muzak

< Dan Curtin                                                      Stefan Brügesch >

Die Existenz des norditalienischen Labels Muzak muß einem Blackout der internationalen Vernetzung der Techno-Szene zum Opfer gefallen sein. Entschwunden war dieses Label von der Landkarte wie durch ein Loch in der Festplatte, und selbst die, die es kannten, hüteten es wie ein Geheimnis oder waren sich nicht bewußt, was sie dort seit langem mit einem Selbstverständnis ohne gleichen in ihre Plattenkoffer gepackt hatten:

Ein Label mit All-Stars, die keiner kennt

Wir befinden uns in Wien und nur durch einen Tip ging ich zielbewußt auf den Laden zu, in dem Muzak Platten stehen sollten. Man hatte mir gesagt, daß dieses Label mehrere Platten in nüchternem Chicago-Italo-Stil rausgebracht hatte. Mit der zitternden Psyche eines Alkoholikers ließ ich mir von dem Geschäftsführer eine nach der anderen Platte vorspielen, die allesamt ihren Platz in der internationalen Technogalerie hätten einnehmen sollen, neben Plastikman, neben Daniel Bell. Wenig Kitsch, dafür schnörkellos und kraftvoll, oft mit einem Sinn für wirkungsvolle Dancefloorästhetik, aber auch ambienter Musik.

Warum hatte sich zuvor keiner für dieses Label interessiert und warum wurde es von anderen geradezu totgeschwiegen? Konkurrenz auf einem mehr als kleinen Markt?

Merkwürdig auch der Umstand, daß die Lage des Labels mit Udine äußerst günstig ist, wollte man nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten entscheiden. Udine liegt an der Adriaküste in der Nähe von Triest unweit der österreichischen Grenze. Beste Bedingungen sollte man meinen… Im Verlauf meiner Recherchen stieß ich auf Leute, die mir von DJ Gemolotto erzählten, der zahlreiche Platten auf Muzak veröffentlicht und selber mehrere eigene Label hatte (kennst du Night Communication, Omniverse, Riviera Trax?), als denjenigem, der halbtaub auf einem Ohr, mit Monitor-Boxen DJed, die lauter sein sollen, als manche Club-PAs. Gemolotto gehört mit Mr. Marvin zu den drei bekanntesten DJs in Italien, der auf Radio Network seine eigene Radiomegamix-Session abhält. Hinter Muzak schien ein unerwartet großes Potential an italienischer Techno-Tradition zu hängen, und so war es für mich nur selbstverständlich, daß ich mir von Max Farutti, dem Sprecher des Labels, Antworten auf meine Fragen erhoffte.

< Dan Curtin                                                      Stefan Brügesch >

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