spira records

< Stefan Brügesch                                            Jungle in Deutschland >

FP:
Wer betreibt Spira Records?
Mark Cheney:
Spira wird von meinem Partner Michael Sershall und mir seit nunmehr einem halben Jahr betrieben.

FP:
Wo lebt ihr in London?
MC:
Unsere Basis ist in Clapham in Südlondon.

FP:
Was habt ihr für einen musikalischen Background? Oder seid ihr plötzlich wie aus dem Nichts aufgetaucht?
MC:
Wir haben tatsächlich die letzten drei Jahre damit verbracht, uns ein Studio aufzubauen, um einen Sound entwickeln zu können, mit dem wir selbst glücklich sind. Dieser Sound tauchte das erste Mal mit der Spira 001 auf und deshalb kann man sagen, daß unsere Geschichte auch zu diesem Zeitpunkt begann.

FP:
Wer hat euch bei euren Produktionen eigentlich besonders beeinflußt und inspiriert? Mir scheint, daß vor allem Jeff Mills wie ein geistiger Vater über allen euren Releases schwebt...
MC:
Es gibt wohl wirklich gar keinen Zweifel daran, daß Jeff Mills unseren Stil beeinflußt hat. Es ist dieser minimalistische, kompromißlose Sound, der uns immer begeistert hat, und uns erscheint es tatsächlich so, daß er einen Scheißdreck darauf gibt, nach welchen "Regeln" normalerweise produziert wird. Dadurch kann ein Track rough und raw klingen und dennoch mehr Gefühl entfalten, als eine überproduzierte Arbeit.

Mit dieser Attitüde machen auch wir unsere Musik. Es gibt aber sicherlich noch weitere Produzenten, die uns beeinflussen. Gar nicht mal so durch ihre Musik, sondern durch ihre Attitüde. Die Aufopferung und das Engagement von Dave Angel hat uns immer sehr beeindruckt, genauso wie das ganze Underground Resistance-Konzept. Außerdem sehe ich bei uns durchaus Einflüsse von Musik außerhalb des reinen Technofelds: Die Energie von einigen Hardcore/Trash-Acts ist schon beflügelnd. Alles was unkonventionell ist, kann uns, glaube ich, auch beeinflussen, egal, woher es kommt.


FP:
Ihr habt keine Projektnamen auf euren Releases...
MC:
Stimmt. Bisher hat Spira auch nur Kollektionen von Tracks als E.P.s veröffentlicht, die nicht notwendigerweise miteinander verbunden waren. Falls wir aber ein Set von Stücken unter einem spezifischen Konzept produzieren sollten und fühlen, daß es einen Titel braucht, dann werden wir ihm eben einen geben. Momentan reicht Spira als Identität und wir wollen dem Hörer nur dieses Minimum an notwendiger Information geben.

FP:
Ihr produziert alle Releases selbst?
MC:
Bisher sind alle Produktionen und Aufnahmen bei uns im Haus passiert. Sollten wir aber auf Produzenten stoßen, die ähnliche Vorstellungen haben, dann würden wir durchaus auch die Arbeiten von anderen auf Spira veröffentlichen.

FP:
Was denkt ihr, unterscheidet sich Spira vom Rest der Welt?
MC:
Wir hoffen natürlich, daß unser Label vor allem durch seinen Sound einmalig ist, zumal es im Königreich noch einige weitere Labels gibt, die Material in diesem Tempo und ähnlicher Wildheit veröffentlichen.

FP:
Was habt ihr für Reaktionen auf eure ersten Releases bekommen?
MC:
So weit waren die Reaktionen von den Leuten, die mit uns verkehren, nur positiv. Es scheint, als wollten sie unterstützen, was wir versuchen zu tun. Wir sind vielleicht ein bißchen zu hart für manche Geschmäcker, aber unsere Musik verlangt nunmal mehr vom "Hörer" als ein Garage-Pop-Track.


FP:
Wie wird sich Techno weiterentwickeln?
MC:
Das können wir schlecht kommentieren, denn wir können die Techno-Szene von unserem Studio aus nicht betrachten. Wir entwickeln unseren Stil weiter und es hat den Anschein, daß dieser Stil langsam von mehr Leuten akzeptiert wird. Trotzdem ist die Veröffentlichung von unkonventioneller Musik in diesem Land ein bergauf geführter Kampf. Der Markt für derartige Musik ist immer noch klein.

FP:
Welchen kulturellen und politischen Background seht ihr für Techno in England?
MC:
Die Technokultur in England ist bei weitem nicht so groß, wie in Kontinentaleuropa. Es gibt über das ganze Land verteilt viele kleine Nester von Leuten, die in dieser Musik drin sind, aber es gibt leider nicht das landesweite Gerippe, wie beispielsweise für Jungle.

FP:
Ist Jungle nach wie vor die Musik der Straßen?
MC:
Wir haben kein Verhältnis zu Jungle. Jungle ist zwar definitiv die Musik, die auf den Straßen läuft, in denen wir leben, aber es nicht mehr der Underground in diesem Lande.

FP:
Wie siehts in London mit der Technoszene aus?
MC:
Ich wünschte, ich könnte was anderes sagen, aber die Technoszene in London scheint leblos. Wichtige Labels wie Peacefrog und Rotation haben versucht, hier wöchentliche Clubs zu etablieren, aber es gibt dafür nicht genug Unterstützung. Seit es die monatlichen Lost-Parties in Brixton nicht mehr gibt, existiert hier eine Leere, die längst gefüllt werden sollte. So weit wir wissen, ist "Eurobeat 2000" der einzige, regelmäßige Club, der überlebt hat und in dem harte Musik läuft. Aber ich möchte hier jetzt nicht den Eindruck erwecken, als wäre alles Untergang und Dunkelheit.


FP:
Arbeitet ihr mit anderen Labels zusammen?
MC:
Nö.

FP:
Ich hab euch auf einer Kickin'-Compilation gesehen...
MC:
Ja, sie haben einen Track von uns lizensiert. Allerdings scheint dieses Album sonst "zugänglichere" Produzententypen zu supporten. Ein Kompromiß für uns, denn der Markt für unsere Art kann sich nur vergrößern, wenn die Leute die Musik kennenlernen können, wie durch diese Compilation...

FP:
Welche Labels mögt ihr?
MC:
Der Sound, das Image und die Identität von Labels wie Axis und Underground Resistance ist sehr inspirierend, weil es definitiv vorwärtsdenkende Label sind. Gelegentlich haben auch Peacefrog und Force Inc. sehr gute Releases.

FP:
Arbeitet ihr als DJs?
MC:
Gegenwärtig legen wir nicht auf, aber wir planen das gerade in Angriff zu nehmen. Jeder, der Spira 001 bis 003 gehört hat, kann sich schon mal vorstellen, was ihn erwartet.

FP:
Sind Live-Auftritte ein Thema?
MC:
Nö, wir haben nicht den Eindruck, daß die Live-Szene für uns irgendeine Relevanz hat.

FP:
Was macht ihr, wenn keiner mehr Vinyl preßt?
MC:
Dazu kann ich nur sagen: Was wichtig ist, ist die Musik, nicht das Format. Mir scheint, daß Vinyl nur im Club weiterexistieren wird, aber der "Tod des Vinyl" wird ein langer Weg ...

FP:
Zukunftspläne?
MC:
Wir planen weiterhin kompromißlose Musik durch Spira zu veröffentlichen. Unsere Attitüde zu Produzieren und zu Präsentieren ist weiterhin "Hardcore" und unsere Identität bleibt rein. Unseren Sound werden wir nicht verwässern. Wir hoffen unseren Veröffentlichungsplan enger stecken zu können und hoffentlich auch die Arbeiten anderer Künstler releasen zu dürfen.
< Stefan Brügesch                                            Jungle in Deutschland >

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