. Mal sehn. `Ganja Plant' heißt das Stück, und unser heimischer Glatzkopf hat gut gießen. Erst mal; die Samples bis hin zum Rasenmäher sind cool. Knistern kool. Die Drums 'n bißchen geklaut, aber mit viel Gefühl für den großen Effekt zusammengedrumandbassed. Muß man sagen. Und dann diese Dopplung mit der Slideguitarre, clever. Nein wirklich, schön gemacht. Und wie bekifft das wuchert und wuchert. Drogensüchtige wissen schon, warum sie die Augen zudrücken. Hard Step scheint sich doch eher auf einen Riddim zu beziehen. Schöne Bassline und alles. Nichts auszusetzten, Hobbybotaniker sind einfach gute Menschen. So, jetzt zur Großmäuligen Rückseite. `I the Conquerer' tönt der Titel auf der Yard Man Seite, als wäre das Leben ein Bilderbuch aus den Fünfzigern. Aber zimlich hardsteppy, das Ganze. Viele Moving Shadowplatten gekauft, die Jungs und brilliant umgesetzt. Der beste Track bis jetzt auf allen Jungle keeping etc. Platten. Sehr brilliante Hintergrundechos, und wie sich zwischenzeitlich die Bassdrum räkelt, als hätte sie zur Machtdemonstration nichts nötig, als die Mähne zu heben. Supa. (Rootsside*** **,
Yardside*** ***) Bleed
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