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Ralf Hildenbeutel ist einer der einflußreichsten Produzenten Deutschlands. Mit-Erfinder des inzwischen omni-präsenten Eye Q Hardtrance-Stils, Produzent und Writing-Partner von Sven Väth, Solo-Artist bei Recycle Or Die, sowie Gründer und Produzent von Earth Nation. Seit vier Jahren ist er Haus-Produzent bei Eye Q Records in Frankfurt. Dominic Woosey führte das Gespräch mit Ralf in seinem Offenbacher Studio.

Okay Ralle, wie hast du angefangen zu produziern?
Ich habe zuerst in Schülerbands gespielt und dann zu Hause die ersten Aufnahmen gemacht, mit einem Keyboard und Tapedeck zu Tapedeck usw.Ich baute mir ein kleines Home-Studio auf und machte viele Vor-Produktionen, mit Gesang, viel mehr Pop als jetzt. Ich habe anschließend viele Studio-Session-Jobs bekommen, die ersten Aufträge,und dann vor vier Jahren bin ich mit Matthias (Hoffman) und Sven zusammengekommen und habe bei Eye Q angefangen.

Wie habt ihr das Studio hier konzipiert?
Als Eye Q noch ganz klein war, hatten wir das Studio zuerst unten im Haus. Als wir dann auf die dritte Etage gezogen sind, haben wir das Studio mit hoch genommen und gleichzeitig noch ein zweites eingerichtet. Beide waren gleich von vorneherein mit Raum-in-Raum, und Gesangs-Kabine usw. so daß wir später nicht mehr umbauen mußten.


Du hast sehr lange Zeit mit dem Sequenzer-Programm "Cubase" der Firma Steinberg gearbeitet, bist aber jetzt auf den "Notator Logic" umgestiegen. Warum eigentlich? Was sind die Vorteile?
Wir haben lange mit "Cubase" auf Atari gearbeitet. Das ging echt gut, wollten aber letztendlich auf Mac umrüsten. "Cubase" für den Mac war damals nicht so fertig, also haben wir uns für Logic entschieden, weil es extra für Macintosh konzipiert ist. Es geht auch sehr gut. Das Programm arbeitet sehr zuverlässig, schnell und ist unglaublich tight. Es hat eigentlich nur Vorteile einem kleinen System gegenüber. Nach 1-2 Wochen war ich schon voll drin. Es ist eine gute Mischung aus "Cubase" und den alten "Notator".

Benutzt du auch die Audio-Funktionen für Digital Aufnahmen?
Ich habe 8 Audiospuren. Wenn ich Gesang oder Gitarren aufnehmen muß, benutze ich den. Es ist sehr angenehm, besonders bei längeren Stücken.

Zu Sounds. Programmierst du deine Sounds selbst, oder arbeitest du mit Presets?
Ich programmiere alles selbst, weil es für mich zu langweilig ist, Presets zu benutzen. Ich mache immer neue Sounds für eine Produktion, weil ich denke, daß ich dadurch viel individueller arbeiten kann. Es passiert selten, daß ich ein paar Tage lang nur Sounds mache. Meistens programmiere ich während einer Produktion, wenn ich eine Vorstellung davon habe, was für Sounds ich brauche.

Deine Produktionen und Sounds haben immer einen sehr "organischen" Klang, obwohl alles Elektronisch ist. Wie schaffst du dies?
Ich habe kein Geheimrezept. Ich mag einfach organische Sounds. Ich mag zwar Hi-Tech und Elektronic, aber es muß noch irgendwo organisch klingen. Plastik find ich unästhetisch.

Welches sind deine Lieblings-Synthies?
Mein Favourites ist die JD800, mit der komme ich total gut zu recht, oder die Analogen, weil die einfach gut zu bedienen sind. Die JD800 und auch die Microwave sind sehr vielfaltig, von Digital bis Analog hat man die Soundquellen da.

Deine Analog-Synthies sind relativ neu im Studio. Aber du hast immer sehr analog-klingende Sounds kreiert. Wie kommt das und wie stehst du zu der Analog/Digital-Frage?
Ich finde beides gut. Es richtet sich nach den Track. Ich achte darauf, daß die digitalen Sounds nicht zu sehr plastik klingen. Das ist einfach nicht mein Ding. Es gibt aber zum Beispiel die Wavestation von Korg, ein voll digitales Gerät, wo man richtig warme Sachen rausholen kann.

Für was benutzt du hauptsächtlich die Samplers? Samplest du auch von Sample-CD's und Platten?
Die Samplers benutze ich fast exclusiv für Drums, und ab und zu auch für Noises und atmosphärische Sachen. Für richtige Sounds benutze ich immer die Synthies. Sample-CD's habe ich früher geholt für irgendwelche Drum-sounds oder Loops. Aber das mache ich inzwischen kaum mehr. Von Platten sample ich überhaupt nicht, weil es mittlerweile etwas kritisch ist, sowas zu machen. Es war aber noch nie mein Ding, fertige Sachen von Platten zu samplen. Auf dem "Accident In Paradise"-Album war es ganz witzig. Sven hat seine portable DAT-Machine nach Goa mitgenommen und einfach alles aufgenommen. Die Qualität war echt gut, und wir haben sehr viel Samples davon benutzt. Das hat einfach was anderes, als wenn man einfach von einer Sample-CD nimmt.


Deine Produktionen sind sehr unterschiedlich. Wie unterscheidet sich deine Produktion-Technik, z.B. bei Earth Nation und einer Sven Väth-Platte?
Naturlich achte ich darauf, wenn ich ein Earth Nation-Platte mache, daß es nicht wie eine Sven Väth-Platte klingt. Das wäre Quatsch. Wenn man alleine produziert, hat man nur den eigenen Einfluß. Wenn ich zum Beispiel mit dem Sven was mache, hat er eine Grundidee oder ein -konzept schon im Kopf. Sven ist kein Keyboarder, also singt er mir was vor, oder macht Geräusche, oder beschreibt einfach, was er will. Dadurch, daß wir jetzt länger zusammenarbeiten, haben wir eine Kommunikations-Ebene gefunden, wo ich gleich weiß, was er meint. Dann gebe ich meine Idee dazu und wir bauen es so auf.

Kannst du vielleicht ein paar Tips geben für Anfänger? Equipment oder Stil-technisch?
Für Techno braucht man eigentlich nicht viel, einen Computer wie Atari mit "Cubase" zum Beispiel, irgendeinen Sampler und am besten ein Synthi, der gleich Analog und Digital anbietet, JD800 oder Microwave beispielsweise. Damit kann man schon eine Menge machen. Man sollte sich darauf konzentrieren, einen eigenen Stil zu finden. Sicher, am Anfang wird man viel kopiern. Dann heißt es aber immer weiter machen, nächsten Track und nächsten Track, bis was eigenes rauskommt. Ohne einen eigenen Stil zu entwickeln, sollte man besser in einer Bank arbeiten gehen.

A propos eigener Stil. Es gab - früher auf jeden Fall - einen gewissen Eye Q Stil, der inzwischen als blueprint für 90% alle Hardtrance-Productionen dient. Wie ist dieser Stil entstanden? Seid ihr absichtlich davon weg?
Es war uns natürlich wichtig, unseren eigenen Stil zu finden. Wir haben alle früher in Bands gespielt und sind erst später zu Techno gekommen. Das ist natürlich ein großer Einfluß. Dadurch ist dieser Eye Q-Trance-Stil entstanden. Es war die Faszination der harten Beats, aber eben mit so "Teppichen" drüber... Das war für uns irgendwie das Ding. Irgendwann aber war dieser Stil so präsent, daß wir uns haben sagen müssen: "Es ist Zeit für was Neues."


Was kommt als nächstes von dir?
Ich arbeite zur Zeit an dem neuen Earth Nation-Album. Es wird in Juni erscheinen. Im Sommer kommen dann wieder viele Live-Auftritte. Kleinere Projekte mache ich nicht mehr. Ich konzentriere mich nur auf die Earth Nation-Geschichte.

Okay, letzte Frage. Du hast auch eine Menge Remixes gemacht. Machst du gern Remixes, und wie gehst du ran bzw. wie findest du es, wenn andere Leute deine Stücke remixen?
Ich habe früher viele Remixes gemacht. Es kommt immer auf die Track 'drauf an. In letzter Zeit habe ich kaum Remixes gemacht. Ich mache es jetzt nur, wenn das Original mich interessiert oder wenn es wirklich kickt. Dann macht's auch Spaß. Das wichtigste bei Remixen ist - was heutzutage leider viele vergessen - das Lied an sich neu zu verpacken. Also, die wichtigsten Elemente, die wichtigsten Themen raussuchen und die neu interpretieren. Die ganzen Basics mache ich dann erst neu, aber wenn man das Original nicht mehr erkennen kann, ist es kein Remix, sondern ein neuer Track. Wenn ich einen Track weggebe zum Remixen und er kommt zurück und es hat überhaupt nichts mit der ursprünglichen Nummer zu tun, finde ich es immer schade, weil ich denke, da hat sich einer überhaupt keine Gedanken gemacht. Aber bei dem neuen Sven Remix-Album zum Beispiel, wo auch richtig gute Sachen dabei sind, richtig gut umgesetzt, macht es mir voll Spaß, die Platte anzuhören .

Ralle,vielen Dank für das Gespräch.
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